Schlaglicht 60: King Creosote

Lebenshilfegurus schwadronieren gern, dass man nur an sich glauben und Beharrlichkeit an den Tag legen müsse, um früher oder später auf die Erfolgsspur zu gelangen. Bockmist, natürlich. Denn das, was Kenny Anderson widerfahren ist, fällt doch eher in die Kategorie Wunder. Seit der zweiten Hälfte der Neunziger hatte Kenny Anderson unter dem Namen King Creosote Musik gemacht, Alben im eigenen Label Fence herausgebracht. Und selbst als einigen Jahre später das renommierte Indie-Label Domino Records King Creosote ins Portfolio aufnahm, lief der Schotte nicht wirklich Gefahr, vom finanziellen Erfolg seines Tuns erschlagen zu werden. Die ersten Früchte seiner Anstrengungen konnte er mit Diamond Mine, einem zusammen mit Jon Hopkins aufgenommenen Album, ernten. Dieses war denn auch 2011 für den Mercury Prize nominiert. Als Mittvierziger gelang es Anderson auch erst, in die Gefilde renommierter Jahresbestenlisten vorzudringen. Kein übliches Schicksal. Beharrlichkeit und Talent waren halt noch nie Garanten für Erfolg. Dieser ist vor allem Resultat glücklicher Fügungen. Mit der Nominierung für den Mercury Prize befand sich King Creosote jedenfalls in illustrer Gesellschaft mit Adele, Elbow oder James Blake. Und solch eine Ehre öffnet Türen, von denen man meist gar nicht weiß, dass sie existieren. Vielleicht war es auch diesem Umstand zu verdanken, dass Kenny Anderson das Angebot gemacht wurde, 2014 den Soundtrack zu einer Dokumentation über Schottland anlässlich der dort in diesem Jahr ausgetragenen Commonwealth Games beizusteuern. Die famose Platte From Scotland With Love schaffte es sogar auf Platz 21 der britischen Albumcharts.

Für einen Indie-Musiker, der seine Lieder lange auf selbstgebrannten CDs veröffentlicht hat, hätte die Entwicklung kaum positiver ausfallen können. Und sie hat King Creosote definitiv nicht gehemmt, wie You Just Want unterstreicht. Dieses laut Plattenfirma „seven-minute piece of hymnal drone-pop“ bildet den Aufgalopp für das Anfang September angekündigte neue Album Astronaut Meets Appleman. Der Song besitzt soghaften Charakter, entwickelt sich zu Folk-Rock mit psychedelischer Wirkung und voll orchestraler Kraft. You Just Want ist von unbehaglicher Schönheit und geradezu peinvollen Abgründen gekennzeichnet. Mit dieser Nummer wird die Erwartungshaltung an die neue Platte in höchste Höhen geschraubt. Und vermutlich hätte sich Herr Anderson vor Jahren noch kaum etwas sehnlicher wünschen können als viele Musikfans, die seinem Tun entgegenfiebern! Die Beharrlichkeit mehrerer dutzend Alben sowie eine stete künstlerische Weiterentwicklung haben letzlich zu einer Indie-Karriere geführt, wie sie Mittvierzigern üblicherweise nicht in den Schoß fällt. Und was macht King Creosote? Wie You Just Want belegt, macht er das Beste draus!

astronautmeetsappleman

Astronaut Meets Appleman erscheint am 02.09.2016 auf Domino Records.

Links:

Offizielle Webseite

King Creosote auf Facebook

SomeVapourTrails

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