Archiv der Kategorie: Schatzkästchen

Schatzkästchen 76: Hope Sandoval & The Warm Inventions – Let Me Get There (feat. Kurt Vile)

Über die verehrte Hope Sandoval brauche ich eigentlich nicht mehr viel Worte verlieren – und tue es natürlich einmal mehr. Denkt man an die prägenden Stimmen des Dream-Pop der letzten 25 Jahren, ist ihr Name zuoberst auf der Liste. Sie ist zum Inbegriff einer scheuen Ikone geworden, deren Gesang stets von melancholischer Abgeschiedenheit getragen wird. Ob im Verbund mit David Roback als Mazzy Star oder unterstützt von Colm Ó Cíosóig als Hope Sandoval & The Warm Inventions, ihre seltenen Alben zählen stets zu den Highlights eines Musikjahres. Bereits im Frühjahr wurde im Zuge des diesjährigen Record Store Days mit dem Song Isn’t It True ein erstes musikalisches Lebenszeichen veröffentlicht, verbunden mit der Ankündigung, dass noch 2016 eine Platte folgen würde. Und siehe da, im November soll nun Until The Hunter, das mittlerweile dritte Album mit The Warm Inventions, erscheinen. Wie erfreulich! Auch weil der erste Vorgeschmack darauf schließen lässt, dass Sandoval ihre Magie nicht eingebüßt hat. Let Me Get There ist ein Duett, welches sie zusammen mit Kurt Vile bestreitet. Das Stück besitzt angenehm soulige und psychedelische Akzente, die Chemie zwischen Viles warmer Stimme und einer sacht leidenschaftlichen, sich dennoch in Gedanken räkelnden Sandoval stimmt von Beginn an. Schatzkästchen 76: Hope Sandoval & The Warm Inventions – Let Me Get There (feat. Kurt Vile) weiterlesen

Schatzkästchen 75: Malky – Lampedusa

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Photo Credit: Max Parovsky

Musik kann die gegenwärtigen Probleme auf der Welt nicht lösen. Musik vermag uns allerdings sehr wohl ein bisschen glücklicher, optimistischer zu machen. Und dazu muss sie gar nicht mal weltflüchtig sein. Dem Duo Malky etwa ist mit Lampedusa ein sehr zärtliches Lied geglückt, das als Singer-Songwriter-Folk beginnt und sich in der Folge zu Pop mit viel Seele entwickelt. Der Sänger Daniel Stoyanov kam selbst als Kind von Bulgarien nach Deutschland, er ist somit durchaus dazu prädestiniert, sich dem Thema Migration anzunehmen. Und dies macht er sehr unaufgeregt, in schönen, hoffenden Bildern. Darüber hinaus hat sich Stoyanov viele Gedanken über die derzeit verbreitete Panik gegenüber Zuwanderung gemacht. Ist zur Erkenntnis gekommen, dass die oft beschworene gemeinsame Anstrengung wirklich keine Phrase sein kann, dass auch jene, die eigentlich gegen die Fremden sind, Integration stemmen müssen – und werden. Den die Motivation zu diesem Song erklärenden Facebook-Post sollte man sich genau durchlesen.

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Schatzkästchen 74: Mountain – Hawking

Vielleicht kennen das die Leser dieses Blogs ja! Das Gefühl nämlich, dass etwas fehlt, das das Leben bereichert. Manch Menschen werden nun mit dem Kopf nicken, an viel Geld oder die große Liebe denken. Aber das meine ich gar nicht. Mir geht es eher um ganz winzige Kleinigkeiten, die das Potential besitzen, das Wohlbefinden ungemein zu steigern. Dieser Tage fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass ich im Musikjahr 2016 noch praktisch keinen Post-Rock gehört habe. Irgendwie war in mir schon das unbestimmte Gefühl hochgekrochen, dass trotz viel toller Alben die letzten 8 Monate nicht die ganz große Erfüllung parat hielten. Wie konnten sie auch!? Ohne Post-Rock macht alles musikalische Sein nur bedingt Sinn. Die Formation, die diesen Missstand beseitigt hat, kommt noch dazu aus meiner Geburtsstadt Villach im zweifelsohne schönen, aber nicht eben für außergewöhnliche Musik verschrienen Kärnten. Mountain nennt sich die Band, angesichts der Villach umgebenden Gebirgskulisse ein naheliegender Name. Was mir an den Herren imponiert, ist der rustikale, durchaus altmodische Gitarren-Post-Rock, der in bester Tradition instrumental und beredt zugleich anmutet. Mal mächtig und herb, dann wieder hell und verträumt, Mountain beherrschen den rauen Bombast mindestens so wie die filigrane Stimmungen. Demnächst steht die Veröffentlichung des Albums Evolve an, über das ich nächste Woche noch ein paar Worte verlieren werde. Bis dahin jedoch möchte ich den Leser den Track Hawking ans Herz legen. Schatzkästchen 74: Mountain – Hawking weiterlesen

Schatzkästchen 73: Lions of Dissent – Heaven Sent

Vielleicht geht es ja nicht nur mir so, dass ich Shoegaze an einem heißen Sommertag angenehm erfrischend finde. Falls es den werten Lesern ähnlich geht, möchte ich eine sehr gute Empfehlung weiterreichen. Beim Bloggerkollegen Peter von Coast Is Clear habe ich nämlich Lions of Dissent aufgestöbert. Die Formation aus Wolverhampton, die sich laut eigenen Angaben eher als kreatives Kollektiv denn Band versteht, imponiert mit Heaven Sent, einem Indie-Rock-Track mit starkem Shoegaze-Charakter und einem altmodisch-inbrünstigen Gesang. Beim Indie-Rock der letzten 15 Jahre geht mir mitunter die gesangliche Qual, die überbordende Emotion ab. Eben dies zeichnet den Song aus, dieses schwelgerische Achtziger-Flair. Neben dominanten Gitarren setzen auch Synthies einen atmosphärisch dichten Akzent. Ich würde es wirklich selten nennen, dass ein Lied ungemein wuchtig, ja fast hymnisch, und doch zugleich luftig tönt. Ich bin begeistert!

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Schatzkästchen 72: EUROTEURO – Autogrill feat. Ninjare di Angelo

Die Liebe und Hassliebe zu Italien prägt den Austropop schon seit Jahrzehnten. Von Rainhard Fendrichs Strada del Sole bis hin zu Wandas Amore hat man das schon gehört. Für ein bisschen Sommerflair ist ein Verweis auf Italien nie verkehrt. Das dachte sich auch das aus dem Umfeld der Wiener Band Mile Me Deaf stammende Projekt EUROTEURO, das mit Autogrill eine kecke Hymne an italienische Autobahnraststätten fabriziert hat. Vors Mikro und die Kamera wurde – unter dem köstlichen Alias Ninjare di Angelo firmierend – Nina Petermandl gebeten. Stilistisch tönt der Ohrwurm als charmante Mischung aus Synthie-Pop und NDW-Dadaismus. Autogrill besticht als Karikatur auf die Sehnsucht nach Ferne und Urlaub, dessen Erfüllung ausgerechnet in der Gastronomie einer Austrostada lauert. Es nimmt auf diese Weise die Romantikklischees aufs Korn, die einem Urlaub im Süden so anhaften. Den ehrlicherweise geht die Verlockung nicht von Stränden oder Sehenswürdigkeiten aus, letztlich dreht sich alles nur um ein kleines bisschen Dolce Vita, somit ums Saufen, Fressen und Feiern. Schatzkästchen 72: EUROTEURO – Autogrill feat. Ninjare di Angelo weiterlesen

Schatzkästchen 71: IRAH – Fast Travelling

Ende April bereits habe ich auf die Kopenhagener Formation IRAH große Stücke gehalten. Der grandiose, für die Top 10 des Jahres vorgemerkte Song Into Dimensions ist aus meiner Sicht kaum zu toppen. Mit der Dream-Pop-Nummer Fast Travelling, die das für Oktober avisierte Minialbum Into Dimensions ankündigt, gelingt das Unmögliche jedoch beinahe. Viele Assoziationen sind mir beim Hören durch den Kopf geschwebt. Anscheinend aber nicht nur mir, denn The Line of Best Fit zählt all jene Einflüsse auf, welche auf mir durch die Gedanken geistern. Da wäre eine New-Age-Spiritualität, die in der Liebe den Ursprung aller Erleuchtung sieht. Es wäre der ätherische Glanz der Cocteau Twins als Vorbild zu nennen. The Line of Best Fit sieht sogar Ähnlichkeiten mit Enya. Da mag snobistischen Musikliebhaber kurz angst und bange werden. Dafür besteht aber nicht der geringste Anlass, eine Ehrenrettung Enyas wäre ohnehin unbedingt überfällig. Die das Universum umarmende Leichtigkeit des Sounds, der stete Fluss der Synthies, die dezent-rituelle Percussion und selbstverständlich die elfenhafte Stimme der Sängerin Stine Grøn machen Fast Travelling zu einer Hymne reinsten Herzens. Dem dänischen Trio gelingt abermals eine Erhabenheit, eine Reinheit der Emotion, wie man dies nur selten erlebt. Auch wenn das Debüt nur acht Lieder umfasst, ich würde bereits jetzt darauf wetten, dass es eines der atemberaubenden Werke des Musikjahrs 2016 wird. Schatzkästchen 71: IRAH – Fast Travelling weiterlesen

Schatzkästchen 70: Emma Ruth Rundle – Marked For Death

Seit Tagen schon grüble ich herum. Kann es sein, dass all die viele, über Jahrzehnte konsumierte Musik auf meine Erinnerung drückt? Dass mir ein Song des Jahres 2016 so bekannt vorkommt, so als wäre ich mit ihm vor langer Zeit schon auf vertrautem Fuß gestanden? Beim Song Marked For Death ist der Punkt erreicht, an dem ich dem eigenen Gedächtnis misstraue. Vielleicht fantasiere ich mir Ähnlichkeiten dermaßen zusammen, bis mir der Name des vermeintlichen Vorbilds auf der Zunge liegt. Aber natürlich nicht über die Lippen kommt. Möglicherweise wird der gescheiterte Versuch der Erinnerung aber auch nur vom Wunsch angetrieben, diesem Lied bereits früher begegnet zu sein. Der in Los Angeles ansässigen Singer-Songwriterin Emma Ruth Rundle ist mit Marked For Death eine vom Blues der Seele durchdrungene, erkenntnisschwere Nummer geglückt. Als behelfsmäßige Charakterisierung würde ich davon sprechen, dass eine introspektive, frühe Melissa Etheridge hier auf Furor und Pein einer PJ Harvey trifft. Fast zärtlich rekapitulierende Elemente in den Strophen werden im Refrain von rauer, erbarmungslos selbstzerstörerischer Emotion pulverisiert. Schatzkästchen 70: Emma Ruth Rundle – Marked For Death weiterlesen

Schatzkästchen 69: The Regrettes – Hey Now

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Photo Credit: Jen Rosenstein

Ein vorwitzig aus der Wäsche schauendes, ein bisschen auf zerzaust gestyltes Quartett aus Kalifornien sei den Lesern heute mit gleich mehreren Ausrufezeichen empfohlen!!! The Regrettes machen eingängigen Garage-Pop mit viel Sixties-Charme und einer kräftigen Prise verspielten Punks. Diese Attitüde beschert uns den Ohrwurm Hey Now, der das Zeug zum Indie-Sommerhit hat. Der freche, lärmige Appeal und flapsige Pfiff von Hey Now strotzt vor guter Laune. Mit solch einem Lied auf den Kopfhörern lässt sich beschwingt durch Straßen laufen und den grimmigen Mienen der Mitmenschen die Zunge entgegenstrecken. Wer also ein Faible für melodieverliebten Retro hat, wer die rohe Energie des Punk schätzt, wer einen Song zum Immer-wieder-Hören sucht, ist mit The Regrettes wirklich bestens bedient! (via Nicorola)

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Schatzkästchen 68: Black Marble – Iron Lung

Irgendwie waren wir zu beschäftigt, eine bloggerische Sommerpause an dieser Stelle auszurufen. Ab nun wollen wir aber tatsächlich wieder mehr Musik empfehlen, die ersten netten Vorgeschmäcker auf im Herbst erscheinende Platten trudeln auch allmählich bei uns ein. Eine Nummer, die mir sofort ins Ohr gegangen ist, möchte ich dem Hörer gar nicht erst vorenthalten. Iron Lung entpuppt sich als Synthie-Wave-Stück, das mit charmanten Details punktet. Der Track klingt gedämpft, so als wäre er in einem fast klaustrophobisch engen, mit Watte ausgestopften Raum aufgenommen, der sämtlichen Hall schluckt. Des Weiteren plätschert die Melodie heiter und beschwingt dahin, der Drumcomputer echot ein Wummern, während der Gesang ein wenig heiser und geplagt anmutet. Ein feiner Kontrast, wie ich meine. Chris Stewart weckt mit diesem Track seines Projekts Black Marble die Neugier auf ein für September angekündigtes Album namens It’s Immaterial. Laut Pressetext hat sich Stewart dabei durchaus einiges vorgenommen: „The general mood is that of creating something new, but going back in time to do it. Like attempting to flesh out a song that you woke up humming but can’t find because it doesn’t exist yet. […] It’s a collection of songs pieced together from perfect seeming snippets heard while passing open doors. It’s a framework in which your imagination creates its own version of what you need to hear but didn’t have a way to describe – like a favorite song heard on an unlabeled mixtape by a band you can’t uncover.“ Schatzkästchen 68: Black Marble – Iron Lung weiterlesen

Schatzkästchen 67: Charlotte Cardin – Faufile

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Lust auf ein feines Chanson, das mit sehr großen Augen verwundert in die Gegend schaut, durch städtische Kulissen strolcht, auf der Suche ist, die Liebe vermisst? Dann ist man mit dem Lied Faufile bestens beraten. Faufile stammt von der Frankokanadierin Charlotte Cardin, kündigt ihre demnächst erscheinende EP Big Boy an. Cardin glänzt dabei mit einer ausdrucksstarken Stimme, die elegant zu leiden versteht, vielleicht in höheren Lagen ein wenig heiser klingt. Wenn sie sich von diesen fern hält, besticht sie mit einer tiefgängigen Klarheit, die jedes Wort in Schmerz und Wehmut zu kleiden vermag. Die Ballade rankt sich um ein klassisch gehaltenes Piano, das für dezente Getragenheit sorgt. Faufile ist keine Eintagsfliege, auch andere, bereits veröffentlichte Tracks der EP zeigen eine vielfältige Musikerin. Like It Doesn’t Hurt schlägt eine Brücke zwischen Chanson und R&B, ehe im Verlauf sogar ein Rapper namens Husser das Mikro übernimmt. Les Échardes gefällt als charmantes Pop-Chanson, das auch stinknormale Radiohörer um den Finger wickeln sollte. Die Zweisprachigkeit der EP könnte Cardin tatsächlich helfen, eine größere Zielgruppe anzusprechen. Denn machen wir uns nichts vor, außerhalb frankophoner Länder sind Chansons derzeit nicht wirklich hoch im Kurs. Schade, auch im konkreten Fall, denn gerade die auf Französisch vorgetragenen Lieder sind nicht von schlechten Eltern. Einmal mehr gilt: Entdecken lohnt! (via Filles Sourires auf Facebook)

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