Schlagwort-Archive: Anna Calvi

Kleiner Triumph der Identitätsfindung – Anna Calvi

Zur musikalischen Identität gehört es natürlich auch ein Stück weit, sich Lieder aneignen zu können. Viele Sänger und Sängerin vermögen gar nicht anderes zu tun, für den Rest bedeutet es eine gewisse Herausforderung. Unter diesem Aspekt erscheint es also keineswegs mangelnder eigener Kreativität geschuldet, wenn man zwischen zwei Platten eine EP mit Coverversionen veröffentlicht. Dies hat die von mir sehr geschätzte Britin Anna Calvi dieser Tage getan. Die EP Strange Weather kann sogar mit einem echten Trumpf aufwarten. Kein Geringerer als David Byrne hat sich dazu hinreißen lassen, zwei der fünf Tracks zu veredeln. Und noch etwas verleiht Strange Weather große Glaubwürdigkeit: Der Umstand nämlich, dass Calvi eine eigenwillige Auslese vorgenommen habe, beileibe nicht die üblichen Verdächtigen kapert und einer eigenen Interpretation zuführt. Drei der Songs wurden seit 2011 fabriziert, die übrigen beiden Titel entstammen den Siebzigern. Doch ehe wir uns die EP genauer ansehen, muss ich noch ein paar Dinge zu Frau Calvi rekapitulieren.

Kleiner Triumph der Identitätsfindung – Anna Calvi weiterlesen

Unsere 20 Lieblingssongs 2013

Bestenliste_Song_2013

Was haben wir in diesem Jahr nicht alles für großartige Songs gehört. Sie aufzuzählen, das würde Bücher füllen. Wir wollen uns heute auf 20 Tracks beschränken, die uns 2013 unheimlich viel Freude bereitet haben. Diese Lieder haben uns in diesem Jahr begleitet – und werden es auch in Zukunft tun.

1. LowJust Make It Stop

Just Make It Stop, ein geradezu beschwörerisches, mit der Welt haderndes Lied. Vielleicht das beste Stück, welches Low je komponiert haben, vermutlich der beste Song, der 2013 veröffentlicht wird.

Unsere 20 Lieblingssongs 2013 weiterlesen

Das Jauchzen und Seufzen, Hauchen und Wispern, Räkeln und Röhren der Anna Calvi

Wer dem Anfang 2011 veröffentlichten Erstlingswerk der britischen Singer-Songwriterin Anna Calvi gelauscht hat, durfte ganz und gar der Begeisterung verfallen sein. Zu ihrem selbstbetitelten Album kam mir damals jenes Fazit in den Sinn: „Anna Calvi vermag mit ihrem raffinierten Debüt zwischen divaresker Aura und seelischer Gebeuteltheit zu wandeln, knisternde Atmosphäre zu bescheren, sich stets einen Fingerspalt von den musikalischen Vorbildern abzugrenzen, fast immer auch mit der nötigen Distanz zum Hörer zu agieren. Das Fehlen jeglicher Plakativität, die Würdigung des Subtilen, welches sie sich selbst in ausufernden Momenten bewahrt, all das macht Calvi nie durchschaubar und fordert unsimpel gestrickte männliche Fans heraus. Wenn das kein Erfolgsrezept ist, was denn sonst?“. Nun also begibt sich die Britin mit ihrem neuen Werk One Breath auf den steinigen Weg, die Erfolgsgeschichte des Erstlings fortzusetzen. Und tatsächlich, wenn es 2013 eine Platte gibt, welche die Sinnesverwirrung und den stockenden Atem vor dem sich heranpirschenden Drama famos darstellt, dazu im Jauchzen und Seufzen vergeht, dann ist dies wohl One Breath. Calvi hat sich ihre Tugenden bewahrt, die eine oder andere Düsterheit und Intimität hinzugefügt und somit ein gelungenes Album geschaffen, dass dem vorangegangenen Meisterwerk kaum nachsteht.

AnnaCalvi_Pressshot_Credit_Roger_Deckker_lo_res6
Photo Credit: Roger Deckker

Das Jauchzen und Seufzen, Hauchen und Wispern, Räkeln und Röhren der Anna Calvi weiterlesen

Unsere musikalischen Favoriten 2011 – Ein Zwischenstand und Vorausblick

Es gibt durchwachsene Jahre und grandiose Jahre. Bislang scheint 2011 noch einen schüchtern bescheidenen Eindruck zu hinterlassen, sich nicht voreilig entscheiden zu wollen. Natürlich verstecken sich feine Platten in den Tagen und Monaten des bislang so flugs verlaufenden Jahres. Aber zünftige Paukenschläge, welche das Herz in höchste Sphären katapultieren, fehlen bis dato mehrheitlich. Oftmals wird aus dem vermeintlichen Trommelwirbel dann doch ein Triangelgeklingel. Das gilt insbesondere für Alben, denen ich recht insbrüstig entgegen geharrt habe. Das neue Werk Take Care, Take Care, Take Care der mir ans Herz gewachsenen Post-Rock-Kulleraugen Explosions In The Sky wirkt ansprechend, aber nie völlig geniedurchblitzt. Die über alle Maßen verehrten The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble haben mich mit From The Stairwell zwar überzeugt, leider jedoch nicht derart enthusiasmiert, wie sie es mit ihren Vorgängerscheiben taten.  Ähnliches ließe sich auch über Joan As Police Woman oder The Low Anthem sagen. 2011 verlangt mir also Neuentdeckungen ab, zumal ich mit den gängigen Charts-Stürmern eher wenig anzufangen weiß. Herbert Grönemeyers Schiffsverkehr wirkt auf mich recht lustlos durchgewunken, die Foo Fighters etwa hatten auch schon mal distinktivere Hits im Repertoire. So sind es eben die jüngst aufgespürten Künstler, welche mir die erste Hälfte des Jahres speziell verzuckerten. Ein Ausblick auf demnächst zur Veröffentlichung anstehende Alben verspricht auch für den Rest des Jahres das eine oder andere Glanzlicht. Man darf gespannt bleiben, immer mit einem weit geöffneten Ohr den Neuerscheinungen begegnen…

Album-Favoriten 2011

Erland & The CarnivalNightingale

Joel AlmeWaiting For The Bells

Anna CalviAnna Calvi

Dark Dark DarkWild Go

Susanne SundførThe Brothel

Sin FangSummer Echoes

PapercutsFading Parade

Amon TobinISAM

Juliette CommagereThe Procession

Africa Hitech93 Million Miles

Lieder 2011:

Sin Fang – Two Boys

Sin Fang : Two Boys from morr music on Vimeo.

Low – Try To Sleep


Low – Try to Sleep (OFFICIAL VIDEO) von subpoprecords

Francesca Lago – On My Way Back From The Moon

Finde weitere Künstler wie Francesca bei Myspace Musik

Beady Eye – Wigwam (simfy)

Erland & The Carnival – Wealldie (simfy)

Dark Dark Dark – Something For Myself

Joel Alme – When Old Love Keeps You Waiting (simfy)

White Lies – Bigger Than Us


WHITE LIES – BIGGER THAN US (official music video) von elnino

Pat Appleton – Männer ohne Pferd

Lotte Kestner – Halo

Veröffentlichungsausblick:

Early Day Miners – Night People (VÖ 12.08.2011)
Beirut – The Rip Tide (VÖ 26.08.2011)
Tinariwen – Tassili (VÖ 02.09.2011)
Sóley – We Sink (VÖ 02.09.2011)
Dear Reader – Idealistic Animals (VÖ 02.09.2011)
Ladytron – Gravity The Seducer (VÖ 09.09.2011)
Cant – Dreams Come True (VÖ 09.09.2011)
dEUS – Keep You Close (VÖ 16.09.2011)
Ane Brun – It All Starts With One (VÖ 16.09.2011)
Shimmering Stars – Violent Hearts (VÖ 16.09.2011)
Laura Marling – A Creature I Don’t Know (VÖ 23.09.2011)
Björk – Biophilia (VÖ 30.09.2011)
Dum Dum Girls – Only In Dreams (VÖ 30.09.2011)
DJ Shadow – The Less You Know the Better (VÖ September 2011)
Noel Gallagher’s High Flying Birds – Noel Gallagher’s High Flying Birds (VÖ 14.10.2011)
Still Corners – Creatures Of An Hour (VÖ 14.10.2011)

SomeVapourTrails

Bond-Girl ohne Pin-up-Possen – Anna Calvi

Es gibt sie tatsächlich, diese unnahbaren Charaktere, welche sogar dann Zwielicht umgibt, wenn gleißendes Scheinwerferlicht unbarmherzig zur Demaskierung bläst. Anna Calvi erinnert an eine Figur aus einem Film noir – abgründig, auf Untiefen reduziert. Eine Frau, die in Ermangelung von Verschlagenheit nicht zur Femme fatale taugt, aber auch nicht das naive Gangsterliebchen gibt. Calvis Vortrag lodert und brennt, verstärkt den Reiz durch den Funken Distanz, der verhindert, sie als Projektionsfläche für Fantasien zu benutzen. Das selbstbetitelte Debütalbum der Britin strotzt vor Männermusik, bestrickt diejenigen Zeitgenossen, die das weibliche Gefühlsleben ausgebreitet sehen wollen, wohlwissend dass die Sängerin das eine oder andere Mysterium in der Hinterhand behält.

Ganz banal könnte man auch die große Wachablöse proklamieren. Wie PJ Harvey zu Glanzzeiten (To Bring You My Love) geheimnisumwitterte Liedern darreichte, eben solch einer Nabelschau liefert sich auch Anna Calvi aus, bugsiert den Hörer in die Bredouille, viel zu sehen und wenig zu verstehen. Calvi fühlt und füllt breitflächig die Lücke, vermittelt Gemütspein und Ekstase geradezu aufreizend. Was viele Sängerinnen zuvor versuchten, neigte sich oftmals hin zu burlesker Grelle oder bot streberhaft dröges, brillenschlangiges Studentinnenflair.  Calvi wickelt die um den Finger, welche sich nicht von den Pin-up-Possen manch weiblicher Superstars umgarnen lassen. Sie taugt zur Diva, ohne auf Perücken angewiesen zu sein. Ihre Stimme flittert mit vehementer Dynamik aus den Boxen, ein düsterer Konfettiregen brodelnder Emotionen.


Finde weitere Künstler wie Anna Calvi bei Myspace Musik

Calvi katapultiert sich aber nicht allein wegen ihrer Aura in die allgemeine Wahrnehmung. Das starke Songwriting transportiert ihre Vorzüge kongenial. Desire rockt vollmundig, eine vor allem im simplen Refrain stupende Hymne. Wie sich The Devil zu sinisterer Inbrunst auftürmt, anfangs noch balladesk theatralisch die Fühler ausstreckt, lässt Gänsehaut sprießen. Die Wucht von Blackout bietet edle Versatzstücke von The Pretenders und Blondie. Ein veritabler Hit auch deswegen, weil sich einen Song lang die Abgründe schließen. Abgründe, die No More Words wiederum bis zum Exzess verführerisch zelebriert, dabei sacht und gedämpft wispert, die Reißleine des Verlangens nie kappt. Das im Sixties-Ambiente angelegte, vermeintlich vor luftigem Schwulst triefende First We Kiss gewinnt mit jedem Hördurchlauf an Galligkeit. Bei Suzanne and I röhrt Calvi stellenweise derart stimmengewaltig, als würde sie für den Titelsong eines Bond-Films üben. Womit mir beim großen Kino wären, welches die junge Londonerin offeriert.


Finde weitere Künstler wie Anna Calvi bei Myspace Musik

Anna Calvi vermag mit ihrem raffinierten Debüt zwischen divaresker Aura und seelischer Gebeuteltheit zu wandeln, knisternde Atmosphäre zu bescheren, sich stets einen Fingerspalt von den musikalischen Vorbildern abzugrenzen, fast immer auch mit der nötigen Distanz zum Hörer zu agieren. Das Fehlen jeglicher Plakativität, die Würdigung des Subtilen, welches sie sich selbst in ausufernden Momenten bewahrt, all das macht Calvi nie durchschaubar und fordert unsimpel gestrickte männliche Fans heraus. Wenn das kein Erfolgsrezept ist, was denn sonst?

Anna Calvi ist am 14.01. auf Domino Records erschienen.

Konzerttermine:

20.01.11 Berlin – Dussmann
11.02.11 Hamburg – Prinzenbar
12.02.11 Berlin – Privat Club
03.04.11 Köln – Studio 672
04.04.11 Frankfurt – Brotfabrik
06.04.11 München – 59:1
07.04.11 Wien (A) – Szene
13.04.11 Zürich (CH) – Stall 6
14.04.11 Lausanne (CH) – Bleu Lezard
15.04.11 Bern (CH) – Ono

Links:

Offizielle Homepage

MySpace-Auftritt

SomeVapourTrails