Ein einsamer Gang über den Campus – Basement Revolver

Lange schon habe ich ein Faible für Bücher, Filme und natürlich Musik, die auf Campussen nordamerikanischer Universitäten angesiedelt sind. Allerdings nicht für jede Klänge oder Geschichten, die von Saufgelagen, Cheerleadern oder hünenhaften Sportlern erzählen. Vielmehr interessieren mich Außenseiterstories, die ihren Platz in der Erwachsenenwelt suchen, sich möglichst rosige Zukunftsperspektiven ausmalen, während sie zugleich mit manch Enttäuschungen, etwa in Liebesdingen, zu kämpfen haben. Je öfter ich mir in den vergangenen Tagen die EP Agatha der kanadischen Formation Basement Revolver angehört habe, desto stärker hat mich die Stimmung dieser Lieder an diese Szenerie erinnert. Im Geiste sehe ich eine junge Frau an einem trüben Herbsttag durch die einen pittoresk gelegenen Campus flankierenden Wälder flanieren und dabei allerlei Sorgen rekapitulieren. Das ist der Rahmen, der mir beim Lauschen der EP in den Sinn kommt.

Photo Credit: Yoshi Cooper

Agatha knüpft nahtlos an die letzten Sommer erschienen Debüt-EP an. Basement Revolver lassen die guten, alten Neunziger aufleben, indem sie shoegazigen Indie-Rock zum Sound ihrer Wahl machen. Eine kräftige Gitarre kontrastiert dabei den hellen, nachdenklichen Gesang Chrisy Hurns. Introspektive Lyrics und der Bombast eben jener verhallten Gitarre sind die Charakteristika des Formation. Obwohl Hurn (Gesang, Gitarre), Nimal Agalawatte (Bass, Synthies) und Brandon Munroe (Drums) erst einen recht überschaubaren Output vorweisen können, wirkt der tiefgängige Sound bereits unverwechselbar. Die Qualitäten des Trios äußern sich bereits beim famosen Song Tree Trunks, bei dem Lyrics die eigene trostlose Gemütslage auf die Umgebung übertragen. Die Tristesse des Kampfes mit der eigenen Verzweiflung, die sich in Zeilen wie „Really starting to feel like I’m going to go crazy“ manifestiert, wird dabei in bester Shoegaze-Manier von der verzerrten Gitarre und atmosphärischen Synthies mit dem Anflug von Erlösung versehen. Johnny Pt. 2 ist die Fortsetzung des gleichnamigen Stücks der Debüt-EP und ringt mit den Nachwehen einer gescheiterten Beziehung. Der Refrain „My door will always be, always be open to you“ ist dabei der Versuch auch nach dem Beziehungsaus ein freundschaftliches Miteinander zu pflegen. Dieses aufrichtige Versprechen entwickelt ungeahnte Süße, unterstützt vom im Refrain eingängigen Sound, bei dem vor allem das Schlagzeug viel von der Vehemenz des Vorsatzes einfängt. Auch Mountains mit seinem „I am tired, I am weak, but I’ll carry you to mountains on my feet“ weiß mit nach Kraftanstrengung tönender Wucht zu überzeugen. Hurn singt sich hier die Seele aus dem Leib, sodass dieser Kraftakt in der Magengrube des Hörers widerhallt. Welch wirkmächtiges Lied! Man möchte es gar nicht fassen, aber mit Bread and Wine endet diese wunderbare EP auch schon wieder. Was bei den meisten Bands als Highlight gelten würde, ist hier der wohl am wenigsten ausgestaltete Track, bei dem Hurns Gesang im Refrain von einem wohlig-lärmigen Sound fast erschlagen wird. Ein klein wenig zu viel des Guten, wie ich meine.

Agatha mag zwar lediglich vier Lieder stark sein, aber zusammen mit dem letztjährigen Debüt haben sich Basement Revolver längst als Newcomer etabliert, die dem Genre so viel zu geben haben. Auch wenn man die Gegenwart nicht mit den Neunzigern vergleichen kann, so scheint es mir keinesfalls unwahrscheinlich, dass man in zwanzig Jahren mit der ähnlichen Ehrfurcht über Basement Revolver spricht, die man heute Veteranen wie Slowdive entgegebringt. Was zu dieser Perspektive noch fehlt? Ein Debüt auf Plattenlänge!

Agatha ist am 21.07.2017 auf fear of missing out records erschienen.

Links:

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