Schlaglicht 71: Lindi Ortega

Die Unrast derer, die ständig unterwegs sind, sei es aus schnöden beruflichen Gründen oder aber wegen eines ruhelosen Gemüts, taugt bestens zum Sinnbild für einen unsteten Lebensweg, der keineswegs in kalkulierten Bahnen verläuft. Die kanadische Country-Musikerin Lindi Ortega erzählt in ihrem Lied Til The Goin‘ Gets Gone also vom Leben hinterm Steuer eines Autos, unterbrochen nur von Übernachtungen in billigen Motels. Gerade Nordamerika mit seinen endlosen Highways eignet sich gut als Gleichnis für die Reise des Lebens. Immer weiter dem Ziel entgegen, getrieben von Sehnsüchten und aufgehalten von Frustrationen. Davon berichtet auch diese akustische Ballade. Die Zeilen „All the rundown dirty motels/ All the cities and small towns/ Leave ‚em in the rear view mirror/ While the wheels keep spinning round/ ‚Cause I gotta keep goin‘, I gotta keep goin‘ on“ geben dem Song mit wenigen Worten viel Ambiente. Man vermag die Rastlosigkeit mit den Händen zu greifen. Und durchaus verstehen, warum bei manch Gemütern die Reise stets in die Ferne schweift, das eigentliche Zuhause keinen beständigen Reiz versprüht.

Ortegas heller Gesang geht ans Herz, weil er mindestens so fragil wie kraftvoll ist. Dass Ortega – vermutlich speziell die junge – Dolly Parton als Vorbild hat, mag nicht weiter verwundern. Ein Stück weit entfernt sich die Kanadierin mit diesem neuen, reduzierten Track vom charmanten Nashville-Sound und Honky-Tonk-Flair vorangegangener Alben. In meinen Augen hat sich Lindi Ortega längst als eine der interessantesten Vertreterinnen des gegenwärtigen Country etabliert. Und eben deshalb darf durchaus gespannt sein, was die für 17. März angekündigte EP sonst noch an Überraschungen bereit hält.

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