Schlaglicht 77: UNKLE

Einen Geniestreich wiederholt man nicht so leicht. Nichts anderes nämlich war Psyence Fiction, das James Lavelle und DJ Shadow einst als UNKLE ersonnen hatten. 19 Jahre ist das mittlerweile her, man mag es kaum glauben. Und was für hochkarätigen Gäste dieses Werk erst schmückten: Richard Ashcroft! Thom Yorke! Erster begeisterte auf dem famosen Track Lonely Soul, Yorke steuerte Rabbit In Your Headlight bei. Dieser Song wiederum darf sich eines der besten Musikvideos aller Zeiten rühmen. Leider hatte die Zusammenarbeit von Lavelle und DJ Shadow nicht länger Bestand. Letzter brachte noch einige LPs heraus, die die Electronica nachhaltig prägten, ehe er Mitte der 2000er einen kreativen Irrweg einschlug und durch ein langes Jammertal wanderte. Lavelle und sein UNKLE dagegen vermochte auch mit neuen Partnern hörenswerte Klänge abzuliefern, ohne je ganz an das Debüt heranzureichen.

2017 wagt Lavelle mit dem für August angekündigten Album The Road: Part 1 einen wohl ambitionierten Vorstoß in Richtung Bestform gewagt. Das zumindest verheißt die Single Looking For The Rain, welche Mark Lanegan und ESKA als Gäste aufbietet. Lanegan ist seit einiger Zeit ein gern gesehener Kollaborateur, hat etwa mit den wunderbaren Soulsavers gemeinsame Sache gemacht und auch bereits seinen Beitrag zu UNKLEs Album Where Did The Night Fall geleistet. Dass der werte Herr so begehrt ist, hängt nicht zuletzt mit seiner Stimme zusammen. Diese wird gleich gutem Wein mit jedem Jahr gehaltvoller. Sein vom Leben gegerbter Bariton strahlt gleichermaßen Düsterkeit und Eleganz aus. Lanegan hat sich seit geraumer Zeit schon als herausragender musikalischer Grandseigneur etabliert. Diesem Ruf wird er auch bei Looking For The Rain voll und ganz gerecht. Dabei erweist es sich freilich als ausgesprochen hilfreich, dass der Track auch kompositorisch so einiges auf der Pfanne hat. Dramatische Streicher treffen hier auf Synthies und Beats, die dabei Bombast mit einem feinen Maß an Verve verbinden. Lyrics wie „Children born to get high/ Turn your heads to the sky/ We’re burnin‘ in the heat below/ With a thorn in the side/ And the ocean too high/ And the avenue’s so long/ There’s a wraithlike shadow appearing/ And though my eyes are veiled/ I’m looking for the rain to fall“ entfalten eine fast tantalushafte Sehnsucht nach Ausbruch und Erlösung.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Aber das neue Album hat nicht nur Looking For The Rain zu bieten. Auch der bereits vorgestellte Song The Road weiß zu überzeugen. ESKA, bei ersterem Titel gesanglich nur im Background tätig, spielt hier die Hauptrolle. Die Nummer vereint höchst unterschiedliche Elemente, sphärische Entrücktheit wechselt sich mit bis zum Schwindel austobenden, geradezu ekstatischen Tanzpassagen ab. Einmal mehr bleibt man mit der Gewissheit zurück, dass die Nummer die Boxen noch viele Male zum Beben bringen wird. Und selbstverständlich weckt sie die Vorfreude auf den August, wenn The Road: Part 1 dann in voller Pracht zu bewundern ist. Daher das Fazit: UNKLE ist nach mehrjähriger Veröffentlichungspause endlich zurück – und die Zeit längst reif für einen neuen Geniestreich!

The Road: Part 1 erscheint am 18.08.2017 auf Songs For The Def.

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