Denn sie ließen Hollywood Hollywood sein! – DTCV

Als klassischen French-Pop mit 60s-Garage und Post-Punk preist der Pressetext das Album Confusion Moderne des französisch-amerikanischen Duos DTCV an. Keine Sorge, DTCV ist keine Gehirnzellen strapazierende Abkürzung, sondern soll vielmehr Detective ausgesprochen werden. Über DTCV hatten wir schon vor 2 Jahren im Zuge unseres jährlichen Weihnachtsspecials geschrieben. Und wenn ich mir Confusion Moderne so anhöre, ist es wirklich höchste Zeit, die Band auch abseits weihnachtlicher Klänge auf dem Blog zu würdigen. Denn jenen so verlockend-charmanten Stilmix, den der Pressetext verspricht, hält die Platte tatsächlich ein!

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Wenn sich Mann und Frau auf einer Party treffen und einander sympathisch sind, gibt es eigentlich nur zwei denkbare Varianten. Man landet zusammen im Bett oder aber heckt eine tolle Idee aus. Auf einer Filmparty in einer Hollywood-Villa scheint erstere Möglichkeit geradezu langweilig – weil alltäglich. Aber auch gemeinsame Pläne wirken mit sinkendem Alkoholspiegel meist weitaus weniger verlockend. Die in Los Angeles lebende Französin Lola G. und James Greer haben sich an besagtem Abend von all den Stars und Sternchen nicht beeindrucken lassen und spontan DTCV aus der Traufe gehoben. Und diese Idee hatte auch bei Tageslicht noch Bestand. Soweit die sympathische Anekdote zur Gründung des Duos. Auch Confusion Moderne durchweht noch der Geist jenes Abends, man könnte es gar als Gegenentwurf zu allem Glamour und übertriebenen Gehabe verstehen. Der Sound des Werks ist vielfach lärmiger Lo-Fi, der bei aller melodischen Bestrickung oft auch aufmüpfig ausfällt. Vor allem aber bleiben die Songs im besten Sinne unaufdringlich, sowohl in ihrer versonnenen Fröhlichkeit als auch in hintergründigeren Momenten. DTCV fühlen sich dem Underground stets mehr verbunden als irgendeinem Hochglanz-Pop oder gar Coolness vorgebendem Indie-Rock. Als bereits eingangs erwähntes Alleinstellungsmerkmal überzeugt der Vortrag in französischer Sprache, der hier vielen uramerikanischen Stilen ausgesetzt ist. Wer bei French-Pop an laszive Disco oder keckes Chanson denkt, wird im konkreten Fall durchaus überrascht werden. Vélomoteur etwa klingt so, als hätten sich französische Teenager in den Achtzigern auf einer Klassenreise eine College-Rock-Band angelacht. Auch dem luftig-melancholischen Gesang beim famosen L’Accord parfait werden unverwüstliche Gitarrenakkorde in der Tradition von R.E.M. oder The Rembrandts zur Seite gestellt. Neben solchen Stücken findet sich aber auch garagiges Rambazamba auf Confusion Moderne, etwa bei L.A. Boum!, dessen Titel Programm ist. Hier trifft Surf-Musik auf post-punkige Energie. Ein ähnliches Strickmuster weist Bourgeois Pop auf,  das als lärmiger Sixties-Pop ins Ohr geht. Ein Glanzlicht der Platte ist ohne Zweifel Histoire seule, das auch als Single ausgekoppelt wird. Bei diesem Song fällt ein Umstand, der sich freilich durch die meisten Tracks des Albums zieht, sogar besonders auf. Der Gesang mutet oft auf einer Ebene mit den Instrumenten an, geht im lärmigen Sound fast ein wenig verloren. Das mag sich zwar durch die Lo-Fi-Attitüde erklären, ein bisschen stärker hätte Lola G.s Vortrag trotzdem in den Vordergrund gemischt werden können. Bei L’Accord parfait ist dies zum Beispiel auch der Fall. Ein Lied, das ebenfalls nicht unter den Tisch fallen darf, ist We Aren’t the Champions. Weil es mit seinen psychedelischen Riffs und den männlichen Spoken-Word-Passagen sehr aus der Reihe tanzt. Weil es mit der sowieso nur dosierten vorhandenen französischen Lieblichkeit bricht.

So also klingt das Resultat einer Hollywood-Party, bei der zwei Menschen nicht um einen Aufriss bemüht waren, keine Augen für Celebrities hatten und auch niemandem das nächste große Ding pitchen wollten. DTCV haben Hollywood Hollywood sein gelassen und lieber ein sympathisches Stück Indie mit Pfiff ersonnen. Spätestens mit Confusion Moderne sollte man dieses französisch-amerikanische Duo endgültig auf dem Zettel haben. Das Album vermag auch die anzusprechen, die dem lolitahaften Säuseln des French-Pop normal wenig abgewinnen können. Und wer Post-Punk oft als zu dröge erachtet, wird von der Eingängigkeit der Lieder äußerst angetan sein. So sehr sogar, dass man im Gedanken nochmals nach Hollywood schweift, sich fragt, wer den wohl Gastgeber dieser Fete war. Und welche Stars ignoriert werden mussten, um DTCV ins Leben zu rufen. Wer von uns Hörern hätte denn wirklich die Kaltschnäuzigkeit, einer Jennifer Lawrence oder einem Ryan Reynolds die kalte Schulter zu zeigen? Und das vielleicht sogar mit den Worten: „Sorry, keine Zeit. Ich gründe gerade eine Band!“

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Confusion Moderne erscheint am 04.11.2016 auf Xemu Records.

Konzerttermine:

11.11.2016 Dortmund − Tapir
13.11.2016 Kiel – Medusa
22.11.2016 Halle – Hühnermanhattan
23.11.2016 Berlin − Bassy Club
24.11.2016 Hamburg − Astra Stube
25.11.2016 Mannheim − Kulturbrücken Jungbusch
08.12.2016 Kreuzlingen (CH) − Horst Club

Links:

Offizielle Webseite

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