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Schlaglicht 67: Baba Commandant & The Mandingo Band

Heute möchte ich einen Konzerttipp loswerden. Wer diesen Blog hier öfter besucht, wird bereits festgestellt haben, dass wir bei allem Indie auch ein ausgeprägtes Faible für das haben, was allgemein als Weltmusik bzw. World Music firmiert. Speziell der afrikanische Kontinent hat es mir in seiner klanglichen Vielfalt angetan. Und hier speziell der Afrobeat. Weil er im ewig Widerstreit zwischen Tradition und Moderne auf einen gemeinsamen Nenner zurückgreifen. Er steht stets für eine selbstbewusste Identität, die Länder- und Sprachgrenzen überwindet, eine panafrikanische Botschaft entwickelt. Afrobeat vereint die ganze Diversität des schwarzen Afrikas auf sich. Aus diesem Selbstverständnis heraus hat im Afrobeat ein traditionelles Instrument wie Ngoni ebenso seine Berechtigung wie eine E-Gitarre. Und so freut es mich, wenn man beim Afrobeat nicht nur vom Glanz früherer Tage sprechen kann, sondern auch einen gegenwärtigen Vertreter als Beweis für die Qualität dieser Rhythmen anführen kann. Baba Commandant & The Mandingo Band zählen definitiv dazu. Der charismatische Sänger Mamadou Sanou aka Baba Commandant stammt aus Bobo-Dioulasso, der zweitgrößten Stadt Burkina Fasos. Das sprachliche Universum, in welchem er sich bewegt, ist jenes der Mande-Sprachen Westafrikas. Das 2015 veröffentlichte Album Juguya zeigt einen mitreißenden Künstler, der mit seiner stimmlichen Präsenz das Sammelsurium an Einflüssen stets zusammenhält. Juguya ist in höchstem Maße unterhaltsam, darüber hinaus ist es einerseits eine Hommage an die goldenen Zeiten des Afrobeat, andererseits verankert es das Genre auch fest in der Gegenwart. Der Einfluss des großen Fela Kuti ist zwar unüberhörbar, aber Sanou gelingt es jederzeit, eigene Akzente zu setzen. Die Bandbreite reicht von energetischem Afrobeat bei Ntijiguimorola, der durch eine starken Vortrag samt gackerndem Gebrüll aufgefettet wird, über I Kanafo, bei dem das Call-and-Response zwischen Baba Commandant und dem Orchester mit wiehernden Bläsereinsätze bereichert wird, bis hin zu einem Track wie Siguisso, dessen traditionellen Percussion und Ausgestaltung eher im Umfeld eines Toumani Diabaté anzusiedeln ist. Als weiteres Highlight dieses schlicht umwerfenden Werks wäre Tilé zu nennen, das sich im Grunde so anhört, als hätte man es mit einem ewigen Klassikers des Genres zu tun, was einer stimmigen Instrumentierung voll funkigem Esprit zu verdanken ist. Auch Djanfa gefällt sehr, wie sich hier gegen Ende vom Hip-Hop inspirierter Sprechgesang mit einer rockigen Grundstimmung mischt, empfinde ich als ansprechend und innovativ.

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Mehr Weltanschauung als Musik – Fela Kuti

Ist Kunst – ob nun Literatur, Film, Malerei oder eben Musik – eine Waffe, mit der man das System attackieren, Revolutionen entfachen kann? Führt die Rezeption von Kunst zu gesellschaftlichen Umwälzungen, oder wird ihr Einfluss gar überschätzt, weil sie meist lediglich Stimmungen aufgreift, die unterschwellig längst schon brodeln? Solch Fragen sind es, die man sich stellen sollte, wenn man sich mit dem Wirken der Nigerianers Fela Kutis (1938-1997) auseinandersetzt. Je nach Weltanschauung wird diese Beschäftigung entweder in der Erkenntnis münden, dass er einen aufreibenden, intensiven Kampf gegen die Folgen des Kolonialismus geführt hat, oder aber zum Ergebnis kommen, dass hinter jenem musikalischen Genie wahnhaft-krude Überzeugungen lauerten. Retrospektiv lässt sich bekanntlich vieles idealisieren oder belächeln. Trotz oder sogar gerade wegen aller Widersprüchlichkeit scheint die Figur Fela Kuti auch knapp zwanzig Jahre nach dem Tod faszinierender denn je.

Wenn man verschiedenen Hommagen und Kurzbiografien Glauben schenkt, zumindest die Eckdaten mit dem Eintrag auf Wikipedia abgleicht, entsteht so das Bild eines nur bedingt einnehmenden Charakters. Man könnte ihn sogar als Populisten bezeichnen, der sich als Mann des einfachen Volkes gerierte, gegen die kulturelle Hegemonie der USA wetterte, damit einhergehend traditionelle Werte betonte. Man könnte in ihm auch einen reinen Agitator sehen, der gegen das politische Establishment Stimmung machte, dabei jedoch selbst keinen untadeligen Lebenswandel führte und in der Rückschau geradezu grotesk rückständige Ansichten vertrat. Wäre Fela Kuti ein Protagonist der Gegenwart, beispielsweise ein Politiker, würde ihn der Zeitgeist – ohne mit der Wimper zu zucken – als Rechtspopulisten abtun. Mehr Weltanschauung als Musik – Fela Kuti weiterlesen