Stets eine gute Idee von jeglicher Langeweile entfernt – Laura Gibson

Manch Sängerin hüpft in Bottiche der Extravaganz und merkt nicht, dass es doch nur Fettnäpfchen der Gekünsteltheit sind. Was freilich mit dem Rüstzeug der Ungelenkheit gesegnet, wird nie geschmeidig schillernde Bewegungen zelebrieren können. Andere wiederum drehen sich im Kreise, umrunden das eigene hyperfragile Gemüt, recken ein jede Körpchengröße sprengendes Seelchen aus der Brust. Aber nicht jede destruktive, emotionale Verwirrung gebiert Kunst, mitunter ist sie lediglich Futter für den Psychiater. Im Falle der amerikanischen Singer-Songwriterin Laura Gibson will ich Übertreibungen oder gar innerliche Zerwürfnisse ausschließen. Gibsons dieser Tage veröffentlichtes Werk La Grande wirkt schick inszeniert, bleibt immer mindestens eine gute Idee von jeglicher Langeweile sowie aller Durchschnittlichkeit entfernt.

Photo Credit: City Slang

Das Ambiente, in welchem Gibson ihre Songs ansiedelt, umwittern ausreichend Geheimnisse. Man käme nie auf den Gedanken, es als pittoresk abzutun. Der hier präsentierte Alternative Country scheint mit einer feinen, rustikalen Patina versehen. Dem entgegen spreizt sich die anmutige Stimme voll feenhaftem Hochglanz. Dieser sich verschränkende Charme umgarnt. Gibson streut ihre Einfälle und Lyrics nie gleich Konfetti in die Luft, überschüttet den Zuhörer nicht mit wie zufällig hereinprasselndem Stückwerk, das danach verlangt, mühsam zusammen gepuzzelt zu werden. Wie die Songwriterin Lyrics, Komposition und Vortrag aneinander schmiedet, diese handwerkliche Komponente gibt der Platte den nötigen Schliff. Sorgt dafür, dass Laura Gibson nicht so einfach aus dem Gedächtnis purzelt. Das gedämpfte Milk-Heavy, Pollen-Eyed etwa glimmert um den Satz „I cannot keep myself from stumbling back to you„, bietet mehr als die übliche Abhandlung von Wohl und Weh einer Beziehung. Nicht nur wegen des dezenten Bläserlamentos, vor allem weil Zeilen wie „If salvation never takes our hands, we’d dance around the wreckage nonetheless“ eine Sprache sprechen, die sich nicht in Phrasen erschöpft, und eine Nachdenklichkeit vermitteln, die man sich als Hörer gerne zu eigen macht. Crow/Swallow formuliert Gedankenschwere („Time has a way of stealing our breath, and milking the light from our pores, many will fill their oak barrel wombs with patience instead of desire„) mit Zärtlichkeit, ohne Bitterkeit. Verbiegt sich für keinen Reim, wiegt Worte derart sorgsam ab, dass sie auch weniger Wohlmeinende nie für zu leicht befinden können. Gibsons Texte ringen mit der Vergänglichkeit, sehen dem Tod entgegen (beispielsweise der Titelsong La Grande oder Feather Lungs), entwickeln dabei jedoch ein ungeahntes Plädoyer für Leidenschaften, verbunden mit einer entwaffnenden Einsicht („Babe, you were right about tomorrow. Time is not against us„). Time Is Not fungiert jedoch nicht als Feigenblättchen eines von wurmstichigen Depressionen erfüllten Albums. Gibsons Sentimente und Hirnregungen schürfen tief, graben aber weder Hysterie noch Lethargie hervor.

La Grande by cityslang

So sehr mir die textliche Ebene Freudensprünge abringt, will ich auch die Musik nicht mit Schweigen bedenken. Mitunter wehen sacht artikulierte lateinamerikanische Klänge durch die Lieder (Lion/Lamb oder Red Moon), brechen das folkige Korsett, verströmen eine schiefe Leichtigkeit, eine Wärme bar jeglicher Sprödnis. Auch an ausgesprochenem Western-Charme mangelt es nicht (Skin, Warming Skin), der Lap-Steel-Gitarre sei Dank. Insgesamt sind Gibsons Arrangement so markant wie dezent, eindringlich und dicht, gelegentlich altmodisch, oft eine ländliche Weite suggerierend. Der Sound erschafft ein in bestem Sinne kleinstädtisches Ambiente. Malerische Choräle oder existentielle Weltabgewandtheit sucht man vergebens, auf gegenwärtigen Schick gibt die Liedermacherin wenig.

La Grande zeigt eine Singer-Songwriterin auf dem vorläufigen Zenit ihres Schaffens. Laura Gibson bietet Substanz, wo viele ihrer Kolleginnen nur prätentiös und mädchenhaft erscheinen, im Strudel der eigenen Empfindungen versogen agieren. In seiner Stimmigkeit zählt dieses Werk bereits jetzt zu den Highlights des Musikjahres 2012. Da es existiellen Dingen versöhnlich und ernst begegnet, dabei voll eleganter Schönheit schwingt, muss man es einfach gehört haben!

La Grande ist am 13.01.12 auf City Slang erschienen.

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Offizielle Homepage

Kostenloser Download des Titelsongs La Grande

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Alte Liebe rostet nicht – Cowboy Junkies

Es wird irgendwann im Herbst 1994 gewesen sein, ich war gerade in die große Stadt gezogen, machte mich mit jugendlichem Leichtsinn ans Studium und genoss nebenbei in vollen Zügen die Annehmlichkeiten einer eigenen Wohnung samt Kabelfernsehen. MTV lief bei mir oft, hatte noch Stil und tatsächlich musikalischen Wert. Eines Nachts flimmerte ein Video über den Schirm, welches ich davor und danach nie mehr auf MTV erhaschte. Trotz aller Gebanntheit vermochte ich den Bandnamen nicht auszumachen und so stiefelte ich in den darauf folgenden Wochen durch die Plattenläden Wiens und suchte. In Vor-Internet-Zeiten machte man das. So fahndete ich, und als ich schon das Lied geträumt zu haben meinte, nach einer halben Ewigkeit kam plötzlich ein Heureka aus meinem Munde. Die Band nannte sich Cowboy Junkies und sollte mir seitdem viele Jahre versüßen. Es hat etwas mit der Passion des Findens zu tun, dass das Gefundene so überaus schimmert – und den Glanz auf den Entdecker überträgt.

Auch nach weit über 20 Jahren sind die Cowboy Junkies mit ihrer je nach Album verschiedentlich ausgeprägten Mischung aus Alternative Country, Folk und Rock ein Fixstern am kanadischen Musikhimmel. Wenngleich ich mit den Veröffentlichungen der letzten Dekade weniger anzufangen weiß und vielmehr die ersten 6 Platten als das Nonplusultra ihres Schaffens ansehe, so kann ich nicht umhin, das Lebenswerk der Formation abgöttisch zu verehren. Bereits das 1986 erschienene Debüt Whites Off Earth Now!! präsentierte intensive, fast schon verstörend bluesige Coverversionen von Bruce Springsteens State Trooper oder John Lee Hookers Decoration Day samt virtuos arrangierter Gitarre, die ein veritabel düsteres Gegengewicht zum Gesang von Frontfrau Margo Timmins darstellte. Das eigentlich Magnum opus gelang der Band bereits zwei Jahre später mit The Trinity Session, in der Church of the Holy Trinity in Toronto aufgenommen. Von lullend-ausdrucksstarker Engelsgleiche getragen entfalteten sich in beseelter Atmosphäre getragene Klänge, die von Sehnsucht, Abschied und Verlust kündeten und deren Lyrics mit der Feder eines reinen Herzens geschrieben wurden. To Love Is To Bury oder Misguided Angel gerieten zu wundersamen Eigenkompositionen, Sweet Jane wurde auf ewig Lou Reed gestohlen. Und über allem die Ummäntelung des Klassikers Blue Moon in ein eigenes Gewand: Blue Moon Revisited (Song For Elvis).

Wie vermag man ein Überwerk, welches vielleicht sogar das Vorstellungsvermögen der Band übersteigt, mit einem Danach zu versehen, das nicht in blanke Enttäuschung bei Fans und Kritikern mündet? Daran hatten auch die Cowboy Junkies zu knabbern, vermochten auf The Caution Horses (1990) und Black Eyed Man (1992) jedoch Antworten zu finden, die zwar nicht mehr über die komplette Länge einer Platte überzeugten, aber Highlights wie Neil Youngs Powderfinger oder Sun Comes Up, It’s Tuesday Morning vollbrachten das Kunststück, den Charme der Band weiter zu auszuprägen. Black Eyed Man vermochte auch mit einem zärtlich countryesquen Duett mit dem heillos unterschätzten John Prine zu entzücken, If You Were The Woman And I Was The Man lautete der Titel. Townes Van Zandt widmete den 3 Geschwistern Michael, Margo und Peter Timmins sowie Bassist Alan Anton das Cowboy Junkies Lament, dem sie einen standesgemäßen Spirit einhauchten. Die folgende Platte Pale Sun Crescent Moon verlor ein wenig an Eindringlichkeit, es mangelte besonders an zum Staunen anregenden Covern. Die Songs Crescent Moon sowie White Sail freilich setzten die große Tradition gebührend fort.

Wenn es einen Wendepunkt gab, an dem sich die Gruppe kurzzeitig in die Gefilde des Mainstreams vorwagte, dann darf dieser mit 1996 angesetzt werden. Lay It Down klang direkter, die Stimme von Sängerin Margo Timmins wurde stärker in der Musik verankert, schwebte endgültig nicht mehr in einer eigenen Verfasstheit. Die Ballade Angel Mine bildete den fast schon heiteren Höhepunkt eines wenig schwermütigeren Werks. Wie auch Hold On To Me Hoffnung versprühte, das Blei der Schwere ins Bockshorn jagte.  Die letzte Veröffentlichung der Cowboy Junkies benannten sie Miles From Our Home (1998). Und in der Tat hatten sie sich von den Anfängen emanzipiert, waren aufwändiger produziert, ohne jedoch die Magie des frühen Schaffens vollends zu behalten. Das beste Lied des Albums stammte einmal mehr aus der Feder des damals eben erst verstorbenen Townes Van Zandt: Blue Guitar.

Mit diesem Album endete auch meine Amour fou mit der Band. Trotz vereinzelt an alte Größe anknüpfende Songs vermochten mich die Aufnahmen der letzten 10 Jahre nicht mehr so in den Bann zu ziehen. Doch alte Liebe rostet nicht. Bis zu diesem Tag zaubern mir die Lieder ein Glitzern in die Augen, stellen auch nach Jahren des steten Hörens eine fokussierte Ästhetik dar, die sich nicht abnutzt, ein lebenslanges Begleiten verspricht. Und natürlich springen meine Sinne stets wieder einer neuen Platte der Band entgegen. Das am 15. Juni erscheinende Renmin Park streckt seine Fühler aus – und schleicht sich näher ans Zentrum meines Herzens, als dies die unmittelbaren Vorgänger durften. Noch will ich mich zu keinem Urteil aufschwingen, zu frisch wirkt der Eindruck, aber so ein klitzekleinwenig lodert und brodelt es wieder vermehrt in mir, erscheinen die Songs der Cowboy Junkies wie Küsse samt vorwitziger geführter Zunge. Dem mag ich mich gar nicht erst entziehen.

Zwei kostenlose Downloads des neuen Werks, die Songs Stranger Here und Cicadas finden sich hier.

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Geheimtipp mit Ausrufezeichen – Okieson

Alternative Country ist ein klassisches Underdog-Genre, nichts für Weicheier, vielmehr für Typen, die der heilen Welt des Mainstream-Country dunkle Töne entgegentrotzen. Die Liste der führenden Verfechter eines zugegeben schwammigen Genres strotzt vor eigenwilligen Songwritern, denen am ehesten die Herkunft gemein ist. Es scheint eben eine amerikanische Angelegenheit zu sein, die europäische Musiker meines Erachtens nicht so recht zu fassen vermögen. Umso erstaunlicher mutet Cupboard Full Of Things der niederländischen Formation Okieson an. Vor allem der oft knarzige, unheimlich passende Ausdruck von Sänger Sebastiaan van Bijlevelt hebt das Album auf derart gutes Niveau, dass man der Platte durchaus Tribut zollen darf.

Bereits der Opener Fix Me Up scharrt erfolgreich mit den Hufen, vermittelt eine dichte, von nachdenklichen Lyrics gekennzeichnete Atmosphäre, während die Musik danach klingt, als hätten Okieson der Kult-Band 16 Horsepower sehr, sehr oft gelauscht. Sich an Meistern zu orientieren, das hat wahrlich noch nie geschadet. Auch wenn die Band mal kräftiger in die Saiten drischt, klingt das durchdacht und stimmig, richtig mitreißend. Trees wäre als so beschaffenes Beispiel zu nennen. Auf dem Titeltrack Cupboard Full Of Things treten die textlichen Qualitäten besonders deutlich hervor, Zeilen wie „A punishing beam of sunlight slaps the day into my face“ bringen Stimmungen auf den Punkt, verstärkt durch ein anschwellendes Arrangement. Das hat Hand, hat Fuß, mehr noch entwickelt eine eigenen Charme, der nicht auf die großen Vorbilder schielt. Vorbildlich auch wie Good Friend, wo die Worte „And I awake into silence/ the impuls as my guide/ shake hands with the devil/ as a good friend by my side“ ein altbekanntes Motiv nicht zum Klischee verkommen lassen und van Bijlevelt einmal mehr eine wohldosierte Performance abliefert, in die eigene Stärke vertraut, nicht wimmert oder Pathos hinzuzieht. Das Album hält den eingeschlagenen Kurs bis zum Ende durch, zupft nicht nur dumm die Klampfe, sondern bedient sich einer bunt gestreuten, immer stimmungsvollen Instrumentierung. Vielleicht fehlen die besonders eingängigen Melodien, welche der Platte gleich beim ersten Hören eine Aufdringlichkeit verleihen könnten. Das freilich sollte den Liebhaber des Alternative Country wenig kratzen.

Okieson haben den düsteren Flair des Genre sehr gut eingefangen! Das darf man bei Europäern durchaus mit Ausrufezeichen goutieren. Cupboard Full Of Things ist ein kleiner, feiner Geheimtipp, dem man auf alle Fälle eine Chance geben sollte.

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Neko Case in berückender Live-Vollendung

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Neko Case steht für mich in vorbildhafter Art und Weise für die fragil bis raue Grazie, mit der weibliche Songwriter den Alternative Country und allgemein eine moderne Spielweise des Folks im vergangenen Jahrzehnten zu berückender Vollendung ausgeformt haben. Dass sie damit auch breitflächige Anerkennung und – zumindest in den Vereinigten Staaten – auch kommerziellen Erfolg erlangt, sollte allen Künstlern Ansporn sein,  nicht den Mainstream zu suchen, sondern vielmehr aus mehr oder minder großen musikalischen Nischen heraus die Weltherrschaft anzustreben. Besonders das aktuelle Album Middle Cyclone bestach.  Wer den Zauber einer Neko Case bislang noch nicht für sich entdecken konnte, darf dies jetzt mittels eines kurzen Live-Streams tun.

Viel Freude dabei!

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Schmuddelige Schönheit schmachtet schmissig – Palodine

Eine meiner spürnasigsten Entdeckungen 2009 war das Bremer Label dandyland, welches in den vergangenen Monaten mit Releases von Bands wie Viarosa handverlesenste Indie-Kost in deutsche Landen hievte. Auch diesmal wird ein Album, welches im weiten Erdenrund ungenügende Aufmerksamkeit erfuhr, in hiesigen Breiten mit einer Wiederveröffentlichung beehrt. Ein grundsolides Konzept, das mir bei Scarlatti Tilt imponierte – und nun erneut gelingt. Die aus Sängerin Katrina Whitney und Gitarrist Michael Aryn bestehende Formation nennt sich Palodine und gemahnt in den aufregendsten Momenten an exakt die Art von Musik, welche ein Nick Cave zusammen mit David Eugene Edwards und PJ Harvey verbrechen könnte. Und genau die Aufrichtigkeit, mit welcher sie in epigonenhafter Manier in Fußstapfen von Giganten treten, verursacht mein absolutes Wohlwollen. Die CD Garden of Deceit ist ein echter Geheimtipp.

Palodine

Um es auf das i-Tüpfelchen zu bringen: Atmosphärisch-düsterer Folk-Rock überlappt sich mit pathetischem Alternative Country – und flirtet dennoch mit dem Understatement kleiner Gesten. Nie wird zuviel gewollt und zuwenig gekonnt! Dies Fettnäpfchen zu umtänzeln, das verdient Anerkennung. Sweet Mouth, Black Heart wäre als fabulöses Beispiel zu benennen. Mit bestimmender Rohheit trommelt sich das Lied in Stimmung, zeigt Whitneys Stimme Zuckerbrot und Peitsche. Wenn schmuddelige Anmut eine versiffte Erdigkeit durch die Boxen treibt, schwingt sich die Sängerin in eine wilde Stimmung, die man doch nur Polly Jean vorbehalten glaubt. So rubbelt sich Woman of Cain mit der Anschmiegsamkeit einer Drahtbürste in die Gehörgänge. Toll und wuchtig. Freilich sind es auch altbekannte, aber eben nie und nimmer altbackene Gitarrenriffs, bei denen die mit Intensität gesattelten Gäule in den Sonnenuntergang durchgehen. Sorrow Has Opened Your Eyes ist ebenso eine Offenbarung wie das zärtlichere A Dozen Stones, dessen Entfaltung eine kräftigen Gitarren-Ballade birgt, die sich ein Solo Aryns gönnt und auch Mainstream-Zeitgenossen den Dahinschmacht-Faktor ins Ohrenschmalz stanzt. Palodine liefern durchgängig eine handwerklich überaus ordentliche Performance ab, die Genre-Enthusiasten Schuppen von den Äuglein perlen lässt. Einzig der Rausschmeißer Magdalene plätschert ein wenig vor sich hin, ehe sich die lärmende Klampfe mit sirenenhaftem Gesang paart und einen würdigen Abschluss bildet.

Garden of Deceit

Wenn ich der echt gehaltvollen Scheibe einen einzigen Makel anlasten will, dann vielleicht jenen: Man fühlt, dass Palodine noch ein wenig auf der Suche begriffen sind. So vielen Götzen gilt es nachzueifern. Doch ist dies wirklich notwendig? Die Verortung in einer gediegenen Eigenständigkeit mag vielleicht bereits mit dem nächsten Album Saints of the Sea noch famoser ausfallen. Bis dahin besticht Garden of Deceit jedoch sehr. Palodine sind demnächst auch live zu begutachten, tingeln allerdings hauptsächlich in der Provinz herum. Schade.

Tour-Termine:
19. Sep. 2009 Diepholz -Kulturgut Ehrenburg
21. Sep. 2009 Wildenhausen – Lindenhof Lichtspiele
22. Sep. 2009 Bremen – Hafencasino
23. Sep. 2009 Bremerhaven – Passage Kino
24. Sep. 2009 Osnabrück – Unikeller
25. Sep. 2009 Bremen – Hot Shots
25. Sep. 2009 Bremen – Townside
26. Sep. 2009 Oldenburg – Polyester
27. Sep. 2009 Achim – Katakomben
28. Sep. 2009 Göttingen – Blooming Bar
29. Sep. 2009 Hamburg – Astra Stube
30. Sep. 2009 Hamburg – Kompetent+Freundlich
01. Okt. 2009 Nienburg – Weserschlößchen

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100 Songs – Teil 1 (High, Low And In Between)

Townes Van Zandt – High, Low And In Between

Ich denke nicht, dass meine Lieder alle so traurig sind. Ich habe ein paar, die nicht traurig sind – die sind nur hoffnungslos.“ – Townes Van Zandt

Was ist unser Leben, wenn nicht der mehr oder weniger erfolgreiche Versuch Spuren zu hinterlassen? Ist es eine Reise, deren Erfolg sich in der Anzahl der Polaroids messen lässt, die andere Menschen von uns machen? Bedeutet Leben ein einsames Erlernen von Vergänglichkeit, durchsetzt mit kurzen Glücksmomenten?

High, Low And In Between ist ein nachdenkliches Meisterstück des texanischen Singer-Songwriters Townes Van Zandt. Seine Biographie liest sich wie eine Aneinanderreihung von Tragödien und Abhängigkeiten, ein depressiver Entwurf des Scheiterns. Die Authentizität seines Leidens überträgt sich als zeitlose poetische Kraft in das musikalische Schaffen. Auch 11 Jahre nach Van Zandts Tod lohnt eine intensivere Beschäftigung mit seinem Werk, welches hier exemplarisch vorgestellt wird. Man sollte sich nicht von schnulzigem Country-Gedudel blenden lassen.  Country kommt auch ohne Seichtigkeiten aus und genau dafür steht Van Zandt, den man Wegbereiter des Alternative Country nennen darf.

Die Schlichtheit der Mittel prägt High, Low And In Between. In bester Folk-Manier bildet eine einfache Melodie das Unterfutter für den kraftvoll-fragilen Text, dessen zentraler Fokus auf dem Leben als ein Fortschreiten liegt. Jene Sinnsuche, die man alleine unternimmt und auf welcher man Spuren zurücklässt (What can you leave behind, when you’re flyin’ lightning fast and all alone? Only a trace, my friend.). Für kurze Augenblicke mag man seinen persönlichen Himmel finden (Heaven’s where you find it and you can’t take too much with you.), inmitten von Konfusionen. Jegliches Festhalten daran verhindert den zielstrebigen Blick nach vorn, verliert das Forschen nach Antworten aus den Augen. Sehnsüchte bleiben freilich oft unbeantwortet (Answers don’t seem easy and I’m wonderin’ if they could be.) So scheint die Erkenntnis der Suche ein Pendeln zwischen Resignation und Hoffnung.

High, Low And In Between ist auf dem gleichnamigen Album aus dem Jahr 1972 erhältlich. Zum Beispiel bei Amazon. Weiterführende Informationen zu Townes Van Zandt findet man auf Wikipedia.

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