Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 14


Wirklich gute Musikvideos sind heutzutage fast noch seltener als wirklich gute Christmas Songs. She & Him bezaubern uns mit beidem. Star des Christmas Memories Videos ist nicht die entzückende Zooey Deschanel, sondern ein durchaus eigensinniges Tannenbäumchen. Eben jenes Weihnachtsgewächs gibt dem Lied auch die Subversion, die dem Weihnachtsalbum fehlt. Denn dem Duo ist eines vorzuwerfen, sie ruhen sich auf ihrem neuen Longplayer ein bisschen zu sehr auf ihrer gemütlichen Niedlichkeit aus und belassen es bei alten Klassikern, die zwar für Millennials neu aufpoliert wurden, wirklich Neues oder gar Originelles suchen wir vergebens.  Weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 13

Unser heutiges Kleinod ist ein bisschen wie der wundervolle Weihnachtsstollen von Großtante Erna. Die alte Dame beherrscht ihre Kunst, allerdings ist sie auch ausgesprochen herrschsüchtig und garstig. Jedes Jahr zu Beginn des Advents verschickt der Hausdrachen der Bäckerskunst ein kleines Stückchen, um die Verwandtschaft zu Heiligabend unter den Baum zu locken. Jedes Jahr streiten sich Engelein und Teuflein was schwerer wiegt: Der Verzicht auf das exquisite Backwerk oder das Erdulden der bösen spitzen Zunge der ebenso schrumpelig wie rumpeligen Verwandten.

Natürlich nun ist Amazon keine alte Dame und schimpft sich wohl eher Player und Marktführer. Die schlechten Arbeitsbedingungen und Niedrigstlöhne, die der Internet-Gigant den Mitarbeitern „bietet“, dürften aber an Menschenunfreundlichkeit wohl noch unsere Tante Erna in den Schatten stellen. Wollen wir uns also wirklich an Weihnachten von Amazon beglücken lassen? Schwierige Frage. Obwohl ich die PINS sehr schätze, habe ich bis heute noch nicht in ihr neues Weihnachtslied Come on Home (It’s Christmas) reingehört. Dazu müsste ich das Haus des Übels betreten und erstmal Amazon Music oder Amazon Prime-Kundin werden. Ironischerweise nennt sich der Sampler Indie For The Holidays.

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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 12

Pop à Noël Saison 2 (2016)

Ein bisschen fühle ich mich beim Anhören von Christmas Compilations an meine Jahrmarktsbesuche als Kind erinnert. Mit staunenden Augen stand ich vor den Losbuden und versuchte meine Erziehungsberechtigten zum Kaufen von Losen zu erziehen. Vielleicht, vielleicht, mit ein bisschen Glück würde mir die Glücksfee diesen überdimensional großen Teddy bescheren. Nun da ich erwachsen bin, kenn ich die Vorteile der Kompensation und anstatt meine Taler den Budenzauberern in den Rachen zu schmeißen, wühle ich mich einem Trüffelschwein gleich durch die vielen Weihnachtssampler, stets aber mit der gleichen Aufregung, die ich als kleines Mädchen auf dem Rummel fühlte.  Weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 11

Der Titel Revenge of the Christmas / Son of the Christmas / The Christmas Walks Among Us mag nach einem dreiteiligen Trash-Movie-DVD-Box-Set klingen, das man an einem Grabbeltisch für wenige Euros ausbuddelt. Meilenweit gefehlt! Denn dahinter verbirgt sich eine Xmas-Compilation der sehr besonderen Art. Nämlich eine, die eine große Bandbreite weihnachtlicher Klänge abdeckt. Diese reicht von der ergriffenen Interpretation alter Weihnachtslieder über larmoyante Americana-Balladen und irische Folklore und schiefem Country bis hin zu nachdenklichem Singer-Songwritertum und Folk-Pop mit Retro-Chic. Ob heiliger Ernst oder alkoholschwangere Geselligkeit, ob große Gefühligkeit oder leichter Charme, alles findet sich hier wieder. Fast zwangsläufig hat solch ein Sampler auch eine qualitative Streuung, aber so einige Tracks sind mehr als nur hörenswert. Allen voran Reindeer Tribe mit dem Song It’s Christmas Time. Sixties-Pop vom Schlage einer Nancy Sinatra trifft hier auf Americana-Flair. Es überzeugt als eines der besten Stücke, die 2016 zum Thema Weihnachten aufgenommen wurden! Ebenfalls mehr als nur Gefallen finden wir am Cover von So Much Wine, Merry Christmas von den Cool Shades. Es ist zwar nicht schwer, dieses Lied ordentlich darzubieten, diese Version überzeugt jedoch durch einen unprätentiösen Vortrag mit unaufgeregtem Loser-Appeal. Stark! Wer Singer-Songwriter-Klänge sucht, wird bei Katie King und ihrem Song Holiday Smoke Break at Tina’s fündig. Eine sehr sympathische, helle Stimme mit wunderbar erzählendem Zungenschlag!  Weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 10

Des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid! Gestern bereits haben wir über Menschen gegrübelt, die vom Feiertagsblues befallen sind. Die ausgerechnet das schöne, glückselige Weihnachten nur schwer ertragen können. Heute sind wir leider schon einen Schritt weiter. Der Song Please Don’t Jump (It’s Christmas) beschwört und fleht, doch um Himmels Willen endlich ans Telefon zu gehen, nur ja keine Dummheiten zu machen. So schwer Einsamkeit gerade an Weihnachten wiegen mag, sie sollte trotzdem nie Grund für einen Suizid sein. Denn oft resultiert Einsamkeit ja aus eigenem Verschulden. Wer sich zurückzieht und in Weltschmerz versinkt, übersieht vielleicht dabei, wie viel an Zuneigung Familie und Freunde immer noch hegen. Please Don’t Jump (It’s Christmas) ist ein höchst eindringlicher, verzweifelter Versuch, die Katastrophe noch abzuwenden. Dallon Weekes, bekannt als Bassist von Panic! At The Disco, ist ein feines Stück Singer-Songwriter-Alternative gelungen, das in den Strophen melodisch und nachdenklich wirkt, im Refrain geradezu herzzerreißend aufjault.  Weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 9

Heute empfehlen wir tanzbaren Pop-Rock mit Country-Note, der die Laune derer heben soll, die der Feiertagblues voll erwischt hat. Denn natürlich taugen Feiertage auch dazu, die Grenzen der persönlichen Leidensfähigkeit stets neu auszuloten. Man denke an all die Firmenweihnachtsfeiern, bei denen plötzlich nett tut, wer die restlichen Tage im Jahr eher ungemütlich ist. Man führe sich den Trubel in Einkaufszentren vor Augen, jenes Gemetzel, das von den Geschäften fast höhnisch mit weihnachtlicher Fahrstuhlmusik unterlegt wird. Man erinnere sich an all die erhaltenen Geschenke, die man im Leben nicht gebrauchen konnte. Das Fest der Feste liefert genug Gründe, in Depressionen zu verfallen. All dem stellt die US-Singer-Songwriterin Carly Jamison mit Keeping Christmas den Appell entgegen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Im Refrain „You know the bells will be ringing, carolers singing, ain’t no cold dark silent night./ We got the fireplaces burning and turntables turning and a mood merry and bright./ As we gather together in our ugly sweaters eating cakes, candies, and pies,/ We’re keeping Christmas spirits high, keeping our Christmas spirits high.“ steckt die Überzeugung, das Weihnachten gelingt, wenn man auch daran glaubt. Und eben nicht hinter allen Gepflogenheiten und Traditionen nur Ungemach und Qual wittert.  Weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 8

Weihnachten in der Postmoderne taugt eigentlich zum mittleren Drama. Ob es nun bloß mit ironischer Brechung begangen wird oder aber zum seichten Wohlfühlfest verkommt. Ob es von Traditionalisten dazu missbraucht wird, alle Veränderung zu beklagen, gerade so als wäre Welt und Zeit tatsächlich irgendwann stillgestanden. All diese Zugänge führen zu einer Atmosphäre, die jegliche Besinnlichkeit erschwert. Da kommt eine Formation wie Erdmöbel gerade recht. Sie hat längst einen ganz eigenen, kleinen Weihnachtskosmos entworfen. Seit 10 Jahren beschert uns die aus Markus Berges (Gesang, Gitarre), Ekki Maas (Bass), Wolfgang Proppe (Keyboard) und Christian Wübben (Schlagzeug) bestehende Band Kompositionen, die sowohl um Abgrenzung zum weihnachtlichen Wahnsinn bemüht sind, als auch Ehrfurcht vor der Anziehungskraft dieses Fests offenbaren. Erdmöbel zeichnet lakonisches Understatement und trockene Poesie – gepaart mit gewitztem Indie-Pop – aus. Was immer sich an allerlei Wünschen, Erinnerungen, Enttäuschungen vor Weihnachten ansammelt, es schlägt sich im Schaffen Erdmöbels nieder. Das 2014 veröffentlichte Album Geschenk zählt zweifelsohne zum Besten, was deutscher Pop je zum Fest beigesteuert hat. Bereits letztes Jahr wurde es um 3 Lieder erweitert, 2016 gibt es einen weiteren neuen Track zu vermelden. Weihnachten im Weltall, ein Duett mit Rula Loucopoulos, versprüht altbekannten musikalischen Charme. Im vermeintlichen Sci-Fi-Dada dieses Stücks verbirgt sich einmal mehr Nachdenklichkeit. Die Zeile „Wir alle spüren von Jahr zu Jahr mehr den freien Fall.“ lässt sich leicht aus dem Kontext der Weltraumgeschichte herausbrechen und zu einer generellen Einschätzung der Gegenwart umdeuten. Erdmöbel reflektieren oft humorvoll bis bittersüß, nie belehrend oder verbittert. Eine Aura der Liebenswürdigkeit umgibt den kauzigen Kern der Lieder. Das macht sich auch bei Weihnachten im Weltall bemerkbar, dem in bester Tradition ein komisches Musikvideo spendiert wurde.

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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 7

Photo Credit: Sarah Buthmann

Photo Credit: Sarah Buthmann

An Erfolgsrezepten sollte man nicht rütteln, sie lediglich ein wenig adaptieren, gerade so viel halt, dass niemand Plagiat rufen kann. Die Dänin Vida Sophia, die von der werten Kollegin Eva-Maria als skandinavische Lana Del Rey empfohlen wurde, beschert uns mit dem Song Home for Christmas mit Synthie verbrämten (Dream-)Pop. Der Track kann und will nicht leugnen, von Last Christmas inspiriert worden zu sein. Auch ein Act wie Beach House scheint Vida Sophia nicht fremd. Aus all den Verweisen lässt sich bereits ableiten, dass Home for Christmas als gelungenes Stück Pop mit lässig-beiläufigem Gesang überzeugt. Solch Vortrag stellt zugleich sicher, dass die Nummer nie in Kitsch oder Belanglosigkeit abdriftet.  Weiterlesen

Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 6

All der weihnachtliche Enthusiasmus ist keine Garantie dafür, dass eine Liebhaberei tatsächlich große Freude beschert. Zugleich sind jede Menge Herzblut und aufrichtige Verbundenheit mit dem Fest die allerbeste Voraussetzung für eine mehr als gelungene Weihnachtsüberraschung. Seit vier Jahren schon hat es sich der Snowflakes Christmas Singles Club aus den Niederlanden zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr ein paar feine, sehr sorgsam ausgewählte weihnachtliche Singles zu veröffentlichen. Diese Editionen kommen ganz altmodisch auf Vinyl daher, dieses Jahr in festlichem Schneeweiß. Der Snowflakes Christmas Single Club betreibt beste Traditionspflege, bereitet auch ein echtes haptisches Vergnügen. Der Fokus auf ein originales Weihnachtslied als A-Seite und eine Coverversion auf der B-Seite ist ebenso eine tolle Idee. Die liebevolle Aufmachung allein wäre jedoch gar nichts wert, wenn sich nicht auch jedes Art Musiker finden würden, die den perfekten Rahmen mit tollen Klängen veredeln. Das ist auch im vierten Jahr des Bestehens wieder geglückt. Bestens sogar!

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Der klingende Adventskalender 2016: Türchen 5

Es gibt nichts, was es nicht gibt! Der Track, der sich hinter dem fünften Türchen unseres klingenden Adventskalenders verbirgt, kommt über den Umweg via Indonesien zu uns. Shiny Happy Records nennt sich ein DIY-Label aus Indonesien, das Veröffentlichungen noch ganz altmodisch lediglich auf CD-R oder Kassette anbietet. So auch die anstehende Christmas-Compilation Under The Christmas Twee. Wie der wirklich herzige Titel bereits verrät, haben wir es hier mit Twee-Klängen und Indie-Pop zu tun. Eines der Lieder heißt No Room At The Inn und packt die weihnachtliche Herbergssuche in ein melodisch pfiffiges, herrlich eingängiges Bubblegum-Pop-Gewand. Wen wundert es da noch, dass der Name des Projekts tatsächlich Bubblegum Lemonade lautet.  Weiterlesen