Auf Tour: Suzan Köcher

Verträumt-hippiehafte Vagabundenromantik, mal mit französischem Chic unterlegt, mal als düsteres Roadmovie mit Twang im Gepäck dargeboten, so tönt das letzten Herbst erschienene Album Moon Bordeaux. Vashti Bunyan meets Thelma & Louise, derart ließe sich die psychedelisch-folkige Chose vielleicht auf den Punkt bringen. Verantwortlich dafür zeichnet keine Newcomerin aus dem Mittleren Westen der USA, auch keine Singer-Songwriterin von der Insel, die die klassische britische Folktradition mit ein wenig Film noir auffrischt. Und die Klänge sind schon gar nicht französischer Provenienz. Nein, Suzan Köcher nennt Solingen ihre Heimatstadt. Das mag einigermaßen überraschend sein, zugleich soll die nicht eben alltägliche Herkunft dieser Musik nicht als Aufhänger dieser Zeilen dienen. Mit dieser Platte reist man freilich nicht durch Deutschland, mit diesem Album macht man sich ohne Umschweife auf den Weg zum SXSW-Festival! Und trotzdem tourt Köcher momentan durch Deutschland, um Moon Bordeaux live zu präsentieren. Welch Glück!


 Weiterlesen

Red Sky July ft. Graham Gouldman (10CC) – Him And Christmas

Zugegeben, ich musste diesen Weihnachtssong 3-mal hören, bis ich ihn richtig gut fand. In der Profi-Sprache würde man sagen, der Song ist ein „Grower“. Ein Stück weit fasziniert war ich aber schon beim ersten Durchgang, sonst hätte ich ihn gleich wieder ausgeschaltet, wie schon unzählige Lieder vorher heute. Alt-Country mit einer gehörigen Prise Krautrock gewürzt, dies ist großes Kino. Nicht nur klanglich, sondern auch vom Storytelling her erinnert dies an David Lynch Filme. Hinter Red Sky July stecken das Ehepaar Ally Mcerlaine (ehm. Texas) and Shelly Poole (ehm. Alisha’s Attic) und Charity Hair (The Alice Band and The Ailerons). Für Him and Christmas haben sie sich als Verstärkung Graham Gouldman von 10CC mit ins Boot genommen.  Weiterlesen

John Prine – Christmas in Prison (Free Mp3) + Best of Covers

Free Download: Noisetrade

 

Einer der Klassiker unter den Alternativ Christmas Songs ist ohne Frage Christmas in Prison von John Prine. Vor 3 Jahren hatte wir euch auf unserem Blog die fantastische Cover-Version von Del Bel vorgestellt, heute kommt besser spät als nie das Original. Mr. Prine hochstpersönlich, oder vielleicht auch „nur“ sein Label, verschenkt auf Noisetrade eine Live-Version des Weihnachtssongs. Wir haben dies zum Anlass genommen, die schönsten Cover-Versionen rauszusuchen und nehmen gerne weitere Empfehlungen entgegen.

 

Die schönsten Cover-Versionen:

Del BelChristmas In Prison (Free Download)

 Weiterlesen

Schatzkästchen 83: Justin Townes Earle – Champagne Corolla

Eines der wiederkehrenden Themen amerikanischer Musik, egal ob Rock oder Country, ist ein ausgeprägter Fetisch rund ums Auto. In vielen, vielen Liedern ist das Auto so viel mehr als bloß reines Fortbewegungsmittel oder Statussymbol. Ein Heilsversprechen umweht die Karosserie, der Drang nach Freiheit drückt aufs Gaspedal, manch Freuden spielen sich auf den Rücksitzen ab. Es dient nicht nur als Mittel zum Zweck, es ist stahlgewordenes Glück samt einer gehörigen Portion Erotik. Der Song Champagne Corolla reiht sich also nahtlos in eine lange Tradition ein. Der US-Singer-Songwriter Justin Townes Earle hat sich mit so manchen seiner Alben in meinen Augen zu einem Springsteen des Alternative Country gemausert. As American as it gets – unter diesem Motto könnte man die oft im Kleineleutemilieu oder in der amerikanischen Mittelklasse angesiedelten Geschichten zusammenfassen. Unter dem Gesichtspunkt ist es keineswegs verwunderlich, dass Earle ein stinklangweiliges Vehikel, wie es der Toyota Corolla eben ist, besingt. Die Braut, der in dem Song schöne Augen gemacht werden, fährt einen champagnerfarbenen Corolla, obwohl ihr attestiert wird, dass ein eleganter, schwarzer Flitzer weitaus besser zu ihr passen würde. Aber vielleicht ist ja gerade der Fahrzeugtyp ein gutes Omen, wenn man den Lyrics „But you can’t trust a rich girl no farther than you can throw her/ Need a middle class queen riding by in a champagne Corolla“ Glauben schenken darf.  Weiterlesen

Schlaglicht 69: Son Volt

Es ist das ewige McCartney-Lennon-Dilemma! Wenn eine aus mehreren Masterminds bestehende Band ein nicht gerade amikales Ende findet, stellt sich für Fans unwillkürlich die Frage der Loyalität. Wessen Werdegang möchte man auch weiterhin enthusiastisch begleiten? Im Falle von Uncle Tupelo hat sich die Mehrheit für Jeff Tweedy und seine daran anknüpfenden Band Wilco entschieden. Über die Jahre wurde es sogar richtiggehend zeitgeistig, Wilco ganz toll zu finden. Auch wenn ich die Einschätzung der Co-Bloggerin nicht teile, die Wilco als Hipsterscheiße abtut, so erstaunt es mich dennoch, dass ein Jay Farrar nach dem Ende von Uncle Tupelo weitaus weniger Anklang gefunden hat. Seit über 20 Jahren nimmt er mit Son Volt absolut hervorragende Alben auf, denen jedoch die Anerkennung verwehrt bleibt. Hoffentlich ändert sich das endlich mit dem demnächst erscheinenden Werk Notes of Blue. Farrar hat nach einer die letzte Platte prägenden Hinwendung zum Honky Tonky einen neuen Sound gefunden. Notes of Blue glänzt mit Blues-Rock und großartigen Americana-Klängen, einige davon besitzen überraschend viel Verve. Sinking Down bietet neben deftig-lärmigem Blues-Rock auch Passagen voll Country-Seligkeit, die Verlierersehnsüchte wunderbar einfangen. Back Against The Wall ist Folk-Rock, der ein Lied davon singt, sich nicht unterkriegen zu lassen. Das Songwriting fällt authentisch und hemdsärmelig aus, ohne Klischees und ohne existentialistische Hirnwichserei. Lost Souls entpuppt sich sogar als veritabler Ohrwurm, rhythmisch kernig, mit mächtiger E-Gitarre und einem fein lamentierenden Gesang Farrars. Großartig!

 Weiterlesen

Den Prärien und Wüsten Nordamerikas entsprungen – Escondido

Heute möchte ich den Lesern ein wirkliches Schmankerl offerieren. Ich zumindest war in höchstem Maße angetan, als ich über dieses Album gestolpert bin. Walking With A Stranger scheint den Prärien und Wüsten Nordamerikas entsprungen, wirkt irgendwo in Texas, New Mexico oder Arizona verortet, dem Kernland des klischeeumrankten Wilden Westens. Das Album ist allerdings keine Cowboy-und-Indianer-Fantasie, der Radiosender KCRW beschreibt es als Mischung aus „glamorous, rhinestone-encrusted, 70s-era country queens“ und „elements of dreamy psychedelia, driving rock hooks and, of course, the plaintive, high-lonesome atmosphere of dusty desert landscapes“ – und dieser Einschätzung kann ich mich nur anschließen, wobei ich den Faktor Pop unbedingt hinzufügen möchte. Dem in Nashville, seines Zeichens Hauptstadt des Country-Mainstreams, beheimateten Duo Escondido glückt ein feines Stück Alternative Country, welches kaum in Richtung Americana oder Folk schielt, dem vielmehr der sonnengetränkte Pop-Rock vergangener Dekaden als Vorbild dient. Mariachi-Trompeten und Westerngitarre sorgen gelegentlich für Flair, knackige Popmelodien für jede Menge nicht nur Genrefetischisten umgarnenden Appeal.

Jessica Maros and Tyler James ist mit Walking With A Stranger ein Werk gelungen, das beim Hören richtiggehend auf der Zunge zergeht. Selten kommt mir Musik unter, die es herrlich einfach macht, sie Mal für Mal mit wachsender Begeisterung zu hören.  Weiterlesen

Ein wenig Fluch und viel, viel Segen eines Nebenprojekts – Dicey Hollow

Heute möchte ich dem werten Leser eine außerordentliche Americana-Platte ans Herz legen. Diese Platte schimpft sich zwar EP, aber angesichts von 6 Liedern und über 29 Minuten Laufzeit erscheint mir dieses Format eher willkürlich gewählt. Hinter dem Namen Dicey Hollow stecken Petter Ericson Stakee und Jamie Biden. Ersteren könnte man übrigens als Kopf von Alberta Cross kennen. Dicey Hollow darf somit als typisches Nebenprojekt verstanden werden, dass die Erkundung eines neues Genres wagt. Im konkreten Fall wendet sich Stakee dem Alternative Country und der sehr vielfältigen amerikanischen Folk-Tradition zu. Die schlicht nach dem Projekt benannte EP fällt in ihren Lieder derart unterschiedlich aus, dass ein genauerer Blick lohnt.

Die von Piano und herzschwerer Gitarre bestimmte Americana-Ballade Silver and Sand darf getrost als stärkster Track einer tollen EP gelten. Der Song besticht durch ungemeine Wehmut, gibt sich dabei jedoch nicht wimmernd, eher nachdenklich und lapidar. Welch schönes Stück!  Weiterlesen

Der Muh-Muh-Müßiggang der Taugenichtse – Barbarisms

Ich habe ein ausgesprochenes Faible für den melodischen wie ein wenig verpeilten Lo-Fi-Americana-Indie-Rock der US-Band Clem Snide. Ohne Frage zählt deren Album The Meat of Life zu den liebsten fünf Platten, die ich der letzten 6 Jahren seit Bestehen dieses Blogs besprochen habe. Wenn ich also die amerikanisch-schwedische Formation Barbarisms und ihr gleichnamiges Debüt mit Clem Snide vergleiche, dann drückt dies bereits große Wertschätzung für die Band rund um Mastermind Nicholas Faraone aus. Denn Barbarisms besticht mit lakonischer Slacker-Attitüde, die sich Gepflogenheiten verweigert. Oftmals klingt diese Platte nach dem Muh-Muh-Müßiggang von Taugenichtsen, die in der Beschaulichkeit der Provinz am Leben knabbern und knuspern. In dem willentlich wirren Bewusstseinsstrom der Lyrics steckt der Reiz von Leichtigkeit, die eine Alternative zum biederen Sein unserer Tage birgt.

 Weiterlesen

Hinterwäldlerische Authentizität – Alana Amram & The Rough Gems

All die kultivierten Singer-Songwriterinnen mit ihren tönernen Seelchen, die mit traurig-schnuckeligen Glubschaugen durch die Stadt wandern! All die jungen, emotional aufgebretzelten Liedermacherinnen, die in die einsame Wildnis ziehen, um in abgeschiedener Genügsamkeit Sinn und Sein und Gänseblümchen zu suchen! All sie darf und soll es geben. Aber ich schätze auch die in Flanell gehüllte Landpomeranze, die Hemdsärmeligkeit statt Mädchenhaftigkeit versprüht. Eine raukehlige wie poetische Urtümlichkeit ist keine Schande. Und genau diese strahlt die Amerikanerin Alana Amram aus. Zusammen mit ihrer Begleitband The Rough Gems tourt sie im Herbst durch Europa, mit im Gepäck ein wirklich gelungenes Album namens Spring River. Mit einer kräftigen Mischung aus Rock, Folk und Alternative Country bietet die Platte Americana vom Feinsten. Es ist die Sorte Musik und die Art von Gesang, die sich die Authentizität durch ungezählte Meilen auf amerikanischen Backstreets angeeignet hat.

 Weiterlesen

Free Mp3: Arrica Rose & the …’s – On Christmas Night

arrica rose

Während andernorts die Weihnachtslichter angeknipst werden, wirft das Fest seine Schatten auf die Einsamen und Vergessenen. Keinem Genre wohnen die zerbrochenen Seelen so sehr inne wie dem (Alt-)Country. Arrica Rose singt uns ein Lullaby, das mit seiner verzagten Hoffnung die wahre Tragik erst offenbar werden lässt.  Weiterlesen