Schatzkästchen 75: Malky – Lampedusa

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Photo Credit: Max Parovsky

Musik kann die gegenwärtigen Probleme auf der Welt nicht lösen. Musik vermag uns allerdings sehr wohl ein bisschen glücklicher, optimistischer zu machen. Und dazu muss sie gar nicht mal weltflüchtig sein. Dem Duo Malky etwa ist mit Lampedusa ein sehr zärtliches Lied geglückt, das als Singer-Songwriter-Folk beginnt und sich in der Folge zu Pop mit viel Seele entwickelt. Der Sänger Daniel Stoyanov kam selbst als Kind von Bulgarien nach Deutschland, er ist somit durchaus dazu prädestiniert, sich dem Thema Migration anzunehmen. Und dies macht er sehr unaufgeregt, in schönen, hoffenden Bildern. Darüber hinaus hat sich Stoyanov viele Gedanken über die derzeit verbreitete Panik gegenüber Zuwanderung gemacht. Ist zur Erkenntnis gekommen, dass die oft beschworene gemeinsame Anstrengung wirklich keine Phrase sein kann, dass auch jene, die eigentlich gegen die Fremden sind, Integration stemmen müssen – und werden. Den die Motivation zu diesem Song erklärenden Facebook-Post sollte man sich genau durchlesen.

„Mit „Lampedusa“ wollen wir dafür eintreten, dass Angst oder das bloße alltägliche Vergessen nicht unser Mitgefühl überlagern. In diesem Sinne ist der Song gemeint. […] Ich verbringe momentan jede Woche mindestens 2 Tage auf dem Land, in einem kleinen Städtchen in Sachsen. Ich habe dort Freunde gefunden. Menschen die ich für ihre Warmherzigkeit, ihren Humor und ihr Ehrlichkeit schätzen gelernt habe. Es bringt mich manchmal um den Schlaf, wenn sie mir ihre Haltung zur Einwanderung schildern. Und es verwirrt mich. Denn ich lerne die Menschen hinter den „Wutbürgern“ kennen und plötzlich fällt es mir schwer, ihre Sorgen als plumpes, aus der Luft gegriffene Paranoia anzusehen. Sie wünschen sich eine „sichere Heimat“. Und welcher normale Mensch tut das nicht? Dass sie dabei die Tür der „Einsicht“ zu schnell oder früh zu schlagen, um sich ungestört im Recht zu fühlen, das ist bestimmt ein Fehler. Aber sollen wir es ihnen gleich tun und sie als „Rechten Rand“ von uns weisen? […] Die Integration flüchtender Menschen, das Erhalten einer offenen, liberalen Gesellschaft wird, nachdem es in allen Medien, Talkshows und Plenarsitzungen durchverhandelt wurde, am Ende als Alltagsaufgabe bei gewöhnlichen, normalen Menschen wie uns ankommen. Es wird in Millionen unscheinbarer kleiner Gesten und Handlungen von Mensch zu Mensch, Tag für Tag von statten gehen. Neben direkten solidarischen Gesten werden dann im entfernten Sinne auch diejenigen, die ihrer eigenen Aussage nach eigentlich nichts mit „Ausländern“ zu tun haben möchten, mithelfen, diese Sisyphos-Aufgabe zu bewältigen – auch ohne es bewusst gewollt zu haben.“

Malky kündigen mit Lampedusa ihr neues Album Where Is Piemont an, das Ende Oktober erscheinen wird. Bereits die Vorgängerplatte Soon (2014) hat mich mit versunkenem Soul-Pop zu überzeugen gewusst. Und angesichts der schönen Eingängigkeit von Lampedusa bekomme ich große Lust auf das neue Werk. Musik mag die Probleme der Gegenwart nicht lösen können, sie muss sich davor aber auch nicht verstecken, wie dieser Track beweist.

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Where Is Piemont erscheint am 28.10.2016 auf Columbia Records.

Konzerttermin:

30.09.2016 Dortmund – Way Back When

Links:

Offizielle Webseite

Malky auf Facebook

SomeVapourTrails

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