Archiv der Kategorie: Schlaglicht

Schlaglicht 80: A Distant Victory Singles Club

Viele kleine Labels rackern sich ja wirklich ab, ihre Veröffentlichungen möglichst liebevoll zu gestalten. Solch Liebe zum Detail ist ungemein wohltuend. Es schadet aber keinesfalls, wenn nicht nur Optik und Haptik einnehmend sind. Warum nicht auch die Neugier kitzeln? Und da hat sich das griechische Label Inner Ear anlässlich seines zehnjährigen Bestehens wirklich eine feine Sache ausgedacht! Unter dem Namen A Distant Victory Singles Club erscheint jeden Monat eine neue Vinyl-Single befreundeter oder beim Label beheimateter Musiker. Was diese Reihe zudem speziell macht, ist der Umstand, dass man ein über 3, 6 oder 12 Monate laufendes Abo abschließt, sich also überraschen lässt, was ein neuer Monat an Musik so bringt. Wenn man sich die Qualität der bisherigen Veröffentlichungen anhört, ist die Entdeckungslust definitiv geweckt.

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Schlaglicht 79: Tricky

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Tricky mindestens 10 Jahre völlig außer Acht gelassen habe. Erst in den vergangenen zwei Jahren ist er wieder in mein Blickfeld gerückt. Das Anfang 2016 erschienene Album Skilled Mechanics erschallt auch anderthalb Jahre später noch immer mit großer Regelmäßigkeit aus meinen Boxen. Auch deshalb wurde ich dieser Tage hellhörig, als der werte Herr Tricky ein neues Werk angekündigt hat. ununiform wird in gut einem Monat erscheinen. Den ersten Hörproben nach zu urteilen, handelt sich bei dieser Platte um ein reifes Werk, das auf einen tiefenentspannten Meister schließen lässt. Wer Tricky auf Instagram folgt, bekommt eine Ahnung, dass die innere Ruhe keineswegs Schein ist. Die dort zur Schau geknipsten Bilder zeigen ihn sowohl im entspannten Kreis der Familie als auch als einfühlsamer Beobachter großstädtischen Lebens. Tricky, so glaubt man zu fühlen, hat sich eine Neugierde für seine Umgebung bewahrt, zugleich strahlt er auch Seelenruhe aus. All das schlägt sich auch in seinem Schaffen nieder. Die neue Platte glänzt mit introspektiver Atmosphäre. Tricky möchte seine Musik ja nicht als Trip-Hop, sondern vielmehr als Urban Soul kategorisiert wissen. Und ununiform hat tatsächlich sehr viel Seele anzubieten.

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Schlaglicht 78: Hope Sandoval & The Warm Inventions

Wenn die einzigartige Hope Sandoval neue Klänge veröffentlicht, wird uns stets warm ums Herz. Noch freudiger ist man gestimmt, wenn völlig aus dem Nichts eine EP angekündigt wird. Die im September erscheinende EP Son of a Lady ist als Nachklapp zum letztjährigen Album Until The Hunter zu verstehen. Sandoval und ihr kongenialer Partner Colm Ó Cíosóig hatten wohl noch das eine oder andere Liedchen im Köcher. Wie schade wäre es gewesen, wenn diese Tapes Staub angesetzt hätten! Zumal es keine Überraschung wäre, wenn sich Hope Sandoval & The Warm Inventions wieder eine mehrjährige Pause verabschieden würden. Die scheue und mysteriöse Grazie ist ohnehin nicht als veröffentlichungswütig verschrien, dazu kommt noch, dass die Wiederauferstehung von Mazzy Star hoffentlich mehr als nur ein wildromantisches Strohfeuer war. All die Faktoren machen Son of a Lady zu einem unverhofften Geschenk. Mit Sleep gibt es auch eine Hörprobe zu bestaunen. Schlaglicht 78: Hope Sandoval & The Warm Inventions weiterlesen

Schlaglicht 77: UNKLE

Einen Geniestreich wiederholt man nicht so leicht. Nichts anderes nämlich war Psyence Fiction, das James Lavelle und DJ Shadow einst als UNKLE ersonnen hatten. 19 Jahre ist das mittlerweile her, man mag es kaum glauben. Und was für hochkarätigen Gäste dieses Werk erst schmückten: Richard Ashcroft! Thom Yorke! Erster begeisterte auf dem famosen Track Lonely Soul, Yorke steuerte Rabbit In Your Headlight bei. Dieser Song wiederum darf sich eines der besten Musikvideos aller Zeiten rühmen. Leider hatte die Zusammenarbeit von Lavelle und DJ Shadow nicht länger Bestand. Letzter brachte noch einige LPs heraus, die die Electronica nachhaltig prägten, ehe er Mitte der 2000er einen kreativen Irrweg einschlug und durch ein langes Jammertal wanderte. Lavelle und sein UNKLE dagegen vermochte auch mit neuen Partnern hörenswerte Klänge abzuliefern, ohne je ganz an das Debüt heranzureichen.

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Schlaglicht 76: JOSIN

Motivationscoaches und Lebenshilfegurus werden selten müde zu betonen, dass jeder Mensch ein einzigartiges Wesen mit speziellen Talenten ist. Fürs eigene Selbstwertgefühl ist das natürlich Musik in den Ohren, aber zu oft ruht man sich auf solch Komplimenten aus und zu selten bemüht man sich, die individuelle Unverwechselbarkeit tatsächlich unter Beweis zu stellen. Die Künstlerin, die ich heute hier kurz erwähnen möchte, sticht jedoch in mancherlei Hinsicht hervor. Da wäre zunächst einmal ihre Herkunft. Sie ist als Tochter einer Koreanerin und eines Deutschen in Köln geboren, ihre Eltern sind beide Opernsänger. Solch Abstammung ist fraglos besonders, allerdings kein Verdienst von JOSIN selbst. Ihre Besonderheit tritt vielmehr in einer ureigenen musikalischen Vision zutage, die sie auf der diese Woche erscheinenden EP Epilogue darlegt.

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Schlaglicht 75: Cigarettes After Sex

Photo Credit: Ebru Yildiz

Cigarettes After Sex – der perfekte Bandname für eine female-fronted Post-Punk-Band. Und doch ist alles ganz anders! Der Sound der 2008 im texanischen El Paso gegründeten Band entpuppt sich als vielfältiger Dream-Pop, dessen unüberhörbare Einflüsse einem beinahe den Atem rauben. Vieles an Cigarettes After Sex ist erstaunlich. Da wäre speziell die Stimme des Masterminds Greg Gonzalez, die in der Musikpresse unisono als androgyn beschrieben wird. Ebenso auffällig ist die Tatsache, dass die Band im Juni ihr Debütalbum veröffentlichen wird, es aber bereits auf über 280000 Facebook-Likes und viel Kritikerlob gebracht hat. Das alles geschieht nicht zufällig, ist auch keinem clever kalkuliertem Hype geschuldet. Die Formation besitzt das gewisse, unverwechselbare Etwas, das verfängt.

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Schlaglicht 74: Kevin Morby

Photo Credit: Adarsha Benjamin

Was macht diese Welt eigentlich, wenn ein Herr Dylan mal auf seiner achtlos auf dem Parkett herumliegenden Nobelpreismedaille ausrutscht und sich das Genick bricht? Spätestens dann wäre das Geschrei nach Reserve-Dylans groß. Doch in diese zugegeben nicht kleinen kompositorischen Fußstapfen zu treten, ist kein leichtes Unterfangen. Seit Jahrzehnten schon haben unzählige Singer-Songwriter zaghafte Schritte in die Richtung unternommen. Kaum einer hat freilich die Siebenmeilenstiefel geschnürt. Kevin Morby ist mit eben jenen an vielen Hoffnungsträgern längst vorbeigewieselt. Bereits vergangenes Jahr hatte ich anlässlich des Albums Singing Saw folgendes konstatiert: „Was sehnen wir doch einen neuen Dylan herbei, zumindest aber einen Singer-Songwriter, der unseren Blick auf die Welt verändert! Wir gestehen vielen Liedermachern zu, dass sie in der Tradition eines Dylan stehen. Dass es nicht zu mehr reicht, liegt aber vielleicht eher an unserer Wahrnehmung, nicht am Talent vermeintlicher Epigonen. Auf Morby haftet der Fluch der späten Geburt, das Leben in einer Zeit, die sich zwar stets und immer aufregt, zugleich jedoch zu bequem zur Revolution ist.“

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Schlaglicht 73: Vil

Entschleunigung und Entspannung. In fordernden, geradezu auslaugenden Zeiten sehnt man sich nach ein wenig Ruhe. Viele Bücher überbieten sich mit Tipps, wie es denn mit der Work-Life-Balance endlich klappt. An Ratgeberei mangelt es nicht. Aber allen Vorsätzen steht das Funktionieren entgegen, auf das man zu lange schon getrimmt wurde. Auch Rückzugsorte sind schwer zu finden, speziell im Zustand permanenter Erreichbarkeit. Wo alles Motivations – und Meditationsgequatsche ins Leere läuft, kann vielleicht Kunst – und ganz speziell Musik – in die Bresche springen. Dabei habe ich freilich keinerlei esoterisches Gedudel im Sinn, vielmehr das dänisch-isländische Duo Vil, dessen Album Mens vi falder stille skandinavische Kargheit mit chansonesker Leichtigkeit verbindet. Folk und Ambient prägen die Platte, manche Stücke sind durchaus melodisch gehalten, andere wiederum fragmentarisch und zerbrechlich, verhalten und intim.

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Schlaglicht 72: Carpet

Entspannten, geradezu sonnigen psychedelischen Rock, der oftmals wie eine an satten Farbe reiche Fotografie aus den guten alten Siebzigern anmutet, hat die Band Carpet auf ihrem neuen Album Secret Box anzubieten. Solch herrlich originärer Sound mag einige Assoziationen bezüglich seines Ursprungs wecken. Zumindest mir käme dabei Augsburg nun wirklich nicht in den Sinn. An dem heimeligen, angespacten, mitunter fusionhaften Album baumelt zumindest nach meinem Begriff das Etikett Kalifornien. Müsste ich den Wesenszustand dieser Klänge mit einem knackigen Slogan beschreiben, dann wäre das Motto „Utopia meets Comfort Zone“ nicht so verkehrt. Nostalgie umweht das Werk, es wirkt wie in einer Zeit entstanden, als die Zukunft noch voller romantischer Verheißungen und Träume war. Ersonnen in einem inspirierten Moment der Muße.

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Schlaglicht 71: Lindi Ortega

Die Unrast derer, die ständig unterwegs sind, sei es aus schnöden beruflichen Gründen oder aber wegen eines ruhelosen Gemüts, taugt bestens zum Sinnbild für einen unsteten Lebensweg, der keineswegs in kalkulierten Bahnen verläuft. Die kanadische Country-Musikerin Lindi Ortega erzählt in ihrem Lied Til The Goin‘ Gets Gone also vom Leben hinterm Steuer eines Autos, unterbrochen nur von Übernachtungen in billigen Motels. Gerade Nordamerika mit seinen endlosen Highways eignet sich gut als Gleichnis für die Reise des Lebens. Immer weiter dem Ziel entgegen, getrieben von Sehnsüchten und aufgehalten von Frustrationen. Davon berichtet auch diese akustische Ballade. Die Zeilen „All the rundown dirty motels/ All the cities and small towns/ Leave ‚em in the rear view mirror/ While the wheels keep spinning round/ ‚Cause I gotta keep goin‘, I gotta keep goin‘ on“ geben dem Song mit wenigen Worten viel Ambiente. Man vermag die Rastlosigkeit mit den Händen zu greifen. Und durchaus verstehen, warum bei manch Gemütern die Reise stets in die Ferne schweift, das eigentliche Zuhause keinen beständigen Reiz versprüht.

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