Unsere 30 Lieblingssongs des Jahres

Mir persönlich sind Bestenlisten mittlerweile hochgradig suspekt, denn was steckt hinter Bestenlisten denn eigentlich? Wenn zu viele darüber abstimmen, was das Beste ist, haben wir es im Grunde mit einem Popularitätscontest zu tun. Wenn eine einzelne Person das Beste des Jahres definiert, steckt dahinter doch nur der Ausdruck eigenen Geschmacks. Nun ist Subjektivität überhaupt kein Verbrechen, wenn man sie klar kennzeichnet. Ich will daher von den Lieblingsliedern des Jahres sprechen. Und ehrlich gesagt tue ich mir auch mit Reihungen schwer. Was qualifiziert einen Song auf Platz 8 und nicht auf Nummer 7 gesetzt zu werden? Zugegeben, das Erstellen von Listen ist ein netter Zeitvertreib, sofern man Reihungen nicht tierisch ernst nimmt. Hier nun also jene 30 Songs, die uns 2017 auf die eine oder andere Weise ganz besonders erfreut haben. Um eine gewisse Vielfalt abzubilden, habe ich mich mit einer Ausnahme auf einen Track pro Musiker(in) oder Band beschränkt. Es wäre sonst eine Liste, bei der Lana Del Rey zu sehr dominieren würde…

1. Lana Del Rey – God Bless America – And All The Beautiful Women In It (Review) [USA]

2. Principe Valiente – Wildest Flowers (Review) [Schweden]

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Schlaglicht 82: Blaue Blume

Kurz vor knapp, wenn Musikmagazine längst schon die Jahresbestenlisten in ihren Schubladen liegen haben, kommt fast wie aus dem Nichts eine EP daher, ohne die zumindest meiner Meinung nach 2017 in musikalischer Hinsicht unvollständig wäre. Die Rede ist von der EP Sobs der dänischen Formation Blaue Blume. Der Band, dieses Wortspiel sei erlaubt, kann man für diese vier Tracks gar nicht genug Rosen streuen, gerne auch blaue. Sobs steht für zärtlich-romantischen, perfekt instrumentierten Pop mit märchenhafter Note und Anflügen von Verschrobenheit. Gerade einmal 15 Minuten hat diese EP zu bieten, doch ähnlich stimmige, facettenreiche 15 Minuten wird man 2017 kaum finden. Beginnen wir in der Betrachtung gleich mit dem Song Macabre, der als bittersüßer wie hymnischer Synthie-Pop besticht. Die wonnige und auch aufgekratzte Melodie ist Seelenbalsam, opernhaft-exaltierter Falsetteinschübe runden die exzentrische Eleganz ab. Ebony wiederum hat den Flair einer auf Zehenspitzen schleichenden R&B-Nummer verbunden mit der Dramatik einer kraftvoller Achtziger-Ballade. Das famose Mayhem vermittelt von den Synthies ein wenig Peer-Gynt-Erhabenheit, die die samtene, helle Stimme des Sängers Jonas Smith perfekt untermalt. Die bewegende, schwärmerische Aufbruchssehnsucht gerät zu allerfeinstem Pop, den man gar nicht oft genug hören kann. Viel zu schnell endet Sobs, doch hat es dieses Ende natürlich ebenfalls in sich. Bei Haven’t You stellt Smith sogar die gesangliche Feinheit eines Anohni locker in den Schatten. Romantische Melancholie mit ein wenig Weltschmerz lässt dieses andächtige Stück leuchten!


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