Archiv der Kategorie: Schlaglicht

Schlaglicht 61: Massive Attack

Massive Attack zählten zwischen ihren Alben Mezzanine (1998) und Heligoland (2010) aus meiner Sicht nicht mehr zu den Gruppen, die man unbedingt auf dem musikalischen Radar haben musste. Und selbst nach Heligoland hatte man den Eindruck, dass sich Massive Attack nochmals eine starkes Alterswerk abgerungen hatten, aber es das vielleicht nun endgültig gewesen war. 2016 sieht die Chose dagegen ganz anders aus. Die EP Ritual Spirit hat Anfang des Jahres zu entzücken gewusst, speziell der Track Voodoo In My Blood mit der Hip-Hop-Formation Young Fathers als Gästen. Und natürlich Take It There, an dem der werte Herr Tricky endlich wieder mitwirkte. Bei ersterem Track traf irritierende Electronica auf mantrahaften Hip-Hop, bei letzterem Song wurde klassischer Trip-Hop mit Trickys gespenstisch-souligem Vortrag kombiniert. Darüber hinaus hatten Massive Attack Voodoo In My Blood sogar einen exquisiten Clip spendiert, der Rosamunde Pike im Bann einer Sci-Fi-Metallkugel zeigte. Edel – und laut Formation erst Auftakt zu neuen Großtaten. Tatsächlich bescheren sie uns dieser Tage mitten im musikalischen Sommerloch die zwei Tracks umfassende Single The Spoils, bei deren Titeltrack es wieder einmal zu einer Kooperation mit der Dream-Pop-Göttin Hope Sandoval kommt.  Massive Attack nehmen sich bei dieser getragenen-eleganten Nummer zurück, im Mittelpunkt steht ein von Sehnsucht und Verlust geprägter Vortrag. Der Refrain „And I somehow slowly love you/ And wanna keep you this way/ Well I somehow slowly know you/ And wanna keep you away“ deutet eine komplizierte Beziehung an, in welcher Innigkeit und Distanz im gleichen Maße greifbar werden. Und auch dieses Mal haben Massive Attack ein starkes Video im Köcher, das mit dem Motto „Deconstructing Cate Blanchett“ vielleicht am besten beschrieben ist.

Schlaglicht 61: Massive Attack weiterlesen

Schlaglicht 60: King Creosote

Lebenshilfegurus schwadronieren gern, dass man nur an sich glauben und Beharrlichkeit an den Tag legen müsse, um früher oder später auf die Erfolgsspur zu gelangen. Bockmist, natürlich. Denn das, was Kenny Anderson widerfahren ist, fällt doch eher in die Kategorie Wunder. Seit der zweiten Hälfte der Neunziger hatte Kenny Anderson unter dem Namen King Creosote Musik gemacht, Alben im eigenen Label Fence herausgebracht. Und selbst als einigen Jahre später das renommierte Indie-Label Domino Records King Creosote ins Portfolio aufnahm, lief der Schotte nicht wirklich Gefahr, vom finanziellen Erfolg seines Tuns erschlagen zu werden. Die ersten Früchte seiner Anstrengungen konnte er mit Diamond Mine, einem zusammen mit Jon Hopkins aufgenommenen Album, ernten. Dieses war denn auch 2011 für den Mercury Prize nominiert. Als Mittvierziger gelang es Anderson auch erst, in die Gefilde renommierter Jahresbestenlisten vorzudringen. Kein übliches Schicksal. Beharrlichkeit und Talent waren halt noch nie Garanten für Erfolg. Dieser ist vor allem Resultat glücklicher Fügungen. Mit der Nominierung für den Mercury Prize befand sich King Creosote jedenfalls in illustrer Gesellschaft mit Adele, Elbow oder James Blake. Und solch eine Ehre öffnet Türen, von denen man meist gar nicht weiß, dass sie existieren. Vielleicht war es auch diesem Umstand zu verdanken, dass Kenny Anderson das Angebot gemacht wurde, 2014 den Soundtrack zu einer Dokumentation über Schottland anlässlich der dort in diesem Jahr ausgetragenen Commonwealth Games beizusteuern. Die famose Platte From Scotland With Love schaffte es sogar auf Platz 21 der britischen Albumcharts.

Für einen Indie-Musiker, der seine Lieder lange auf selbstgebrannten CDs veröffentlicht hat, hätte die Entwicklung kaum positiver ausfallen können. Und sie hat King Creosote definitiv nicht gehemmt, wie You Just Want unterstreicht. Dieses laut Plattenfirma „seven-minute piece of hymnal drone-pop“ bildet den Aufgalopp für das Anfang September angekündigte neue Album Astronaut Meets Appleman. Schlaglicht 60: King Creosote weiterlesen

Schlaglicht 59: Deap Vally

Wenn Feminismus ein noch lange nicht ausgestandener Kampf um Gleichberechtigung ist, stellt sich schon die Frage, wer diesen im Jahre 2016 führen muss? Etwa smarte Social-Media-Virtuosinnen mit Hang zu öffentlichkeitsheischenden Hashtags? Oder Veteraninnen der ersten Stunde, die im Alter plötzlich wunderliche Allianzen eingehen? Vielleicht sollte man den Feminismus Praktikerinnen überlassen, die darin vor allem das Lebensgefühl der Selbstbestimmtheit sehen, Feminismus nicht nur auf knallharte Ideologie reduzieren. Dafür erscheint mir das Duo Deap Vally bestens geeignet. Wenn man sich den Song Smile More anhört, stechen sofort Zeilen wie „And I am not ashamed of my mental state/ And I am not ashamed of my body weight/ And I am not ashamed of my rage/ And I am not ashamed of my age/ And I am not ashamed of my sex life/ Although I wish it were better.“ ins Auge. Smile More imponiert als Indie-Rock-Hymne mit bluesig-psychedelischen Flair und ausgeprägter Scheiß-drauf-Attitüde. Lindsey Troy und Julie Edwards verbinden Lust und Frust mit einem – na klar! – erdigen Sound, der bei weitem nicht nur bei besagtem Smile More zündet. Mit Royal Jelly haben sie Ende letzten Jahres bereits einen weiteren rau-bluesigen Kracher präsentiert. Beide Titel kündigen das für den Herbst anstehende Album Femejism an, das auch auf Albumlänge jene Energie und Intensität aufrechterhält, die die vorab veröffentlichten Songs versprühen.

Schlaglicht 59: Deap Vally weiterlesen

Schlaglicht 58: Basement Revolver

Basement-Revolver

Wow! Es gibt Klänge, die mir nur ein schlichtes Wow entlocken. Das kanadische Trio Basement Revolver fabriziert solche tollen Klänge. Morgen veröffentlicht die Band ihre vier Titel umfassende, selbstbenannte Debüt-EP, die mit einem Ausruf der Begeisterung vielleicht doch nicht ausreichend gewürdigt scheint. Schauen wir uns also die Qualitäten der Formation näher an. Die Basis dieser Musik bildet ein ausgesprochen introspektiver Indie-Rock. Dabei allein bleibt es aber nicht. Der balladeske Song Lake, Steel, Oil etwa vermischt einen beschaulich-nachdenklichen, glockenklaren Gesang in der Manier von the innocence mission mit verzerrtem, mächtigem Shoegaze. Mit regelrechtem Staunen wird im Refrain die Erkenntnis „These days are numbered/ So don’t waste them on slumber“ kundgetan, so als wäre das Wissen um Vergänglichkeit gerade eben geschaut worden. Dieser Song zählt für mich bereits zu einem Highlight des Musikjahres 2016. Doch halt, die EP hat noch mehr Pfeile im Köcher. Zum Beispiel den Indie-Pop von Johnny, mit kräftigen Drums aufgefettet und mit ein wenig Twee-Süße veredelt. Wenn man im Indie-Bereich von einem Ohrwurm sprechen möchte, dann kommt dieser Song dem Begriff verdammt nahe. Die Sängerin Chrisy Hurn entzückt mit einer Stimme, die in sich gekehrt, unprätentiös wie inbrünstig wirkt, zugleich auch eine getrocknete Träne im Augenwinkel trägt. Auch Words kommt mit einem gewissen Maß an Beiläufigkeit daher, der Refrain „Words are just words are words are words“ mutet dabei als leiser Seufzer an.

Schlaglicht 58: Basement Revolver weiterlesen

Schlaglicht 57: The Thing With Five Eyes

Man muss kein ausgeprägter Zyniker sein, um Crowdfunding ausgesprochen skeptisch gegenüberzustehen. Denn im Grunde kann man vor allem mit 3 Arten von Projekten punkten. Da wäre zum einen das nerdige Gadget, welches finanziert werden will. Etwa ein Elektroschockeraufsatz fürs Smartphone. Dann gibt es natürlich auch noch gefühlige Anliegen, die ein mediales beachtetes menschliches Leid lindern wollen oder eine schmalzig inszenierte Selbstfindung unterstützen möchten. Nicht zu vergessen wären freilich künstlerische Unternehmung, das neue Album der Lieblingsband finanziert man doch gern! Aber natürlich hat Crowdfunding auch seine Fallstricke. Je breiter die Gefolgschaft, je aktiver die bespielten Social-Media-Kanäle, desto unkomplizierter gerät die Finanzierung. Diejenigen Musiker, die vielleicht keine Facebook-Zampanos sind, diejenigen Musikerinnen, die nicht zu den begnadeten Twitter-Queens zählen, haben es da schon schwerer. Ein Crowdfunding-Projekt muss nämlich auch erst mal verkauft bzw. erbettelt werden. All das wollte ich nochmals ausdrücklich erwähnt haben, ehe ich nun auf eine aus meiner Sicht starke musikalische Vision hinweise, die man derzeit auf Indiegogo unterstützen kann – und soll!

Wer kennt das nicht? Partnerschaften und berufliche Beziehungen ändern sich im Lauf der Zeit, sodass eine Trennung früher oder später unvermeidlich scheint. Je früher, desto amikaler oder professioneller kann diese verlaufen. Bei Bands ist das nicht anders. Das von mir sehr geschätzte The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble hat heute nach einer gewissen Zeit der Inaktivität seine endgültige Trennung bekanntgegeben. Dieser Schritt kommt nicht überraschend, die Mitglieder hatten schon seit längerer Zeit neue Ambitionen in der Mache. Jason Kohnen etwa tüftelt bereits länger an The Thing With Five Eyes, dessen Debütalbum für Anfang nächsten Jahres avisiert ist. Schlaglicht 57: The Thing With Five Eyes weiterlesen

Schlaglicht 56: The Divine Comedy

Wenn man britischen Musikern und Songwritern ein Kompliment machen möchte, nennt man sie sophisticated. So inflationär der Begriff bisweilen auch verwendet wird, so zutreffend erweist er sich, um Neil Hannon und seine Formation The Divine Comedy zu charakterisieren. Hannons kultiviertes, ironiereiches Songwriting sucht seinesgleichen. Ich möchte das an ein paar Beispielen festmachen. Der Song The Booklovers vom Album Promenade (1994) funktioniert als schelmische Reise durch die Literaturgeschichte, zählt die größten Autoren aller Zeiten in einer Art parodistischen Hommage auf. Ein brillantes und einzigartiges Stück! Ein weiteres Lied, das mich immer wieder neu begeistert, ist Sweden von der Platte Fin de Siècle (1998). Es besticht als Sehnsuchtsarie walküresker Dimension. Was zunächst als opernhafter-pompöser Pop in die Ferne schweift („I would like to live in Sweden/ When my work is done/ Where the snow lies crisp and even/ ‚Neath the midnight sun„), erwächst zum Ende hin zu einer grotesk überspitzten Liebeserklärung („I’ll grow wings and fly to Sweden/ When my time is come/ Then at last my eyes shall see them/ Heroes every one/ Ingmar Bergman/ Henrik Ibsen/ Karin Larsson/ Nina Persson„). Als Meisterstück Hannons schätze ich freilich das Album A Short Album About Love von 1997 ein. If… ist eines meiner absoluten Lieblingslieder, und warum dem so ist, habe ich vor Jahren schon einmal näher ausgeführt. Was als romantische Vorstellung zu Herzen geht, erfährt in der letzten Strophe eine verstörende Brechung. Wer A Short Album About Love nicht in seiner Plattensammlung hat, missachtet wohl eines der 5 besten Alben britischer Herkunft der letzten 20 Jahre!

Schlaglicht 56: The Divine Comedy weiterlesen

Schlaglicht 55: DJ Shadow

Der Fluch der großen Tat! Jeder, der die Neunziger abseits musikalischen Mainstreams verbracht hat, wird noch heute Loblieder auf das Album Endtroducing… singen. Die 1996 veröffentlichte Platte war nicht weniger als ein echter Meilenstein der Electronica und des instrumentalen Hip-Hop und ihrem Schöpfer DJ Shadow ein Debüt für alle Ewigkeit gelungen. Auch danach blieb der sich durch die Musikgeschichte sampelnde Kalifornier ungemein kreativ. Zusammen mit James Lavelle fabrizierte er als UNKLE das großartige Werk Psyence Fiction. Und als wäre das nicht schon Genialität genug gewesen, erschien 2002 mit The Private Press ein zweites Studioalbum. Speziell der Track Six Days mit dem kongenialen Video Wong Kar-Wais ist bis heute unvergessen. Die elektronische Musik hatte ihr großes Mastermind! Von nun an ging’s bergab. The Outsider von 2006 bescherte der Fangemeinde eine veritable Enttäuschung. DJ Shadow hatte zur Zusammenarbeit geladen und viele waren gekommen, zu viele. „Here, ultimately, the DJ remains resolutely in the background. And that was never the point.“ urteilte NME. „It’s hard to imagine anyone going for the whole album, because it doesn’t hold together.“ schrieb die New York Times. Wer die gesammelten Kritiken zu The Outsider auf Metacritic durchstöbert, merkt rasch, dass sich DJ Shadow mit dieser Platte keinen Gefallen getan hat. Auch zehn Jahre später vermag sie nicht zu überzeugen. 2011 sah schließlich die Veröffentlichung von The Less You Know, The Better, das den geschätzten Meister aus meiner Sicht teilweise rehabilitierte. So wusste etwa das wuchtig-bullige I Gotta Rokk völlig zu überzeugen.

Schlaglicht 55: DJ Shadow weiterlesen

Schlaglicht 54: Fortressless

Auf Wimmelbilder voller wunderlicher Stimmen hat es das Hamburger Duo Fortressless laut Presseinfo bei seinem Debüt Neoteny abgesehen. Und tatsächlich wird hier Spoken Word mit eher verquerem Electro-Pop vermengt. Die Chose wirkt ertüftelt, fast ein wenig zu streberhaft. Die EP entwickelt Momente, in denen sie ausgelassen herumhüpft, allerdings auch Passagen, in welchen man das Gefühl hat, dass hier die Vertonung eines Poetry Slams aus dem Ruder gelaufen ist. Vor allem die Nummer Let Alone the Sequence und der Titeltrack Neoteny lassen ein wenig ratlos zurück. Denn ja, es wimmelt, jedoch zu viel. Allerdings ist so ein Debüt wohl dazu gedacht, sich auszuprobieren. Und schon Hale and Hearty gelingt es, traumwandlerische Electronica mit entrückten Melodien und Hip-Hop-Untertönen zu einem spannenden Ganzen zusammenzufügen. Als Prunkstück der EP erweist sich aber Smoke Bomb Blisters – und eben dieser Track ist speziell der Grund, warum ich den Lesern Neoteny als Hörempfehlung ans Herz legen möchte. Eine sonnendurchwirkte Wärme durchflirrt Smoke Bomb Blisters, ab und an aufgelockert von einem hibbeligen Singsang. In seiner ganzen Stimmung erinnert dieses Schwelgen an isländische Vorbilder, entwickelt eine Qualität, die zu entdecken lohnt!

Schlaglicht 54: Fortressless weiterlesen

Schlaglicht 53: Marissa Nadler

Meine Wertschätzung gegenüber der US-Singer-Songwriterin Marissa Nadler hat schon über 10 Jahre auf dem Buckel und wurde in der Vergangenheit immer wieder auf diesem Blog deutlich. Bereits mit ihrem feinen Debüt Ballads of Living and Dying (2004) hat sie sich als Vertreterin des New Weird America zu erkennen gegeben. Nicht zufällig, denn Nadler ist im an eigentümlicher Folklore reichen New England aufgewachsen, das vom nördlichen Teil des Appalachen-Gebirges durchzogen wird. Schon zu Beginn ihres Wirkens tönte ihr Folk völlig aus der Zeit gefallen, geradezu archaisch und geheimnisumrankt. Mit dem zweiten Album The Saga of Mayflower May aus dem Jahr 2005 wurde der eigene Stil dann weiter verfestigt. Ihre Lieder wirkten wie obskure Schwarz-Weiß-Bilder aus dem 19. Jahrhundert, deren abgebildeten Personen längst vergessen und begraben und sämtliche Häuser, Orte und Landschaften nicht mehr wiederzuerkennen sind. Eine Verwunschenheit durchzog ihre von akustischer Gitarre und weltfremdem, entrücktem Gesang dominierten Platten. Genau diese Aura und diesen Sound hat sie über die Jahre weiter kultiviert, in Nuancen erweitert. Spätestens mit Little Hells von 2009 wurden auch Schlagzeug und Synthies fester Bestandteil der Instrumentierung. Stilistisch öffnete sie sich zugleich immer stärker hin zu Dream-Folk mit ab und an countryhaften Anklängen. Ihre wirklich großartige EP The Sister hatte ich 2012 so charakterisiert: „Emotionale Pein verliert an Bedrückung, wenn sie in den Mantel der Unwirklichkeit gehüllt wird. Wenn Seelenqualen mit Spinnweben behangen durch den Äther schallen, vorgetragen mit dem Zauber einer Circe, dann lässt sich allerlei Abgründiges bestens ertragen. Der Dream-Folk der US-Singer-Songwriterin Marissa Nadler scheint einem Albtraum entsprungen und dennoch fühlt der Hörer keinen Kloß im Halse. Nadlers Lieder sind ein faszinierender Spuk, geistern durch pittoreske wie spartanische Kulissen.“

Schlaglicht 53: Marissa Nadler weiterlesen

Schlaglicht 52: Mikko Joensuu

Eine Country-Ballade, die fast schon als religiöse Hymne durchgeht, und ein Americana-Track, der um Erlösung ringt, könnten die Zutaten für ein verdammt frömmelndes, auf Hörer aus dem Bible Belt abstellendes Album sein. Zumindest aber würde man ohne Zögern den Allerwertesten darauf verwetten, dass ein Singer-Songwriter mit dieser thematischen Stoßrichtung nordamerikanischen Gefilden entstammt. Spätestens dann, wenn man erfährt, dass das Album auf den Titel Amen 1 lautet. Weit gefehlt! Der Finne Mikko Joensuu hat mir bereits in der Vergangenheit große Freude gemacht, 2014 hat der erhaben psychedelische Vangelis-Verschnitt Land of Darkness begeistert. Wenn man sich den Song rückblickend nochmals zu Gemüte führt, sticht die religiöse Komponente noch mehr ins Auge. Und deshalb scheint Amen 1 durchaus konsequent. Und mutig. Denn gerade im Europa dieser Tage ist Religion nicht hoch angesehen, vielmehr Sündenbock für alles Übel, mit allen Geboten eher Feind individueller Freiheit. Lediglich diffuse Spirualität wird aufgrund ihrer Harmlosigkeit geduldet. Feng Shui, aber hallo! Umso irritierender fällt der westernhafte Americana von Closer My God aus. Auch weil solch ein Redemption Song eigentlich nach einem knorrigen Vortrag schreit. Stattdessen gibt Joensuu den fragilen Crooner. Warning Sign dagegen erwächst aus sachter Country-Süße zur feierlichen, chorverbrämten Hymne. Eine Pedal-Steel-Gitarre und ein andächtiges Piano wirken hier prima zusammen, Streicher tun ihr Übriges. Speziell letzteren Song könnte man sich ebenso gut in einer abgespeckten Interpretation des seligen Johnny Cash vorstellen. Schlaglicht 52: Mikko Joensuu weiterlesen