Archiv der Kategorie: Schatzkästchen

Schatzkästchen 82: Lana Del Rey – Love

Let there be 1967 again! Diese Botschaft versprüht der Song Love samt dazugehörigem Musikvideo. Nicht einmal 18 Monate nach ihrem Album Honeymoon gibt es also bereits neue Klänge von Lana Del Rey zu bestaunen. Und was für welche! Love entpuppt sich als bombastisch schmachtender Pop mit einer verführerisch säuselnden Diva am Mikrofon. Und der Clip selbst ist verdammt reich an Bildern, die das heraufdämmernde Back-to-Nature-Gefühl des Hippietums sowie die Faszination des Space-Age nachempfinden. Die glamouröse Petticoat-Seligkeit mag noch nicht völlig verblasst sein, die Abenteuerlust der Beat Generation scheint dafür jedoch bereits voll entfacht. Das Video zeigt verliebte junge Menschen, die in Diners abhängen und danach ihre Cadillacs in die Wildnis chauffieren, um Sonnenaufgänge in der Wüste erleben. Oder um ein Bad in einem See zu nehmen. Zwei Auffälligkeiten durchziehen den Clip. Eigentlich handelt es sich nur eine vorgebliche Zeitreise. Denn trotz der Optik der Sechzigerjahre hantieren die Protagonisten mit Smartphones, in ihren Oldtimern finden sich digitale Autoradios. Man könnte in dem Musikvideo von Rich Lee also den Wunsch herauslesen, dass heutige Teenager wieder etwas von der damaligen Aufbruchsstimmung verspüren. Schatzkästchen 82: Lana Del Rey – Love weiterlesen

Schatzkästchen 81: Circa Waves – Fire That Burns

Eigentlich hätte ich vor mehr als drei Jahren schwören mögen, dass die Liverpooler Band Circa Waves 2017 sogar noch ein Stückchen weiter wäre. Womöglich sieht die Sache in ein paar Monaten auch schon anders aus. Vielleicht gelingt mit dem zweiten Album Different Creatures der ganz große Durchbruch. Das Rüstzeug, die britische Indie-Rock-Band des Jahres zu werden, bringen Circa Waves auf alle Fälle mit. Die Qualitäten hatten sich bereits Ende 2013 mehr als nur angedeutet, weshalb ich sie schon damals zum Hype freigegeben hatte. Nun sollte es endgültig klappen. Auch dank des famosen Tracks Fire That Burns. Ein zunächst treibender, dann bombastisch explodierender Refrain wird von melodischen Strophen samt fast zärtlichem Gesang umrahmt. Ein wunderbarer Song, den man nicht aus dem Ohr bekommt. Dass die Single auch ein starkes Musikvideo spendiert bekommen hat, sollte zum Erfolg beitragen. Ein wenig packt mich der Clip sogar bei der Ehre. Schatzkästchen 81: Circa Waves – Fire That Burns weiterlesen

Schatzkästchen 80: Sjowgren – Now & Then

Ich will keineswegs übertreiben, aber ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass man 2017 musikalisch völlig verpennen würde, wenn man sich den Song Now & Then nicht zu Gemüte führt. Die besondere Güte der Nummer äußert sich in einer im Refrain ungemein heiteren Melodie von hymnischer Qualität, die die entrückte Leichtigkeit der Strophen hervorragend kontrastiert. So klingt Indie-Pop, bei dem nicht jeder Takt und sämtliche Instrumentierung den Regeln der Charts folgend durchkalkuliert sind. Der dreieinhalb Minuten dauernde Geniestreich stammt von einer Formation namens Sjowgren, die zwar auf allen sozialen Plattformen vertreten ist, jedoch eher wenig von sich preis gibt. Als geografische Anhaltspunkt wird die Bay Area, also San Francisco und Umgebung genannt. Schatzkästchen 80: Sjowgren – Now & Then weiterlesen

Schatzkästchen 79: MILCK – Quiet

Was wäre Protest ohne Musik? Was wäre Aufschrei ohne hoffende Klänge? Der Women’s March on Washington kann erst der Anfang einer neuen Frauenbewegung sein, die sich nicht über ideologische Scheuklappen definiert, sondern trotz einiger Unterschiede solidarisch gegen Ungerechtigkeit auftritt. Dass Frauen 2017 noch immer benachteiligt sind, ist belegbares Faktum. Dass mit Trump und dem aufstrebenden Populismus in Europa diese Benachteiligung eher wieder wachsen wird, steht außer Zweifel. All dem mit dem Vorsatz entgegenzutreten, nicht mehr zu schweigen, erscheint mir dringend geboten. MILCK, eine in Los Angeles beheimatete Sängerin, beschert uns mit ihrem Song Quiet eine Pop-Hymne, die sich gegen gesellschaftliche Zwänge und Erwartungshaltungen wendet. Zeilen wie „But no one knows me no one ever will/ If I don’t say something, if I just lie still/ Would I be that monster, scare them all away/ If I let the-em hear what I have to say“ wollen den Schmerz nicht mehr verbergen, sich etwa mit Missbrauch und daraus resultierenden Folgeerscheinungen nicht länger abfinden. Schatzkästchen 79: MILCK – Quiet weiterlesen

Schatzkästchen 78: Tinariwen – Ténéré Tàqqàl

Wenn es um afrikanische Traditionspflege geht, zählen Tinariwen seit vielen Jahren schon zu den Besten ihrer Zunft. Nur zur Erinnerung: Tinariwen sind ein Kollektiv aus Mali stammender Tuareg-Musiker, die als Kinder in algerischen Flüchtlingslagern aufwuchsen, da das Volk der Tuareg seit den Sechzigern in Mali verfolgt wurde. Sie gehören somit einer Generation an, die im Exil als Krieger erzogen wurde. Ende der Siebzigerjahre entstand eine lose Formation musikalisch Gleichgesinnter, die die traditionelle Kultur ihres Volkes sacht modernisierten. Die Inhalte der Musik fokussierten sich natürlich stark auf das Thema Revolution und bereiteten somit auch den geistigen Nährboden für die 1990 begonnene Rebellion der Tuareg, welche schließlich in einem Friedensvertrag mit der malischen Regierung mündete. In den letzten fünfzehn Jahren geriet die Band durch zahlreiche Auftritte in Europa zu bejubelten World-Music-Vertretern, deren weise Folklore von einem bewegten Leben erzählt. Dies wird fraglos auch auf dem für Februar 2017 angekündigten Album Elwan deutlich werden. Ein Kulturpessimismus, der der Moderne mit all ihren  Veränderungen voll Ratlosigkeit begegnet, trifft bei Tinariwen auf poetische Schönheit, die auf wunderbare Art und Weise ein Ringen um Heimat zu vermitteln vermag. Die Musiker von Tinariwen erzählen die Geschichte von Entwurzelung, verbunden mit der bitteren Erkenntnis, dass die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln letztlich vielleicht gar nicht gelingen kann. Der Track Ténéré Tàqqàl etwa beklagt die Bitterkeit in den Gesichtern der Unschuldigen, die in schweren und schmerzlichen Zeiten keine Solidarität mehr erfahren. Die Stärksten würden ihren Willen durchsetzen, die Schwächsten zurücklassen. Viele wären gestorben, sämtliche Freude wäre gewichen. Man sei von all der Falschheit erschöpft.

Schatzkästchen 78: Tinariwen – Ténéré Tàqqàl weiterlesen

Schatzkästchen 77: Peter Doherty – I Don’t Love Anyone (But You’re Not Just Anyone)

Dieser Tage prasseln erfreuliche Neuigkeiten auf den Musikfan ein. Was gegen Ende des Jahres noch an Platten veröffentlicht wird, bringt all die Magazine in die Bredouille, die bereits gefühlt Anfang Oktober mit dem Musikjahr abschließen und halbgare Bestenlisten veröffentlichen. Wenn ein gewisser Herr Peter Doherty für Dezember ein neues Soloalbum ankündigt, dann müssen sämtliche Jahresbestenliste halt erst im Januar erscheinen! Hamburg Demonstrations nennt sich die neue Platte. Und sie ist in mehrfacher Hinsicht erfreulich. Zunächst ist es toll, dass Herr Doherty alle Krisen überstanden hat. Wer hätte vor 10 Jahren denn wirklich voll Optimismus darauf wetten wollen, dass Doherty 2016 noch immer am Leben und am Musizieren sein würde? Es grenzt fast an ein Wunder. Und wenn ein Song wie I Don’t Love Anyone (But You’re Not Just Anyone) als erste Single aus den Boxen schallt, dann darf man wirklich Glücksgefühle verspüren. Dass dieser Titel, den das ewige Enfant terrible bei Konzerten bereits oft gespielt hat, nun endlich in voller Pracht erhältlich ist, war überfällig! Doherty ist ein musikalischer Exzentriker, wie es ihn in jeder Generation nur einmal gibt. Das ist kein Geheimnis. Was bei dem über Jahre kultivierten Rabaukentum freilich gern übersehen wird, sind die famosen, fast balladesken Liebeslieder, die mit zunehmenden Alter immer besser ausfallen. Schatzkästchen 77: Peter Doherty – I Don’t Love Anyone (But You’re Not Just Anyone) weiterlesen

Schatzkästchen 76: Hope Sandoval & The Warm Inventions – Let Me Get There (feat. Kurt Vile)

Über die verehrte Hope Sandoval brauche ich eigentlich nicht mehr viel Worte verlieren – und tue es natürlich einmal mehr. Denkt man an die prägenden Stimmen des Dream-Pop der letzten 25 Jahren, ist ihr Name zuoberst auf der Liste. Sie ist zum Inbegriff einer scheuen Ikone geworden, deren Gesang stets von melancholischer Abgeschiedenheit getragen wird. Ob im Verbund mit David Roback als Mazzy Star oder unterstützt von Colm Ó Cíosóig als Hope Sandoval & The Warm Inventions, ihre seltenen Alben zählen stets zu den Highlights eines Musikjahres. Bereits im Frühjahr wurde im Zuge des diesjährigen Record Store Days mit dem Song Isn’t It True ein erstes musikalisches Lebenszeichen veröffentlicht, verbunden mit der Ankündigung, dass noch 2016 eine Platte folgen würde. Und siehe da, im November soll nun Until The Hunter, das mittlerweile dritte Album mit The Warm Inventions, erscheinen. Wie erfreulich! Auch weil der erste Vorgeschmack darauf schließen lässt, dass Sandoval ihre Magie nicht eingebüßt hat. Let Me Get There ist ein Duett, welches sie zusammen mit Kurt Vile bestreitet. Das Stück besitzt angenehm soulige und psychedelische Akzente, die Chemie zwischen Viles warmer Stimme und einer sacht leidenschaftlichen, sich dennoch in Gedanken räkelnden Sandoval stimmt von Beginn an. Schatzkästchen 76: Hope Sandoval & The Warm Inventions – Let Me Get There (feat. Kurt Vile) weiterlesen

Schatzkästchen 75: Malky – Lampedusa

cmaxparovsky-0109
Photo Credit: Max Parovsky

Musik kann die gegenwärtigen Probleme auf der Welt nicht lösen. Musik vermag uns allerdings sehr wohl ein bisschen glücklicher, optimistischer zu machen. Und dazu muss sie gar nicht mal weltflüchtig sein. Dem Duo Malky etwa ist mit Lampedusa ein sehr zärtliches Lied geglückt, das als Singer-Songwriter-Folk beginnt und sich in der Folge zu Pop mit viel Seele entwickelt. Der Sänger Daniel Stoyanov kam selbst als Kind von Bulgarien nach Deutschland, er ist somit durchaus dazu prädestiniert, sich dem Thema Migration anzunehmen. Und dies macht er sehr unaufgeregt, in schönen, hoffenden Bildern. Darüber hinaus hat sich Stoyanov viele Gedanken über die derzeit verbreitete Panik gegenüber Zuwanderung gemacht. Ist zur Erkenntnis gekommen, dass die oft beschworene gemeinsame Anstrengung wirklich keine Phrase sein kann, dass auch jene, die eigentlich gegen die Fremden sind, Integration stemmen müssen – und werden. Den die Motivation zu diesem Song erklärenden Facebook-Post sollte man sich genau durchlesen.

Schatzkästchen 75: Malky – Lampedusa weiterlesen

Schatzkästchen 74: Mountain – Hawking

Vielleicht kennen das die Leser dieses Blogs ja! Das Gefühl nämlich, dass etwas fehlt, das das Leben bereichert. Manch Menschen werden nun mit dem Kopf nicken, an viel Geld oder die große Liebe denken. Aber das meine ich gar nicht. Mir geht es eher um ganz winzige Kleinigkeiten, die das Potential besitzen, das Wohlbefinden ungemein zu steigern. Dieser Tage fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass ich im Musikjahr 2016 noch praktisch keinen Post-Rock gehört habe. Irgendwie war in mir schon das unbestimmte Gefühl hochgekrochen, dass trotz viel toller Alben die letzten 8 Monate nicht die ganz große Erfüllung parat hielten. Wie konnten sie auch!? Ohne Post-Rock macht alles musikalische Sein nur bedingt Sinn. Die Formation, die diesen Missstand beseitigt hat, kommt noch dazu aus meiner Geburtsstadt Villach im zweifelsohne schönen, aber nicht eben für außergewöhnliche Musik verschrienen Kärnten. Mountain nennt sich die Band, angesichts der Villach umgebenden Gebirgskulisse ein naheliegender Name. Was mir an den Herren imponiert, ist der rustikale, durchaus altmodische Gitarren-Post-Rock, der in bester Tradition instrumental und beredt zugleich anmutet. Mal mächtig und herb, dann wieder hell und verträumt, Mountain beherrschen den rauen Bombast mindestens so wie die filigrane Stimmungen. Demnächst steht die Veröffentlichung des Albums Evolve an, über das ich nächste Woche noch ein paar Worte verlieren werde. Bis dahin jedoch möchte ich den Leser den Track Hawking ans Herz legen. Schatzkästchen 74: Mountain – Hawking weiterlesen

Schatzkästchen 73: Lions of Dissent – Heaven Sent

Vielleicht geht es ja nicht nur mir so, dass ich Shoegaze an einem heißen Sommertag angenehm erfrischend finde. Falls es den werten Lesern ähnlich geht, möchte ich eine sehr gute Empfehlung weiterreichen. Beim Bloggerkollegen Peter von Coast Is Clear habe ich nämlich Lions of Dissent aufgestöbert. Die Formation aus Wolverhampton, die sich laut eigenen Angaben eher als kreatives Kollektiv denn Band versteht, imponiert mit Heaven Sent, einem Indie-Rock-Track mit starkem Shoegaze-Charakter und einem altmodisch-inbrünstigen Gesang. Beim Indie-Rock der letzten 15 Jahre geht mir mitunter die gesangliche Qual, die überbordende Emotion ab. Eben dies zeichnet den Song aus, dieses schwelgerische Achtziger-Flair. Neben dominanten Gitarren setzen auch Synthies einen atmosphärisch dichten Akzent. Ich würde es wirklich selten nennen, dass ein Lied ungemein wuchtig, ja fast hymnisch, und doch zugleich luftig tönt. Ich bin begeistert!

Schatzkästchen 73: Lions of Dissent – Heaven Sent weiterlesen