Begierde, Abhängigkeit & Waffenstillstand – Hope

Emotionen können so verdammt ambivalent sein. Es mag schwerfallen, widersprüchliche Gefühle an sich selbst zu entdecken. Denn eigentlich schätzt man das Gemüt aufgeräumt und fokussiert, selbst die Ecken und Kanten möchte man klar definiert. Eine Achterbahn der Gefühle mag man in Film und Literatur faszinierend finden, doch will man tatsächlich die eigene Seele auf wilder Fahrt wissen? Das Empfinden des Selbst zu ergründen, gehört zu den größeren Herausforderungen. Wer will schon nach Gründen forschen, weswegen man den Partner oder die Partnerin in einem Moment verteufelt, im nächsten Augenblick dagegen mit endloser Zärtlichkeit begegnet. Die Platte, die heute hier Thema sein soll, traut sich an ambivalente, abgründige Sentimente heran, arbeitet vor allem die enge Verknüpfung von Begierde und Abhängigkeit heraus. Die Berliner Band Hope beschreibt beim gleichnamigen Debüt die rohe, entfesselte Dynamik einer Beziehung jenseits billiger Romantik oder aufgehübschter Erotik. Solch Traute zu existentieller Düsternis muss man erst mal haben, aber wäre der Mut wenig wert, wenn nicht auch die Umsetzung ganz stark ausfallen würde.

Photo Credit: Riccardo Bernardi

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