Wie im Kino: Pathos, Drama, Leidenschaft! – Principe Valiente

Melodischer Indie-Rock gepaart mit New-Wave-Charakter und Shoegaze-Herrlichkeit, was in dieser Kurzbeschreibung nach einem Album klingt, dass man besser gleich als gestern auf den Plattenteller legen möchte, ist tatsächlich sogar viel überwältigender, als man sich dies je auszumalen wagt. Oceans zählt für mich bereits jetzt zu den drei besten Alben des Jahres 2017. Sogar wenn morgen alle musikalischen Heiligen vom Himmel herabsteigen und sogleich ins Aufnahmestudio eilen würden, das famose Oceans könnte schwerlich zu toppen sein. Meine Begeisterung liegt keineswegs im Reiz des Neuen begründet, denn die schwedische Formation Principe Valiente ist diesem Blog schon länger vertraut. Der Track She Never Returned des 2013 veröffentlichten Choirs Of Blessed Youth schallt nach wie vor regelmäßig aus meinen Boxen. Mit Oceans ist mir Principe Valiente nun endgültig ans Herz gewachsen, in die Riege ehrfürchtig genannter Lieblingsbands aufgenommen! Schauen wir uns die Gründe dafür doch näher an.

Pathos, Drama und Leidenschaft, von emotionaler Abgründigkeit erfüllt und mit dunklem Timbre dargeboten. Über Fernando Honoratos gesanglichen Vortrag muss man mehr als nur ein Wort verlieren. Das Mastermind der Band ist für Gesang und Lyrics verantwortlich, seine Stimme intoniert mal voll Inbrunst schmachtend Hymnen wie gemacht für die ganz großen Stadien, dann wieder tönt er wie ein Gothic-Prinz im post-punkigen Underground-Kabuff. Bereits beim überwältigenden Opener Wildest Flowers wird die ganz große Geste gewagt. Die Zeilen“I’m born this way/ Along the wildest flowers/ I’ve lost my way/ Between the lies to survive/ Whatever makes you happy gets me terrified/ But the dream that keeps me alive now/ Is to have you by my side“ künden von beseeltem Verlangen. Honorato darbt, lechzt und sehnt sich durch den Song, der speziell im wunderbar melodischen Refrain ein Feuerwerk der Emotion abbrennt. Großes, atmosphärisches Kino! Mindestens ebenbürtig fällt Strangers In The Night aus, das hinsichtlich Basslinie und Gitarrenakzenten fraglos ein bisschen an The Cure erinnert. Diese famose Nummer live in einem kargen, düsteren Kellerclub dargeboten, es wäre eine unvergessliche Zeitreise in die Achtziger! Im Kontrast zu den bereits genannten Liedern beginnt Untouchable balladesk und schwermütig, auf Synthie-Schwaden ruhend, ehe erst nach zwei Minuten Gitarre, Bass und Schlagzeug einsetzen, die Chose shoegazig anschwellen lassen. Bei Lyrics wie „I’ve been dreaming half my life away/ About you, oh about you“ ist die Tränendrüse sehr gefordert. Viele Lieder des Albums eint eine eigenbrötlerische Grundstimmung, die sich nach Erfüllung von Fantasien verzehrt. So auch No Time, in dessen gehetzter Unruhe Sätze wie „I saw her the first time on the morning train/ And everything about her made me forget the pain“ tragische – weil trügerische – Hoffnung entfalten. Verwunschene Romantik durchzieht das gesamte Werk, sie findet sich auch beim schillernden Shoegaze-Track The Reason Why. Honoratos brummender Gesang verleiht speziell diesem Stück eine unheilvolle Note. Liebeszauber und Schauermärchen gehen mitunter Hand in Hand, was bei einer auch mit Gothic Rock liebäugelnden Platte zum Ambiente dazugehört. Das geheimnisvolle Monsters Of The Sea setzt in dieser Hinsicht einen finalen Akzent. Diese epische, gegen Ende hin in Post-Rock übergehende Ballade fasst alle Stärken von Principe Valiente nochmals zusammen. Eine zwischen Unheil und Hoffnung schwankende Aura, äußerst wirkmächtige Melodien sowie Honoratos zärtlicher bis inbrünstiger Vortrag.

Oceans ist in meinen Ohren ein ganz großer Wurf. Dem Quartett Honorato (Gesang, Bass), Jimmy Ottosson (Gitarre), Rebecka Johansson (Keyboards) und Joakim Janthe (Schlagzeug) gelingt ein unverwechselbarer, höchst eingängiger Sound, der die große Emotion perfekt untermalt, Sehnsucht und Verlangen abbildet. Wäre Oceans ein Film, er würde Cannes, Venedig und Locarno im Nu erobern, als Großtat gefeiert werden. Principe Valiente dürfen ab jetzt nicht länger Geheimtipp bleiben!

Oceans ist am 12.05.2017 auf afmusic erschienen.

Links:

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SomeVapourTrails

1 thought on “Wie im Kino: Pathos, Drama, Leidenschaft! – Principe Valiente

  1. Oh, danke, dass Du mich an diese Band erinnert hast – die neuen Sachen sind echt gut!

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