Paul Thomas Saunders – Christmas, The Sequel

Haben wir in diesem Jahr nicht mehr oder minder heimlich auf die eine oder andere mit feinem Pathos, anrührender Emotion und Händchen für Poesie gesungene Weihnachtshymne gewartet? Dann haben wir sie jetzt gefunden. Der britischen Singer-Songwriter Paul Thomas Saunders ist diesem Blog nicht unbekannt, eigentlich wollte ich seit Wochen schon der diesen Herbst veröffentlichten Single I’ll Come Running einen Post spendieren. Doch haben mich nicht zuletzt auch weihnachtliche Verpflichtungen davon abgehalten. Wie praktisch freilich, dass Saunders nun ein der Jahreszeit entsprechendes Lied veröffentlicht hat. Christmas, The Sequel entpuppt sich als echter Kracher! Schon die erste Strophe lässt die Imagination Purzelbäume schlagen: „In the fallout from the second coming/ We found ourselves in each others arms/ You took my hands and it felt like Christmas/ As an orange glow soak the room from a hungry fire/ Every flame flickered in a pirouette of light/ Still the shadows cast round the doorframe left us froze with fright/ Merry Christmas lover, it could be us tonight“ .

Beschreibt hier Saunders tatsächlich postapokalyptische Weihnachten? Man möchte es fast annehmen – und dem Briten zu dieser Idee gratulieren. Denn wenn man sich diese Welt in all ihrer Heuchelei und Verlogenheit so ansieht, braucht es vielleicht wirklich wieder mal das große Leid und unbeschreibliche Unglück, um sich auf das Glück zu besinnen. Denn Christmas, The Sequel wohnt auch eine gewisse Portion Hoffnung innen, nämlich dass alles nur ein böser Traum ist, zumindest aber mit blauem Auge überstanden werden kann. Wollen wir selbst Weihnachten voll Elend und Schmerz erleben? Wohl kaum. Worauf warten wir also? Warum handeln wir das Jahr über so oft gedankenlos, egoistisch und kurzsichtig? Weshalb lassen wir Arschlöcher regieren, weite Teile der Welt verelenden, beklatschen Kriegsrhetorik? Und an Weihnachten entdeckt man plötzlich sein Herz, will Gutes tun? Eine Milchmädchenrechnung, die früher oder später schief gehen wird. Warum muss also erst Unglück geschehen, ehe man sich wieder lebendig und sozial fühlt? Fragen über Fragen, die dieser famose Song zumindest bei mir aufwirft. Welch Highlight der diesjährigen Weihnachtssaison! Danke, Paul Thomas Saunders!

Christmas, The Sequel ist am 01.12.2017 auf RT60 Recordings erschienen.

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SomeVapourTrails

Dinosaur City Records: DCR Mixtape #3 – A Christmas Compilation

 

Wie klingt Weihnachten eigentlich, wenn es glühend heiß ist? Die australische Weihnachtscompilation von Dinosaur City Records kann mehr als nur ein Lied davon singen. Selten kommt ein Indie-Sampler von so hoher Qualität und Originalität daher. Seien wir doch mal ehrlich, die meisten Label nerven alljährlich die bei ihnen unter Vertrag stehenden Künstler und bekommen als (Un)-Dank dafür ein Lo-Fi-Cover von Let it snow oder ein lustloses Cover von Last Christmas. Die Künstler von Dinosaur City Records jedoch hatten hörbar Lust darauf, ausgefallene Eigenkompositionen zum Weihnachtsfest zu zaubern.  Weiterlesen

Klingende Weihnacht 2017 – Lieder für unter, über und um den Weihnachtsbaum

Hier die gesammelten Tracks, über die wir in der diesjährigen Weihnachtszeit bislang gebloggt haben. Wer also ein wenig stöbern möchte, kann dies nun dank dieser Übersicht, die laufend ergänzt wird, tun. Wir wünschen viel Vergnügen beim Erkunden unserer Schätze!

Albert Hammond Jr. – The Little Boy That Santa Claus Forgot + Indie for the Holidays 2017 Tracklist

Amanda Palmer – The Angel Gabriel

BEAK> – (Merry Xmas) Face The Future

Black Santa Company – Winter Wonderland Mixtape

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The Technicolors – Santa’s Claws

Online-Dating war schon ganz schön gefährlich, lange bevor es Tinder gab. Da verliebt sich der Held dieses Weihnachtsmärchens im Jahre 1998 im AOL-Chat nichts ahnend in die Tochter von Santa Claus. Was dann folgt, scheint einem Tarantino-Movie entsprungen. Musikalisch erzählt wird dies allerdings nicht in Mariachi-Manier, sondern mit feinem britpoppigen Indierock. The Technicolors zeigen hier, dass Britpop schon lange den Sprung über den großen See geschafft hat. Die Combo aus Phoenix (Arizona) klingt wunderbar frisch und spielfreudig und erschafft ein Weihnachtsmärchen, bei dem wir uns sehr gerne vor dem Weihnachtsmann gruseln. Santa’s Claws gehört zu den Christmas Songs, die wirklich Spaß machen, ohne Probleme rund ums Jahr gehört werden können und eine ganz eigene einzigartige Komponente dem bunte weihnachtlichen Potpourri auf diesem Blog hinzufügen. Da Weihnachten ist und die Jungs natürlich auch ein gutes Herz haben, geht der Erlös der Weihnachtssingle an Noah’s Legacy Fund und kommt den Tieren zu Gute, die durch die aktuellen Waldbrände in Kalifornien verletzt oder vertrieben wurden.  Weiterlesen

Sivert Høyem – Mary’s Boy Child

Eines der meiner Meinung nach schönsten Weihnachtslieder ist Mary’s Boy Child. Man mag es für ein von Generation zu Generation tradierten Spiritual halten, doch wurde es erst Mitte der Fünfziger von Jester Hairston geschrieben und vom großen Harry Belafonte populär gemacht. Hierzulande gewann das Stück vor allem in den späten Siebzigern durch Boney M. an Prominenz. Nichtsdestotrotz läuft einem der Song eher selten über den Weg. Warum eigentlich? Ein Grund ist sicher die schleichende Loslösung von Weihnachten von seinen religiösen Wurzeln. Lieder wie Jingle Bells oder White Christmas sind unverfänglich und auch jenen zuzumuten, die Weihnachten eher als Familienfest begehen. Deshalb gibt es wohl nur noch eine Handvoll Lieder mit klar biblischem Bezug, die auch weiterhin das Fest untermalen. Stille Nacht beispielsweise. Mary’s Boy Child gehört eher nicht dazu. In all den Jahren, die wir nun schon weihnachtliche Klänge teilen, ist mir zumindest noch kein Cover von Mary’s Boy Child untergekommen, über das ich hätte schreiben wollen. Bis heute. Denn was der nicht eben unbekannte Sivert Høyem mit diesem Lied macht, verdient große Anerkennung.  Weiterlesen

The Pepper Pots – Waiting for the Christmas Light EP

Heute ein heißer Tipp für alle Schallplattensammler unter euch: Feinster Motown-Sound von einer katalanischen Soul/Rocksteady Girl Group, erschienen beim einem auf Ska spezialisierten Label. Das alles im Jahre 2009, sind aber noch ein paar Scheiben da und das bedeutet NICHT, dass es an Qualität mangelt. Ganz und gar nicht. Wirklich überhaupt nicht. The Pepper Pots gehören zu den Bands, bei denen ich kaum glauben mag, das weder Christmas Underground, noch Christmas A Go Go, noch Stubby, noch Santa’s working overtime, noch Snowflakes Christmas Singles, noch Santapalooza und viele weiter Christmas Music-Fanatics bisher von ihnen Notiz genommen haben.  Weiterlesen

Cold Specks – Christmas Evermore

Ein halbes Jahrzehnt hat es gedauert, bis ich diesen fantastischen Weihnachtssong entdeckt habe, genauer gesagt, ein Vierteljahrhundert denn auch das Original von Mary Margaret O’Hara hätte es schon längst auf diesen Blog schaffen sollen. Weihnachten gibt es leider nur einmal im Jahr, dieser traurige Umstand ist nicht nur Thema des Songs, sondern auch unser Leidwesen. Wäre Weihnachten mehrmals im Jahr oder gar jeden Tag, dann hätten wir auch genügend Zeit, ein Loblied auf all die bisher unentdeckten Weihnachtslieder zu singen.

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Girl Ray – (I Wish I Were Giving You a Gift) This Christmas

Heute haben wir es mit einem interessanten Weihnachtslied zu tun. Was als tweehafter Retro-Pop mit engelsgleichem Gesang beginnt, nimmt im weiteren Verlauf geradezu Medley-Charakter mit fast parodistischem Einschlag an. Überraschende melodische Einschübe, ein quasi aus dem Nichts auftauchender Kinderchor, der Song (I Wish I Were Giving You a Gift) This Christmas ist derart überkandidelt, dass man ihn gerade deshalb mögen muss. Dem britischen Trio Girl Ray ist ein Lied mit jeder Menge Augenzwinkern gelungen. Die süße Groteske drückt sich auch in einem DIY-Video aus, das den Eindruck vermittelt, als bestünde ein Leben auf Tour ausschließlich aus Flausen und Sightseeing. So flapsig die Chose also ausfällt, so sehr muss man vor Girl Ray auch den Hut ziehen. All der Millennial-Humor könnte freilich auch ein Schuss in den Ofen sein, doch Girl Ray verfügen viel Qualität, wie auch bereits das im Sommer erschienen Album Earl Grey gezeigt hat. Ihr Lo-Fi-Indie-Pop kann sich mit starken Melodien brüsten, eine Affinität zu Sound und Attitüde der späten Sechziger darf ebenfalls auf der Habensseite verbucht werden. Ein weiteres Markenzeichen ist der mitunter heiser-liebliche Vortrag der Sängerin Poppy Hankin.  Weiterlesen

Threelakes and the Flatland Eagles – Christmas Night

Trotzdem Weihnacht! Unter diesem Motto steht der Song Christmas Night. Auf dem Heimweg von der Arbeit am 24. Dezember begegnen einem lauter glückliche Menschen, während man selbst in eine leere Wohnung kommt. Nur zu gerne wäre man im Kreise der lieben Familie, deren Gesichter und Stimmen man sich via Skype für ein paar Minuten in die eigenen vier Wände holt. Es riecht nach Tristesse, vielleicht ist auch der Griff zur Flasche ein Thema. Einsamkeit in der Großstadt. Doch dann geschieht ein kleines Wunder! Die Zeilen „Heard your steps on the ground floor/ After you gently closed the door/ Saw your face and your eyes/ I was lost now I’m fine/ And I’m not goin‘ home babe/ I’ve got you in this city on Christmas night“ verkünden das Ende des Grübelns und der Trübsal. Ganz unerwartet kommt die Person, die man sich so sehr ersehnt hat, zur Tür hereingeschneit, macht aus einem einsamen Fest einen Weihnachtsabend trauter Zweisamkeit.  Weiterlesen

Mist – The Bell That Couldn’t Jingle

Die Leichtigkeit und Eleganz der Kompositionen eines Burt Bacharach sind hoffentlich unbestritten. Vielen Liedern und Alben Bacharachs haftet zudem die Patina goldener musikalischer Zeiten an. Dennoch ist so ein wunderbarer Weihnachtssong wie The Bell That Couldn’t Jingle leider nie die erste Wahl für Indie-Musiker ist. Dabei ist das Lied auch textlich so verdammt rührend, erzählt die Geschichte einer Weihnachtsglocke, die nicht läuten kann und sich deshalb auch keine Illusionen macht, den Schlitten Santas mit Geläut begleiten zu dürfen. Doch Santa hört das Weinen des Glöckchens und nimmt sich seiner an. Er entdeckt, dass ihm der innere Klöppel fehlt. Er lässt Jack Frost daraufhin aus einer der Tränen einen solchen Klöppel anfertigen und schenkt ihm dem Glöckchen, damit selbiges am Weihnachtsabend munter vor sich hin läuten kann. Ein tolles Lied, das darunter leidet, dass die ganz hohe Kunst des Easy Listening und die Attitüde des Indie halt nicht immer harmonieren. Wie dies jedoch bestens funktioniert, zeigt das Projekt Mist des Niederländers Rick Treffers. Sein verträumter Indie-Pop mit zärtlicher Singer-Songwriter-Note scheint dazu prädestiniert, sich an einen Herrn Bacharach heranzuwagen. Ihm gelingt ein Track, der die so liebenswürdige Geschichte herrlich untermalt, zugleich einige exzentrische Akzente setzt. Elektronische Frickeleien fehlen ebenso wenig wie chorale Eskapaden, im Verlauf mündet die anfängliche Kleinteiligkeit dann in einen harmonisch-eingängigen Ohrenschmaus. Eine ausgesprochen würdige Interpretation von The Bell That Couldn’t Jingle!

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