ITEOTWAWKI (III): The Mynabirds – Golden Age

Unter dem Motto „It’s the end of the world as we know it“ soll in dieser Rubrik über all die 2017 gesellschaftlich und politisch relevanten Klänge berichtet werden. Heute mit: The Mynabirds.

I see what you’re doing/ With the Jews and the Muslims/ You’re sawing us all in half/ With your fake fear/ My heart’s full of love/ And all kinds of peace/ But I think even I/ Could punch a Nazi 
In the face“ sind Lyrics, deren Stoßrichtung sich allen erschließt, die in den letzten 12 Monaten mit Staunen und Sorge die Zustände in den USA verfolgt haben. Wie zum Teufel konnte Trump passieren, fragt man sich vielleicht. Und aus welchem Loch sind die ganzen Verfechter des Alt-Right-Movements gekrochen? Man mag entgeistert sein, selbst wenn man sich nie als besonderer Fan des übertriebenen amerikanischen Selbstbewusstseins wähnte. Wie jedoch müssen sich erst jene liberal-fortschrittlich eingestellten US-Bürger fühlen, die all die Errungenschaften nun plötzlich in Frage gestellt sehen? Laura Burhenn, ihres Zeichens Mastermind von The Mynabirds, hat sich die Ereignisse des vergangenen Jahres anscheinend zu Herzen genommen und sie auch als Ansporn verstanden. Das Resultat ist das dieser Tage erscheinende Album Be Here Now. In all der Hysterie, die Trump entweder als Messias oder aber mindestens apokalyptischen Reiter ansieht, scheint ein Innehalten äußert angebracht. Genau das gelingt Be Here Now. Trotz klarer politischer Haltung ist es nämlich keine Abrechnung mit dem Trumpschen Amerika, vielmehr drehen sich weite Strecken der Platte um Selbstreflexion. Cocoon etwa träumt von biedermeierhaften Zweisamkeit, während die Welt außerhalb gänzlich aus den Fugen gerät. Der Titeltrack Be Here Now wehrt sich gegen den Fatalismus der Machtlosigkeit und glaubt ganz fest an das gemeinsame Einstehen für Werte. Die Platte versucht den Spagat zwischen fiebriger Auflehnung (Shouting at the Dark) und einem nüchternen Abgesang, wie ihn Golden Age bietet. Letzterer Song entpuppt sich als echtes Highlight.

Die eingangs zitierten Lyrics erscheinen im Hinblick auf das, was sich vor wenigen Tagen in Charlottesville zugetragen hat, hochaktuell. Burhenn kämpft mit der Zeitenwende, trauert der guten alten Zeit nach. Die Zeilen „I hate how the best things/ Keep disappearing/ Like Leonard and Bowie/ And the ice caps here“ vergleichen ein nostalgisches Früher mit der gegenwärtigen Destruktivität. Die Strophe „Tell me, where are our heroes/ Are they stuck at the wall?/ Cause we got some real villains to stop/ Before they kill us all“ vermisst all die Helden, die von uns gegangen sind, und erschrickt vor den Bösewichten, die uns in den Untergang führen. Es mag nur im ersten Moment absurd anmuten, dass The Mynabirds den Track als getragenen Piano-Pop mit Synthie-Enschüben präsentieren. Doch getragene die Eleganz des Sounds vermag tatsächlich sentimentalen Flair zu versprühen und dem über den Lyrics schwebenden Schatten Trumps etwas entgegensetzen. Mit Golden Age reflektiert Burhenn die eigene Ratlosigkeit auf so inspirierte wie gepflegte Art und Weise. Ihre Ohnmacht lässt die Hörer mit einem Gefühl des Trostes zurück. Wie gut zu wissen, dass man mit seiner Fassungslosigkeit nicht alleine ist!

Be Here Now erscheint am 25.08.2017 auf Saddle Creek.

Links:

Offizielle Webseite

The Mynabirds auf Facebook

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