Schlagwort-Archive: Austropop

Schatzkästchen 91: Wanda – Columbo

Eine der spannenden Fragen dieses Musikherbsts war wohl jene nach dem Sound der neuen Platte von Wanda. Seit die Österreicher ihr Album Niente für Oktober angekündigt hatten, wunderte zumindest ich mich, ob nach den beiden wie aus einem Guss tönenden Werken Amore und Bussi irgendwelche Änderungen am Erfolgsrezept anstehen würden. Die erste nostalgisch-balladeske Single 0043 gab diesbezüglich nur bedingt Aufschlüsse. Seit heute freilich kann man sich schon an eine Einschätzung wagen. Mit Columbo zeigen Wanda einmal mehr ihr Gespür für Gassenhauer, die man schlicht mitträllern muss. Der Refrain „Am Ende fällt Columbo etwas ein. Lass es unsre Rettung sein! Es wird eine schöne Lösung sein, doch wir beide passen nicht hinein.“ könnte eingängiger nicht ausfallen. Schatzkästchen 91: Wanda – Columbo weiterlesen

Rein ins Auto, ab ans Meer, Gedanken baumeln lassen – Der Nino aus Wien

Der Müßiggang an den Küsten der Adria hat für Österreicher – und speziell für Wiener – eine lange, lange Tradition. Noch zu Kaisers Zeiten flanierten Künstlern durch Triest, auch der gemeine Proletarier vergnügte sich in den Siebzigern und Achtzigern gern in Jesolo oder Caorle. Dass sich also der von mir sehr geschätzte Liedermacher Der Nino aus Wien in dortigen Breiten zur EP Adria inspirieren hat lassen, greift also eine Tradition auf, die in Zeiten des von Ryan Air propagierten Cityhoppings herrlich altmodisch wirkt. Rein ins Auto, ab ans Meer, Gedanken baumeln lassen. Der Charme dieser Idee entfaltet auf dieser sechs Lieder umfassenden EP vollste Wirkung.

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Meister der Milieupoesie – Der Nino aus Wien

Eines der Probleme der Musik unserer Tag liegt im Umstand begründet, dass schon aus einem globalen Denken heraus hautpsächlich auf Englisch gesungen wird. Die Popkultur scheint völlig von dieser Sprache geprägt. Nichts liegt mir ferner, als das zu verteufeln. Sofern man jedoch kein Muttersprachler ist, wird man zwangsläufig so texten und singen, wie man es sich abgeschaut hat. Dialektfärbungen, Milieubezüge und damit verbunden auch Authentizität bleiben dabei auf der Strecke. Eben darum braucht es Liedermacher, die die eigene Muttersprache als Kulturgut pflegen. In Österreich hat sich binnen weniger Jahre Der Nino aus Wien als Verfechter der Wiener Seele etabliert. Seit dem Plattendebüt 2008 hat er Album für Album die Mentalität der Hauptstadt in immer neuen Facetten ausgeleuchtet. Er setzt die Tradition des Wienerliedes ebenso fort wie den Austropop des frühen Ambros oder Georg Danzer. Wer Wien abseits touristischer Klischees begreifen möchte, sollte in die von Nino Mandl gezeichneten Milieus der Strizzis, Ta­chi­nie­rer und Philosophen des Gemeindebaus eintauchen. Gelegenheit dazu bietet Immer noch besser als Spinat, eine jüngst veröffentlichte Werkschau.

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Das Schlawiner-Gen – Wanda

Den Tschick in der Pappn, also die Fluppe im Mund, dazu noch das Bier in der Hand, mit diesen Utensilien machen sich Wanda daran, von der Liebe und dem Leben zu singen und österreichische Daseinsfreude, die stets aus Granteln und Goschertheit besteht, mit knarziger Kehle zu zelebrieren. Mit ihrem letztjährigen Debüt Amore hat die Wiener Band sogar in Deutschland für Furore gesorgt. Binnen Jahresfrist wird also nun mit Bussi nachgelegt. Bereits bei der im Frühjahr erfolgten Ankündigung des neuen Albums hat jeder mit Sympathien für die Band gehofft, dass Wanda noch ein paar Pfeile im Köcher haben. Und tatsächlich haben sich die Wiener neuerlich mit Haut und Haar dem Motto ‚Verschwende deine Jugend‘ verschrieben, abermals werden Überschwang, Lust und Narretei zu einem einzigartigen Lebensgefühl gemixt. Wanda drängt es danach, ohne Rücksicht auf Verluste den Exzess zu suchen. Die Jungs stehen voll im Saft – und das merkt man Bussi auch an.

Wanda 1 ©Florian Senekowitsch Vertigo Berlin
Photo Credit: Florian Senekowitsch (Vertigo Berlin)

Der Charme von Wanda besteht darin, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Wer in den vergangenen zwölf Monaten das eine oder andere Interview der zwischendurch geradezu omipräsenten Neulingen gelesen hat, wird mir sicher zustimmen. Während manch deutsche Kollegen entweder zur Verkopfung neigen oder aber Trivialitäten ausgesucht langweilig darbieten, sitzt den Wienern der Schalk stets im Nacken. Wanda tragen halt das Schlawiner-Gen in sich. Musikalisch hat sich nichts geändert, sie bleiben die Reanimateure des Austropop im neuen Jahrtausend, paaren diesen mit frechen Indie-Rock-Hymen, wie sie Österreich noch nie gesehen hat. Sogar ohne den Let’s-fetz-Überraschungseffekt des quasi aus dem Nichts kommenden Debüts vermag Bussi den Hörern ein seliges Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Ein Lied wie Das wär schön wird ein Hit, da muss man keinerlei Kristallkugel bemühen. Die erste Single Bussi Baby hat in den österreichischen Charts ohnehin längst gute Figur gemacht. Wer in meinem Heimatland keine Marillen in den Ohrwaschln hat, ist Wanda allerdings ohnehin längst verfallen. Bussi liefert dafür triftige weitere Argumente. Schon zu Beginn macht 1,2,3,4 alles klar: „Ich kann dich nackt und wunderschön von hier aus sehen, ich will mir dir in einem schwarzen Kreis aus Opium stehen. Und die Stadt träumt sich in unser Herz hinein, denn in mütterlicher Stille fängt es an schneien.“ Sex, Drugs und Austropop, so wird’s gemacht! Auch Meine beiden Schwestern ist ein markanter Gassenhauer mit sinnfreiem wie eingängigem Refrain. Marco Michael Wanda scheint mit Ausstrahlung und einem unverwechselbaren Gesang gesegnet, all dies lässt Texte in den Hintergrund treten. Der Herr gibt den Falco, aber auch gern Alpen-Celentano! Die Affinität zu Italien findet sich in einigen Liedern wieder, Rom, Bologna – eh klar! – und Venedig werden als Orte des Lustwandelns zelebriert. Was die Texte brauchen, sind schlicht nur Phrasen, Slogans, Sehnsuchtdesitinations, die aus vollster Kehle intoniert werden können. Beim bereits erwähnten, urlässigen Bussi Baby ist der Titel Programm.

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Schatzkästchen 30: Wanda – Bussi Baby

Wanda, die coolen Reanimateure des Austropop, haben wieder zugeschlagen. Nicht einmal ein Jahr nach ihrem sagenhafte Debüt Amore bescheren uns die Wiener mit Bussi Baby bereits den ersten Vorboten der für Oktober angekündigten Platte Bussi. Das Lebensgefühl von Amore findet sich auch beim neuen Lied wieder. Die Stärke der Band liegt zweifelsohne darin, all die Besonderheiten der österreichische Mentalität abzubilden: Sudernder Überschwang, das kleine bisschen Morbidität, jede Menge Schlawinertum. Und natürlich Charme! Jener Charme war es denn auch, der Wanda in Rekordzeit Jubel in deutschen Gazetten einbrachte. Gute deutsche Bands sind nämlich oft visionär oder rebellisch, charmant sind sie hingegen in aller Regel nicht. Wandas bewusst ungelenker Charme, ihr unbefangenes Bekenntnis zum österreichischen Zungenschlag haben in ihrer Heimat ein Stück Zeitgeist eingefangen und sogar hierzulande eine Sehnsucht geweckt. Schatzkästchen 30: Wanda – Bussi Baby weiterlesen

Harte Schale, Wiener Kern – Wanda

Vor ein paar Wochen schon habe ich das sagenhafte Debüt der Wiener Formation Wanda über den grünen Klee gelobt und als fehlendes Verbindungsglied zwischen Austropop und Indie-Rock bezeichnet. In der Begeisterung hatte ich gar gemutmaßt, dass ein Pete Doherty, wenn er denn mit Wiener Schmäh anstatt britischer Rüpelhaftigkeit sozialisiert worden wäre, wohl allzu gern mit den Jungs von Wanda musizieren würde. Gerade in den letzten Jahren haben sich einige pfiffige österreichische Bands dadurch verdient gemacht, dass sie dem Vakuum zwischen gediegener Hochkultur und provinzieller Volksmusikalität jede Menge frischen Wind einhauchen. Mit dem Album Amore läuten Wanda endgültig eine Renaissance des Austropop ein, der seit den Siebzigern und Achtzigern doch nur noch in der nostalgischen Erinnerung bestand. Was mir an dieser Platte so imponiert, ist die spezielle österreichische Mentalität, jene Melange aus suderndem Überschwang und lässigem Schlawinertum. Kraftvolle Emotion trifft hier auf die morbide Wiener Seele, der herbe Charme des Gemeindebaus auf das ganz große Leben.

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Neues zur österreichischen Seele – Der Nino aus Wien

Ganz Europa sinniert gerade über die österreichische Seele – und das nicht ohne Grund! Österreich ist abseits aller Klischees ein Buch mit sieben Siegeln – nicht bloß, aber speziell für den deutschen Nachbarn. Österreich scheint in seiner Mischung aus Lebensfreude und Morbidität, aus ornamentalem Gestus und grundsätzlicher Raunzerei sowohl Insel der Seligen als auch morastiger Sumpf. Das im Ausland vermittelte Österreichbild wird außerdem vielfach vom Wiener Mikroklima dominiert, dazu gesellen sich ab und an noch ein paar Bergvolkmythen. Aber so wird man der überraschenden Vielfalt keineswegs gerecht. Auf kleinstem Raum beherbergt Österreich verschiedenste Temperamente und kulturelle Ausprägungen, die sich in ihrer Gegensätzlichkeit durchaus mit den Unterschieden zwischen Ostfriesland und Bayern messen können. All das darf man nicht vergessen, wenn man sich mit einem jungen österreichischen Liedermacher namens Der Nino aus Wien beschäftigt. Man sollte sich also nicht an der Sprachfärbung festbeißen, gar den Dialekt belächeln, vielmehr den beiden Alben Bäume und Träume mit Neugier begegnen. Hier begegnet Austropop ursprünglichster Ausprägung Indie-Pop-Rock. Larmoyante Tiefschürferei trifft auf eine dadaistische Momente, jugendlicher Überschwang auf eine Poesie im Fluss. Manch Anleihen an das Liedermachertum von Georg Danzer oder Ludwig Hirsch sind unüberhörbar. Der Nino aus Wien steht auch für ein Österreich, das irgendwo zwischen Heurigenseligkeit und Nestbeschmutzung sein Glück findet.

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