Schlagwort-Archive: Album 2017

Schlaglicht 76: JOSIN

Motivationscoaches und Lebenshilfegurus werden selten müde zu betonen, dass jeder Mensch ein einzigartiges Wesen mit speziellen Talenten ist. Fürs eigene Selbstwertgefühl ist das natürlich Musik in den Ohren, aber zu oft ruht man sich auf solch Komplimenten aus und zu selten bemüht man sich, die individuelle Unverwechselbarkeit tatsächlich unter Beweis zu stellen. Die Künstlerin, die ich heute hier kurz erwähnen möchte, sticht jedoch in mancherlei Hinsicht hervor. Da wäre zunächst einmal ihre Herkunft. Sie ist als Tochter einer Koreanerin und eines Deutschen in Köln geboren, ihre Eltern sind beide Opernsänger. Solch Abstammung ist fraglos besonders, allerdings kein Verdienst von JOSIN selbst. Ihre Besonderheit tritt vielmehr in einer ureigenen musikalischen Vision zutage, die sie auf der diese Woche erscheinenden EP Epilogue darlegt.

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Musikvideo: Kasabian – You’re In Love With A Psycho

Dank sozialer Netzwerke kann man heutzutage Launen und Gemütslagen jederzeit mit der ganzen Welt teilen. Daran ist nichts weiter auszusetzen. Problematisch jedoch wird es, wenn die eigene Befindlichkeit zur alleinigen Argumentationsgrundlage wird. Wenn man also etwas furchtbar findet, weil man sich beleidigt sieht. Es wird in diesem Fall nicht nach der Intention des Tuns geforscht, es zählt ausschließlich die Wirkung am eigenen Leib. Das zeugt schon von Empathielosigkeit. Dass viele Menschen sich daraus einen Sport machen, die Weiten des Internets nach vermeintlich anstößigen Dingen zu durchforsten, die sie zusammen mit Gleichgesinnten als verletzend wahrnehmen können, schlägt dem Fass den Boden aus. Einen solchen Shitstorm hat vergangene Woche auch die britische Formation Kasabian erlebt, als sie das Video zum Song You’re In Love With A Psycho präsentierte. Ein britischer Interessenverband namens Time to Change stieß sich nicht nur an der Verwendung des Wortes Psycho, darüber hinaus fand man auch den Inhalt des Clips äußerst unpassend. Time to Change möchte der Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen den Kampf ansagen, versucht die öffentliche Wahrnehmung zu verändern. Prinzipiell löblich, aber nicht wirklich zielführend, wenn man vor lauter Verbissenheit jeglichen Sinn für Humor verliert. Denn Kasabians Parodie auf den Alltag in einer Irrenanstalt steht fraglos in der Tradition von Einer flog übers Kuckucksnest. Die Albernheit, die dem Schaffen der Jungs aus Leicester oft innewohnt, ist selbstironisch zu verstehen. Kasabian persiflieren gekonnt ihr Rockstar-Image. Ihr Faible für sehr schräge Inszenierung macht sie zu absoluten Sympathieträgern.

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