Es ist niemals zu spät – Jupiter & Okwess

Wir neigen dazu, Lebensentwürfe nach dem Alter ihrer Protagonisten zu beurteilen. Wer zwanzig Jahre zählt, hat quasi einen Persilschein für Unangepasstheit. Mit Anfang dreißig wird Rebellion schon eher als lästige Gewohnheit abgetan, die es tunlichst abzuschütteln gilt. Und wer sich den Konvention und einem vermeintlichen Schicksal mit über 40 Jahren noch widersetzt, ist schräger Vogel und Versager. So zumindest denken die, die selbst rein gar nichts umtreibt, die sich früh intellektueller Bequemlichkeit hingeben. Der Kongolese Jean-Pierre Bokondji ist freilich ein Paradebeispiel dafür, dass  Unbeirrbarkeit auch erst belohnt werden kann, wenn man seinen fünfzigsten Geburtstag längst gefeiert hat. Als Mastermind von Jupiter & Okwess hat er sich erst in den letzten 5 Jahren international hervorgetan, in diesem Sommer ist das zweite Album Kin Sonic erschienen. Man muss sich diese Lebensgeschichte vielleicht kurz näher vor Augen führen, um zu begreifen, was die Veröffentlichung dieser Platte für Bokondji wohl bedeuten mag.

Photo Credit: Micky Clement

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Vom Botschafter zum Erneuerer – Bassekou Kouyaté & Ngoni Ba

Bereits vor einigen Wochen habe ich damals noch voller Vorfreude auf ein für Ende April angekündigtes Album aus der Kategorie Weltmusik hingewiesen. Dieser Tage nun ist die Platte erschienen und der Künstler tourt samt Band derzeit durch ganz Europa. Grund genug, den Künstler samt Werk ein wenig genauer zu betrachten. Die Rede ist Bassekou Kouyaté. Der Malier Kouyaté hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ngoni in die Moderne zu überführen. Eine Ngoni bezeichnet eine Laute mit Steg, quasi einen alter Vorläufer der Banjos. Kouyaté denkt das Instrument konsequent neu, belässt es nicht bei den überlieferten drei bis vier Saiten, motzt die Ngoni auf bis zu sieben Saiten auf, elektrifiziert sie noch ganz nebenbei. Zusammen mit seiner Band Ngoni Ba entwickelt er auf seinem jüngsten Album Ba Power einen Afro-Rock, der Tradition und Moderne gleichermaßen gerecht wird. Ba Power geht im Vergleich zum bodenständigen Vorgängerwerk Jama ko einige Schritte weiter in die Welt hinaus, transzendiert zu einem mondial gültigen Stück Musik, ohne dabei dem typisch afrikanischen Groove zu entsagen.

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Schlaglicht 9: Bassekou Kouyaté & Ngoni Ba

Die Ngoni ist eine Laute mit Steg, man kann sie sich als betagten Vorgänger des Banjos vorstellen. Verbreitung findet sie vor allem in Westafrika. Und so spannend es fraglos auch ist, in den Kosmos alter und in Europa fraglos exotisch anmutender Musikinstrumente einzutauchen, erscheint es nicht minder faszinierend, hautnah zu erleben wie ein Musiker Tradition und Moderne miteinander verknüpft. Der malische Musiker Bassekou Kouyaté lässt sich von der vermeintlichen Limitierung einer in der Regel drei- bis viersaitigen Ngoni nicht abschrecken, motzt diese auf bis zu sieben Saiten auf, elektrifiziert das Instrument. Zusammen mit seiner Band Ngoni Ba bietet er auf dem mittlerweile vierten Album Ba Power derart mitreißenden Afro-Rock, dass nicht nur der wackere Fan von Weltmusik ins Schwärmen kommt. Bassekou Kouyaté & Ngoni Ba stehen sowohl für eine Fortführung der Griot-Tradition als auch für eine Offenheit gegenüber westlichen Populärsounds. Einen ersten Vorgeschmack auf das für April angekündigte Album vermag der Song Siran Fen zu liefern. Im Vergleich zur erdigen Vorgängerplatte Jama ko verlässt dieser Track die heimatliche Scholle, entwickelt einen weltumspannenden, dynamischen und natürlich noch immer afrikanisch verbrämten Groove. Ein Ohrwurm, made in Afrika! Man darf sich somit viel von dem neuen Werk Ba Power erhoffen!

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