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Schatzkästchen 90: BEAK> – Sex Music

Damon Albarn wird ja gern als musikalischer Tausendsassa verehrt. Und ganz verkehrt ist diese Anerkennung nicht. Musikalische Connaisseure können aber noch spannendere Künstler nennen. Etwa den virtuosen Herrn Geoff Barrow. Bei diesem Namen mag es nicht sofort bei jedermann klingeln. Aber als eines der Hirne von Portishead hat er die jüngere Musikgeschichte entscheidend geprägt. Und was er seit einigen Jahren zusammen mit den Mitstreitern Billy Fuller, Matt Williams (bis 2016) und neuerdings Will Young als BEAK> auf die Beine stellt, kann sich ebenfalls hören lassen. BEAK> wird von den Beteiligten wohl vor allem aus Hobby betrachtet, die große Ambition diese Klänge mit sehr viel Tamtam zu vermarkten, kann ich bei besten Willen nicht erkennen. Das ändert jedoch nichts an der Großartigkeit, von welcher sich mindestens 99 Prozent aller Musikschaffenden so einiges abschauen könnten.

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Unsere liebsten EPs 2015

Ich räume gerne Fehleinschätzungen ein. Selbstkritik ist zwar nicht mein liebstes Hobby, aber auch meine Wenigkeit ist nicht frei von Denkfehlern. Lange – sehr lange sogar – hielt ich EPs für Schnickschnack, für bessere Fingerübungen. Wenn ich mir den Musikkonsum im Jahre 2015 so ansehe, könnte ich mir mittlerweile sogar vorstellen, dass die EP das Format der Zukunft darstellt. Sehen wir uns die Sache doch mal ganz nüchtern an. Als man noch ganze Alben gekauft hat, musste ein Album auch mit ungefähr 10 Liedern bestückt werden, zumindest eine gewisse Länge haben. Der Konsument wollte schließlich etwas für sein Geld. Nun freilich hat sich das Konzept des Albums als physischer Einheit durch die Digitalisierung fast überholt. iTunes und Spotify haben in der letzten 10 Jahren den einzelnen Track noch stärker in den Fokus des Hörers gerückt. Diese Problemstellung birgt jedoch auch eine Chance. Kreative können sich auf eine Kompaktheit besinnen, die einen Sound oder ein Thema auf eine Handvoll Songs zuspitzt. Die EP verliert dadurch ihr Lückenfüllerimage, die Möglichkeit zur Verdichtung wertet sie auf. Und vielleicht sorgt ihr niedrigerer Preis sogar für einen Kaufimpuls, den ein Album um 17 EUR immer seltener auslöst. Einen Haken hat die Chose allerdings. Wenn Musiker und Plattenfirmen EPs als gepimpte Singles verstehen, haben sie die Entwicklungen der letzten 15 Jahre samt und sonders verschlafen. Eine EP muss mehr bieten als einen guten Song. 2015 war aus meiner Sicht das Jahr umwerfender EPs. Unsere 10 Favoriten möchte ich den Lesern daher keinesfalls vorenthalten!

1.) Sharon Van Etten – I Don’t Want To Let You Down

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Schlaglicht 23: BEAK>

Dieser Tage verlasse ich mich aus sommerlicher Faulheit heraus in puncto Musik sehr auf das, was an diversen Newsmails so hereinflattert. Daher hätte ich fast die Veröffentlichung einer neuen EP von BEAK> verpasst, wenn ich nicht auf Nicorola, einem der wenigen Musikblogs meines Vertrauens, darauf gestoßen wäre. BEAK> ist mehr als nur ein obskures Indie-Projekt, einer der Köpfe ist schließlich kein Geringerer als Geoff Barrow von Portishead. Die nun veröffentlichte BEAK> <KAEB Split EP umfasst 4 Tracks, die von Spoken Word über Reminiszenzen an Simon & Garfunkel bis hin zu Krautrock allerlei aufbieten. So konsistent die Ästhetik bei Portishead angelegt ist, der werte Nico weist nicht umsonst darauf hin, dass dies um den Preis geschieht, in 21 Jahren gerade einmal 3 Studioalben veröffentlicht zu haben, so sehr ist BEAK> dem Experiment, einer spontanen Produktivität verpflichtet. Der erste Track The Meader etwa tönt als ganz old-fashioned gestrickter, treibender Krautrock. Bereits diese Nummer lohnt den Kauf. Auch Broken Window mit seinem Drone-Charakter und den hypnotischen Prog-Rock-Elementen fällt hörenswert aus. Danach jedoch wird es richtig schräg. When We Fall entpuppt sich als gedämpfte Ballade im Stile von Simon & Garfunkel. Dieser Song ist so überraschend wie liebenswürdig. There’s No One vermischt Rap mit sakralem Chorälen, steigert sich in eine derwischhafte Spoken-Word-Performance samt psychedelischen Effekten hinein. Solch theatralische Grenzgängerei sollte man durchaus auf sich wirken lassen. Schlaglicht 23: BEAK> weiterlesen

Die große IAMAMIWHOAMI Enthüllung: 19 April 2010

Wir trumpfen jetzt einfach mal auf und prophezeien, The Big Reveal erwartet uns am 19.04.2010 . Eine heiße Fährte führt  uns (zurück) zu Chris Cunningham.

In a rare live appearance, award-winning video artist Chris Cunningham heads up a dramatic audiovisual performance with some very special guests, Beak> and Jackson.
[…]
Cunningham presents a live multimedia AV show featuring remixed, unreleased and brand-new videos and music to create what promises to be an amazing spectacle.

With support from Sound and Music.

Laut electronicbeats.net erwartet uns eine geheimnisumwitterten, bildgewaltigen DJ/VJ-Performance. Mit dabei sind unter anderem Beak>, das Nebenprojekt von Portisheads Geoff Barrow.

Supported by members of the Warp stable old and new – LoneLady, Beak, Squarepusher and Jackson will all assist in providing musical accompaniment to the visual artist and, increasingly of late, music producer. Consisting of original and remixed music plus dramatic visuals, the show promises to include some „very special material“. However what that material might be or even what the show is called remains a mystery.

Schon das deutsche Schwestermagazin electronicbeats.de gab uns Recht, dass hinter iamamiwhoami nur Chris Cunningham stecken kann. Ob Aphex Twin wie von uns ursprünglich vermutet auch mit von der Partie ist, werden wir wohl erst im April erfahren. Die Show wird auch in Deutschland u.a. beim Melt Festival zu sehen sein.

Weitere Termine:


THE BRIGHTON DOME
19. April 2010

MANCHESTER OPERA HOUSE
22. April 2010  (Infos)

Royal Festival Hall Ether Festival
23 April 2010 (Info)

Support: Beak> (all dates), Lonelady (Manchester), Tom Jenkinson (Squarepusher DJ set) (London) and Jackson (Brighton)

Update:

Den wichtigsten Hinweis auf Chris Cunnighams Urheberschaft hab ich im Wald vor lauter Bäumen übersehen. Laut Wikipedia plant Chris Cunningham „seit längerem eine Verfilmung des Buches Neuromancer von William Gibson. Die Arbeiten an diesem Projekt sind jedoch momentan bis auf Weiteres ausgesetzt worden.“

William Gibson ist auch Autor von Pattern Recognition (Mustererkennung), dieses Werk ist vielfach als Vorlage für die iamamiwhoami-Videos genannt worden. Zufall? Wohl kaum.

Noch mehr Hints enthält der englische Wikipedia-Beitrag:

Neuromancer

In 2000, Cunningham and cyberpunk author William Gibson began work on the script for Gibson’s 1984 novel Neuromancer. However, because Neuromancer was due to be a big budget studio film, it is rumoured that Cunningham pulled out due to being a first time director without final cut approval.[citation needed] He also felt that too much of the original book’s ideas had been cannibalised by other recent films.[citation needed]

On November 18, 2004, in the FAQ on the William Gibson Board, Gibson was asked:
“ Q: Is it true there’s a movie of Neuromancer in the works?

A: Perpetually, it seems, and going on a quarter of a century now. The most recently rumoured version, to have been directed by Chris Cunningham, is now definitely not happening.[12]

In an August 1999 Spike Magazine interview, Gibson stated „He (Chris) was brought to my attention by someone else. We were told, third-hand, that he was extremely chary of the Hollywood process, and wouldn’t return calls. But someone else told us that Neuromancer had been his Wind In The Willows, that he’d read it when he was a kid. I went to London and we met.“ Gibson is also quoted in the article as saying „Chris is my own 100 per cent personal choice…My only choice. The only person I’ve met who I thought might have a hope in hell of doing it right. I went back to see him in London just after he’d finished the Bjork video, and I sat on a couch beside this dead sex little Bjork robot, except it was wearing Aphex Twin’s head. We talked.“[13]

It is rumoured that the character of Damien Pease in Gibson’s 2003 novel Pattern Recognition was based on Cunningham, with the character’s apartment featuring a female robot which had appeared in one of Cunningham’s videos.

Development funding was in place for Cunningham to direct and co-write his first feature film for Warp Films, with whom Chris was at the time committed to „for all future full-length film projects.“ He has since left Warp Films to set up his own production company ‚CC Co‘ to produce his films independently.

Somit dürfte iamamiwhoami nichts anderes als Cunninghams Verfilmung von Pattern Recognition sein. Produziert von seiner Produktionsfirma CC Co, die mehrfach bei den anstehenden Events genannt wird.

DifferentStars

BEAK> – Geoff Barrow und ein Kleinod

Wenn Portishead-Mastermind Geoff Barrow ein kleines Nebenprojekt betreibt, darf man stilsicherer Musikfan das eine oder andere Öhrchen spitzen. Denn spätestens seit Third wissen wir, dass eine der formidabelsten Formationen der Neunziger gleich Wein mit zunehmendem Alter an Charakter gewonnen hat.  Unter diesem Aspekt durfte auch BEAK> als Faszinosum erwartet werden. Am 23. Oktober erscheint nun das selbstbetitelte Erstlingswerk – und wird etwaigen hochgesteckten Erwartungen aus guten Gründen gerecht. Die vor allem auf instrumentalen Glanz eingeschworenen Klänge vibrieren in einer psychodelisch-rockigen, elektronischen Mischkulanz, die sich stetig aufbaut und kein flauschige Liebe auf den ersten Höreindruck anstrebt. Zusammen mit den Mitstreitern Billy Fuller und Matt Williams gelingt Barrow eine herrlich masseninkompatible Meditation mit dunkel jammernden und destruktiven Elementen. Besonders die vorhandenen Post-Rock-Bestandteile kreieren eine Aura der Erstsahnigkeit.

Beak

Unter den 12 so divers anmutenden und doch stringent vorgebrachten Tracks finden sich einige Kleinode von nachhaltiger Qualität, die aus einer Fingerübung ein kleines, feines, durchaus erregendes Meisterwerk für ein Nischenpublikum gedeihen lassen. Die experimentierfreudige Scheibe mag im Getöse der herbstlichen Veröffentlichungen untergehen, doch wer sie für sich entdeckt, wird Titel wie I Know, Battery Point, Pill oder Ears Have Ears nicht mehr in den Gehörgängen missen wollen.

Tour-Daten:

06.12. Köln – Gebäude 9

07.12. Berlin – Magnet Club

Link:

Band-Blog

SomeVapourTrails