Konzerttipp: 12.04.2017 – Ja Ja Ja mit IRAH und Mikko Joensuu

Ich bin ein großer Bewunderer skandinavischer Klänge. Doch neben all den musikalischen Qualitäten muss man auch den Vermarktungsfertigkeiten der Nordlichter applaudieren. Frei von jeglichen Eitelkeiten arbeiten Förderprogramme aus Dänemark, Finnland, Island, Schweden und Norwegen zusammen, um Skandinavien als musikalisches Schwergewicht weiter zu etablieren. Von so viel Kooperationswillen könnten sich andere europäische Regionen ruhig eine Scheibe davon abschneiden. Ein Beispiel dafür ist die Reihe Ja Ja Ja, die aufstrebende Acts nach London und Berlin schickt, sie im Rahmen von Club-Nächten auch außerhalb der Herkunftsländer bekannt macht. Und speziell die nächste Ausgabe von Ja Ja Ja könnte großartiger nicht ausfallen, kommen doch das dänische Trio IRAH, der finnische Singer-Songwriter Mikko Joensuu nach Berlin. Was habe ich mir doch in den letzten Jahren die Finger wund geschrieben, um diese Ausnahmeerscheinungen anzupreisen! Grund genug also, nicht nur auf dieses einmalige Konzert zu verweisen, sondern nochmals das Tun der genannten Acts kurz hervorheben.

Photo Credit: Nick_Hune

IRAH, ein Trio rund um Sängerin Stine Grøn, stammt aus Kopenhagen und ist für mich ohne jeden Zweifel die Entdeckung des Jahres 2016, wie man hier und hier und hier nachlesen kann. Die stilistischen Einflüsse habe ich wie folgt auseinanderklamüsert. Für mich sind Irah eine fantastische Mixtur aus Björk rund um die Jahrtausendwende, den guten alten Cocteau Twins, Clannad mit ihren New-Age-Anleihen sowie Trip-Hop Portisheadscher Prägung. Das vergangenen Herbst veröffentlichte Album Into Dimensions kann man eigentlich nur als Beginn von etwas Großem sehen. Denn dieses Debüt entfaltet enorme Anziehungskraft, man wird von jener mit großen Staunen erlebten Ehrfurcht überwältigt, die einem sonst nur als kleiner Knirps vor dem erleuchtenden und von Geschenken umsäumten Weihnachtsbaum widerfährt.

Photo Credit: Tero Ahonen

Wer nun meint, dass IRAH an jenem Abend im April atmosphärische Erhabenheit für sich gepachtet haben, hat freilich die Rechnung ohne Mikko Joensuu gemacht. Seine EP Land of Darkness / Lake of Fire hat mich 2014 aus den Socken gehauen. Stilistisch konnte man die EP  als Vangelis mit starkem psychedelischen Einschlag bezeichnen. Das war großartig – und erst der Anfang! Denn 2016 hat Joensuu die Trilogie Amen begonnen, deren ersten beiden Teile bereits veröffentlicht wurden. Amen 1 überrascht als Americana-Album mit stark religiöser Note. Und gelingt sogar derart gut, dass ein Johnny Cash wohlwollend vom Himmel herabblickt. Joensuu macht als depressiver, hadernder Crooner fantastische Figur. Amen 2 wiederum entpuppt sich als sacht hymnischer Phönix aus der Asche, der seinen Schmerz dadurch bezwingt, indem er das ihn erdrückende Büßergewand ablegt. Wo sonst die Hinwendung zum Glauben als Neugeburt gefeiert wird, scheint Amen 2 seine Befreiung durch dessen Überwindungen zu erlangen. Man darf also gespannt sein, welche Auflösung der für 2017 avisierte letzte Teil der Trilogie zu bieten hat.

Wer nach dieser kurzen Schilderung nun den Drang verspürt, IRAH und Mikko Joensuu live zu erleben, sollte sich sputen. Konzerte von Ja Ja Ja laufen nicht vor leeren Rängen ab! Warum sollten sie auch? Musik aus Skandinavien ist für ihre Qualitäten längst bekannt. Und speziell die Güte dieser beiden Acts spottet wirklich jeder Beschreibung!

Ja Ja Ja mit IRAH (DK), Mikko Joensuu (FIN) und aYia (IS) findet am 12.04.2017 im FluxBau in Berlin statt.

Links:

IRAH auf Facebook

Mikko Joensuu auf Facebook

Ja Ja Ja Music

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.