Archiv der Kategorie: Konzerte

Konzerttipp: 12.04.2017 – Ja Ja Ja mit IRAH und Mikko Joensuu

Ich bin ein großer Bewunderer skandinavischer Klänge. Doch neben all den musikalischen Qualitäten muss man auch den Vermarktungsfertigkeiten der Nordlichter applaudieren. Frei von jeglichen Eitelkeiten arbeiten Förderprogramme aus Dänemark, Finnland, Island, Schweden und Norwegen zusammen, um Skandinavien als musikalisches Schwergewicht weiter zu etablieren. Von so viel Kooperationswillen könnten sich andere europäische Regionen ruhig eine Scheibe davon abschneiden. Ein Beispiel dafür ist die Reihe Ja Ja Ja, die aufstrebende Acts nach London und Berlin schickt, sie im Rahmen von Club-Nächten auch außerhalb der Herkunftsländer bekannt macht. Und speziell die nächste Ausgabe von Ja Ja Ja könnte großartiger nicht ausfallen, kommen doch das dänische Trio IRAH, der finnische Singer-Songwriter Mikko Joensuu nach Berlin. Was habe ich mir doch in den letzten Jahren die Finger wund geschrieben, um diese Ausnahmeerscheinungen anzupreisen! Grund genug also, nicht nur auf dieses einmalige Konzert zu verweisen, sondern nochmals das Tun der genannten Acts kurz hervorheben.

Photo Credit: Nick_Hune

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Dark Dark Dark live – Comet 30.06.2011

Manchmal muss man verkorksten Umständen eine starke musikalische Protestnote überreichen. Und zwar in der Manier wie es Dark Dark Dark am Donnerstagabend im Berliner Comet Club taten. Doch beginnen wir der Reihe nach. In den letzten zwölf Monaten habe ich Konzerte wie der Teufel das Weihwasser gemieden. Aufgrund andauernder Rückenprobleme stehe ich mir nur ungern die Beine in den Bauch, gehe jedem Hauch von Gedränge bestmöglich aus dem Weg. Wenn jedoch eine derart begabte Band – wie ich jüngst hier erklärte – die Stadt heimsucht, darf man sich schon einmal am Riemen reißen.

Photo Credit: Tod Seelie

Was ist das eigentlich für eine geradezu zwanghafte Geheimhaltungsmasche, mit der speziell Indie-Clubs den Konzertgängern begegnen? Die auf Plakaten oder im Internet angegebene Uhrzeit deckt sich nie mit dem realen Beginn eines Konzertes. Im Idealfall benennt sie den Zeitpunkt, an dem der Sound-Verantwortliche in Seelenruhe damit beginnt, die nicht vorhandenen Ärmel seines T-Shirts mit stoischer Ruhe hochzukrempeln. Nun vermochte ich die Zeit durchaus so sinnvoll wie grummelig zu nutzen und den Blick auf das eintrudelnde Publikum zu werfen. Man will ja erforschen, mit wem man in Sachen Musik eine geschmackliche Schnittmenge teilt. Im konkreten Fall leider auch mit Mittzwanzigerinnen, die die scheußlichsten Klamotten der Achtziger aus dem Lokus der Modehistorie rausgefischt haben. Da rumpelstilzete ich im Geiste mit Vehemenz, da – aus grundsätzlichen Überlegungen heraus – Hässlichkeiten in meinem ästhetischen Kosmos höchsten peripher geduldet werden.

Finde weitere Songs von The Information Age bei Myspace Musik

Mit gehörigem Wohlwollen könnte man den eigentlichen Beginn als cum tempore titulieren. Dann nämlich schritt Herr The Information Age, ein Berliner Singer-Songwriter, auf die Bühne. Und wählte zum Beginn ein Liedchen, dass selbst Tote in ein hartnäckiges Koma fallen lassen würde. Man verstehe mich bitte richtig, ich kann dem Bild Bärtiger junger Mann mit Akustikgitarre auf streiholzheftchengroßer Bühne durchaus etwas abgewinnen. Es darf – soll sogar – Musik existieren, die nicht wie ein wild gewordenes Duracell-Häschen durch den Raum steppt. Zur Einstimmung auf Dark Dark Dark jedoch hätte Mozarts Requiem die Besucher auch nicht übler getriezt. The Information Age war zur falschen Zeit am falschen Ort, an den Lieder selbst habe ich wirklich nichts auszusetzen.

Irgendwann nach 10 Uhr quetschten sich auch Dark Dark Dark samt ihren Utensilien auf die Bühne. Sechs sympathische Musiker mit allerhand Instrumenten, die weder die Größe eines Triangels aufwiesen noch einem Klavierflügel Konkurrenz machten. Dennoch platzte das Podest aus allen Nähten, musste sich der Banjo-Spieler, den man ohne große Fantasie als jüngeren Doppelgänger des deutschen Schauspielers Lars Rudolph beschreiben kann, an den äußerten Rand des Podiums quetschen, mit einem Bein praktisch noch in der Garderobe stehend. Jede semiprofessionelle Menschenschmugglertruppe würde ihrer Klientel nie und nimmer ähnliches zumuten. Der Bewegungsspielraum der Akteure lag bei gefühlten fünf Nanometern. Doch die Formation rund um Sängerin Nona Marie Invie trotzte der Enge. Ließ sich auch von der Schwarzen Magie (laut Invie) des Sounds nicht übertölpeln, die das eine oder andere markerschütternde Pfeifen durch den Saal jagte. Einen kurzen Moment lang schienen sich Dark Dark Dark durch den Auftritt quälen zu wollen, ehe sie sich wieder auf die Freude an ihrem Tun besannen.

Dark Dark Dark – Daydreaming by supplyanddemand

Die Formation aus Minneapolis besitzt die Gabe, ihre Songs auch live verspielt wie bodenständig zu präsentieren, beschwingt und entzückend berührend zu gleich. Die Verschrobenheit ihres Auftretens, unter anderem am überdimensionierten Kassengestell auf der Nase der Sängerin festzupinnen, vergegenwärtigte dem Betrachter stets, dass jene Musiker auch herbe Akzente setzen möchten. Das elfenhafte Element ihres Werks in patenten Feinripp packen. Die rustikaleren Stücke (Celebrate) gewannen im konzertanten Vortrag noch an Kraft, nicht zuletzt wegen des routinierten wie stimmigen Zusammenwirkens der einzelnen Mitglieder. Manch magischem Moment ihres jüngsten Album Wild Go vermochte Dark Dark Dark auf der Bühne keine zusätzliche Facette abzuringen, die wundervolle Erbauungsballade Robert ließ sich einfach nicht gefinkelter darbieten. Schlechthin ergreifend fiel bei diesem Gig jedoch Daydreaming aus, brachte das mit jedem Lied begeistertere Publikum sehr in Wallung, was sich nach Ende des einstündigen Konzerts in kräftigem Applaus ausdrückte. Und die Band dazu ermutigte, gleich zweimal für insgesamt drei Zugaben erneut das briefmarkenkleine Podest zu erklimmen. Spätestens hier waren den Herrschaften die Freude und der Spaß anzumerken, wie Sängerin Invie auch zugab, um zugleich den ernsthaften Anspruch augenzwinkernd über zu betonen.

Trotz des von der Band nicht gewollten Lo-Fi-Charakters dieses Abends konnten auch Störgeräusche den Erfolg nicht beeinträchtigen. Dark Dark Dark ist eine der interessantesten Bands der Stunde, gehaltvoll und unterhaltsam, tugendreich. Man sollte die noch anstehenden Termine unbedingt wahrnehmen.

Konzerttermine:

04.07.11 Hamburg – Kulturhaus III&70
05.07.11 Jena – Café Wagner
06.07.11 Bremen – Breminale

SomeVapourTrails

Scanners – AllSaints Basement Sessions + Konzerttermine

 

Live-Sessions packen mich selten wirklich, Youtube quillt über mit Wohnzimmer- bzw. Balkon- bzw. Taxi- bwz. was-weiß-ich-noch-Sessions. Dank entsprechender Iphone-App ist sowieso alles Kunst und schnell im Kasten, Können und Kamera obsolet. Bei meinen Lieblingsbands hör ich dann aber doch immer wieder hin, meistens schnell wieder weg, heute jedoch bin ich länger dran geblieben  und bin sehr begeistert.

Scanners „Salvation“ – AllSaints Basement Sessions

Scanners „Babyblue“ – AllSaints Basement Sessions

Tatsächlich finde ich die Songs live noch intensiver als auf Platte, das gibt’s bei mir selten. Ich habe mir anders als mein Co-Blogger und Bettnachbar bisher kein einziges Live-Album irgendeiner noch so verehrten Lieblingsband gekauft und liebe wohle polierten Studiosound. Die AllSaints Basement Session macht aber Lust, die Scanners endlich mal auf der Bühne zu erleben, daher hab ich gleich die Konzerttermine rausgesucht. Ab in euren Terminkalender damit und hingegangen, dürfte toll werden. Einige Temine sollen noch dazu kommen, ich hoffe Berlin wird mit dabei sein.

 

Live erleben:

 

Juni
3.6.11 Homberg (Efze) – Musikschutzgebiet Festival (Headline)
4.6.11 München – Atomic Café
6.6.11 Saarbrücken – Kleiner Garage Club

August

4.8.11 Freiburg -Swamp
5.8.11 Basel – Im Fluss Festival
6.8.11 Salzburg – Stuck! Festval
9.8.11 Wiesbaden – Schlachthof
10.8.11 Bremen – Tower

Link: Scanners Homepage

Konzerte, die man nicht verpassen sollte (III)

Wenn ich dieser Tage Ha anstimme, dann verbirgt sich hinter diesem Ausruf keine soeben getätigte musikalische Entdeckung, es folgt vielmehr ein schnödes tschi! Aus unsäglichen, erkältungstechnischen Gründen gibt es heute deshalb eine abgespeckte Variante unserer Konzertlichtblicke.

Scanners:

Eine der absoluten Lieblingsbands meiner werten Co-Bloggerin DifferentStars begibt sich soeben auf ausgedehnte Deutschlandtournee. Die Scanners haben wir ja schon mehrfach ins Rampenlicht gestellt, da und dort beispielsweise. Das aktuelle Album Submarine ist wahrlich nicht von schlechten Eltern und hat am 24.09. nun endlich auch seinen Deutschland-Release auf Unter Schafen erlebt.

Konzerttermine:

06.10.10 Berlin – Lido
08.10.10 Hamburg – Grünspan
09.10.10 Köln – Stollwerk
10.10.10 Stuttgart – Universum
11.10.10 München – Ampere Club
12.10.10 Leipzig – Sweat Club
13.10.10 Dresden – Beatpol
14.10.10 Frankfurt/Main – Batschkapp
15.10.10 Münster – Sputnikhalle
16.10.10 Kassel – Schlachthof
19.10.10 Köln – Blue Shell
20.10.10 Frankfurt/Main- Sinkkasten
21.10.10 Koblenz – Circus Maximus
22.10.10 Weinheim – Cafe Central
23.10.10 Freiburg – Swamp

Carla Bozulich:

Prince Of Truth

Carla Bozulich wurde vor mir vor kurzem von das klienicum empfohlen. Nun war mir ihr Name durchaus ein Begriff, aber Namen sind mitunter Schall und Rauch. Brav folgte ich seiner Empfehlung und habe mich in die letzte Platte Prince Of Truth eingehört, an der sie als Frontfrau der Band Evangelista mitgewirkt hat. Was soll ich sagen. Was soll ich sagen, außer dass ihre raue, markante, eindringliche Stimme dem anspruchsvollen Hörer Schauer um Schauer über den Rücken zaubert. Laienhaft formuliert, wie ich sie behelfsweise als sinister-experimentelle Inkarnation einer PJ Harvey titulieren. Aufgepasst: Frau Bozulich befindet sich auf Europa-Tour.

Prince Of Truth – EVANGELISTA by Constellation Records

Konzerttermine:

15.10.10 Schorndorf – Manufaktur
16.10.10 Delémont (CH) – S.A.S.
18.10.10 Genf (CH) – L’Usine
02.11.10 Graz (A) – Postgarage
06.11.10 Wels (A) – Music Unlimited Festival
07.11.10 Wels (A) – Music Unlimited Festival

Natureboy:

Über Natureboy habe ich bereits genügend Worte verloren, schone daher meine angekratzte Stimme und belasse es bei einem nochmaligen Ausrufezeichen bezüglich der anstehenden Tournee.

Na gut, einen Titel als Hörprobe will ich zur stärkeren Verlockung noch ins Feld führen:

Mardi Gras.bb

Über die im Frühjahr zur Welt gekommenen Platte Von Humboldt Picnic habe ich mich ja rundum positiv ausgelassen. An einer Erwähnung in den Top 10 meiner Jahresbestenliste besteht kein Zweifel. Mardi Gras.bb sind eine feine Gruppe. Von daher sei auch ein Konzertbesuch angeraten.

Konzerttermine:

08.10.10 Leipzig – Schaubühne Lindenfels
14.10.10 Köln – Stadtgarten
15.10.10 Koblenz – Café Hahn
30.10.10 Bern (CH) – Mahogany Hall
04.11.10 Hamburg – Knust
05.11.10 Bremen – Lagerhaus
06.11.10 Nürnberg – K4
20.11.10 Stuttgart – Merlin

Hundreds:

Und nochmals alte Bekannte, die ich zuletzt hier zur Live-Betrachtung ans Herz legte. Hundreds haben soeben auch ein neues Video zum Song Solace fabriziert.

Tour-Daten:

20.10.10 Essen – Zeche Carl
21.10.10 Bielefeld – Bunker Ulmenwall
22.10.10 Würzburg – Café Cairo
23.10.10 Wiesbaden – Schlachthof
26.10.10 Köln – Studio 672
27.10.10 Karlsruhe – Tollhaus
28.10.10 Tübingen – Club Voltaire
29.10.10 Lüneburg – Salon Hansen
30.10.10 Osnabrück – Glanz & Gloria
02.11.10 Neubrandenburg – Mixtape
03.11.10 Rostock – MS Stubnitz
04.11.10 Potsdam – Waschhaus
05.11.10 Weyer (A) – Bertholdsaal
06.11.10 Salzburg (A) – Rockhouse

Das soll es auf die Schnelle gewesen sein. Viel Vergnügen!

SomeVapourTrails

5 Acts, die man sich beim Reeperbahn Festival angucken sollte

Heute will ich kurz und knapp 5 ganz tolle Musiker und Bands empfehlen, die dieser Tage beim Reeperbahn Festival in Hamburg auftreten und auch sonst das eine oder andere Konzert in Deutschland geben. Also Kugelschreiber gezückt und Ohren gespitzt! Denn wohl nicht jeder dieser Acts scheint bereits hinlänglich bekannt. Zu Unrecht, wie ich meine…

Exit Calm (Sheffield, UK)

Ich habe über die Herrschaften von der Insel ja bereits kurz berichtet. Und natürlich bleibe ich auf dem Standpunkt, dass sie die neuen U2 sind. Exit Calm erinnern in mancher Hinsicht an die Iren – und fabrizieren aktuell die weitaus besseren Songs. Das selbstbetitelte Album ist im Juli erschienen. (25.09.2010 22:00 – 23:00 Silber)

Weitere Konzerte:

23.09.10 München – 59:1
24.09.10 Frankfurt – Das Bett
26.09.10 Bremen – MS Treue
27.09.10 Berlin – Frannz Club

Hannah Georgas (Vancouver, Kanada)

Dieser Singer-Songwriterin wurde bereits mehrfach meine Aufmerksamkeit zuteil, zuletzt hier. Hannah Georgas ist vielseitig, ihre Lieder eingängig. Davon zeugt ihre im Frühjahr erschienene Platte This Is Good. (24.09.2010 23:15 – 00:00 Angie’s Nightclub)

Weiteres Konzert:
24.09.10 Hamburg – Platzhirsch (Canadian Independent Music Association Showcase)

Evening Hymns (Toronto, Kanada)

Mastermind Jonas Bonnetta liefert mit den Evening Hymns Indie-Folk ab, der selbst an den hohen kanadischen Standards gemessen wirklich mehr als nur ordentlich ist. Ende letzten Jahres kam mit Spirit Guides eine ungemein intensive Scheibe heraus. (24.09.2010 20:00 – 21:00 St. Pauli Kirche)

Weitere Konzerte:

23.09.10 Berlin – Schokoladen
24.09.10 Hamburg – Platzhirsch (Canadian Independent Music Association Showcase)
25.09.10 Saarbrücken – sparte4

Timber Timbre (Montreal, Kanada)

Soeben wurde die 2009 erschienene gleichnamige Platte von  Timber Timbre in einer erweiterten Version neu aufgelegt. Das sollte nicht nur Folk-Begeisterte in Wallung versetzen. (24.09.2010 21:30 – 22:20 St. Pauli Kirche)

For a Minor Reflection (Reykjavík, Island)

Post-Rock aus Island. Noch Fragen? For a Minor Reflection warten noch auf den großen Durchbruch, wobei selbiger absehbar ist. Vielleicht sogar schon mit dem 2010 veröffentlichten Album Höldum í átt að óreiðu. (25.09.2010 20:30 – 21:15 Gruenspan)

Weitere Konzerte:

26.09.10 Berlin – Comet
28.09.10 München – Atomic Cafe
29.09.10 Dresden – Beatpol
30.09.10 Köln – Gebäude 9

Link:

Offizielle Webseite des Reeperbahn Festivals

SomeVapourTrails

Konzerte, die man nicht verpassen sollte (II)

Wenn der Herbst seinen grauen Schleier über das Land hängt, bietet der heimische Kamin samt musikalischer Beschallung wohlige Wärme. Wer soziale Interaktion anstrebt, könnte sich auch in einen Club begeben und dort süßen bis schwermütigen Klängen den Handkuss geben.

Damien Jurado

Photo Credit: Lance Troxel

Ach was habe ich diesen Singer-Songwriter nicht schon Superlative gewidmet. Da liegt es doch auf der Hand, dass ich seine drei Auftritte in Deutschland besonders empfehle. Das aktuelle Werk Saint Bartlett bietet sich gerade zu an, in den Top 3 meiner diesjährigen Lieblingsalben zu landen. Damien Jurado hat erst vor wenigen Tagen ein kostenloses Cover-Album der Allgemeinheit zum Geschenk gemacht. Mehr dazu hier.

Konzerttermine:

15.09.10 Hamburg – Kulturhaus III&70
16.09.10 Berlin – NBI Club
17.09.10 Leipzig – UT Connewitz

Rachel Grimes

Bereits vor einem Jahr habe ich Rachel Grimes unseren Lesern vorgestellt und davon gesprochen, dass sie mit viel Sperrigkeit dem Herbst Akkorde auf den Leib schneidert. Das 2009 veröffentlichte Book of Leaves wird zweifelsohne denen Interesse abringen, die der Ausdruckskraft des Pianos vertrauen.

Tour-Termine:

27.09.10 Dresden – Dreikönigskirche
29.09.10 Düsseldorf – Approximation Festival

Schöftland

Auch die Schweiz hat gute Lieder.“ behauptet die eidgenössische Truppe Schöftland auf ihrer MySpace-Seite. Dem hätte ich noch vor wenigen Monaten nur unter Vorbehalt zugestimmt, wurde aber von dem Album Der Schein trügt eines Besseren belehrt. Nun tourt die Band wieder durch hiesige Breiten. Sie stehen für absolut gehaltvolle, besonders textlich interessante Musik. Sonst hätte Gisbert zu Kynphausen dem auf der Platte befindlichem Lied Kleinstadt wohl kaum seine Stimme geliehen.

Konzerttermine:

24.09.10 Stuttgart – Silent Friday
25.09.10 Stuttgart – Café Galao
26.09.10 Köln – Rubinrot
27.09.10 tba
28.09.10 Karlsruhe – Galerie Ferenbalm-Gurbrü Station
29.09.10 Dortmund – Pauluskirche
30.09.10 Frankfurt – Ponyhof
01.10.10 Erfurt – Stadtgarten

Grimoon

Die italienisch-französische Band Grimoon wurde mir bereits vor über einem Jahr einmal empfohlen. Und obzwar mich die chansonesque Musik durchaus eingenommen hat, blieb sie doch stets im Niemandsland meiner Liste zu erwähnender Acts.  So habe ichdie im Juli auf Solaris Empire veröffentlichte CD Super 8 völlig verschlafen. Es zahlt sich jedoch aus, hin und wieder einen Blick auf Facebook zu verschwenden, da ich dort vom geschätzten Musiker Simon nochmals an die Band erinnert wurde. Dieser Tage bereisen Grimoon Deutschland, der Besuch eines Auftritts drängt sich richtiggehend auf. Kostenlose Downloads sind hier zu finden und werden einen positiven Eindruck hinterlassen, daran zweifle ich nicht.

Tour-Termine:

15.09.10 Berlin – Schokoladen
16.09.10 Wetzlar – Franzis
17.09.10 Magdeburg – Moritzhof
18.09.10 Oldenburg – Polyester Club
19.09.10 Rostock – Stubnitz
20.09.10 Hamburg – Pony Bar
21.09.10 Erfurt – Stadtgarten
22.09.10 Berlin – Knochenbox
23.09.10 Apolda – Literatur Weinstube
24.09.10 Ludwigsburg – Luke

Bachelorette

Ab und an gefällt sogar meiner Wenigkeit Electro-Pop, im Falle von Bachelorette sogar sehr. Ihr 2009 erschienenes My Electric Family ist ein wirklicher Genre-Lichtblick. Ihre Live-Auftritte sollte man sich auch dann nicht entgehen lassen, wenn man mit solch Musik im Normalfall wenig am Hut hat.

Konzerttermine:

21.09.2010 Berlin – Privatclub (mit Ólöf Arnalds)
23.09.2010 Leipzig – Conne Island (mit The Chap)
24.09.2010 Dresden – Beatpol (mit Future Islands)
25.09.2010 Nürnberg – K4 (mit Lali Puna)

Pat Appleton

Gerade im E-Mail-Postfach gelandet und sofort für gut befunden. Mir ist die Dame unbekannt, aber man will ja gern neue Dinge kennenlernen. Mittendrin nennt sich das Anfang 2011 erscheinende Album der Sängerin Pat Appleton. Wenn man den Hörproben auf MySpace so lauscht, hat speziell der Song Männer ohne Pferd großes Potential. Eine ausdrucksstarke Stimme, die intelligente Texte unprätentiös singt. Man darf auf die Platte gespannt sein.

Konzert:

23.09.10 Berlin – Lido

SomeVapourTrails

Berlin – Ein Festival schafft sich ab

So und jetzt alle zusammen im Chor: Du, die Halle ist voll, buhuhuh. Das bringt das Fass natürlich zum Überlaufen – und schon hat das Berlin Festival 2010 mächtig Schlagseite. Doch ehe wir uns nun fragen, ob der olle Kahn damit endgültig gekentert oder lediglich die Location Tempelhof über Bord gegangen ist, fassen wir noch einmal kurz die Sachlage zusammen. Man musste wahrlich kein Klabautermann sein, um im Vorfeld der Veranstaltung leise Zweifel am voll umfänglichen Gelingen zu haben.

Wenn man den Freitag mit angesagten Acts (Zola Jesus, Robyn, Editors, Fever Ray) vollpropft, den Samstag dagegen mit einem relativ soliden Programm (Seabear, Tricky) füllt, darf man sich nicht stirnrunzelnd wundern, wenn speziell der erste Tag im Fokus der Besucher steht. So kam es dann auch. Und schon gar nicht hätte dieses rege Interesse zu einem vorzeitigen Ende des ersten Festivaltages führen müssen. Wieviel Milchmädchen steckt in der Rechnung, dass sich die Reihen nach dem mitternächtlichen Betriebsschluss auf der Open-Air-Stage lichten oder zumindest derart auf das Gelände und die zwei Hangar-Bühnen verteilen, dass Staus und Überfüllung ausgeschlossen sind? Irgendwann nach 2 Uhr früh wurde die Reißleine gezogen und die Veranstaltung für beendet erklärt, weil man vor den Schleusen zu Hangar 4 ein Nichts-geht-mehr konstatieren musste. So zumindest die offizielle Darstellung.

War dies das Aus für den geschichtsträchtigen Ort? (Foto Credit: Sibilla Calzolari)

Man benötigt keine besonders voyeuristisch ausgeprägte Ader, um Miss Management unter den Rock zu schauen. Dass gerade in Berlin, wo man wochenends zum uncoolen Spießer mutiert, wenn man sich vor Mitternacht auf die Piste begibt, um just diese Uhrzeit die Lichter der Hauptbühne des Events ausgehen und damit die diversen Nebenschauplätze in den Fokus rücken, sollte keinesfalls überraschen. Wie es trotz dieses Wissens zu den geschilderten Problemen kommen konnte, bleibt unverständlich. So sehr einerseits das Areal des stillgelegten Flughafens Tempelhof nach einer Folgenutzung schreit, so hellhörig sind andererseits die Anwohner, welche sich nach Jahren des Flugzeuglärms mit kaum weniger als einer Oase der Stille zufrieden geben wollen. Unter diesem Aspekt stößt ein mitten in der Stadt verortetes Festival an seine Grenzen, kann das Halli-Galli-Bedürfnis des Publikums in der Weite des Tempelhofer Feldes nicht befriedigen, sondern kuschelt sich ganz eng an das ehemalige Flughafengebäude. Der überdachte Vorplatz und die Einbeziehung der Hangar-Hallen schaffen zwar Wettersicherheit, aber eben auch eine angesichts der Weite der vormaligen Rollbahnen nachgerade lächerliche Beengung des Geländes.

Freilich könnte man auch eine Hymne an das Sicherheitsbewusstsein der Veranstalter anstimmen, der nach einem kritischen Gedränge, welches von Anwesenden weitaus weniger dramatisch dargestellt wurde, sofort die Notbremse zog und die freitägliche Chose noch vor Fatboy Slims Auftritt unterbrach. Warum jedoch wurde der Samstag daraufhin kurzerhand kunterbunt umgekrempelt, alle Shows auf eine Zeit vor Mitternacht verlegt? Wohl um ein ähnlich gestaltes wie programmiertes Chaos zu unterbinden. Dies entpuppt sich doch als peinliches Eingeständnis, dass man bei den Planungen keine zwingend pfiffigen Überlegungen angestellt hat, wie man die Besucherströme nach den  Main-Stage-Gigs entbündelt und auf die restlichen Spielorte splittert.

Der schale Nachgeschmack des Berlin Festivals 2010 lechzt nach einer grundsätzlichen Betrachtung der Ereignisse. Hat sich dieser Event nicht soeben selbst – zumindest in der Form der bisherigen zwei Jahre – abgeschafft? Sollte man ein in dieser Dimension konzipiertes, irgendwo zwischen Indie und Mainstream angesiedeltes Fest für Musikfreunde nicht auf die grünen Wiese, sprich in die Beschaulichkeit Brandenburgs, verpflanzen? Dort wäre der Veranstalter in ein weitaus weniger enges Vorschriftenkorsett geschnürt. Braucht ausgerechnet Berlin mit seinem an jeder Straßenecke, in vielen U-Bahn-Schächten sowie in ungezählten schicken Clubs, versifften Cafés, großen wie kleinen Konzerthallen pulsierenden musikalischen Leben tatsächlich ein Festival-Vehikel? Wäre der Flughafen Tempelhof mit all seiner die Haarspitzen penetrierenden Aura als museale Attraktion nicht wirkungsvoller definiert und somit endgültig in der beschaulichen Wirklichkeit jenes Bezirks angekommen? Eine Beibehaltung des bisherigen Konzepts vermag auch in Zukunft weder Organisatoren noch Besucher vollends zu befriedigen, für diese Prognose brauche ich keine Glaskugel. Wenn an der Örtlichkeit festgehalten werden sollte und zugleich die Auflagen eine Freiluft-Bühne bis in die Puppen verhindern, wäre ein kollektives Ende um 24 Uhr angebracht. Eine Kooperation mit Berliner Clubs könnte den Fortgang der Ereignisse dann andernorts sicherstellen. Wäre im Ticketpreis der Eintritt in jene Clubs samt Auftritt feiner DJ-Acts inkludiert, kämen die Heerscharen nachtschwärmerischer Konzertgänger auf ihre Kosten.

Die Hausaufgaben für das nächste Jahr sind also jetzt aufgegeben – und werden hoffentlich akribisch mit viel Hirnschmalz gelöst. Sonst wird spätestens 2011 ein lautstarkes Mann über Bord erschallen.

Link:

Erlebnisbericht auf direkteingabe.com

SomeVapourTrails

Konzerte, die man nicht verpassen sollte (I)

Heute soll sich alles um das Thema Konzerte deutschsprachiger Künstler drehen…

Jan Josef Liefers & Oblivion

Wenn Schauspieler einen Nebenkarriere als Sänger starten, geht das zumeist schief. Man soll immer das tun, was man am besten kann. Und wenn man nichts kann, am besten nichts. Wahlweise bietet sich bei ausgesprochenem Mangel an Talent auch eine Laufbahn als It-Girl an. Jan Josef Liefers hingegen – um beim Thema zu bleiben – ist auch als Sänger nicht zu verachten, machtmit Soundtrack meiner Kindheit eine sehr gute Figur, liefert von Oblivion unterstützt eine Aufarbeitung, die jedweder Ostalgie ein sattes N vor den Latz knallt, zugleich spannend wie unverklärt bleibt. Auch wenn ich es leider auch bei derzeit laufender Tour nicht auf ein Konzert geschafft habe, ein Versäumnis, das ich bald mal tilgen möchte, darf ich dennoch guten Gewissens seine nächsten Live-Auftritte empfehlen.

29.08.10 Minden – Kultursommerbühne
01.10.10 Erfurt – Alte Oper
02.10.10 Dresden – Staatsschauspiel
03.10.10 Dresden – Staatsschauspiel
07.10.10 Regensburg – Kulturspeicher
08.10.10 Lörrach – Burghof
04.11.10 Oldenburg – Kulturetage
05.11.10 Braunschweig – Stadthalle
06.11.10 Rostock – Stadthalle
08.11.2010 Schwerin – Capitol
09.11.2010 Halle/Saale – Steintor Variete
10.11.2010 Essen – Lichtburg

illute

Die Berliner Liedermacherin illute wird am 01.10. ihr Debütalbum immer kommt anders, als du denkst veröffentlichen. Ich will mein Faible für tiefgründige Fräulein-Musik nicht verhehlen, bin von den ersten Hörproben enorm angetan. Bitte einige Ausrufezeichen hinter das Wort Empfehlung denken.

16.09.10 Hannover – Feinkost Lampe
18.09.10 Kiel – Prinz Willy
19.09.10 Hamburg – Mobile Blues Club
20.09.10 Rostock – Momo
21.09.10 Leipzig – detektor.fm Studiokonzert
22.09.10 Erfurt – Peckhams
23.09.10 Jena – Kunsthof
24.09.10 Gera – Steinweg
25.09.10 Leipzig – Galerie Kunst und Bauschlosserei (K.U.B.)
01.10.10 Berlin – Lux (Record Release Party)

Alin Coen Band

Nochmals zarter Fräulein-Gesang, diesmal von der Alin Coen Band, deren neue Platte Wer bist du? von mir bereits hier als absolut ansprechend beurteilt wurde.


Alin Coen Band – Ich War Hier Live
Hochgeladen von Revolver_Promotion. – Entdecke weitere Musik Videos.

31.08.10 Leipzig – naTo
02.09.10 Chemnitz – Weltecho
05.09.10 Ulm – CAT
06.09.10 Tübingen – Voltaire
07.09.10 Stuttgart – merlin
08.09.10 Freiburg – Jos Fritz Cafe
09.09.10 Karlsruhe – Kohi
11.09.10 Stuttgart – Cafe Galao
14.09.10 Frankfurt/Main – Ponyhof
15.09.10 Wetzlar – Cafe Vinyl
16.09.10 Bonn – Klangstation
17.09.10 Aachen – Raststätte
18.09.10 Marburg – Havanna 8
21.09.10 Gera – Haus der Pioniere
27.09.10 Berlin – Privat Club
28.09.10 Hamburg – Prinzenbar
29.09.10 Köln – BLUE SHELL
30.09.10 München – 59:1
15.10.10 Halle – Riff-Club
16.10.10 Weimar – Kasseturm
18.10.10 Jena – Cafe Wagner

kleinstadthelden

Die kleinstadthelden bringen ab 10.09. den Silberling Osterholz-Scharmbeck unters Volk. Mein erster Eindruck der Scheibe ist noch nicht von überbordendem Enthusiasmus geprägt. Flockig ist die Chose allerdings allemal, schlecht geht anders, keine Frage. Wir werden im Rahmen unserer Vorberichterstattung zum Bundesvision Song Contest 2010, bei dem die Herren das Bundesland Bremen vertreten, im September noch mehrmals erwähnen.

03.09.10 Söhlingen – E-A-O Festival
04.09.10 Aurich – Dinis
14.09.10 Köln – TV Total
15.09.10 Stuttgart – Beat Club
17.09.10 Hannover – Cafe Glocksee
22.09.10 Jena – Rosenkeller
24.09.10 Wilhelmshaven – Pumpwerk
27.09.10 Frankfurt – Nachtleben
01.10.10 Berlin – Bundesvision Song Contest 2010

My Sister Grenadine

Als mir unlängst eine E-Mail ins Postfach flatterte, die ein Album von My Sister Grenadine anpries, konnte ich mit diesem Namen überhaupt nichts anfangen. Diese Unkenntnis ist nun beseitigt. Das Projekt von Vincenz Kokot praktiziert experimentelle Singer-Songwriter-Töne, welche zwar nicht jedermann gefallen dürften, aber das gewisse Etwas für Querschmecker bieten. Ich werde das am 20.08. veröffentlichte Subtitles & Paper Planes in den nächsten 2 Wochen noch mit einem eigenen Eintrag bedenken.

01.09.10 Berlin – Schokoladen (Record Release Party)
03.09.10 Dresden – Ostpol
04.09.10 Göttingen – Living Room Society
05.09.10 Hildesheim – Trillke Gut
06.09.10 Hamburg – Sweet Home
07.09.10 Kiel – Prinz Willy
08.09.10 Rostock – Peter Weiss Haus
09.09.10 Hamburg – Hasenschaukel
10.09.10 Erfurt – Stadtgarten
14.09.10 Fürth – Babylon Kino
15.09.10 Wien (A) – Fledermaus
18.09.10 Stuttgart – Café Galao
19.09.10 Frankfurt – Ponyhof (15:00 Uhr)
19.09.10 Darmstadt – Hoffart Theater (20:00 Uhr)

Francis International Airport / Ginga / Bilderbuch

Ich kann meine Enttäuschung nicht verbergen, dass es zu dem hier ans Herz gelegten Auftritt noch gar keine Rückmeldung gab. Nun ist mir schon klar, dass die erste Septemberhälfte in Berlin mit interessanten musikalischen Veranstaltung vollgespickt ist. Dennoch sollte man dieser Bestandsaufnahme der österreichischen Musikszene ein Ohr leihen. Am am 08. 09. sind im Maria am Ostbahnhof Ginga, Bilderbuch und Francis International Airport zu sehen. Die zu verlosenden Tickets sind nach wie vor mittels Abgabe eines Kommentars erhältlich. Also gefälligst aus den Puschen kommen!

08.09.10 Berlin – Maria am Ostbahnhof

SomeVapourTrails

The Joy Formidable im Comet Club (03.06.10)

Irgendwo zwischen Blondies Debbie Harry in ihren Glanzzeiten und der Perücke Lady Gagas scheint die Frisur der Frontfrau Ritzy Bryan von The Joy Formidable angesiedelt. Während sie mit der unsäglichen Lady jedoch nichts gemein hat, erinnert ihre Bühnenpräsenz jedoch sehr wohl an die energetische Kraft Harrys. Im Grunde scheint der Weg zum Durchbruch mit den besten Voraussetzung gepflastert, wird man von der Band noch viel gutes Dinge hören. Am 03. Juni spielten sie im Berliner Comet Club, direkt am lebendigen Schlesischen Tor.

Auch wenn die Anzahl der Konzertgänger die Hundertergrenze überstieg, die Location ohnehin den intimen Rahmen bedient, hätten sich durchaus mehr Besucher zu dieser Darbietung verirren dürfen. So blieb die Stimmung – abgesehen von der in den vordersten Reihen vertreten Fanschar – zu Unrecht und überraschenderweise ein wenig gedämpft. Dies freilich war keinesfalls das Resultat einer mediokren Performance. The Joy Formidable lieferten eine berserkerhafte Show ab, welche leidenschaftlich, laut und wild die Körper aller Musikenthusiasten zum Erzittern bringen musste. Was Rhydian Dafydd am Bass, Matt Thomas am Schlagzeug sowie Ritzy Bryan in ihrer Doppelfunktion als Gitarristin und Sängerin präsentierten, war direkt angelegter Noise-Pop mit viel authentischem Indie-Herz und ohne Mätzchen. Flockig wie kräftig wurden treibende Sounds in den Raum geworfen, die den Stein der Weisen zwar nicht ausbuddeln, aber eben nie abgelutscht klingen, sich vielmehr ungemein mitreißend entfalten. Wenn eine Gitarre noch Gitarre sein und gemolken werden darf, ein fiepsig-lasziver, melodischer Gesang den nötigen Twist beschert, alle Mitglieder sich in Ekstase bringen, dann erwächst daraus ein zwingende Vorstellung.

Die Waliser haben sich mit dem leider ein wenig kurzen, um die 40 Minuten dauernden Auftritt auf alle Fälle tief in meinen Notizblock geschrieben. Dem für dieses Jahr angekündigten Album darf folglich mit Neugier entgegengesehen werden. Und wer die Möglichkeit hat, sollte sich The Joy Formidable auf alle Fälle live ansehen. Ich jedenfalls fand den Auftritt im Comet Club wirklich ausgesprochen launig.

Tour-Daten:

06.06.10 Hamburg – Molotow
07.06.10 Köln – Studio 672

Links:

MySpace-Auftritt

Rockpalast-Mitschnitt

SomeVapourTrails

Die Kapitalistenschweine in Berlin, West Germany

Die Welt braucht mehr Polemik, denn sie wird von Arschlöchern regiert. So soll es nicht meinem Co-Blogger alleine überlassen sein, hier und da denn Finger in die eitrige Wunde zu legen. Wer richtig geil Kohle scheffeln will, der schmeißt heute den Anzug hin und setzt sich den Irokesenschnitt auf den Kopf, die weniger Mutigen überlassen dies revolutionäre Punkoutfit der Goldgrube, in der sie williges Hipstervolk und Touris neppen. Mit dem Kotti wird schnell die ideale Kulisse gefunden. Draußen auf der Straße und in den U-Bahnschächten verrotten noch die Junkies, die kleine Kreuzberger-Nachtmusik wird von den Sirenen der Polizeiwägen gespielt, hier duftet es noch nach Pisse und Kotze und vergammelten Sperma. Wer hier nicht merkt, dass er zweifelsverboten in der absolut Alternativ- und Punk- und Ultra-Indie-Szene unterwegs ist, der hat zu wenig gekifft im Leben und gehört zu den Spießern, die nur Wein und Bier trinken. Unliebsame Gesellen, die die Goldgräber am Neppen der Touris und Hipster hindern sollten.

Frisch in Berlin angekommen fühlte ich mich auch im Monarchen so richtig am Puls der Zeit, die Paloma Bar, der kleine Bruder gleich neben an eine Verheißung mehr. Missachtet jedoch, weil noch zu Landmädchenhaft hab ich das West Germany, der richtig heiße Scheiß, hier darf man sich um so mehr verarschen lassen. After-Work-Club für die, die Mitte meiden, weil sie zu cool sind. Wonneland für Studis, die das Achtziger-Revival verachten, denn heute werden teuer Punkklamotten mit Ramones-Feel geshoppt.

Der Authentizität zum Beweis sucht man die Homepage des West Germany vergebens. Allein die Adresse Skalitzer Str. 133, D-10999 Berlin darf gefunden werden, sonst zweifelt noch jemand am schon verratzten Schein. Denn MySpace und Facebook sind böse und uncool, the Real deal sind Eigenwerbungen auf qype.

west germany is the hippest little club that you might not have been to… located at skalitzer str. 133 in x-berg (right at the kottbusser tor u-bahn station), you will find a small and grungy club space with a bar, stage, some side rooms and a nice terrace overlooking kotti. expect some really abstract and cutting edge bands like high places, begoo, nadja, telepathe and abe vigoda to name a few… door prices are cheap and the drinks too. the owners are very cool as well! it gets hot in there, so dress accordingly

(Quelle)

Also bitte, nicht einfach Klamotten übergestülpt. DRESS ACCORDINGlY!!! Wär ja noch schöner, wenn jeder so rumliefe, wie es ihm gefiele. Vergesst nicht, das WEST GERMANY ist der hippeste und coolste Laden, der so hip und cool ist, dass ihr euch noch nicht mal vorstellen konntet, dass es so hippe und coole Läden überhaupt gibt, bevor ihr da gewesen seit (hoffentlich passend gekleidet).

Die perfekte Location für die Dum Dum Girls, die teuer produziert so klingen, als hätten sie ihr Debüt in der Garage mit Flohmarkt-Equipment eingespielt. Mit Augenzwinkern macht das Spaß und ist nett anzuhören, ein paar Gehirnzellen muss man schon ausknipsen um, den Indie-Charme zu genießen. (In voller Länge und Breite, mehr dazu hier)

Und nicht böse sein, dass die super coolen Inhaber des West Germany noch richtig harte West-Währung verdienen wollen, sie arbeiten hart am super hippen, indie, die Worte wiederholen sich schon wieder Renomee. Auch wenn die Prinzen wohl viel zu uncool für solch nie gesehenes oder dagewesenes Indie-Etablishment sind, so pfeifen sie doch deren Lied „Man muss ein Schwein sein in dieser Welt“. Die verwuschelten Locken, der betont ausgeleierte Pulli verhüllen nur dürftig des Kapitalisten böse Absicht. Kohle her – ich scheiß auf dich. Die Band von heute, ist das Altpapier von morgen. Heute noch Cutting Edge Act, morgen nur noch ein Bierfahnen müffelndes Gähnen wert. Promotion was für Weicheier, die sich nicht selber auf Qype, Last.fm und so hypen können. Geladene Journalisten sind Kanaille, Blogger uncooles Mistvieh sowieso. Gästelisten was für Spießer, die nicht die Clubbetreiber bereichern wollen.

Am  Kottbusser Tor gelten noch andere Regeln, wer hier nicht merkt, dass er die wahre Indie-Subkultur erlebt und mit Euros bewirft, der ist zu Neukölln oder schlimmer Prenzlauer Berg, Friedrichshain und last but not least: böses Mitte verkommen. Die Dum Dum Girls brauchen auch weiter Berichterstattung wie nen Bissen Brot. Aber da wird drauf geschissen. Die haben schon mal im West Germany gespielt, dass ist Gütesiegel genug, das CBGB’s wirkt blass dagegen und hat nicht nur Blondies Weltruhm begründet. Die Dum Dum Girls glauben den Hype, Zugaben sind was für… ach ich wiederhol mich wieder…. aber süß sahen sie aus auf der Bühne und nett wars, klang ein Lied wie das andere, schön mitwippen konnt man, blieb von unverhofften Melodieschwenkern verschont. Schnell vorbei gings auch. Meine Begleiter haben die Terrasse genossen, ich das Bad in der Menge. Noch mal zahl ich für so was nicht, da kenn ich coolere und hippere und uncoolere und unhippere Gelegenheiten meine Euros mit mehr Spaß zu verschwenden. Aber ich war da im möglicherweise coolsten, hippesten Club der Welt, gemerkt hab ichs halt nicht, nur meinen Enkeln mal erzählen möglicherweise, wenn dem nicht noch erst mal Kinderkriegen im Weg stünde. Aber vielleicht werd ich in diesem Leben ja noch was anständiges, zieh nach Prenzlauer Berg und zelebriere mit Bionade den Abschied von der Suche nach dem Echten im Hype.

DifferentStars