Schlagwort-Archive: A Silver Mt. Zion

In letzter ergreifender Konsequenz – Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra

Was Efrim Menuck irgendwann als persönliche Spielwiese abseits seiner Tätigkeit in der kultisch behauchten Band Godspeed You! Black Emperor ersann, entwickelte bereits mit dem Debüt He Has Left Us Alone but Shafts of Light Sometimes Grace the Corner of Our Rooms… eine ganz eigene Strahlkraft. Zehn Jahre später präsentiert die als A Silver Mt. Zion zusammen mit Sophie Trudeau und Thierry Amar begründete Formation unter dem Bandnamen Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra ihr mittlerweile 6. Album, Kollaps Tradixionales. Der bereits auf den vorangehenden beiden Veröffentlichungen eingeschlagene Weg, der Textlichkeit und Gesang in den Fokus rückt, wurde konsequent weiter verfolgt, noch zwingender umgesetzt, ohne jedoch auf die nach wie vor magischen Melodien des Post-Rocks zu verzichten und doch genreübergreifend zu agieren.

Doch will ich zur Abwechslung nicht lange um den heißen Brei herum reden, vielmehr die Tracks einzeln beleuchten:

There Is A Light: Hand aufs Herz, ist es nicht die epische Breite, das staunende Gefühl des Eintauchens in eine ausladende musikalische Vision, die den Reiz der Band definiert? Folkig-bluesige Elemente untermalen den klagend bis schreienden Gesang Menucks ebenso wie die rockige Wucht, über 15 Minuten lang wechseln Passagen höchster Intensität mit andächtigen Momenten, wird ungestüme Dynamik mit besänftigenden Chorälen und erhabenen instrumentalen Augenblicken beantwortet.

I Built Myself A Metal Bird: Ein Song, der in Schweiß watet. Hymnisch-exzessiv von Gitarre und Schlagzeug angetrieben, erwächst eine Rage, welche mit den Worten „Dance, you Motherfucker“ befeuert wird. Was dank des direkten Vortrags wie ein deftiges und doch annähernd konventionelles Rock-Stück anmutet, schaukelt sich zu einem Prunkstück auf, in dem eine kraftvolle melodische Härte mittels feinster Instrumentierung beschworen wird. Fantastisch!

I Fed My Metal Bird The Wings Of Other Metal Birds: Der Track fügt dem vorangegangen Song eine akademische Fußnote hinzu, konterkariert dessen Eingängigkeit durch Dissonanz. Versieht die Geradlinigkeit mit jeder Menge Fragezeichen, ehe sich die Band nochmals findet und den Tumult von I Built Myself A Metal Bird abermals aufgreift, dieses Mal ungleich mehr den Traditionen des Post-Rocks folgend.

Kollapz Tradixional (Thee Olde Dirty Flag): Die Eröffnung des dreiteiligen Herzstücks der Scheibe orientiert sich wieder gen Folk-Gefilde. Greift tief in die Trickkiste eines Abgesangs, marschiert trauerzügig und dennoch unverdrossen, von einem röchelnden Kontrabass untermalt.

Collapse Traditional (For Darling): Gleich einem liebevollen Intermezzo ungeahnter Zärtlichkeit schmiegt sich das kurze Stück an, bietet die willkommene Verschnaufpause vor dem Taumel.

Kollaps Tradicional (Bury 3 Dynamos): Hierin kulminiert das sorgsam inszenierte Phantasma, steigert sich allmählich wüst-verzerrt in einen kriegstänzelnden Rhythmus, der abermals der Destruktivität huldigt. Die Finesse der Komposition, deren salbungsvoller Anfang in Wahn ausfranst, vermag ich nicht genug zu bewundern.

‚Piphany Rambler: Das letzte Stück der Platte nimmt sich wieder 14 Minuten Zeit zur Entfaltung. Im Gegensatz zu den Brechungen von There Is A Light agiert man hier zielgerichteter, zieht mit jeder Minute die Schrauben etwas fester an. Menuck wimmert sich die Seele aus dem Leib, ehe ihn eine dichte Klangwolke etwas in den Hintergrund spült und wieder ein chorales Gedränge den Abschluss bildet. Vielleicht das einzig schwächere Stück auf dieser CD.

Es liegt in der Natur der Band, dass das Fazit für Kollaps Tradixionales natürlich vor lobenden Worten strotzt. Die musikalische Vision von Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra ist in letzter Konsequenz nicht nur durchdacht und fordernd, sondern eben aufwühlend, ergreifend und nachgerade von enormen Charmisma bekränzt. Was Gitarrist und Sänger Menuck, Trudeau und Jessica Moss an den Violinen, Bassist Amar und der neue Schlagzeuger David Payant entwickeln, lässt Musik in der Dimension gewaltigster Imagination und höchster Virtuosität erstehen. Dies schwergewichtige Alben verlangt genau so viel ab, wie es zu geben im Stande ist. Sehr viel nämlich.

Links:

Offizielle Homepage

Label-Seite mit empfehlenswertem Shop

SomeVapourTrails

Kollaps Tradixionales – Erste Hörprobe des neuen Albums von Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra

2010 verspricht bereits in den ersten Wochen zahlreiche Veröffentlichungen herausragender Künstler. Als dem Genre Post-Rock zugetaner Mensch komme ich darum nicht umhin, der neuen Platte von Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra sehnsüchtig entgegen zu harren. Was vor zehn Jahren noch unter dem Namen A Silver Mt. Zion als Nebenprojekt der kultischen Formation Godspeed You! Black Emperor begann, hat längst eigenständige Meriten an den Tag gelegt.

Wer mit Godspeed You! Black Emperor und dem Debüt F♯A♯∞ eine der wichtigsten Kompositionen des 20. Jahrhundert abgeliefert hat, könnte eigentlich getrost das Heil in der Variation des Erschaffenen suchen. Während sich Epigonen die Finger wund schreiben und spielen und doch kaum an die überdimensionale Magie heranreichen, haben Efrim Menuck und Kollegen auch mit Silver Mt. Zion hochinspirierte, verstärkt auf Gesang fokussierte Werke ersonnen. Nun erscheint bei der Instanz in Sachen Post-Rock, dem kanadischen Label Constellation Records, im Februar die neue CD Kollaps Tradixionales.

cst063cover_web

Eine erste Hörprobe verspricht nicht mehr oder weniger als die Erfüllung hochgesteckter Erwartungen. Doch hören wir selbst – und blicken freudig dem Erscheinungstermin Anfang Februar entgegen.

Links:

Offizieller Blog

Label-Seite mit Details zur Veröffentlichung

SomeVapourTrails

500 essentielle Songs der Dekade – Teil 1

Wer dieser Tage Pitchfork ansteuerte, durfte mit hochgezogener Augenbraue die 500 wichtigsten Tracks dieser Dekade begutachten – oder vielmehr belächeln. Was hier inmitten verdienter Glanztaten an Schrecklichkeiten zu finden ist, deutet durchaus darauf hin, dass Plattenfirmen manch Sänger eine kräftige Fürsprache angedeihen haben lassen. Kelly Clarkson auf Platz 21 kann nur ein wirklich geschmacksverschleimtes Hirn ersinnen. Insgesamt ist diese Liste eine derart dumme, ärgerliche, in die Irre führende Angelegenheit, dass man sie nicht geflissentlich ignorieren kann und darf. Gerade Leute, die sich mit Musik eben kaum bis gar nicht beschäftigen, kommen am Ende durch solch Aufzählung auf den komplett absurden Gedanken, wonach der Mist, den Beyoncé verzapft, tatsächlich die Krone der audiophilen Hochgenusses sei.

Darum wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten hier eine in jeder Hinsicht vielfältigere Auswahl präsentieren.  500 Songs dieser Dekade – in feinster subjektiver Manier handverlesen und durchaus mit einem gerüttelt Maß an objektivem Anspruch. Heute beginnen wir mit den ersten 50 Liedern.

500Tracks(Teil1)

kingdomofrustDovesKingdom Of Rust (2009)

bringmetheworkhorseMy Brightest DiamondWe Were Sparkling (2006)

straightfromthefridgeJames HardwaySpeak Softly (2002)

skilligansislandThirstin Howl IIIWatch Deez (feat. Eminem) (2002)

gulagorkestarBeirutPostcards From Italy (2006)

frenchteenidolFrench Teen IdolShouting Can Have Different Meanings (2005)

addinsulttoinjuryAdd N to (X)Plug Me In (2000)

convictpoolCalexicoAlone Again Or (2004)

pleasedtomeetyouJamesGetting Away With It (All Messed Up) (2001)

Eine supersexy Liste (Teil 1)

Will man als Blogger hohe Zugriffszahlen generieren, scheint ein deppensicherer Weg in der Verwendung der optimalen Buzzwords zu liegen. Die richtigen Tags sind ein guter Anfang, noch besser ist die wiederholte Benutzung von Google-freundlichen Begrifflichkeiten. Es empfiehlt sich Sex und Erotik in der unaufdringlichen Manier eines Tourette-Kranken immer wieder wahllos in den Text einzuflechten. Dies und die Erwähnung prominenter Namen sollte Suchende zu diesem kleinen, feinen Blog lotsen, oder etwa nicht? Natürlich bedarf es dann auch eines nach Aufmerksamkeit heischenden Themas, damit die Mikrosekunde der Entscheidungsfindung, ob der Blog lesenswert ist, auch zugunsten des Bloggers ausfällt.

Habe ich schon von Sex gesprochen? Playboy ist sicher auch ein nettes Buzzword, wobei die Fans von Pin-Ups selbigen wohl eher boykottieren. Den liest man doch mittlerweile nur noch. Mit wohligem Schauer zu bestaunende Bilder sind Mangelware, sagt jedenfalls meine Freundin. Essentiell scheint die maßvolle Verwendung sensationslüsterner Schlagworte. Wer wirklich nach Porno oder Hardcore sucht, der wird beim Anblick eines elendslangen Textes Hals über Kopf die Flucht ergreifen. Sex als Buzzword klingt gerade noch dezent genug. Besser freilich scheint Erotik, da der Begriff auch Feingeistern über die Lippen kommt. Und wer will nicht empfindsame Ästheten unter seinen Lesern wissen?

Die Namen der aus Hochglanz-Magazinen vertrauten Gesichter sollten auch sorgsam ausgewählt sein. Auch hier muss man den Geschmack der gewünschten Klientel ins Auge fassen. Fans von Paris Hilton oder Fetischisten mit Hang zur kultischen Verehrung Pamela Andersons sind wohl nicht die avisierte Zielgruppe. Da ist es schon sinnvoller aparte Schönheiten à la Carla Bruni im gleichen Atemzug wie Sex zu nennen. Oder auch gern Nelly Furtado.

Freilich entkommt man dennoch nicht der Pflicht dem Blogeintrag auch inhaltliches Gewicht zu verleihen. Eine in der Simplizität der Mittel geniale Idee ist die Erstellung von Listen. Viele Zeitgenossen lieben Listen, sie sind die perfekte Symbiose von Ordnung und Bewertung. Auch ich habe ein Faible für ein die Ganglien zermürbendes Grübeln nach der besten Kategorisierung und Reihung von Musiker, Alben, Liedern, whatever. Daher sei mir heute eine sehr nach persönlicher Befindlichkeit orientierte Liste der 10 schönsten Songs der Entrückung vergönnt.

Meine Top Ten der Verträumtheit:

10. múmSunday Night Just Keeps On Rolling

09. The Chemical BrothersAsleep From Day (featuring Hope Sandoval)

08. 1 Giant LeapThe Way You Dream (featuring Michael Stipe)

07. Dirty ThreeI Offered It Up To The Stars And The Night Sky

06. Sigur RósGlósóli

05. LowLullaby

04. Four TetMy Angel Rocks Back And Forth

03. A Silver Mt. Zion – 13 Angels Standing Guard ‚Round The Side Of Your Bed

02. Philip GlassFacades

01. BlockheadSunday Seance

Ich hoffe, dass der geneigte Leser den einen oder anderen Track bei Gelegenheit anhört. In dieser Auswahl fließt Herzblut…

SomeVapourTrails