Schlaglicht 62: Tsar B

Electro- oder Synthie-Pop mit von Kirke oder Kassandra inspirierten Frauenstimmen ist noch lange nicht aus der Mode. Was aber nicht bedeuten soll, dass man sich als Musikerin nicht den einen oder anderen Kniff einfallen lassen sollte. Den Hirnzellen der Belgierin Tsar B ist ein toller Ansatz entsprungen, der orientalische Ethno-Klänge mit R&B verbindet. Daraus resultiert ein geheimnisumwitterter, sinnlicher Electro-Pop, der in den stärksten Momenten Exzentrik und Eingängigkeit wunderbar austariert. Escalate etwa kommt mit mal salvenhaften, mal aufreizend knalligen Beats daher, ein melodramatischer Gesang wechselt sich mit R&B-Gestöhne ab, orientalische Instrumentierung und eine jammernde Violine runden die Chose ab. Eine intensive Nummer! Und nicht die einzige, die diese Debüt-EP zu bieten hat. Fort funktioniert nach einem ähnlichen Strickmuster, wobei es ein bisschen poppiger wirkt. Auch hier ist die Fülle an Details, die mit jedem Hördurchlauf deutlicher hervortreten, erstaunlich. Tsar B gestaltet ihren Sound facettenreich und hintergründig aus, läuft daher auch nie Gefahr, als R&B-Hupfdohle oder Ethno-Pop-Tussi abgestempelt zu werden. Die werte Kollegin Eva-Maria von Plan My Escape charakterisiert die Belgierin als eine neue Scheherazade. Und wahrscheinlich bringt solch Beschreibung den Reiz der EP auf den Punkt! Justine Bourgeus entwickelt mit ihrem Projekt Tsar B eine mysteriöse Kunstfigur, wie sie der Electro-Pop in der Vergangenheit öfter hervorgebracht hat. Gegenwärtig jedoch werden leider meist gelangweilte Sirenen dargeboten. Gerade inmitten der Kirke-Kassandra-Klone macht sich diese Scheherazade ausnehmend gut!

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Die Tsar B EP ist am 26.08.2016 erschienen.

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