Schlaglicht 79: Tricky

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Tricky mindestens 10 Jahre völlig außer Acht gelassen habe. Erst in den vergangenen zwei Jahren ist er wieder in mein Blickfeld gerückt. Das Anfang 2016 erschienene Album Skilled Mechanics erschallt auch anderthalb Jahre später noch immer mit großer Regelmäßigkeit aus meinen Boxen. Auch deshalb wurde ich dieser Tage hellhörig, als der werte Herr Tricky ein neues Werk angekündigt hat. ununiform wird in gut einem Monat erscheinen. Den ersten Hörproben nach zu urteilen, handelt sich bei dieser Platte um ein reifes Werk, das auf einen tiefenentspannten Meister schließen lässt. Wer Tricky auf Instagram folgt, bekommt eine Ahnung, dass die innere Ruhe keineswegs Schein ist. Die dort zur Schau geknipsten Bilder zeigen ihn sowohl im entspannten Kreis der Familie als auch als einfühlsamer Beobachter großstädtischen Lebens. Tricky, so glaubt man zu fühlen, hat sich eine Neugierde für seine Umgebung bewahrt, zugleich strahlt er auch Seelenruhe aus. All das schlägt sich auch in seinem Schaffen nieder. Die neue Platte glänzt mit introspektiver Atmosphäre. Tricky möchte seine Musik ja nicht als Trip-Hop, sondern vielmehr als Urban Soul kategorisiert wissen. Und ununiform hat tatsächlich sehr viel Seele anzubieten.

Ein gutes Indiz dafür, ob man mit seinem Leben im Reinen ist, liefert der Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Auf Trickys neuer Scheibe finden sich gleich zwei Verflossene als Gäste, nämlich Martina Topley-Bird und Asia Argento. Erstere hat schon manches Album bereichert, nach über 10 Jahren kommt es nun wieder zu einem Duett. When We Die mag vom Titel her zunächst Unbehagen vermitteln. Doch Tricky folgt vielmehr der Philosophie, dass nur lebt, wer den Tod als Bestandteil des Lebens akzeptiert. Der smoothe Sound von When We Die hat denn auch nichts von einem Abgesang, strahlt kontemplative Ruhe aus. Die Frage nach dem Danach hat eher forschenden als angstvollen Charakter. Der Kontrast aus Trickys knarzig-wispernder Aura und Topley-Birds sublimer Eleganz macht das Stück besonders. Nicht minder gelungen fällt The Only Way aus. Streicher und ein Piano sorgen für Glanz, eine karge Gitarre tut ihr Übriges, erst allmählich kommt mit einem Beat Trip-Hop-Flair auf. Als „orchestrated soul-barer“ will Tricky diesen Song verstanden wissen, als Rückbesinnung auf sein Debüt Maxinquaye (1995). Die Zeilen „Every time she goes away, I feel the pain/ I feel the same, it’s like a rain/ Every time I hear her name, I fall apart/ This is the end/ Why do we stop?/ This is the only, you go away/ Be my friend, come back again“ ringen mit einem Abschied, sind voll dezentem Flehen. Es mag ein paar Hördurchläufe benötigen, doch dann schlägt der Track ordentlich aufs Gemüt.

Adrian Thaws, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Tricky, wird auch mit seinem neuen Album ununiform keinesfalls enttäuschen. Als Musiker mit eigenem Label, dazu von etwaigem Streben nach Erfolg geheilt, muss er niemandem mehr etwas beweisen, keine Rechenschaft ablegen. Sein Beitrag zur Musikgeschichte ist unbestritten, was immer er jetzt noch fabriziert, kann als Zugabe angesehen werden. Aus dieser Gewissheit heraus läuft Tricky in den letzten Jahren zur Höchstform auf. Und noch ist kein Ende in Sicht!

ununiform erscheint am 22.09.2017 auf False Idols.

Tracklisting:

01. Obia Intro
02. Same As It Ever Was
03. New Stole
04. Wait For Signal
05. It’s Your Day feat. Scriptonite
06. Blood Of My Blood feat. Scriptonite and Tati
07. Dark Days
08. The Only Way
09. Armor
10. Doll
11. Bang Boogie
12. Running Wild
13. When We Die feat. Martina Topley-Bird
14. The Only Way

Links:

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SomeVapourTrails

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