Aus dem Club um die Ecke – Bängks

Einer meiner musikalischen Vorsätze für 2017 ist vielleicht gar nicht so unproblematisch. Ich will dieses Jahr mehr deutschen Indie-Klängen lauschen. Nun könnte man natürlich argumentieren, dass es in die nationalistische Stimmung dieser Trump-Tage passt, dass alles nur noch aus dem eigenen Land stammen soll. Doch das ist nicht meine Intention. Vielmehr geht es darum, dass man sich nicht immer nur mit den Acts beschäftigt, die an der Spitze der Erfolgspyramide stehen. Und das Fundament, um bei diesem Bild zu bleiben, bilden eben die lokalen Bands und Musiker, die tagtäglich in den kleinen und großen Städten des Landes auftreten. Musik definiert sich längst nicht nur über das, was gerade international durch alle Magazine oder Radiostationen geistert, Musik wirkt eben auch durch die Acts, die im Club um die Ecke live auftreten. Die Solinger Gruppe Bängks verkörpert genau das, was eine gute heimische Indie-Formation ausmacht. Ihr Indie-Rock klingt keine Sekunde lang provinziell, zugleich könnte man sich gut vorstellen, die Jungs an einem netten Abend im benachbarten Konzertschuppen zu bestaunen. Ein Trumpf regionaler Bands eben!

Doch bevor ich zu lange über ein Made in Germany schwadroniere, möchte ich ein paar Worte über die EP Mirror verlieren, die Bängks vor wenigen Tagen veröffentlicht haben. Bei Mirror paaren sich nervöse Rhythmen mit melodischer Eingängigkeit. Was das genau mit den Songs macht, wollen wir uns nun kurz näher ansehen. Hands Down etwa vermag an die goldenen Zeiten des Britpop zu erinnern, starke Riffs, mehrkehlig angestimmte Refrains, hymnisches Flair. Die Dynamik wird mit netten Schnörkeln versehen, zum Beispiel mit einer Instrumentalpassage, die sich fast schon post-rockig aufbaut. Eine starke Nummer! Quasi dem Indie-Rock-Handbuch entnommen kommt Down The Sea daher. Zugegeben, besonders originell ist der Song nicht, aber der rhythmische Pep und die schön auf den Refrain hin getimte Spannung überzeugen mich. So stelle ich mir Musik vor, die den Hörer auf ausgesprochen positive Weise enthemmt. All My Life bedient sich angesäuselten Jammerns. Dieser Art des Ausdrucks spricht mich persönlich nicht besonders an, hat sich im Rock aber als legitimes Stilmittel bewährt. Bei Passing Lines wird vor allem die erste Hälfte des Stücks vom Keyboard dominiert, die Gitarrenseligkeit rückt bis auf kurze Ausbrüche in den Hintergrund. In puncto Songwriting scheint alles hintergründiger angelegt. Die Nummer wirkt weniger altmodisch als der Rest, ist Indiz dafür, dass die Entwicklung der Band noch lange nicht abgeschlossen ist. Eigentlich wäre jetzt der passende Zeitpunkt, ein positives Fazit zu ziehen und die kompakte EP als überzeugende Talentprobe zu betiteln. Wären da nicht drei Remixe, die Mirror unnötig aufblähen. Merke, Remixe scheinen nur in seltenen Fällen eine gute Idee. Ob eine zusätzliche Tonspur für ein paar hampelige Beats einem Song tatsächlich eine neue Note verleiht, wage ich zu bezweifeln. Dennoch: Wer Inbrunst und knackigen Sound schätzt, sollte Bängks das Ohr leihen. Mirror bietet die Art Songs, die man live erleben möchte. Bleibt zu hoffen, dass die Jungs aus Solingen demnächst durch die Bundesrepublik tingeln. Denn gute Musik aus Deutschland zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie live in den Indie-Kneipen des Landes dargeboten wird. Der Reiz der Regionalität hat nämlich auch in der globalen Musikszene seine Berechtigung!

Mirror ist am 12.01.2017 auf lala Schallplatten erschienen.

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