Großstadtsentimente in der Tradition der Großmeister – Kevin Morby

Man tut Kevin Morby vielleicht gar keinen Gefallen, wenn man ihn mit einem Bob Dylan vergleicht. So sehr Morbys Songwriting und erst recht sein gesanglicher Vortrag förmlich danach schreien. Schlicht weil der Eindruck der Epigonenhaftigkeit oftmals einen schalen Beigeschmack hinterlässt. Aber Morby hat sich diesen Vergleich selbst mehr als verdient, vereint er doch all das auf sich, was speziell den jungen Dylan ausgezeichnet hat. Eine prägnante Beobachtungsgabe, eine facettenreiche Zärtlichkeit, lässige Selbstsicherheit und nicht zuletzt eine gewisse Portion Zorn über gesellschaftliche Zustände. Über solch Talente verfügt man – oder auch nicht. Man wacht jedenfalls nicht eines schönen Morgens auf und entdeckt den inneren Dylan in sich. Dass Morby nach dem letztjährigen Album Singing Saw, dessen Track I Have Been To The Mountain in manch Hinsicht an Bob Dylans Hurricane erinnerte, nun beim neuen Werk City Music eher Großstadtsentimenten und urbaner Coolness huldigt, folgt ebenfalls der sprunghaften Tradition des Großmeisters. Der Titel lässt ein klares Konzept vermuten, beispielsweise eine Liebeserklärung an das Stadtleben im Allgemeinen oder sogar an eine ganz spezielle Metropole. Dennoch ist die Überschrift über diese zwölf Songs eher als kleinster gemeinsamer Nenner zu verstehen. Ja, die Tracks sind allesamt von urbanem Lebensgefühl getragen. Aber nein, sie sind nicht als legendäre Winkel ausleuchtende Hommage an New York zu begreifen. Zumindest nicht im engeren Sinn, vielmehr fühlt man sich auf eine Zeitreise mitgenommen. Doch dazu später mehr.

Photo Credit: Adarsha Benjamin

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