Amanda Palmer – The Angel Gabriel

Natürlich wollen wir hier vor allem neu erschienenen Weihnachtslieder Tribut zollen, doch da uns dieses Lied samt atemberaubend edlem Video in der Vergangenheit leider entgangen ist, soll es nun gebührend erwähnt werden. Beginnen wir mit der US-Musikerin Amanda Palmer, die sicher zu den spannendsten Künstlerinnen der Gegenwart zählt. Ihre Exzentrik und ihr Kunstsinn scheinen mir eigentlich mehr europäischen denn amerikanischen Zuschnitts. Sie ist die Sorte unbequemer, selbstbestimmter Geist, den es gerade im Moment dringend braucht. Schon als Teil von The Dresden Dolls hat sie ihre Qualitäten unter Beweis gestellt und auch solo ist sie eine Wucht. Es passt ins Bild, dass sie sogar mit ihrem Beitrag zur Weihnacht zu überraschen weiß. The Angel Gabriel ist ein altes baskisches Weihnachtslied, das im 19. Jahrhundert auch seinen Weg in den angelsächsischen Raum gefunden hat. Doch auf all den Alben und Liedern, die jedes Jahr das Fest stimmungsvoll untermalen wollen, wird einem das Lied eher selten begegnen. Das ist recht überraschend, denn sowohl der Mainstream als auch der Indie haben gerade in den USA kaum Probleme mit biblisch geprägten Liedern. Und Palmer hat nicht nur einen guten Griff getan, sie hat es auch noch atemberaubend umgesetzt. Die A-capella-Darbietung, nur begleitet von einem Chor, hört sich tatsächlich so an, als hätte es einen in einen feierlich-andächtigen Gottesdienst verschlagen. Ich wage mir dieses Urteil zu erlauben, da ich das Innere von Kirchen nicht nur vom Hörensagen kenne. Als wäre diese Darbietung nicht bereits wunderbar genug, hat Palmer mittels der Plattform Patreon Geld gesammelt, um The Angel Gabriel ein famoses Video zu spendieren. Man fühlt sich unwillkürlich in die Pracht und Opulenz eines zum Leben erweckten Renaissance-Gemäldes versetzt, doch wäre Palmer nicht Palmer, wenn der Clip nicht auch mit Irritationen aufwarten würde. Das in toller Kulisse im kubanischen Havanna gedrehte Video ist ein optischer Genuss! Wer aufgrund dieser Zeilen nicht längst neugierig geworden ist, sollte Weihnachten vielleicht ganz sein lassen oder sich auf Schlagergedudel beschränken. Der kulturbeflissene Rest spitze die Ohren, weite die Augen – und staune!

Links:

Offizielle Webseite

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SomeVapourTrails

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