Schlaglicht 59: Deap Vally

Wenn Feminismus ein noch lange nicht ausgestandener Kampf um Gleichberechtigung ist, stellt sich schon die Frage, wer diesen im Jahre 2016 führen muss? Etwa smarte Social-Media-Virtuosinnen mit Hang zu öffentlichkeitsheischenden Hashtags? Oder Veteraninnen der ersten Stunde, die im Alter plötzlich wunderliche Allianzen eingehen? Vielleicht sollte man den Feminismus Praktikerinnen überlassen, die darin vor allem das Lebensgefühl der Selbstbestimmtheit sehen, Feminismus nicht nur auf knallharte Ideologie reduzieren. Dafür erscheint mir das Duo Deap Vally bestens geeignet. Wenn man sich den Song Smile More anhört, stechen sofort Zeilen wie „And I am not ashamed of my mental state/ And I am not ashamed of my body weight/ And I am not ashamed of my rage/ And I am not ashamed of my age/ And I am not ashamed of my sex life/ Although I wish it were better.“ ins Auge. Smile More imponiert als Indie-Rock-Hymne mit bluesig-psychedelischen Flair und ausgeprägter Scheiß-drauf-Attitüde. Lindsey Troy und Julie Edwards verbinden Lust und Frust mit einem – na klar! – erdigen Sound, der bei weitem nicht nur bei besagtem Smile More zündet. Mit Royal Jelly haben sie Ende letzten Jahres bereits einen weiteren rau-bluesigen Kracher präsentiert. Beide Titel kündigen das für den Herbst anstehende Album Femejism an, das auch auf Albumlänge jene Energie und Intensität aufrechterhält, die die vorab veröffentlichten Songs versprühen.

Eine weitere Nummer, auf die man sich schon vorfreuen darf, ist der Ohrwurm Turn It Off, bei dem sich deftige, gitarrenschwere Passagen mit fiebrigem Pop abwechseln. Vom Gehabe her trifft bei Deap Vally Riot Grrrl auf Millenial, musikalisch wären Patti Smith oder Joan Jett als Inspirationen zu nennen, auch eine Liz Phair aus den Neunzigern kommt mir in den Sinn. Allesamt geeignete Vorbilder für dieses lebenserfahrene Duo, dessen robuster Feminismus ohne erhobenen Zeigefinger daherkommt, eher mit ausgestrecktem Mittelfinger tönt. Mein Fazit: Femejism sollte man sich diesen Herbst keinesfalls entgehen lassen! Und im Zuge der Veröffentlichung beehren uns die beiden Damen auch live.

Femejism_cover

Femejism erscheint am 16.09.2016 auf Cooking Vinyl.

Konzerttermine:

28.09.2016 Berlin – Rosi’s
29.09.2016 München – Milla
01.10.2016 Zürich (CH) – Mascotte
03.10.2016 Wiesbaden – Schlachthof (Kesselhaus)

Links:

Offizielle Webseite

Deap Vally auf Facebook

SomeVapourTrails

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