Keine Flitzpiepen mit Faible für Gras – Talkative

Immer wieder gerne verweise ich auf Bands aus Portland, Oregon. In den letzten Jahren hat sich Portland zum musikalischen Indie-Hotspot gemausert und dem im Nordwesten der Vereinigten Staaten über lange Jahre dominierenden Seattle den Rang abgelaufen. Sobald in Promo-Mails und Newslettern Portland als Herkunft genannt wird, ist meine Aufmerksamkeit geweckt. Und diese wurde auch im Fall von Talkative nicht enttäuscht. Die Band, die gerade durch deutschsprachige Landen tourt, hat einen Sound im Gepäck, dessen Kunterbuntheit kaum zu beschreiben ist. Mit Psych-Surf-Rock-Slacker-Noise-Punk bin ich in der Einordnung aber wohl auf der sicheren Seite. Anlässlich der Tour wurde dem bereits 2014 veröffentlichten Album Hot Fruit Barbeque ein Deluxe-Release in hiesigen Breiten spendiert. Besser spät als nie!

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Talkative zeichnen sich durch vorpreschende, sich fast überschlagende Melodien aus, die in einem herrlich verzerrten, so dumpfen wie warmen Lo-Fi-Sound gekleidet sind. Solch launiger Garage-Stil ist keinesfalls neu, aber im vorliegenden Fall ungemein erfrischend. Um diese Aussage zu unterstreichen, möchte ich ein paar Songs herausgreifen. So zum Beispiel den Opener Mongoose, wo spaciger Bombast auf die Unerschütterlichkeit und Wildheit des Garage trifft. My Light jagt mit einem Affenzahn durch die staubigen Wüsten der USA. Das ist eine der Stärken dieser Musik, dass sie nämlich immer auf Achse anmutet, so als würde die Band in einem abgetakelten Van die Highways des Landes erkunden. Und am Wegesrand die Traditionen der Hippies, Stoner und Slacker aufsammelt. Als ein der Highlight der Platte entpuppt sich Snow Jobs. Die anfangs hibbelige Nummer erlebt zur Hälfte einen Rhythmuswechsel, kräftige Drums und allerlei Sequenzer-Gefummel prägen einen mächtigen, in einer Schleife gefangenen, schlicht nicht enden wollenden Ausklang. Auch Gentrifuckation mit seinem tänzelnden, fast tribalhaften Flair zählt zu den besten Stücken des Albums. Der Hauch von Exotik ist auch bei Rainbow Collider mit seinen Karibik-Einflüssen spürbar. In beiden Liedern wird das lärmig-surfige Element, das die Scheibe trägt, pfiffig mit neuen Akzenten ergänzt. Ganz edel gerät der schunkelige Noise-Rock von Hava Nagila. Nicht zuletzt bei Konzerten stelle ich mir den Track famos vor. Wer dabei das Bier in Glas oder Flasche nicht verschüttet, dem ist wirklich nicht zu helfen! Vor Elan und Freude strotzend, schlichtweg wundervoll, nicht anders kann man den Charme von Hava Nagila zusammenfassen. Von den Tracks der Deluxe-Version vermag speziell der Synthie-Space-Jam von Chill Activity den starken Eindruck von Hot Fruit Barbeque weiter zu verdichten. Auch Who Are You? mit markantem Drum and Bass und seinem gleich Cannabis-Schwaden durch den Raum wabbelnden Gesang gerät zum Ende hin nochmals zum Volltreffer.

Talkative sind eine Band mit Wow-Effekt. Die vier Jungs Cody, Casunn, Chad, & Chad bedienen nie die üblichen, dem Genre geschuldeten Klischees. Sie sind zu griffig und Experimenten zugeneigt, um als Flitzpiepen mit Faible für Gras abgestempelt zu werden. Fast möchte man sich die Haare raufen – vor Verwunderung darüber, dass einem die Band erst jetzt über den Weg gelaufen ist. Was auch immer den Einwohnern von Portland in Müsli und Wasser gemischt wird, es zeitigt einmal mehr große, ja ganz große Wirkung. Wer einen veritablen Geheimtipp für sich entdecken möchte, sollte rasch zu Hot Fruit Barbeque greifen. Und natürlich eines der zahlreichen Konzerte der Ochsentour durch Deutschland, Österreich und der Schweiz besuchen! Man wird es nicht bereuen, darauf gebe ich mein Wort.

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Hot Fruit Barbeque ist am 01.04.2016 erschienen.

Konzerttermine:

05.04.2016 Hannover – Cafe Glocksee
07.04.2016 Bern (CH) – Playground
08.04.2016 Nyon (CH) – La Parenthese
09.04.2016 Rosenheim – Asta Kneipe
11.04.2016 Gießen – MUK
12.04.2016 Mainz – Kulturklub schon schön
13.04.2016 Leipzig – Noch besser leben
14.04.2016 Winterthur (CH) – Albani
15.04.2016 Basel (CH) Podium
16.04.2016 Offenbach – Hafen 2
18.04.2016 Innsbruck (AT) – Weekender
20.04.2016 Duisburg – Bollleke
21.04.2016 Berlin – Sage Club

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