Alles neu, alles aufregend – Fir Cone Children

Bereits mehrfach habe ich den pfiffigen Noise-Pop von Fir Cone Children an dieser Stelle über den grünen Klee gelobt. Das Ein-Mann-Projekt von Alexander Leonard Donat hat als Zielgruppe Babys und Kleinstknirpse auserkoren. Diese sollen zu den flotten Tönen herumwirbeln, durch die Gegend hampeln oder zumindest vergnügt aus dem Kinderbett grinsen. Die Musik von Fir Cone Children darf als Gegenentwurf zu handelsüblichen biederen, einlullenden Kinderliedern verstanden werden. War der Titel der letztjährigen Platte Everything Is Easy noch in jeder Hinsicht wörtlich zu nehmen, gibt sich das soeben erschienene Album Firconium vom Namen her kryptischer. Und doch hat sich an der Formel gar nichts geändert. Noch immer wird die Welt durch Kinderaugen erkundet, dieses Mal stehen die ersten Erfahrung eines Babys – und somit manch kleine Dramen und ganz viel großes Staunen – im Mittelpunkt. Alles ist neu, alles scheint aufregend!

So eine Existenz als Baby kann durchaus strapaziös ausfallen. Sei es wegen der großen Schwester, die beim Opener Now Two frohlockt und nicht mit Versprechen wie „I tell you stories/ I show the world/ Hugging’s never boring/ I give you my word/ You are new/ Now we are two“ geizt. An euphorische Knuddeleien muss man sich erst gewöhnen! Und da wäre natürlich die aus allen Himmelsrichtungen herbeigeeilte Familie, die sich bei Family (First Encounter) über das Neugeborene beugt. „Who are these people?/ Give me some time to get to know them/ Strangers/ Dangers/ If I could count/ I’d say I’ve sold out my living room“ wird augenzwinkernd und verwundert festgestellt. Fir Cone Children ist vor allem dadurch liebenswert, weil es die kindliche Perspektive mindestens so unschuldig wie humorvoll nachempfindet, nie lediglich mit schierer Niedlichkeit kokettiert. „I just can’t help it/ I wake up at the silliest time/ I can’t control it/ The tears start rolling any second/ Cry, cry, cry, cry“ heißt es geradezu entschuldigend bei Cry, Cry, Cry, Cry, das auch musikalisch sämtliche Vorzüge des Projekts einfängt. Eine hippieske Melodie trifft auf starke, punkige Dynamik, krawalliges Lo-Fi auf gesanglichen Zuckerguss. Und das alles auf knackige zwei Minuten komprimiert! Als echte Hymne für Krümel entpuppt sich (We Are) Fir Cone Children. Hier werden die geschwisterlichen Bande mittels Schlachtruf beschworen. Die gemeinsam zu erkundende Welt wirkt dabei ganz und gar verheißungsvoll. Nur wenige Songs der Platte tanzen ein wenig aus der Reihe, etwa das gothichafte Post-Punk-Wiegenlied The Cow, das sich ans Stofftier schmiegt und in Schlummer versinkt, oder auch das balladeske At Night, das in tiefster Nacht um Schlaf ringt. Doch auch wenn solch Lieder einen anderen Akzent setzten, Firconium bleibt speziell wegen ungestümen Punk-Rock-Stücken wie From Afar oder seligen Power-Pop-Nummern wie My Green Bike im Gedächtnis haften. In ihnen steckt kindlicher Elan und Übermut, sie strotzen vor lärmiger Freude.

Ideen muss man haben! Und die Idee, den Nachwuchs mit poppig-quirligen, herrlich verzerrten Liedern zu unterhalten, zählt fraglos zu den lobenswerten. Fir Cone Children gelingt es, mit leichter Hand genau jene quietsch­fi­dele Anarchie einzufangen, die heutzutage leider ein wenig verloren gegangen scheint. Firconium bricht mit der dösigen Beschaulichkeit, die Kinderwägen hierzulande oft heimsucht. Vor allem aber schafft Fir Cone Children einen Perspektivwechsel. Nicht das süße, kleine Wesen wird hemmungslos angehimmelt, vielmehr wird durch dessen Augen die noch fremde Umgebung erkundet. Kurzum, wer Noise-Pop mag und sich einen Funken eigener kindlicher Unbekümmertheit erhalten hat, wird sich in diese hochsympathische Platte sofort hineinversetzen können!

firconium_cover

Firconium ist am 29.07.2016 auf Blackjack Illuminist Records erschienen.

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