Archiv der Kategorie: Songs von gestern und immer

Songs von gestern und immer: Unmarked Grave

2014 war kein friedliches Jahr. Konflikte, Kriege allerorten.  In all der Hysterie immer neuer Schreckensmeldungen ging das Gedenken an den Ausbruch des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren geradezu unter.  Wir scheinen so mit den Kämpfen der Gegenwart beschäftigt, dass wir nie die Zeit finden, die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und die Logik von Aggression und konsequenter Reaktion zu durchbrechen. In den letzten Jahrzehnten wurde uns eine chirurgische Kriegsführung schmackhaft gemacht, die das Böse ausmerzt, ohne dabei Opfer in den eigenen Reihen oder den Tod unschuldiger Zivilisten beklagen zu müssen. Eine Lüge, natürlich. Die Geschichte des Krieges ist eine Geschichte ungezählter persönlicher Einzelschicksale. Sein Schrecken lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken, Unglück wird stets erfahrbarer, wenn es ein Gesicht bekommt. Genau deshalb berührt der Song Unmarked Grave. Dieses Lied handelt von der Klage eines in seinem Grab dahinrottenden Soldaten, während daheim die Liebste auf seine Rückkehr wartet („My body lies in an unmarked grave, my heart remains with the one I love, she’s awaiting my return, although I know that will never come.„). Songs von gestern und immer: Unmarked Grave weiterlesen

Songs von gestern und immer: All the Umbrellas in London

Als Musikblogger ist man permanent von aktuellen Veröffentlichungen umgeben, vor lauter jetzigen Tönen vergisst man mitunter das Hören der Lieder und Alben, die die Leidenschaft für Musik erst begründet haben. Daher will ich ab jetzt vermehrt einen Blick auf die Songs von gestern und immer werfen.

Über The Magnetic Fields muss ich dem eingefleischten Musikfan wirklich keine Vorträge halten. Seit 24 Jahren schon fabriziert Mastermind Stephin Merritt feine Indie-Pop-Perlen von ausgesucht textlicher Raffinesse. So etwa beim 1999 veröffentlichten, drei CDs umfassenden Klassiker 69 Love Songs. Merritt vermag die ganze Klaviatur von Beziehungszuständen auszureizen, er wuppt ironische Brechungen, er kennt Larmoyanz ebenso wie bedauerndes Schulterzucken, er reicht Gefühle in pittoresker Schönheit dar. Wer Liebe in all ihren Facetten begreifen möchte, sollte keine Ratgeber oder aufgeplusterte Romane lesen. Merritts Schaffen zu durchforsten, das reicht völlig. Doch sind den Magnetic Fields keinerlei menschliche Regungen fremd. Songs von gestern und immer: All the Umbrellas in London weiterlesen