Musikalisches Tohuwabohu (X): Twin Oaks, Balto, Anna Burch

Und wieder habe ich feine Klänge aus dem Kladderadatsch erhaltener Mails, Newsletter und Social-Media-Feeds herausgesucht. Mögen Sie auf gespitzte Ohren stoßen!

Twin Oaks

Genre-Fetischisten, denen bei Dream-Pop und Dream-Folk oft wohlige Gedanken ins Hirn flattern, sollten sich unbedingt die EP Living Rooms der kalifornischen Formation Twin Oaks zu Gemüte führen – und besser warm anziehen. Denn Lauren Brown kommt mit einem Vortrag um die Ecke, der ein Chaos der Gefühle wunderbar auffächert. Der Song Distance Alone versucht die selbst gewählte Abgeschiedenheit, die sich in Zeilen wie „I’ve come to find that dreamers often dream alone/ Trying to get it right/ Trying to get it right/ Build an island where I can live my life / In this head of mine“ manifestiert, mit eher unsicheren Schritten zu überwinden. Rumors wiederum will aus dem Leben, das einem längst fremd geworden ist, ausbrechen, die bisherige Umgebung und all die damit verbundenen Menschen hinter sich lassen. Es ist eine Aufbruchsstimmung ohne Optimismus, von Leidensdruck geprägt. Felt Like Dying, dessen Musik endgültig in sphärischem Schweben aufgeht, ist halb Seufzer, halb Durchschnaufen. Der Abgesang „And losing you felt like dying./ All the air had left my lungs./ Your love was so suffocating and it stole my soul./ I was trying to find the words, I tried, but I had to watch you go./ I never wanted it to end like this.“ könnte kaum beklemmender ausfallen. Wie die gewählten Beispiel zeigen, ist Brown und ihrem Kollegen Aaron Domingo mit Living Rooms ein Werk ätherischer Klänge und von emotionalen Wunden erzählender Lyrics geglückt. Die Seele kann oft ein sehr einsamer Ort sein und das Herz von einem Zwiespalt in den nächsten tappen. Wenn diese Erkenntnis dann noch in solch musikalische Schönheit gebettet ist, kann man nur noch staunen.  Weiterlesen