Die Ü-40-Bibel – Tocotronic

Es kommt die Zeit im Leben, da man mehr in der Erinnerung schwelgt, als erwartungsvoll nach vorn zu blicken. Nun hat diese Unausweichlichkeit auch Tocotronic ereilt. Ein bitterer Beigeschmack bleibt vielleicht zurück, wenn die Helden der eigenen Jugend nun quasi als Zwischenresümee Rückschau halten, während man selbst eventuell noch voller Erwartung all der Dinge harrt, die noch kommen mögen, ja müssen. Um bei der Beschäftigung mit dem neuen Album Die Unendlichkeit auf einen grünen Zweig zu kommen, sollte man sich nochmals kurz K.O.O.K. aus dem Jahre 1999 ins Gedächtnis rufen. Tocotronic gelang damit die große Deutung und Ausgestaltung von Jugend, nicht weniger als das Porträt einer Generation. Es erzählte von Unangepasstheit und Erkundung der eigenen Identität inmitten der piefigen Szenerie deutscher Vorstädte. Bald 20 Jahre später lässt sich nun anhand von Die Unendlichkeit überprüfen, inwieweit Dirk von Lowtzow, Jan Müller und Arne Zank den Verlockungen der Spießbürgerlichkeit erlegen sind. Wie viel K.O.O.K. steckt noch in Tocotronic? Oder sind sie heute nur gut situierte Pseudo-Revoluzzer, die eine Vergangenheit verklären, weil sie mit dem Heute wenig anzufangen wissen? Die neue Platte gibt eine souveräne Antwort!

Photo Credit: Michael Petersohn/UniversalMusic

 

 

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