Unser Weihnachtswunsch

Liebe Leserinnen und Leser,
auf dem Foto seht ihr unseren lieben, tschadischen Freund Adam. Unser allergrößter Wunsch wäre, dass er zum Weihnachtsfest endlich einen vollständigen, sicheren Aufenthaltstitel bekommt. Unser zweitgrößter Wunsch ist, dass wir ihm weiterhin sein Soli-Zimmer in Berlin finanzieren können und seiner Mutter und Schwester ein bisschen Geld nach Darfur (Sudan) schicken können. Die NGOs des Lagers in Sudan haben nicht mehr genügend Mittel, um alle Flüchtlinge dort mit Essen und Wasser zu versorgen, daher ist ihr Überleben tatsächlich von Hilfe aus dem Ausland abhängig.

Wir haben auf Leetchi eine Extra-Spendenkampagne gestartet und freuen uns über jede noch so kleine Spende:

Hier klicken: Leetchi

Wir kennen Adam nun seit etwas mehr als einem Jahr und inzwischen ist er mehr Familie als Freund für uns. Kennengelernt haben wir uns an einem virtuellen Ort, dem es in erster Linie um First World-Problems geht, einer der Expat-Hipster-Facebook-Gruppen auf Facebook. Plötzlich postete da ein junger Mann seinen Abschiebebescheid, mit Datum, gebuchtem Flug und fragte nach Hilfe. Wir wären nicht wir, wenn wir in so einer Situation nicht sofort alle Hebel in Bewegung setzten würden, um einem Menschen in Not zu helfen.

Was wir damals nicht ahnen konnten, war die Tatsache, dass wir mit Adam einen der Flüchtlinge treffen würden, die mit ihrer Refugee-Movement-Bewegung Geschichte geschrieben hatten. Uns war auch nicht klar, dass es so viele afrikanische Flüchtlinge in Berlin gibt, die niemals nach Europa wollten. Aber mal der Reihe nach, wie kam Adam nach Deutschland und wieso wollten die Behörden ihn abschieben:

Seine Fluchtgeschichte beginnt vor rund zehn Jahren. Tatsächlich war Adam in seiner Heimat Tschad sehr privilegiert, seine Familie war sehr angesehen und wohlhabend. Das Blatt drehte sich sehr abrupt, als seine Familie sich dem Widerstand gegen den Diktator Idriss Déby anschloss. Nachdem die  Schergen des Unrechtsregimes seinen ältesten Bruder, der bis heute verschollen ist, verschleppt hatten, floh die Familie in den Sudan. Von dort aus kämpften Vater und Söhne gegen die tschadische Armee. Nach dem sowohl der Vater, als auch enge Freunde von Adam vor seinen Augen getötet wurden, entschied sich unser Freund nach Libyen zu gehen, um dort Geld für Mutter und Schwester zu verdienen. Dies ging etwa ein Jahr lang gut, dann brach nach dem Tod von Gaddafi Anarchie und Bürgerkrieg aus. Adam wurde wie so viele andere schwarze Afrikaner von Milizen gefangen genommen und in ein Lager gesperrt. Nach etwa einem Monat zwang man die Gefangenen auf ein Schiff nach Lampedusa. Zur gleichen Zeit an Bord war unsere hochschwangere Freundin Fatima mit Mann Ali und 4 Kindern. Viele Menschen starben auf dem Schiff, Adam und die anderen Tschader bewachten in mit einem Schutzkreis tagelang Fatima, welche direkt nach der Rettung aus Seenot, einem glücklicher Weise gesundem Kind das Leben schenkte. (Inzwischen haben Fatima und Ali sieben Kinder und leben nahe Berlin).

In Italien ging es Adam die ersten Monate sehr gut, dies endete abrupt, als die Regierung beschloss, möglichst viele Flüchtlinge los zu werden. Sein Heim wurde geschlossen, alle Leistungen eingestellt. Obwohl Adam in Italien als Flüchtling anerkannt ist, stehen ihm dort weder Unterkunft, noch medizinische Versorgung, noch Geld für Lebensmittel zu. Arbeitsplätze sind dort auch Mangelware, selbst für die einheimische Bevölkerung.

Freunde rieten ihm nach Deutschland zu gehen. Dort landete er dann wie so viele andere auf dem Oranienplatz und bezog eines der Zelte dort. Fast zwei Jahre lang lebte er dort mitten in Berlin. Im April 2014, nach langen Verhandlungen mit dem Berliner Senat, bot Dilek Kolat (SPD) den Protestcamp-Bewohnern einen Deal an, unter der Bedingung, dass die Bewohner den Oranienplatz freiwillig räumen. Nach dem Abbau des Zeltcamps kamen die Menschen für wenige Monate in reguläre Unterkunft. Da Senatorin Dilek Kolat ihnen versprochen hatte, dass alle Asylanträge wohlwollend geprüft würden, war das Entsetzen groß, als der damalige Innensenator Frank Henkel (CDU) verkündete, dass der „Deal“ ungültig sei, da die fasche Person (Kolat und nicht er als Innenminister) die Verhandlungspapiere unterschrieben hätte. Wieder wurden Adam und seine Freunde auf die Straße gesetzt.

In ihrer Not, beschlossen die nun obdachlosen, ehemaligen Bewohner des Oranienplatz-Camps, eine Kirche zu besetzen. Nach wenigen Tagen, bot der Evangelische Kirchenkreis Berlin an, für 130 O-Platz-Flüchtlinge, Unterkünfte und Unterstützung zu stellen. Unser lieber Freund hat bis April 2017 in einem dieser Kirchenquatiere gelebt und sich ein 7 m² Zimmer mit einem anderen Mann geteilt.

Die prekären Lebensbedingungen führten 2015 dazu, dass Adam versuchte sich das Leben zu nehmen und im letzten Moment gerettet werden konnte. Als wir ihn im September 2016 kennen lernten war er in einem psychisch sehr schlechtem Zustand. Inzwischen geht es ihm viel besser und es besteht auch Grund für Hoffnung, dass er eine sichere Zukunft in Deutschland hat.

Zwar musste die Evangelische Kirche die Unterkünfte aus Geldmangel schließen, es gibt jedoch laufende Verhandlungen mit dem aktuellen R2R-Senat, dem zum Glück Frank Henkel nicht mehr angehört. Bereits Anfang des Jahres hat ein Teil der Flüchtlinge von der Kirchenliste Papiere bekommen. Adam war von diesem neuen Deal ausgeschlossen, da dieser nur für Flüchtlinge ohne Papiere galt. Unser tschadischer Freund hat zur Zeit eine Duldung aus medizinischen Gründen und ist offiziell in einem schrottigen Flüchtlingsheim in der Brandenburger Provinz untergebracht. Da sein Lebensmittelpunkt seit vielen Jahren Berlin ist, er akut medizinische Hilfe braucht, seine Ärzte hier sind, er hier viele Freunde  und auch Weiterbildungsmöglichkeiten hat, helfen wir sein WG-Zimmer zu finanzieren und bitten euch, uns ein bisschen finanziell zu entlasten.

Links:
Chronologie der Flüchtlingsproteste auf dem Oranienplatz
Unsere Refugee-Supporseite „Neukölln hilft“

DifferentStars & SomeVapourTrails 

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