Schlaglicht 57: The Thing With Five Eyes

Man muss kein ausgeprägter Zyniker sein, um Crowdfunding ausgesprochen skeptisch gegenüberzustehen. Denn im Grunde kann man vor allem mit 3 Arten von Projekten punkten. Da wäre zum einen das nerdige Gadget, welches finanziert werden will. Etwa ein Elektroschockeraufsatz fürs Smartphone. Dann gibt es natürlich auch noch gefühlige Anliegen, die ein mediales beachtetes menschliches Leid lindern wollen oder eine schmalzig inszenierte Selbstfindung unterstützen möchten. Nicht zu vergessen wären freilich künstlerische Unternehmung, das neue Album der Lieblingsband finanziert man doch gern! Aber natürlich hat Crowdfunding auch seine Fallstricke. Je breiter die Gefolgschaft, je aktiver die bespielten Social-Media-Kanäle, desto unkomplizierter gerät die Finanzierung. Diejenigen Musiker, die vielleicht keine Facebook-Zampanos sind, diejenigen Musikerinnen, die nicht zu den begnadeten Twitter-Queens zählen, haben es da schon schwerer. Ein Crowdfunding-Projekt muss nämlich auch erst mal verkauft bzw. erbettelt werden. All das wollte ich nochmals ausdrücklich erwähnt haben, ehe ich nun auf eine aus meiner Sicht starke musikalische Vision hinweise, die man derzeit auf Indiegogo unterstützen kann – und soll!

Wer kennt das nicht? Partnerschaften und berufliche Beziehungen ändern sich im Lauf der Zeit, sodass eine Trennung früher oder später unvermeidlich scheint. Je früher, desto amikaler oder professioneller kann diese verlaufen. Bei Bands ist das nicht anders. Das von mir sehr geschätzte The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble hat heute nach einer gewissen Zeit der Inaktivität seine endgültige Trennung bekanntgegeben. Dieser Schritt kommt nicht überraschend, die Mitglieder hatten schon seit längerer Zeit neue Ambitionen in der Mache. Jason Kohnen etwa tüftelt bereits länger an The Thing With Five Eyes, dessen Debütalbum für Anfang nächsten Jahres avisiert ist. Stilistisch erkundet Kohnen dabei das vom The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble und seinem Schwesternprojekt The Mount Fuji Doomjazz Corporation abgesteckte Terrain weiter. Wie eine 2014 erschienene EP belegt, werden abermals Jazz, Post-Rock, Electronica atmosphärisch dicht und dunkel zu einem geheimnisvollen, exotischen Soundtrack verwoben. Eben dieser Charakter eines Soundtracks schreit förmlich nach einer visuellen Umsetzung. Und hier kommt das Crowdfunding ins Spiel. Es möchte Geld für einen Videoclip aufbringen, der die musikalischen Magie mit Bildern unterstützt. In der Vergangenheit habe ich die Musik von TKDE schon mal als Fata Morgana aus tausendundkeiner Nacht bezeichnet, TMFDC für die von Jess Francos gleichnamigen Film inspirierte Platte Succubus gelobt, von einer sinistren Mär aus den Tiefen der Nacht gesprochen. Ich würde meinen Hintern darauf verwetten, dass Kohnen noch immer die besondere Fähigkeit besitzt, sowohl das Kopfkino mit Bildern zu versorgen als auch mit Zelluloidfilm großartig zu harmonieren. Wenn also eine Kampagne zur Finanzierung eines Kurzfilms Sinn macht, dann in diesem Fall. Zumal die Beschreibung des filmischen Inhalts archaischen Charme versprüht: „In an unknown time and civilisation a nomad woman experiences the magical and mystical ritual of creation. This is the synopsis to our story. It will be the first part in the series of this tale. In an unknown era on our planet, we show the female, the priestess, the life-giver performing lost rituals of mysticism and magic. Oneness with the earth, the fertility, the soul and what connects us and gives life. The occult, light / dark, eroticism and the mystic. The rest of the story remains a mystery of course… and will unfold in time to come!“

Wer nun anhand dieser Zeilen neugierig geworden ist, sollte sich umgehend in die Klänge von The Thing With Five Eyes vertiefen – und eine Beteiligung an der Finanzierung ins Auge fassen. Denn auch wenn ich eingangs Zweifel angemeldet habe, ob Crowdfunding wirklich die Probleme von Musikern löst oder selbige nicht vielleicht doch noch weiter in die Bittsteller und Selbstvermarkterrolle drängt, halte ich diese Aktion ohne Zweifel für unterstützenswert. Dass das Finanzierungsziel der Kampagne erst zu 7% Prozent erreicht wurde, sollte sich deshalb schleunigst ändern!

Links:

Offizielle Webseite

The Thing With Five Eyes auf Facebook

Indiegogo-Kampagne

SomeVapourTrails

 

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