Archiv der Kategorie: Boulevard of the Nameless

Boulevard of the Nameless (VII)

Es herrscht kein Mangel an Singer-Songwritern. Doch nicht wenige Männer und Frauen erliegen dem trügerischen Glauben, dass eine Gitarre und ein wenig Gesang gleich eine mirakelhafte Karriere befeuern. Vergessen, dass die Klampfe doch eben ein Feigenblatt bedeutet, dass mehr enthüllt alt verschleiert. Darum postuliere ich auch den Umstand, dass auf jegliches Talent mindestens 10 eisern durchhaltende und dennoch grandiose scheiternde Möchtegern-Songwriter kommen.

AmeliaCurran

Die Dame, welche ich heute präsentieren will, hat laut ihrer Vita nicht erst dieses Jahr dem Musizieren gefrönt, freilich bislang nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sich ihre unspektakulär soliden, aber sehr berührenden Lieder längst verdienten. Die Kanadierin Amelia Curran agiert in den Bereichen Folk und Country, erinnert manchmal beispielsweise an Patty Griffin.

Im September 2009 ist ihr jüngstes Album Hunter, Hunter erschienen. Und wie bereits auf dem 2006 veröffentlichten Album War Brides finden sich einige ansprechende Songs, die all denen das Herz rühren können, die ein puristisches Hörverhalten an den Tag legen. Wer unverkitscht bodenständige, wärmend nachdenkliche Liedermacherei mag und einen klaren Fokus auf eine ausdrucksstarke Stimme legt, die angenehm zurückhaltend und nie schwülstig agiert, wird Amelia Curran sehr wohltuend empfinden.

Warum nur hat die werte Dame noch nicht den Lorbeerkranz des Erfolgs im wehenden Haar verankert? Meiner minderen Meinung nach braucht es im Musikgeschäft nicht etwa nur Talent, Kreativität und Disziplin, vielmehr den absoluten Willen zum Erfolg. Wem nicht das Glück in die Hände spielt, der muss selbiges selbst schmieden und dabei noch einige taktische Finesse an den Tag legen. Nun ist es vielleicht zuviel verlangt, neben musikalischer Begabung auch noch knallharte Business-Instinkte zu entwickeln. Und oft reicht es trotz redlichster Bemühungen vor allem kleinerer Label einfach nie für die große Bühne, zu Unrecht.

Ich will mich freilich nicht in Spekulationen verlieren. Fakt ist und bleibt, dass sich Amelia Curran als reife Interpretin mit spannenden, gut arrangierten Liedern zeigt. So stellt der auf dem aktuellen Album vertretene Song Mistress, den es hier als kostenlosen Download gibt, ein gerüttelt Maß an hervorragend auf den Punkt gebrachter Eifersucht dar. Auch der Track Tiny Glass Houses konnte mich absolut überzeugen.

Bleibt zu hoffen, dass Frau Currans Eintrag auf dem Boulevard of the Nameless von absehbarer Dauer ist, und ihre Musik diejenigen Hörer aufzuspüren vermag, welche feinen Lyrics, tollem Vortrag und modernen folklastigen Tönen aufgeschlossen sind.

Links:

Offizielle Homepage

MySpace-Auftritt mit Hörproben

SomeVapourTrails

Boulevard of the Nameless (VI)

Dieses Mal möchte ich dem Heer der Namenlosen gleich zwei Neuankömmlinge zuführen. Passend zur jahreszeitlichen Entfärbung der Blätter in ein glitschiges, auf dem Trottoir wogendes Meer trister Brauntöne soll Rachel Grimes mit ihrem soeben auf dem Label Karate Body Records veröffentlichten Album Book of Leaves eine Vorstellung erfahren. Connaisseuren mag die Dame als Mitglied der avantgardistisch gestrickten, von der Gattung des Minimalismus inspirierten, instrumental agierenden Band Rachel’s ein Begriff sein. Diese schuf sich seit Mitte der Neunziger mit interessanten Werken eine veritable Anhängerschaft und weilt mangels passenderer Alternativen gerne in der chaotischen Genre-Schublade des Post-Rock. Nun wandelt die Pianistin Grimes alleingängig und vollführt mit der konsequenten Reduktion auf ihr Instrument eine schwermütige Klavierstunde, die mit viel Sperrigkeit dem Herbst Akkorde auf den Leib schneidert.

BookOfLeaves

Book of Leaves schwelgt in klassisch komponierten Klavierstückchen, die in der innewohnenden Kürze Polaroids eines momentanen Eindrucks schnappschießen und in eindringlich zeitlose Tastengriffe überführen. Rachel Grimes liefert einen Soundtrack naturesken Verwelkens. Jeder dramatische Film der gehobenen Art würde nach solch Tönen lechzen. Doch solange die werte Dame in eben diese Nische nicht eintritt, wird ihr zu Unrecht wenig Aufmerksamkeit beschert sein. Ein Jammer.

Silent Retreat from on Vimeo.

Kommen wir nun zu Woodsman, einer ebenfalls instrumentalen Verlockungen verfallenen Band aus Denver. Selbige werden demnächst ihr erstes Album Collages veröffentlichen. Mit Fug und Recht darf ein erster kostenloser Vorgeschmack,  der Track Sunglass, als beschwingt-furioses Juwel abgekanzelt werden. Das Stück ist hier gratis erhältlich. Frühere EPs sind sogar komplett frei erhältlich, der Link dazu findet sich auf der MySpace-Seite der Band. Was Woodsman einen Hauch der Vielversprechung gibt und eine Flucht aus der Namenlosigkeit eröffnen mag, liegt in dem nicht zu gewagten, trotzdem abwechslungsreich melodischen Sound, der Post-Rock mit allzu scharfen Ecken und Kanten meidet und vielleicht in einer verlässlichen Erdigkeit mit für die Stilrichtung untypischem Percussion-Schwerpunkt seinen Erfolg findet. Die Hoffnung bleibt – und natürlich auch die Vorfreude auf das Debütalbum.

IndoorDays

Und wieder mehrt sich die Erkenntnis, dass ein Entlangspazieren auf dem Boulevard of the Nameless Traurigkeit und Fröhlichkeit vereint. Wehmut darüber, dass sich hier unbesungene, heldisch werkende Musiker aneinanderreihen. Freude, ob der famosen Lieder die ohne Ende hier erschallen.

Links:

Offizielle Webpräsenz von Rachel Grimes

MySpace-Auftritt mit Hörproben von Rachel Grimes

MySpace-Auftritt mit Hörproben von Woodsman

SomeVapourTrails

Boulevard of the Nameless (V)

Sogar in Zeiten des Internets scheint es mitunter schwer, harte Fakten über einen Musiker zusammenzutragen. Und da ich im Prinzip zu der Gattung Hörer zähle, die ein Lied oder Album immer gern in einen Kontext stellen und die Komposition als Teil der Lebensumstände des Schöpfers sehen, fällt es mir zugegebenermaßen schwer, ohne viel Hintergrundinformation auf die Musik allein zurückzufallen. Genau dies freilich geschieht bei Larvae. Hinter diesem Namen verbirgt sich der in Atlanta ansässige Matthew Jeanes, welcher als Mastermind zusammen mit Chris Burnett und Bryan Meng diesen Electronica-Act formt und nach eigenen Angaben bereits seit 1997 an diesem Projekt werkelt. Viel mehr lässt sich aus verschiedenen Quellen nicht extrahieren, doch genügt es, um das vage Bild eines im besten Sinne Besessenen entstehen zu lassen.

adn101

Das mit einem überaus spannenden Repertoire aufwartende, in Berlin beheimatete Label Ad Noiseam veröffentlichte im Herbst 2008 das aus zwei EPs bestehende Album Loss Leader, welchem ich mich momentan weder entziehen kann – noch will. Insbesondere die unter dem EP-Titel Turning Around zusammengefassten ersten vier Titel der CD ergeben eine wundervolle Vermengung von Post-Rock-Elementen mit hochgradig melodiösem Downtempo. Die Konsistenz der Verträumung schöpft aus einer harmonischen Dichte, die vor allem vom Kontrast der filigranen Gitarren und nahezu zärtlichen Beats lebt. So schreit jede Faser des Openers Turning Around gleich einem verzückenden Tagtraum, bauschen sich flauschige Synthies auf, in welchen es sich gut dösen lässt, ehe eine atmospärische Woge sacht Chakra für Chakra benebelt. Auch Giftshop oder Heavy arbeiten nach diesem Prinzip, ersinnen einen unverkennbaren, mitreißenden Rhythmus, dessen Liebreiz sich nicht nur Genre-Fetischisten eröffnen mag.

Im zweiten Teil wuselt ein weitaus härterer Entwurf unter dem Titel Monster Music 2 aus den Boxen. Grobe Beats in IDM-Manier türmen sich auf luftiger Ambient-Verspieltheit. Sorgsam wird ein Gegenentwurf zur Wärme der ersten Hälfte gezeigt, bahnt sich eine Kälte den Weg – wie vor allem im roboterhaften Gigan And The Mysterians etabliert. Und mit dem Rausschmeißer Oxygen Destroyer überzeugt sogar die Verknüpfung zwischen den skizzierten wuchtig-hackigen Beats und dem durch Gitarre geprägten Shoegaze-Sound der Anfangstracks.

Speziell konzipierte Musik wird immer nach speziell gesinnten Ohren lechzen. Die Schönheit dieser Scheibe freilich beschert Larvae einen Eintrag auf dem Boulevard of the Nameless. Verbunden mit dem Wunsch, dass solch bravourös gestaltete Musik nicht länger in namenloser Unbekanntheit verharrt.

Link:

Offizielle Webpräsenz von Larvae

Label-Seite

Hörproben auf Last.fm (inklusive Gratis-Download)

SomeVapourTrails

Boulevard of the Nameless (IV)

Seit knapp 8 Wochen schon will ich den geneigten Lesern unseres Blogs ein Perle unter das Näschen halten und dabei nicht müde werden, den kleinen Schatz prahlerisch vorzuzeigen. Pājaro Sunrise nennt sich das Projekt des Spaniers Yuri Méndez, dessen Zusammenarbeit mit Pepe López nun im Doppelalbum Done/Undone kulminierte und Ende April in unseren Breiten erschien. Wenn ich die Anzahl der Hörer auf Last.fm durch den derzeitigen deutschen Amazon-Verkaufsrang dividiere, erhalte ich die Zahl 0,066561. Was dies nun genau aussagt, vermag auch ich nicht zu erläutern. Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis derart gering, dass sich Pājaro Sunrise ein ausgewählt schönes Plätzchen auf dem Boulevard of the Nameless verdienen.

Done-Undone

Stilistisch pendelt Pājaro Sunrise zwischen folkigen Elementen und entspanntem Pop der 60er-Jahre. Eigentlich eine erfolgversprechendes, nie aus der Mode kommendes Konzept, welches in besagtem Falle auch keine Langeweile kennt. Méndez singt unaufdringlich-elegant und klar, ohne zuviel heißblütiges Schmalz oder Herumgejammer. Der im Kern meist auf Gitarre und Gesang fokussierte Sound reduziert sich freilich eben nie auf rein akkustisches Geschrammel, sondern packt schon mal ab und an die elektrisches Spielzeug aus. Die Lyrics sind oft fragil und meist unspektakulär pfiffig. All diese Zutaten ergeben zwangsläufig ein Album von feiner Qualität.

Von der Ausrichtung auf leise, intime Töne her werden Yuri Méndez und seine musikalischen Begleiter nie Hitparaden stürmen, riesige Hallen füllen und in heutiger Zeit auch wenig Geld verdienen. Was mit viel Herzblut gefertigt und unwiderstehlich überzeugend Stimmungen flicht, wird als Kleinod rasch verwittern. Leider.

Unter den 22 Titeln, die fein säuberlich in die Kategorien „Done“ und „Undone“ einsortiert sind, empfehlen sich das hübsch zum Mitsummen einladende Beggar/Lover, das mit Glockenspiel verzierte und der netten Zeile „I’m becoming my own neighbor/ a shadow in the yard/ too scared to search the sun“ ausgestattete Disabled oder auch Ruby Girl (Lullaby for Irene), welches ohne weiteres aus der Hochblüte von Simon & Garfunkel stammen könnte. Kinda Fantastic bedient die Mitwipp-Fraktion, atmet viel Verspieltheit und gerät zu einem poppigen Ohrwurm, dessen Ausgelassenheit einen gelungen Kontrapunkt setzt. Auch die Cover-Version des Springsteen-Klassikers Hungry Heart mit A-Cappella-Rhythmus grinst toll verschmitzt, während ein Point Of No Return weniger luftig, fast schon einem dreckigen Blues huldigend klingt. Das von Nachdenklichkeit beseelte Come Down gerät mit seiner Schlichtheit zu meinem persönlichen Favoriten.

Was heute namenlos, muss nicht immer das Dasein als Geheimtipp fristen. Darum seien Pājaro Sunrise die besten Wünsche auf den Weg und dem Leser ein kostenloser Download zwecks Möglichkeit einer intensiveren Bekanntschaft mitgegeben. Anhören lohnt sich.

Links:

MySpace-Auftritt

Kostenloser Download auf Last.fm

SomeVapourTrails

Boulevard of the Nameless (III)

Manchmal mutiere ich zum kleinen Hänschen, der mit riesigen Kulleraugen auf die weite, komplizierte Welt starrt und nicht recht begreifen will, was daran so unverständlich sein soll. Liegt das Tohuwabohu am Ende gar im Auge des Betrachters? Das naive Gemüt in mir jedenfalls denkt sich, dass es kein von Gott auferlegter Fluch sein muss, der kleine Labels zur Vernachlässigung des Promotion-Einmaleins nötigt. Und sogar weltentwichene Musiker sollten sich einen Webauftritt basteln können, welcher die Fragen Wer? Was? Wo? in groben Zügen beantwortet. Sollte man jedenfalls meinen.

Heute wollen wir einen britischen Songwriter namens David Thomas Broughton ehren. Selbiger ist seit seinem Debüt The Complete Guide to Insufficiency im Jahre 2005 ein veritabler Geheimtipp. Das musikalische Dasein als Geheimtipp zu fristen scheint in etwa vergleichbar mit dem Beziehungsstatus des Singles. Gleich wie jeder Junggeselle der Paarung harrt, will ein jeder Musiker mit seinen Liedern die Menschheit penetrieren. Dieser Akt mag im Falle Broughtons leider noch auf sich warten lassen.

DavidThomasBroughton
David Thomas Broughton (Foto von Rosanna Freedman)

Broughtons Interpretation des Folk wird vom Bekenntnis zu Lo-Fi getragen. Eine glockenhelle Männerstimme und eine akkustische Gitarre stehen vor allem bei seinem Erstlingswerk im Fokus. Die darauf folgende  Zusammenarbeit mit 7 Hertz zeigt jedoch auch sein Gespür für kammermusikalische Orchestrierung. Broughton ist Purist unverwässerten Folks, schlittert thematisch und textlich in die Fußstapfen der grandiosesten Meister. So erzählt der Song Unmarked Grave von einem toten, verwesenden Soldaten, dessen Liebste auf seine Heimkehr wartet. Zeilen wie „as i decay neath my blanket of earth my heart is yet to be satisfied, a seedling grows on my burial ground, just to wither and die“ markieren exemplarisch die lyrische Kraft des Songwritings.

Was also fehlt dem werten Herren zu höheren Weihen? Vielleicht ein Label, welches gekonnt die Werbetrommel rührt, um die Folk-Fan-Nische  in kumulative Freude zu versetzen? Eventuell einen informativerer Webauftritt des Künstlers, der neugierige Journalisten und Bloggern die Infos liefert, welche es braucht, um die Mär eines fantastischen Musikers über alle Erdteile zu verbreiten? Oder am Ende gar nur Glück, dass in Mode kommt, was zeitlos ist?

Am Ende sei auf einen Download von Weight of My Love als Hörprobe verwiesen. Hier wird die Kraft des Vortrags in all der direkten Schlichtheit deutlich, welche David Thomas Broughton charakterisiert. Man muss ihn einfach entdecken – und somit auch ins Herz schließen.

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Offizielle Webseite

Hörproben auf Last.fm

SomeVapourTrails

Boulevard of the Nameless (II)

Auch heute wollen wir uns wieder eine Musikerin ins Gedächtnis rufen, die nie das Cover des Rolling Stone zieren wird. Nun gibt es derer viele und – sofern man die Titelbildverzierung dieses Magazins als Auszeichnung versteht – dies ist mitunter auch angebracht. So wie es im Branchenbuch unter K wie Klempner eine Schar von notorisch unfähigen Handwerkern gibt, genauso bevölkern Heerscharen von Musikern die Welt, deren einzige Meriten eine Handvoll mühsam einstudierte Gitarrengriffe sind. Die diesmal auf dem Boulevard of the Nameless verewigte Künstlerin hat freilich durchaus großes Potential.

Kratzen wir uns mal kollektiv am Kopf – ohne ein etwaig schütteres Haupthaar in Unordnung zu bringen. Wenn eine Kanadierin ein Platte bei einem kleinen spanischen Label veröffentlicht, welches nicht nur keine eigene Webpräsenz vorweisen kann, vielmehr sogar sämtliche Infos im MySpace-Auftritt in zungenschnalzerischem Spanisch serviert, dann riecht man schon den Braten. Nada Marketing, nada Erfolg – alte Binsenweisheit. Dabei hätte die werte Frau Ora Cogan den einen oder anderen Fan verdient.

Ora Cogan
Ora Cogan (Foto von Billy Woods)

Ora Cogan wurde 1982 als Tochter israelischer Einwanderer in Kanada geboren und hatte seit der Kindheit Berührungspunkte zur Musik. Bereits als Teenager begann sie eigene Songs zu schreiben und sich eifrig Gitarre, Piano und Violine im Eigenstudium beizubringen. Diese Leidenschaft hält bis heute an, drei Alben erblickten bis dato das Licht der Welt: Sparrow (2005), Tatter (2007) und Harbouring (2008). Cogan ist in eine klassische Folk-Sängerin mit Hang zu spärlicher Instrumentierung und intimer Darbietung. Hatte Tatter noch die eine oder andere jazzige Anspielung vorrätig, so ächzt Harbouring nun düsterer und entrückter. Tracks wie Vatican City oder Cabin Fever atmen bereits Hochklassigkeit und segeln mit Lichtgeschwindigkeit ins Herz jedweden Folk-Liebhabers.

Harbouring

In den kommenden Wochen beehrt Ora Cogan auch Deutschland mit einigen Konzerten, wobei die Wahl der Veranstaltungsorte durchaus aussagekräftig scheint. Noch ist der straßenmusikalische Flair nicht von ihr abgefallen. Bleibt zu hoffen, dass ihr mehr Rezeption vergönnt ist und sich auch der eine oder andere von Neugier befallene Musikfreund zu den Auftritten verirrt. Schlichter, bezaubender Folk ist immer einen Versuch wert.

Termine:

02.05.2009 SUI, Luzern, Treibhaus
09.05.2009 D, Stuttgart, FFUS
10.05.2009 D, München, Kafe Kult
12.05.2009 A, Vienna, Garnison7
17.05.2009 D, Berlin, Valentin Stueberl
18.05.2009 D, Berlin, NBI
19.05.2009 D, Leipzig, Paris Syndrom
20.05.2009 D, Hamburg, Hasenschaukel

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Offizielle MySpace-Seite

Hörproben auf Last.fm

SomeVapourTrails

Boulevard of the Nameless (I)

Unzählige Ruhmeshallen preisen Großtaten, ein Flanieren auf Erfolgswegen ist ebenso möglich. Warum jedoch wird diese Ehre nur denjenigen zuteil, deren Namen sich auch im kleinsten Großhirn des Durchschnittsmenschen eingebrannt haben? Weshalb wird nirgendwo eine Prachtstraße für die Namenlosen gezimmert und deren Handabdrücke in breiigen Asphalt gemetzelt? Die Schar der Namenlosen, die aus Pech oder mangelnder Abgebrühtheit nie in den gleißenden Lichtkegel der Anerkennung tapsen durften. An dieser Stelle unseres Blogs bekommen Herr und Frau Nobody von nun an einmal wöchentlich Streicheleinheiten und Aufmerksamkeit, wird Zucker in Hinterteile geblasen, die solch Behandlung mehr als verdient haben. Und ohne viel Umschweife wollen wir uns der ersten Musikerin zuwenden.

Stell dir vor du bist Musikerin, vermagst mit kompositorischen Siebenmeilenstiefel von einem magischen Lied zum nächsten bezaubernden Song zu hüpfen. Male dir weiters aus, dass deine Stimme dich zu feinsten ätherischen Luftsprüngen befähigt. Und ziehe zusätzlich in Erwägung, dass dein Heimatland keinerlei exotische Destination wie Timbuktu darstellt. Werde nun ob dieser Gedankengänge nicht euphorisch, denn – nein! – du wachst nun nicht im Schlaraffenland der persönlichen kreativen Erfüllung auf. Du bist nach wie vor ungefähr so bekannt wie Filialleiter Schmidt vom Aldi am Kottbusser Damm. Gut, vielleicht ist es nicht sonderlich hilfreich bei einem winzigen Label Unterschlupf gefunden zu haben, welches es noch nicht einmal schafft, seine Homepage in englischer Sprache zu halten. Eventuell wäre auch ein wenig Promotion-Tätigkeit oder zumindest ein eigener Webauftritt von Vorteil gewesen. Gottvertrauen in allen Ehren, aber wenn man sich nur auf Mundpropaganda verlässt, dann ist musikalische und finanzielle Anerkennung nicht unbedingt eine geritzte Sache.

Rockettothesky
Rockettothesky

Ich spreche heute vom norwegischen Ein-Frau-Projekt Rockettothesky, hinter dem die Musikerin und Sängerin Jenny Hval steht. Kennste nicht? Siehste! Darum passt sie auch in oben eingeführte Kategorie. Stilistisch bewegt sich die werte Dame stilsicher zwischen Shoegaze und Folk, entwirft surreal-stimmliche Klangbilder für Fortfortfortgeschrittene. Verwegen trödeln händeklatschende Choräle mit Muezzinesker Verhalltheit daher, latscht ihr engelhaftes Organ ohne jedweden Stimmbandriss in höchste Sphären oder reitet in ein schrilles Sprechgesangs-Rodeo. Medea nennt sich ihr 2008 erschienenes Album, welches so avantgardistisch klingt, wie Björk es heute gern noch wäre. Dies macht sie auch zu einem würdigen Eintrag auf dem Boulevard of the Nameless.

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more about „Grizzly Man„, posted with vodpod

Wer nun der betörten Entrücktheit verfallen ist, sei auf folgende Links verwiesen:

Den Track Grizzly Man gibt’s hier als kostenlosen Appetithappen.

My-Space-Auftritt

Label-Seite mit Hörproben

SomeVapourTrails