100 Prozent Herzenswärme – When Nalda Became Punk

Wenn man über Menschen sagt, sie seien unkompliziert, dann meint man dies immer als Kompliment. Nennt man hingegen Musik unkompliziert, ist das fast ausnahmslos kaum wohlwollend gemeint. Dabei gibt es legere, eingängige Klänge, die schlicht schmissig und ansprechend sein wollen. Unkompliziert, so zumindest würde ich das Minialbum Those Words Broke Our Hearts der Formation When Nalda Became Punk beschreiben. Der lärmige, pfiffige Twee der im spanischen Vigo beheimateten Formation hat es mir schon 2013 angetan. Er wummert ins Ohr, ohne irgendwelche Sperenzchen. Gerade im tristen Jetzt, in denen man dem Wahnsinn der Welt kaum entkommen kann, braucht es solch quirlige Lieder. Guten (Indie-)Pop erkennt man nicht zuletzt daran, dass er lebendig tönt, sogar wenn die Lyrics bittersüß ausfallen.

Und tatsächlich entpuppt sich die Scheibe als melancholisch bis um Orientierung ringend, was Zeilen wie „It’s been so long since you said/ There’s a time for everyone and mine is here“ belegen. New Year’s Day mit seinen fast euphorisch tänzelnden Synthies versucht sich am Kraftakt, doch endlich in die eigenen Träume und Sehnsüchte aufzubrechen. Long Before vermittelt Herzschmerz erster Güte, erinnert sich wehmütig an den Beginn der Jugend mit all seinen Verheißungen. Die Strophe „I fell down a long ago, before I knew our history/ And I got scared for what will come/ Even before all those words broke our hearts into pieces/ Before the days were long“ führt in ein von Lebensweisheit und Kummer geprägtes Hier und Heute. Die Melancholie wird stets vom Charme der Musik aufgelockert. Anders läuft es dagegen bei Big Whoop ab, wo die verschrammelte Gitarre die hoffende Fröhlichkeit der Lyrics unterstreicht. Stilistisch aus der Reize tanzt A Midnight Run, vielleicht sticht es aus diesem Grund ins Auge. Hier überlässt die Sängerin und Bandleaderin Elena Sestelo einem Gast das Mikro. Edward Forth von der im britischen Leeds stammenden Band Finmark! tritt hier als Erzähler einer wunderbar sympathischen Geschichte auf, auch musikalisch geht die Chose beinahe in Richtung Shoegaze. Sollten When Nalda Became Punk jemals ihrem aufgekratzen wie unkomplizierten Twee entsagen, wären sie in diesem Genre sicherlich gut aufgehoben.

Those Words Broke Our Hearts könnte kaum unwiderstehlicher tönen. Die Melodien verfangen sofort. Das kleine, feine Album vereint lebensfrohe Klängen und textliche Substanz, ohne dass der unangestrengte, erfrischende Gesamteindruck dabei flöten geht. When Nalda Became Punk mögen keine Band für Charts und die große Bühne sein, sie verkörpern dafür zu 100 Prozent das, was man an Indie-Pop nie und nimmer missen möchte. Die Herzenswärme dieser Musik scheint wie für den Frühlingsanfang gemacht. Mit dieser Platte im Kopfhörer gerät die Welt leichter, wirken Farben gleich ein bisschen bunter, scheint jeder Anfang schon ein wenig gemacht!

Those Words Broke Our Hearts ist am 10.03.2017 via Shelflife Records/Discos de Kirlian erschienen.

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