Musikvideo: Kasabian – You’re In Love With A Psycho

Dank sozialer Netzwerke kann man heutzutage Launen und Gemütslagen jederzeit mit der ganzen Welt teilen. Daran ist nichts weiter auszusetzen. Problematisch jedoch wird es, wenn die eigene Befindlichkeit zur alleinigen Argumentationsgrundlage wird. Wenn man also etwas furchtbar findet, weil man sich beleidigt sieht. Es wird in diesem Fall nicht nach der Intention des Tuns geforscht, es zählt ausschließlich die Wirkung am eigenen Leib. Das zeugt schon von Empathielosigkeit. Dass viele Menschen sich daraus einen Sport machen, die Weiten des Internets nach vermeintlich anstößigen Dingen zu durchforsten, die sie zusammen mit Gleichgesinnten als verletzend wahrnehmen können, schlägt dem Fass den Boden aus. Einen solchen Shitstorm hat vergangene Woche auch die britische Formation Kasabian erlebt, als sie das Video zum Song You’re In Love With A Psycho präsentierte. Ein britischer Interessenverband namens Time to Change stieß sich nicht nur an der Verwendung des Wortes Psycho, darüber hinaus fand man auch den Inhalt des Clips äußerst unpassend. Time to Change möchte der Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen den Kampf ansagen, versucht die öffentliche Wahrnehmung zu verändern. Prinzipiell löblich, aber nicht wirklich zielführend, wenn man vor lauter Verbissenheit jeglichen Sinn für Humor verliert. Denn Kasabians Parodie auf den Alltag in einer Irrenanstalt steht fraglos in der Tradition von Einer flog übers Kuckucksnest. Die Albernheit, die dem Schaffen der Jungs aus Leicester oft innewohnt, ist selbstironisch zu verstehen. Kasabian persiflieren gekonnt ihr Rockstar-Image. Ihr Faible für sehr schräge Inszenierung macht sie zu absoluten Sympathieträgern.

„The use of the word ‘Psycho’ in a song and accompanying music video featuring people pretending to be psychiatric inpatients is unhelpful, damaging and disappointing when society is moving on from this sad and tired stereotype.“ konstatiert Time to Change. Und vergisst anscheinend, dass Sergio Pizzorno und Konsorten bei dem Clip keine realistische Abbildung der Abläufe einer psychiatrischen Einrichtung im Sinn hat. Eher schon sollte man sich an dem Clip erfreuen, denn die vermeintlichen „Psychos“ Pizzorno, Frontmann Tom Meighan sowie als Gäste Stephen Graham und Noel Fielding verbreiten in keinster Weise Unwohlbehagen. Und welche Verharmlosung fraglos ernster Erkrankungen kann darin bestehen, viereinhalb Minuten lang das Abweichen von der Norm zur Normalität zu erklären? Wenn in besagtem Musikvideo tatsächlich jemand durch den Kakao gezogen wird, dann eher schon die Aufseherin des aufmüpfigen Haufens. Doch ehe das Personal psychiatrischer Einrichtungen auf die Barrikaden geht, sei auch hier nochmals darauf hingewiesen, dass You’re In Love With A Psycho genussvoll albern sein will. Exzentrik ist keine Schmähung, sie ist legitimes Stilmittel. Doch genug der Rechtfertigung. Dieser Song ist eingängig, zeigt die Band in Bestform. Als New-York-Punk-Funk-Fun-Track charakterisiert ihn das Label – und auf das zweite Hingucken ergibt die Beschreibung sogar Sinn. Grund genug, sich auf das Album For Crying Out Loud freuen, das Ende April erscheinen wird. Und sicher wieder für Diskussionen sorgen wird. Darf sich eine Band dieses Kalibers ein derartig unterirdisches Plattencover leisten? Natürlich! Kasabian dürfen alles. Sogar über die Befindlichkeiten der Fans hinwegsehen…

For Crying Out Loud erscheint am 28.04.2017 auf Sony Music.

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SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Musikvideo: Kasabian – You’re In Love With A Psycho&8220;

  1. Oje, ihr habt Recht: Bei allem Respekt – Wie humorlos kann man sein? Zum Glück ist die Kunst frei und darf so ziemlich alles.
    Übrigens danke für das Posten des Videos! Ich liebe Kasabians Musik, allerdings fand ich den Song jetzt beim ersten Hören etwas schwach…Vielleicht wirkt er ja noch.
    Viele Grüße, Jana

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