Der kleine, große Klacks – Postcards

Nein, früher war nicht alles besser. Ein bisschen vermisse ich jedoch die Zeiten, als man eine neue musikalische Entdeckung mit fast zitternder Stimme jenen Freunde weitererzählte, die man auch für würdig hielt, solch Klänge schätzen zu können. Als man Musik zunächst auf Kassetten überspielte und später auf CDs brannte, um sie Gleichgesinnten stolz zu überreichen und mit lässiger Beiläufigkeit den Satz „Hör dir das mal an. Ist echt dufte!“ zu äußern. 2018 ist alles anders, will man Musik empfehlen, postet man einfach einen Link in sozialen Netzwerken. Dabei steckt gerade hinter dem mit gewissem Aufwand verbundenen Entdeckerstolz die zutiefst soziale Geste des Teilens. Dieser Tage stellt meiner Meinung nach das Bloggen über Musik die größte Entsprechung zu all den beschriebenen Anstrengungen dar. Deshalb wünsche ich mir auch, dass die Band, die ich heute empfehlen möchte, auf zunächst gespitzte und im weiteren Verlauf gebannte Ohren trifft. Und ich hoffe, dass meinen Worten etwas vom Frohlocken von einst innewohnt. Die Formation Postcards habe ich in den vergangenen Monaten mehrfach mit Lob bedacht, heute darf nun endlich die Veröffentlichung des Albumdebüts I’ll be here in the morning bejubelt werden. Dream-Pop war für mich schon immer eine schicksalshafte Herzensangelegenheit. Seit ich letzten Frühsommer zum ersten Mal Klänge der Postcards vernommen habe, war mir sofort klar, dass für diese Musik fortan ein Winkel in meinem Herzen reserviert sein würde. Das mag arg gefühlig klingen, aber Dream-Pop in all seiner Sehnsucht, Entrücktheit und Weltflüchtigkeit verlangt eben danach.

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