Schatzkästchen 77: Peter Doherty – I Don’t Love Anyone (But You’re Not Just Anyone)

Dieser Tage prasseln erfreuliche Neuigkeiten auf den Musikfan ein. Was gegen Ende des Jahres noch an Platten veröffentlicht wird, bringt all die Magazine in die Bredouille, die bereits gefühlt Anfang Oktober mit dem Musikjahr abschließen und halbgare Bestenlisten veröffentlichen. Wenn ein gewisser Herr Peter Doherty für Dezember ein neues Soloalbum ankündigt, dann müssen sämtliche Jahresbestenliste halt erst im Januar erscheinen! Hamburg Demonstrations nennt sich die neue Platte. Und sie ist in mehrfacher Hinsicht erfreulich. Zunächst ist es toll, dass Herr Doherty alle Krisen überstanden hat. Wer hätte vor 10 Jahren denn wirklich voll Optimismus darauf wetten wollen, dass Doherty 2016 noch immer am Leben und am Musizieren sein würde? Es grenzt fast an ein Wunder. Und wenn ein Song wie I Don’t Love Anyone (But You’re Not Just Anyone) als erste Single aus den Boxen schallt, dann darf man wirklich Glücksgefühle verspüren. Dass dieser Titel, den das ewige Enfant terrible bei Konzerten bereits oft gespielt hat, nun endlich in voller Pracht erhältlich ist, war überfällig! Doherty ist ein musikalischer Exzentriker, wie es ihn in jeder Generation nur einmal gibt. Das ist kein Geheimnis. Was bei dem über Jahre kultivierten Rabaukentum freilich gern übersehen wird, sind die famosen, fast balladesken Liebeslieder, die mit zunehmenden Alter immer besser ausfallen.  Weiterlesen

Schatzkästchen 76: Hope Sandoval & The Warm Inventions – Let Me Get There (feat. Kurt Vile)

Über die verehrte Hope Sandoval brauche ich eigentlich nicht mehr viel Worte verlieren – und tue es natürlich einmal mehr. Denkt man an die prägenden Stimmen des Dream-Pop der letzten 25 Jahren, ist ihr Name zuoberst auf der Liste. Sie ist zum Inbegriff einer scheuen Ikone geworden, deren Gesang stets von melancholischer Abgeschiedenheit getragen wird. Ob im Verbund mit David Roback als Mazzy Star oder unterstützt von Colm Ó Cíosóig als Hope Sandoval & The Warm Inventions, ihre seltenen Alben zählen stets zu den Highlights eines Musikjahres. Bereits im Frühjahr wurde im Zuge des diesjährigen Record Store Days mit dem Song Isn’t It True ein erstes musikalisches Lebenszeichen veröffentlicht, verbunden mit der Ankündigung, dass noch 2016 eine Platte folgen würde. Und siehe da, im November soll nun Until The Hunter, das mittlerweile dritte Album mit The Warm Inventions, erscheinen. Wie erfreulich! Auch weil der erste Vorgeschmack darauf schließen lässt, dass Sandoval ihre Magie nicht eingebüßt hat. Let Me Get There ist ein Duett, welches sie zusammen mit Kurt Vile bestreitet. Das Stück besitzt angenehm soulige und psychedelische Akzente, die Chemie zwischen Viles warmer Stimme und einer sacht leidenschaftlichen, sich dennoch in Gedanken räkelnden Sandoval stimmt von Beginn an.  Weiterlesen