Denn sie ließen Hollywood Hollywood sein! – DTCV

Als klassischen French-Pop mit 60s-Garage und Post-Punk preist der Pressetext das Album Confusion Moderne des französisch-amerikanischen Duos DTCV an. Keine Sorge, DTCV ist keine Gehirnzellen strapazierende Abkürzung, sondern soll vielmehr Detective ausgesprochen werden. Über DTCV hatten wir schon vor 2 Jahren im Zuge unseres jährlichen Weihnachtsspecials geschrieben. Und wenn ich mir Confusion Moderne so anhöre, ist es wirklich höchste Zeit, die Band auch abseits weihnachtlicher Klänge auf dem Blog zu würdigen. Denn jenen so verlockend-charmanten Stilmix, den der Pressetext verspricht, hält die Platte tatsächlich ein!

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Riot Grrrls im Millenial-Blues – Deap Vally

And I am not ashamed of my mental state/ And I am not ashamed of my body weight/ And I am not ashamed of my rage/ And I am not ashamed of my age/ And I am not ashamed of my sex life/ Although I wish it were better.“ nenne ich mal eine klare Ansage! Das Duo Deap Vally geizt nicht mit der Art Selbstbewusstsein, der man besser nicht in die Suppe spuckt. Zugleich verkörpern Lindsey Troy und Julie Edwards auch den Millenial-Blues, der trotz all der vermeintlichen Freiheiten nicht recht glücklich wird. Das Album Femejism besticht mit unverschämt herbem bluesigem Indie-Rock, der ab und an herrlich angepisst dargeboten wird. Der ausgestreckte Mittelfinger ist dabei nie bloß punkiges Accessoire, sondern wird mit substanziellen Texten und strammen Melodien unterfüttert.

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Ein herausfordernder Seelenblues – Emma Ruth Rundle

Death, God, Heaven, Angel, Sky. Wer solch Schlüsselwörter in Liedtitel packt, möchte die existenzielle, nach Transzendenz lechzende Schwere einer Platte unterstreichen. Wobei nicht alles, was existentiell sein will, tatsächlich auch die Essenz menschlicher Sehnsüchte und Emotionen einfängt. Der Singer-Songwriterin Emma Ruth Rundle jedoch gelingt ein Werk des Verlangens und der Kasteiung, ein Album des Schmerzes und der Erinnerung. Marked For Death imponiert als folkiges Alternative-Album, das in gesanglicher Hinsicht den rauen, düsteren Momente einer PJ Harvey fraglos das Wasser reichen kann.

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Gut gemeint? Sehr gut gemacht! – Moddi

Gut gemeint, so unkt man gern, sei das Gegenteil von gut gemacht. Wenn sich also ein Singer-Songwriter verbotenen, zumindest aber verpönten Liedern aus allen Teilen der Welt annimmt, darauf aufmerksam machen möchte, dass sich Musik immer auch gegen Tyrannei, Krieg und Unrecht gewandt hat, will man der Idee applaudieren. Mit der Intention allein gewinnt man freilich keinen Blumentopf.  Auch die konkrete Umsetzung muss überzeugen. Lieder des Protests haben über die Zeit deshalb ihre Wirkung entfaltet, weil sie oftmals von Menschen in Bedrängnis für unterdrückte Menschen geschrieben wurden. Kann also ein junger norwegischer Singer-Songwriter namens Moddi mit seinem Album Unsongs tatsächlich jenen Ärger, allen Zorn und die bisweilen große Verzweiflung reproduzieren, die den ursprünglichen Werken innewohnt? Und ist der Indie-Musikfan die Zielgruppe, die mit solch Attitüde etwas anzufangen weiß? Ich meine ja, ich hoffe ja.

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Photo Credit: Jørgen Nordby

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Ein Inselrundgang – Yann Tiersen

Als elegantes, melancholiches Klavierkonzert mit minimalistischen Untertönen, stets untermalt von beschaulichen Klängen aus der Natur, derart angenehm kontemplativ präsentiert sich EUSA. Der französische Komponist Yann Tiersen hat nicht zufällig wegen seiner Filmscores Berühmtheit erlangt. Und viel von der Herangehensweise an einen Soundtrack, etwa das beiläufige Untermalen von Bildern,  findet sich auf EUSA wieder. Die 18 Stücke des Werks entpuppen sich als musikalische Vermessung der bretonischen Insel Ouessant. Tiersen lässt Szenerien auf sich wirken, wandelt dabei von Ort zu Ort. EUSA gleicht einem Inselrundgang, bei dem die pittoreske Schönheit der einzelnen Schauplätze mindestens so ansprechend ist wie die in allerlei Gedanken schweifenden Spaziergänge dazwischen.

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Fast zu viel des Guten – Hannah Epperson

An Plattenveröffentlichungen herrscht wirklich kein Mangel. An überzeugenden Ideen jedoch, wie man zehn oder mehr Lieder zu einer Geschichte zusammenschmiedet, eher schon. Das Album als Drehbuch ist ein Konzept, das nur selten ganz große Begeisterung hervorruft. Speziell im Pop. Hannah Epperson will auf ihrem Album Upsweep ein sehr abgründiges Psychodrama beschreiben. Ein junger Mann namens Skyler weist hierin eine bipolare Störung auf, wird von den fiktiven Charakteren Amelia und Iris heimgesucht. Immer tiefer driftet er in eine Manie hinab, begünstigt durch das Spannungsverhältnis, welches zwischen Amelia und Iris besteht. Soweit die vom Pressetext geschilderte Ausgangslage, die sowohl zum Arthouse-Film als auch zum Hollywood-Thriller taugen würde.

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Schatzkästchen 77: Peter Doherty – I Don’t Love Anyone (But You’re Not Just Anyone)

Dieser Tage prasseln erfreuliche Neuigkeiten auf den Musikfan ein. Was gegen Ende des Jahres noch an Platten veröffentlicht wird, bringt all die Magazine in die Bredouille, die bereits gefühlt Anfang Oktober mit dem Musikjahr abschließen und halbgare Bestenlisten veröffentlichen. Wenn ein gewisser Herr Peter Doherty für Dezember ein neues Soloalbum ankündigt, dann müssen sämtliche Jahresbestenliste halt erst im Januar erscheinen! Hamburg Demonstrations nennt sich die neue Platte. Und sie ist in mehrfacher Hinsicht erfreulich. Zunächst ist es toll, dass Herr Doherty alle Krisen überstanden hat. Wer hätte vor 10 Jahren denn wirklich voll Optimismus darauf wetten wollen, dass Doherty 2016 noch immer am Leben und am Musizieren sein würde? Es grenzt fast an ein Wunder. Und wenn ein Song wie I Don’t Love Anyone (But You’re Not Just Anyone) als erste Single aus den Boxen schallt, dann darf man wirklich Glücksgefühle verspüren. Dass dieser Titel, den das ewige Enfant terrible bei Konzerten bereits oft gespielt hat, nun endlich in voller Pracht erhältlich ist, war überfällig! Doherty ist ein musikalischer Exzentriker, wie es ihn in jeder Generation nur einmal gibt. Das ist kein Geheimnis. Was bei dem über Jahre kultivierten Rabaukentum freilich gern übersehen wird, sind die famosen, fast balladesken Liebeslieder, die mit zunehmenden Alter immer besser ausfallen.  Weiterlesen

Schatzkästchen 76: Hope Sandoval & The Warm Inventions – Let Me Get There (feat. Kurt Vile)

Über die verehrte Hope Sandoval brauche ich eigentlich nicht mehr viel Worte verlieren – und tue es natürlich einmal mehr. Denkt man an die prägenden Stimmen des Dream-Pop der letzten 25 Jahren, ist ihr Name zuoberst auf der Liste. Sie ist zum Inbegriff einer scheuen Ikone geworden, deren Gesang stets von melancholischer Abgeschiedenheit getragen wird. Ob im Verbund mit David Roback als Mazzy Star oder unterstützt von Colm Ó Cíosóig als Hope Sandoval & The Warm Inventions, ihre seltenen Alben zählen stets zu den Highlights eines Musikjahres. Bereits im Frühjahr wurde im Zuge des diesjährigen Record Store Days mit dem Song Isn’t It True ein erstes musikalisches Lebenszeichen veröffentlicht, verbunden mit der Ankündigung, dass noch 2016 eine Platte folgen würde. Und siehe da, im November soll nun Until The Hunter, das mittlerweile dritte Album mit The Warm Inventions, erscheinen. Wie erfreulich! Auch weil der erste Vorgeschmack darauf schließen lässt, dass Sandoval ihre Magie nicht eingebüßt hat. Let Me Get There ist ein Duett, welches sie zusammen mit Kurt Vile bestreitet. Das Stück besitzt angenehm soulige und psychedelische Akzente, die Chemie zwischen Viles warmer Stimme und einer sacht leidenschaftlichen, sich dennoch in Gedanken räkelnden Sandoval stimmt von Beginn an.  Weiterlesen

Schlaglicht 64: Tricky

Jeder kennt das. Man hat ein leckeres Essen zubereitet, denkt beim Verzehr bereits daran, wie man es beim nächsten Mal variieren und verbessern kann. Oder man hat eine schicke Mütze gehäkelt, nimmt sich nach Fertigstellung aber vor, bei der nächsten Mütze noch mehr farbliche Akzente zu setzen. Das geht uns allen so – und natürlich bilden Musiker keine Ausnahme. Der werte Herr Tricky, der seit ein paar Jahren eine echte Renaissance erlebt, über dessen Anfang des Jahres erschienenes Album Skilled Mechanics ich großes Lob zu vermelden hatte, bildet da keine Ausnahme. Und so nimmt er sich des Tracks Does It nochmals an. Die Nummer erschien ursprünglich auf dem Album False Idols (2013). Nun motzt sie Tricky auf, holt den englischen Rapper CASISDEAD an Bord. Macht so aus einem ohnehin guten Track einen geradezu exzellenten. Der Kontrast aus verführerisch weiblichem Abgesang, CASISDEADs punchigem Rap und einem fast vorsichtig fragenden, flüsternden Tricky beschert Does It faszinierende Abgründigkeit. Wer das Original mit dieser neuen Version vergleicht, begreift sofort, warum Tricky dieses Stück aus der Versenkung geholt hat!

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Schatzkästchen 75: Malky – Lampedusa

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Photo Credit: Max Parovsky

Musik kann die gegenwärtigen Probleme auf der Welt nicht lösen. Musik vermag uns allerdings sehr wohl ein bisschen glücklicher, optimistischer zu machen. Und dazu muss sie gar nicht mal weltflüchtig sein. Dem Duo Malky etwa ist mit Lampedusa ein sehr zärtliches Lied geglückt, das als Singer-Songwriter-Folk beginnt und sich in der Folge zu Pop mit viel Seele entwickelt. Der Sänger Daniel Stoyanov kam selbst als Kind von Bulgarien nach Deutschland, er ist somit durchaus dazu prädestiniert, sich dem Thema Migration anzunehmen. Und dies macht er sehr unaufgeregt, in schönen, hoffenden Bildern. Darüber hinaus hat sich Stoyanov viele Gedanken über die derzeit verbreitete Panik gegenüber Zuwanderung gemacht. Ist zur Erkenntnis gekommen, dass die oft beschworene gemeinsame Anstrengung wirklich keine Phrase sein kann, dass auch jene, die eigentlich gegen die Fremden sind, Integration stemmen müssen – und werden. Den die Motivation zu diesem Song erklärenden Facebook-Post sollte man sich genau durchlesen.

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