Schatzkästchen 98: The Vaccines – I Can’t Quit

So richtig kneipenhymnigen Britpop mit Schmackes und voll Hemdsärmeligkeit kann die Welt auch im Jahre 2018 gut gebrauchen! Wie erfreulich, dass sich The Vaccines ihrer erbarmen und mit I Can’t Quit einen höchst eingängigen Song raushauen. Von der aufgekratzten Kurzweil her würde ich den Track zum Beispiel mit C’est la vie, dem letzten Kracher der Stereophonics, vergleichen. Es ist auf alle Fälle durch und durch britischer Rock mit jenem ganz eigenen, gerne deftigen Charme. The Vaccines kündigen mit I Can’t Quit ihr neues Werk Combat Sports an.  Weiterlesen

Schatzkästchen 97: Vlimmer – Körperkonstante (Songpremiere)

IDM in Zeitlupe, undergroundiges Zwielicht trifft auf lichte Synthie-Schauer. So stellt sich mir der Track Körperkonstante vor. Ich kann mir die Assoziation an ein von Kugelfesseln gehandicaptes Strafgefangenenballett nicht verkneifen. Durch die kleinen vergitterten Fenster beleuchtet ein Lichtblick in Form von Meteoritenschauer dieses gehemmte, von Tristesse und Isolation umgebene Tänzchen. Körperkonstante verkörpert trotz seiner wavig-düsteren Grundstimmung einen Moment verträumter Kontemplation. Fast überflüssig zu erwähnen, dass diese Nummer von Vlimmer, einem Projekt des musikalischen Tausendsassas Alexander Leonard Donat, stammt. Vor mittlerweile zwei Jahren hat er sein auf 18 EPs ausgelegtes Projekt Vlimmer gestartet, mit den Doppel-EPs IIIIIIII​/​IIIIIIIII ist selbiges nun bei der Halbzeit angekommen. Sich solch ein Mammutprojekt vorzunehmen, ist die eine Sache, in dessen Verlauf jedoch mit der Aufgabe zu wachsen und nicht in Langeweile abzukippen, das verdient ganz große Anerkennung.  Weiterlesen

Schatzkästchen 96: Tocotronic – Hey Du

Gestern ist die neue Single von Tocotronic erschienen. Das bedeutet, dass Menschen mit gehobenem Musikgeschmack den Track Hey Du selbstverständlich längst für sich entdeckt haben. Falls man die gestrige Veröffentlichung doch tatsächlich verpennt hat, sollte eine etwaige Ausrede mindestens das Wort Koma oder besser noch eine Entführung durch Außerirdische beinhalten. Denn Tocotronic sind zurück! Gerade einmal anderthalb Jahre nach Veröffentlichung ihres roten Albums dürfen bereits wieder neue Klänge bestaunt werden. Und Hey Du hat es wirklich in sich. Schon nach dem ersten Hördurchlauf reiht es sich nahtlos in die vorderste Reihe der allerbesten Songs der Band. Über zwei Aspekte des Tracks muss ich kurz ein paar Wörter verlieren. Da wäre zunächst der frische Sound zu nennen. Entgegen der landläufigen Meinung ist Rock alles andere als ein Jungbrunnen. Bands, die in ihren Zwanzigern oder frühen Dreißigern erfolgreich sind, tönen einige Jahre später oft furchtbar dröge und schlaff. Aller Elan ist Biederkeit gewichen, jedwede Aufmüpfigkeit wirkt aufgesetzt. Menschen mittleren Alter sind zu oft viel zu uninspiriert.

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Schatzkästchen 95: Gregor McEwan – << Rewind, Retrack, Rename, Restore

Ein intensiv vorgetragener, melodisch eingängiger Singer-Songwriter-Sound voll Klasse ist nichts, was hierzulande im Überfluss vorhanden wäre. Eben deshalb kann man den Song << Rewind, Retrack, Rename, Restore gar nicht genug hervorzuheben. Gregor McEwan füllt somit eine echte Lücke. Der werte Herr hat bereits zwei Alben auf dem Buckel, geht es nach der ersten Single, könnte das für Anfang 2018 angekündigte From A To Beginning sein bisheriges Schaffen nochmals in den Schatten stellen. Vor wenigen Jahren noch hätte ich die Radiotauglichkeit des Tracks gelobt. Einem freudig-folkigen Beginn folgt eine sehr kraftvolle, rockige zweite Hälfte, deren Lyrics „So take me as I am/ I take you as you are“ wunderbar verfangen. << Rewind, Retrack, Rename, Restore zelebriert ein noch junges Beziehungsglück voll aufrichtiger Gefühligkeit und sobald Gregor McEwan die Liebe aus vollster Kehle besingt, ist man endgültig hin und weg.  Weiterlesen

Schatzkästchen 94: Noel Gallagher’s High Flying Birds – Holy Mountain

„Sergio, ich weiß ja, dass ich der größte Songwriter aller Zeiten bin. Natürlich bist du auch fucking brilliant, aber du bist halt nicht ich! Weißt du eigentlich, dass ich gerade an meiner neuen Scheibe bastle. Da möchte ich all den Grünschnäbel-Pussys wieder mal zeigen, wo der Hammer hängt. Hättest du vielleicht einen Tipp für einen absoluten Megahit? So von angehender Legende zu Ikone?“ könnte ein sichtlich gut aufgelegter Noel Gallagher in kleinem Kreise einem ebenso heiteren Sergio Pizzorno, seines Zeichens Mastermind von Kasabian, zugeraunt haben. Und dem werten Herren könnte dabei tatsächlich ein Funkeln in die Augen gefahren sein. Womöglich hat er sich sofort zu Noel hinübergebeut und ihm eine Idee gleich einem Floh ins Ohr gesetzt. Man weiß es nicht! Vorstellen mag man sich diese Szene jedoch gern, wenn man Holy Mountain ein ums andere Mal anhört.

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Schatzkästchen 93: Is This Really Me – Sun (+Videopremiere)

Photo Credit: Sakari Luhtala

Reinsten Balsam für die Ohren möchte ich den geschätzten Lesern heute anbieten. Der finnischen Formation Is This Really Me ist mit Sun eine fröhliche, beschwingte Folk-Pop-Nummer geglückt. Wer sich die Fleet Foxes voll lichtem Spät-Sixties-Charme vorstellen mag, bekommt eine ungefähre Ahnung von der Schönheit des Songs. Die zarte Magie von Sun stützt sich vor allem auf eine Akustikgitarre, ein heiter klimperndes und erhebenden Harmoniegesang. Der zunächst andächtige Anfang geht bald in hymnische, Wohlgefühl versprühende Rhythmen über. Sun ist ein kleiner Moment der Glückseligkeit, geradezu ein Lichtschimmer, der die Seele streichelt. Panu Artemjeff, Mastermind von Is This Really Me, nennt den Sonnengesang von Franz von Assisi als Inspiration für das Lied. „The sun has been the god for the people during the most of human history. Worshipping the Sun means worshipping the existence of ones‘ mind, the place where everything is valorized. Music, dance and noises of the partying people are old ways to summon the light to our lives. This song was written to this very old purpose. It is a rock bottom riser, a celebration of beauty of life in this lonely planet we occupy.“ fügt er weiter an.

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Schatzkästchen 92: IRAH – Worship The Sun

Photo Credit: Christina Amundsen

Der Reiz von Spiritualität besteht bekanntlich darin, sich als ein Teil von etwas Großem und Ewigem zu verstehen. In der Umarmung einer alles Begreifen übersteigenden Natur oder einer jegliches Erfassen sprengenden Gottheit liegt ein Trost über die Flüchtigkeit der eigenen Existenz. Die archaisch-ätherische Mystik, die den Song Worship The Sun durchweht, ist somit – salopp gesprochen – ein alter Hut. Aber trotzdem darf man der Formation IRAH einmal mehr zu einem famosen Track gratulieren. Ich habe wohl über keine andere Band in den letzen beiden Jahren öfter gebloggt als über diese Dänen. IRAH haben sich mit ihrem Debüt Into Dimensions als fantastische Mixtur aus Björk rund um die Jahrtausendwende, den guten alten Cocteau Twins, Clannad mit ihren New-Age-Anleihen sowie Trip-Hop Portisheadscher Prägung erwiesen. Der neue Song Worship The Sun knüpft an das bisherige Schaffen nahtlos an. Stine Grøns Vortrag ist dazu angetan, die ganze Weite des Universums auszufüllen. Ihre Aura umgibt fabelwesenhafte, andächtige Rätselhaftigkeit. Lyrics wie „Imagine that you’re made of diamonds/ And you light up everything you touch/ Your body heals what’s been broken/ Aligned with your creator part/ Let’s reveal the forces we forgot/ Activate the light within our heart“ scheinen voller Staunen und Sehnsucht zu transzendieren, einem göttlichen Kosmos entgegenzustreben, zugleich tief auf den reinen Grund der eigenen Seele hinabzutauchen.  Weiterlesen

Schatzkästchen 91: Wanda – Columbo

Eine der spannenden Fragen dieses Musikherbsts war wohl jene nach dem Sound der neuen Platte von Wanda. Seit die Österreicher ihr Album Niente für Oktober angekündigt hatten, wunderte zumindest ich mich, ob nach den beiden wie aus einem Guss tönenden Werken Amore und Bussi irgendwelche Änderungen am Erfolgsrezept anstehen würden. Die erste nostalgisch-balladeske Single 0043 gab diesbezüglich nur bedingt Aufschlüsse. Seit heute freilich kann man sich schon an eine Einschätzung wagen. Mit Columbo zeigen Wanda einmal mehr ihr Gespür für Gassenhauer, die man schlicht mitträllern muss. Der Refrain „Am Ende fällt Columbo etwas ein. Lass es unsre Rettung sein! Es wird eine schöne Lösung sein, doch wir beide passen nicht hinein.“ könnte eingängiger nicht ausfallen.  Weiterlesen

Schatzkästchen 90: BEAK> – Sex Music

Damon Albarn wird ja gern als musikalischer Tausendsassa verehrt. Und ganz verkehrt ist diese Anerkennung nicht. Musikalische Connaisseure können aber noch spannendere Künstler nennen. Etwa den virtuosen Herrn Geoff Barrow. Bei diesem Namen mag es nicht sofort bei jedermann klingeln. Aber als eines der Hirne von Portishead hat er die jüngere Musikgeschichte entscheidend geprägt. Und was er seit einigen Jahren zusammen mit den Mitstreitern Billy Fuller, Matt Williams (bis 2016) und neuerdings Will Young als BEAK> auf die Beine stellt, kann sich ebenfalls hören lassen. BEAK> wird von den Beteiligten wohl vor allem aus Hobby betrachtet, die große Ambition diese Klänge mit sehr viel Tamtam zu vermarkten, kann ich bei besten Willen nicht erkennen. Das ändert jedoch nichts an der Großartigkeit, von welcher sich mindestens 99 Prozent aller Musikschaffenden so einiges abschauen könnten.

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Schatzkästchen 89: Kacy & Clayton – The Light of Day

2013 hatte ich auf das exzellente kanadische Duo Kacy & Clayton hingewiesen, mich an dem puristischen Folkalbum The Day Is Past & Gone ergötzt. Irgendwie sind mir die Beiden jedoch aus der Wahrnehmung entfleucht. Deshalb war ich dieser Tage umso erstaunter, welchen Weg das Duo mittlerweile eingeschlagen hat. Die neue Single The Light of Day kündigt das im August erscheinende Album The Siren’s Song an. Produziert wurde das Werk von keinem Geringeren als Jeff Tweedy. Und ja, das hört man! The Light of Day zumindest tönt in bester Roots-Rock-Tradition. Eine psychedelische Note und eine charmante Pedal-Steel-Gitarre verleihen dieser pfiffigen Nummer den Charakter eines Klassikers. Nur zu gut kann man sich ausmalen, dass der Song auch zu Zeiten der Hippies für Furore gesorgt hätte. Und wenn man sich das Cover der Platte so besieht, ist dieser Eindruck auch gewünscht.

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