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Heiter geht anders – Ein Mixtape

Die Klauen des Herbsts haben dieser Tage zumindest Berlin fest im Griff. Eine in Moll getauchte Welt macht es einem nicht leicht, ein Tralala über die Lippen zu bringen. Aus diesem Grund habe ich 10 Lieder der letzten Monate erwählt, die eine gewisse Tristesse atmen oder zumindest eine blasse, weltflüchtige Verträumung bereit halten. Heiter geht anders, keine Frage. Der Name manchen Acts wird den treuen Lesern unseres Blog keine Fragezeichen mehr bieten, doch rückt dieses Mixtape auch bislang unerwähnte Musiker in das Blickfeld. Sämtliche Titel sind als kostenlose Downloads verfügbar. Wir wünschen viel Hörvergnügen.


Sea of Bees – Marmalade

Hinter Sea of Bees verbirgt sich die junge US-Singer-Songwriterin Julie Baenziger aka Julie Ann Bee aka Jules. In den USA ist ihre CD Songs for the Ravens vor wenigen Monaten auf Crossbill Records erschienen. Man wird von ihr sicher auch in Europa demnächst etwas hören.

Sea Of Bees „Marmalade“ from Riot Act Media on Vimeo.

Kostenloser Download: Marmalade (Riot Act Media)

Sharon Van Etten – Don’t Do It

Wenn es eine Kronprinzessin unter dem amerikanischen Liedermacherinnen gibt, die schon bald das Zepter in die Hand nehmen wird, dann handelt es hierbei um Sharon Van Etten. Der Sound ihres vor wenigen Wochen veröffentlichten Albums Epic beschreibt zwar noch die Suche nach letzten stilistischen Feinheiten, das Potential tritt freilich in diesem tollen Song hervor.

Gratis-Mp3: Don’t Do It (Stereogum)

Gem Club – Acid and Everything

Mit der EP Acid and Everything hat sich das Duo von der amerikanischen Ostküste für vom Piano dominierte Balladen empfohlen, denen es nicht an Intensität mangelt und die dennoch konzis bleiben. Gem Club darf man sich in Notizheft schreiben – und unterstreichen.

Free Download: Acid and Everything (Pitchfork)

Out Like Lambs – Bred To Bug

Diese Empfehlung auf das klienicum will ich nachdrücklich weiterreichen. Out Like Lambs ist ein Ensemble aus New Jersey, das auf MySpace 22 Mitglieder preisgibt, auf der offiziellen Homepage hingegen 20. Bei derart vielen Musikern kann man sich ruhig verzählen. Dennoch verderben viele Köche hier keinesfalls den Brei. Not So Winter Waltz lautet der Name ihres jüngsten Werks.

Der Track ist kostenlos auf Bandcamp erhältlich.

Echo Lake – Everything Is Real

Die Londoner Formation Echo Lake eröffnet den Reigen britischer Acts auf diesem Mixtape. Noch gibt es über die Herrschaften nicht mehr zu berichten als den Umstand, dass sie feinen Dream Pop fabrizieren.

Gratis-Mp3: Everything is Real (Pitchfork)

Glissando – The Long Lost

Ein Duo aus England, dass zu opulenter Dichte befähigt ist. Glissando liefern mit der Single The Long Lost einen Vorgeschmack auf ein für 2011 geplantes Album. Der Track beschert festen fragilen Post-Rock.

Der Song steht gegen die Bekanntgabe einer E-Mail-Adresse auf bandcamp zum Download bereit.

Hypermagic – Hey Hey Sunshine

Auch Electronica soll in der Zusammenstellung nicht fehlen. Hypermagic verzückt mit einer monotonen Fantasie an sonnendurchflutete Zeiten. Hey Hey Sunshine wird zum Mantra einer in weite Ferne gerückten Sehnsucht.

Und wieder darf man sich über einen kostenlosen Download via bandcamp freuen.

Samson & Delilah – And When The Rose

Vor gut einem Jahr erschien die gleichnamige Platte der britischen Gruppe Samson & Delilah auf Little Red Rabbit Records. Bei dem Lied And When The Rose haben wir es mit authentisch dargereichtem, traditionellem Folk zu tun.

Samson & Delilah : And When The Rose by Little Red Rabbit Records

Auch hier gilt: Einfach auf Download klicken, der Rest geschieht wie von Zauberhand.

Goldmund – Brown Creek

Herbstdepressionen klingen schwerlich formvollendeter als im vorliegenden Fall. Der umtriebige Keith Kenniff werkt unter anderem unter dem Namen Goldmund. Das im August veröffentlichte Album Famous Places wird durch elegante Klaviermusik beherrscht.

Free Download: Brown Creek (Magnet Magazine)

Antony and the Johnsons – The Spirit Was Gone

Hier erübrigt sich jede Vorstellung und jedweder Kommentar. Antony and the Johnsons spielen in einer eigenen Liga, und das hört man auch auf dem jüngsten Werk Swanlights.

Gratis-Mp3: The Spirit Was Gone (RCRD LBL)

SomeVapourTrails

Die Crema auf dem Espresso – Nessun dorma

7in Side Load

Freunde, hebt das Glas und lasst uns im kräftigen Duft frisch gebrühten Kaffees schwelgend anprosten. Kaffee als Lebenssaft kann kein Wässerchen trüben, selbst Starbucks vermag es nicht, dem Ruf des Kaffees nachhaltig zu schaden. Man mag wenig Nettigkeiten über die Italiener zu berichten wissen, aber Cappucino und Espresso bringen den Gaumen zum Singen. Nun hat der bekannte Hersteller Lavazza einen ungewöhnlichen Werbeträger an Land gezogen: Antony Hegarty. Und diesen dann auch noch eine der abgedroschensten und dennoch schönsten Arien trällern lassen: Nessun dorma aus Puccinis Turandot. Tatsächlich glückt, was auch kräftig in Hose hätte gehen können. Eine exotisch anmutende, gelungene Interpretation eines Klassikers, die in dieser Eigentümlichkeit eben nur vom Mastermind von Antony and the Johnsons stammen kann. Was mich bei vielen anderen Sänger nicht die Bohne geschert hätte, verschafft in diesem Falle dem Espresso eine leckere Crema.  Der gegen Registrierung kostenlose Download ist hier erhältlich. Darauf noch eine Tasse!

SomeVapourTrails

500 essentielle Songs der Dekade – Teil 2

Auch dieses Mal wollen wir eine bunte Mixtur an bekanntem und unbekanntem, wichtigem und besonders wertvollem Liedgut vorstellen. Und obzwar Listen immer den Geschmack des Erstellers widerspiegeln, haben wir doch versucht über den Tellerrand zu lugen. So mag ob des Haareraufens nun das eine oder andere davon in der Suppe schwimmen. Dennoch wollen wir uns ans  Servieren machen – umso mehr, da wir der bloggenden Nachbarschaft mit dampfender Terrine und gutem Vorbild voranschreiten. Teil 1 offerierte bereits jede Menge Leckerbissen, jetzt folgt der Nachschlag.

500Tracks(Teil2)

wallofarmsThe Maccabees – Love You Better (2009)

someofmybestfriendsaredjsKid Koala – Skanky Panky (2003)

ghostsofthegreathighwaySun Kil Moon – Glenn Tipton (2003)

kidaRadiohead – The National Anthem (2000)

whateveryouloveyouareDirty Three – I Offered It Up To The Stars & The Night Sky (2000)

keystotheworldRichard Ashcroft – Words Just Get In The Way (2006)

siberiaEcho & The Bunnymen – In the Margins (2005)

championsoundJaylib – Champion Sound (2003)

lostchannelsGreat Lake Swimmers – Everything Is Moving So Fast (2009)

zMy Morning Jacket – Dondante (2005)

Musikalischer Quartalsbericht 2009 (I)

Januar, Februar und März liegen nun hinter uns. Eine kurze Zusammenfassung der Highlights, Neuentdeckungen und natürlich auch der kakophonischen Katastrophen bietet sich folglich an.

Beginnen wir mit dem in jeder Hinsicht durchschnittlichsten Album des noch jungen Jahres. Man hört die einzelnen Songs an, nur um sie mit dem nächsten Wimpernschlag dem Vergessen preiszugeben. Sie tun nicht mal weh, sonst würde sich zumindest diese Erinnerung ins Hirn prägen. Die Rede ist natürlich von U2s neuer Platte No Line On The Horizon. Aber natürlich hat sich auch diese CD von Bono und Kumpanen verkauft. Die Herrschaften könnten wohl auch die Platte „Live aus dem Trappistenkloster“ aufnehmen und damit Kohle verdienen. Ein weitaus größeres Ärgernis ist da schon der Hype um Glasvegas. Aber das Hochloben langweiliger Bands von der Insel hat ja mittlerweile Tradition, in vorangegangenen Jahren wurde man mit den Arctic Monkeys oder Franz Ferdinand beglückt. Apropos Franz Ferdinand, selbige sind auch 2009 noch keinen Deut interessanter geworden. Es gibt eben doch Konstanten im Musikbusiness. Eine dieser bedeutete immer auch, dass Johnny Cash als unantastbares Gütesiegel galt. Die Scheibe Johnny Cash Remixed jedoch darf getrost als schlechtestes Album der letzten drei Monate gewertet werden. Wenn sich Snoop Dogg über den Altmeister hermacht, ist dies Grabschändung der übelsten Sorte. Wann kommt endlich die Gefängnisstrafe für zweitklassige Remixer, die sich an formidablen Liedern vergehen?

Wenden wir besser den schönen Dingen zu. Pete Doherty bewies mit Grace/Wastelands, dass er zu mehr als nur Skandalgeschichtchen taugt. The View fragten Which Bitch? und lieferten frische, verrotzte Mucke ab. Die Tradition allerfeinsten Songwritings hielt Little Hells von Marissa Nadler hoch, dessen entrückte Stimmung gefiel und gefiel und gefiel. Dass Antony and the Johnsons mit The Crying Light einen weiteren Meilenstein setzen würden, war abzusehen – und sollte dennoch nochmals erwähnt werden. Das Comeback von Selig rief jede Menge Kritiker auf den Plan und dies völlig zu Unrecht. Wer allerfeinsten deutschen Rock nicht mag, der sollte bei Peter Maffay bleiben. Und Endlich Unendlich ist famos.

Das Jahr ist jung, die Zahl der Newcomer hingegen groß. Abgefeiert wurde Soap & Skin und es erscheint zwecklos das Potential zu leugnen. Noch wenig bekannt in Deutschland ist der Songwriter Mike Bones, welcher mit seinem zweiten Album A Fool For Everyone ein Meisterwerk geschaffen hat. Hier harrt ein Ausnahmetalent einer breiten Wahrnehmung. Auch deutschsprachiger Pop kann abseits jedweden nervtötenden Gebarens stattfinden, wie Lalah mit dem Debüt Ich wär so weit unterstrich. Und The Glam versprachen mit Escapism, dass man auch von Deutschland aus die Musikwelt erobern kann.

So vielfältig sich dies erste Quartal auch musikalisch präsentiert, einige brilliante Alben tummeln sich bereits in der Veröffentlichungswarteschleifen und garantieren keinerlei Abflauen an allerschönstem Nachschub.

SomeVapourTrails