Musikalisches Tohuwabohu (V): Siinai, Jarle Skavhellen, Escondido

Und wieder habe ich mir feine Klänge aus dem Kladderadatsch erhaltener Mails, Newsletter und Social-Media-Feeds herausgesucht. Mögen Sie auf gespitzte Ohren stoßen!

Siinai

Wem die finnische Formation Siinai kein Begriff ist, der hat in den letzten Jahren gleich mehrere starke Alben verpasst. Die Zusammenarbeit mit Spencer Krug (aka Moonface) bei Heartbreaking Bravery (2012) und My Best Human Face (2016) hat mir ungemein imponiert, sodass ich mir vorgenommen habe, die Band im Auge zu behalten. Dieses Ansinnen trägt nun Früchte, für Oktober ist das Album Sykli angekündigt. Dessen erste Kostprobe, der Track Ananda, reißt mich wirklich vom Hocker. Stilistisch scheint das elfeinhalb Minuten dauernde Stück in der Überlappung von Post-Rock und Krautrock angesiedelt. Es pulsiert, lockt Hörer geradezu in eine Trance, in der jede Bewegung, jede Emotion einzig und allein um die Musik kreist. „We were forced to have a break from playing together due to various reasons. After our short hiatus was over this album burst out of us. Like when a ketchup bottle loses its cap when you are violently shaking it.“ weiß die Band über die Entstehung von Sykli zu berichten. Und Mensch, das Bild einer explodierenden Ketchupflasche fängt die Energie dieser Klänge gut ein. Wer also nun Appetit auf mehr bekommen hat, kann in wenigen Wochen kräftig zulangen!

Sykli erscheint am 27.10.2017 auf Svart Records.

Jarle Skavhellen

Von Finnland ist es nur ein Katzensprung nach Norwegen, der Heimat des talentierten Singer-Songwriters Jarle Skavhellen. Dieser hat mich schon Anfang dieses Jahres mit seinem Song The Ghost In Your Smile zu begeistern gewusst. Nach diesem ausgesprochen famosen Einstand darf man nun den neuen Track Matylda bestaunen. Klang der erste Song eher akustisch karg und herzzerreißend, entwickelt Matylda dieses Mal im Refrain schunkelnde Folk-Qualitäten. „The song is about a weekend of drunken debauchery spent on a river boat in Prague. It’s really sort of a tribute to new beginnings, and the city itself.“ gestand Skavhellen gegenüber Folk Radio UK. Der Fluss, zu dessen Ufern der Musiker spaziert, ist also somit die Elbe. Ich für meinen Teil hätte mir die Gestade sämtlicher nordamerikanischer Flüsse ausmalen können, eine Hommage an den verheißungsvollen Müßiggang in Prag wäre mir im Leben nicht in den Sinn gekommen. Über eben jenes Dolce Vita müssen wir freilich ein ernstes Wort verlieren! Denn laut Plattenfirma arbeitet Jarle Skavhellen derzeit am Feinschliff seiner Debüt-EP. Nach den tollen Liedern, mit denen er die Lust auf mehr geweckt hat, wäre es nun auch endlich an der Zeit. Hoffen wir also, dass nach bierschweren Wochenenden in Prag nun inspirierte Tage im Tonstudio folgen!

Escondido

Eines meiner Lieblingsalben des Jahres 2016 war ohne Wenn und Aber Walking With A Stranger. Das Duo Escondido mixte Country, Pop und Desert-Rock mit psychedelischen Elemente zu einem umwerfenden Album voll melodischer Süße. Ich habe mich damals bereits zu einer Lobeshymne hinreißen lassen, in der Rückschau hat Walking With A Stranger sogar noch weiter dazugewonnen. Wie also lässt sich etwas toppen, das nicht weniger als brilliant ist? Die Single Darkness, die einen ersten Vorgeschmack auf die nächste Platte Warning Bells geben soll, lässt mich diesbezüglich noch ein bisschen ratlos zurück. Oh ja, Darkness ist eine reizende Nummer, aber sie bewegt sich doch ein wenig weg von dem, was die Vorgängerplatte ausgemacht hat. Da wäre zunächst natürlich der prominente Einsatz von Keyboards zu nennen. Daraus resultiert eine Leichtigkeit, die eher im French Pop oder in südamerikanischen Tänzen zu verorten ist. So verwunschen es textlich tönt, so lieblich haucht Jessica Maros ins Mikro. Dieser stilistische Wandel scheint dem Produzenten Rob Schnapf geschuldet. Wurden die beiden ersten Alben noch von Tyler James selbst produziert, hat sich das Duo dieses Mal das klassische Setting eines Aufnahmestudios sowie die Meinung eines Außenstehenden gegönnt. In meinen Ohren klingt Darkness zwar einnehmend, ob die anstehende Platte an die famose Qualität von Walking With A Stranger anzuknüpfen vermag, wird sich allerdings erst weisen müssen. Ich bin gespannt!

Die Single Darkness ist am 08.09.2017 erschienen.

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.