Schlagwort-Archive: Blondie

Schlaglicht 68: Blondie

Photo Credit: Alexander Thompson

Im Sport ist die Gefahr ziemlich gering, dass man als Mitglied der Ü-60-Fraktion noch große Erfolge erzielt. Abgesehen von Senioren-Turnieren natürlich. Und auch in der Popmusik beschränkt sich die Daseinsberechtigung musizierender Rentner meist auf die Einweihung neuer Baumärkte oder auf Auftritte bei Stadtfesten in der tiefsten Provinz. Wenn sich ein Sexsymbol früherer Tage dann sogar noch mit 71 Jahren zu einem neuen Werk aufschwingt, stellt sich fast zwangsläufig die Frage, wer der Chose eigentlich das Ohr leihen soll. Weil, da müssen wir nüchtern sein, natürlich auch die Optik eine andere ist. Denn sogar eine Debbie Harry altert! Sie und ihre Mitstreiter von Blondie wollen es aber tatsächlich nochmals wissen. Für Mai wurde soeben das Album Pollinator angekündigt. Die erste Single Fun, von Dave Sitek (TV On The Radio) mitverfasst, präsentiert sich als flippiger Wohlfühl-Disco-Pop. Schlaglicht 68: Blondie weiterlesen

Anti-Barbie mit unverbeultem Heiligenschein – Blondie

Wenn sich Ikonen der Vergangenheit mit biestiger Unverdrossenheit an neue Alben heranpirschen, will man den einstigen Legenden oftmals das Mikrofon entringen, den Schlüssel zum Tonstudio in den Gully werfen, die früheren Giganten in einem ausbruchssicheren Alterswohnsitz einquartieren. Wenn Musiker zum Schatten ihrer selbst verkommen, sabotieren sie beharrlich den einstigen Ruhm mit unzeitgemäßen, uninspirierten Liedern, welche dem Erfolg Jahrzehnte hinterher hinken. Nicht so die New-Wave-Pioniere Blondie. An die Hochblüte vor mehr als 30 Jahren vermag die Formation um Debbie Harry nicht mehr anzuknüpfen. Doch auch wenn heute ein anderer Zeitgeist durch unsere Köpfe spukt, Blondie im allerbesten Rentenalter vorfindet, setzt die Platte Panic of Girls die Gesetzmäßigkeit des Dahinsiechens außer Kraft.

Zweifelsohne knabbert der Zahn der Zeit an Debbie Harrys Existenz als Anti-Barbie, dennoch klingt diese Mittsechzigerin erstaunlich wenig schaumgebremst. Der Power-Pop-Feger What I Heard gerät prägnanter als die Songs aktueller Verfechterinnen dieses Genres. Blondie kitzeln aus vielen Liedern das Extraportiönchen Hit-Potential heraus, dieses Händchen scheint nach wie vor nicht von Arthrosen geplagt. Solch Gabe eines schnörkellosen, charismatischen Sounds stellt auch Mother unter Beweis. Ein durch die Bank ordentlicher Versuch den Erfolg von Maria, jenes phänomenalen Tracks der Comeback-Scheibe No Exit (1999), zu duplizieren. Bei dem soliden Love Doesn’t Frighten Me scheitert dies Unterfangen schon deutlicher. Die komprimierte Qualität der ersten Plattenhälfte spiegelt sich auch in Girlie Girlie wider. Wer außer Blondie darf gen Reggae schielen, ohne sich dabei der völligen Lächerlichkeit auszusetzen? Sunday Smile, ursprünglich aus der Feder von Beiruts Zach Condon,  erinnert in dieser Interpretationan die Zeiten von The Tide Is High, ohne dem Charme des Vorbilds auf die Pelle zu rücken. Wenn man unbedingt zwei Songs des Albums zwecks Herummäkelns herauspicken möchte, kommt man einerseits an dem Chanson Le Bleu nicht vorbei. So sehr die Band in der Vergangenheit für ihre Experimentierfreudigkeit belohnt wurde, derart langweilig und angestrengt säuselt Harry hier französisch. Auch dem Salsa-Titel Wipe Off My Sweat mangelt es abseits des Refrains an echter Würze.


Blondie – Mother (Official Music Video) von EMI_Music

Panic of Girls reflektiert den Werdegang der Band, hält an alten Erfolgsrezepten fest, erlangt die Inspiration nicht ausschließlich aus der schieren Imitation. Während die Mehrzahl der verbliebenen Musikdinosaurier dahinsiecht und aus purer Verzweiflung die ewig gleichen Hits ihres Schaffens bis zur Besinnungslosigkeit repetiert, feilen Harry und Chris Stein weiter an Blondies Glanz, verbeulen nie den eigenen Heiligenschein. Diese vorbildliche Altersweisheit und die nach wie vor ins Auge stechende Dynamik tragen auch das gute jüngste Werk.

Panic of Girls ist am 15.07.11 erschienen.

Link:

Offizielle Homepage

SomeVapourTrails

Neues von Blondie – Zwischen unsterblicher Legende und untoter Müffeligkeit

Richtige Legenden sterben früh, dies wussten schon James Dean, Marilyn Monroe, Jim Morrison, Janis Joplin und Ian Curtis, der gestern von 31 Jahren verstarb. Elvis merkte es fast schon zu spät, bevor er in die ewigen Jagdgründe hopste. Marlene Dietrich tat einfach so, als wäre sie schon verschieden und versteckte sich in ihrer Wohnung in Paris. Eben jene Idole, die Rebell oder verführerische Schönheiten waren, taten gut daran, nicht alt zu werden.

Neuhochdeutsch gesehen, wäre Debbie Harry heute keine New Wave-Ikone, sondern wohl das erste Power-Pop-Girlie der Weltgeschichte. Ihr Style ist oft kopiert und selten erreicht worden. Altern wollte die geliebte Diva auch nicht und ließ sich vielfach operieren. Der Zahn der Zeit nagt trotzdem weiter, die Bühne den Enkelinnen überlassen, scheint keine Alternative. Blondie war die erste Band, die ich aus des Vaters Schallplattenregal stahl und nicht mehr hergeben wollte. Jahre danach folgten viele schmerzhafte Momente des Fremdschämes, bisweil war es eine Zumutung, was die Dame auf der Bühne an Un-Performance ablieferte. Dennoch als Schauspielerin schaffte sie es ins wohlverdiente Charakterfach.

Den Umständen zum Trotz schmeißen Blondie im September ihr neues Album auf den Markt und beweisen mit dem Video zur ersten Single richtig Humor, den brauchen sie auch. Musikalisch gesehen ist Mother das Echo alter Zeiten mit modischem Indie-Gitarren-Schrammel aufgepeppt. Nicht zwingend ein Haben-Muss, weh tut’s aber auch nicht. Debbie und Konsorten tanzen auf den eigenen Gräbern der Popgeschichte. Kein Zufall, das Andy Warhol im Club erscheint, bevor das Puplikum von Zombies gefressenwird. Pate für den Club im Musikvideo stand das CBGBs, welches  Ausgangspunkt vieler Legenden und inzwischen sogar auf virtuellem Altar geehrt wird. So liest sich die Liste der Cameos illuster:  Kate Pierson von den  B-52’s, James Lorinz (Frankenhooker) Johnny Dynell, Chi-Chi Valenti, The Dazzle Dancers, Rob Roth, Barbara Sicuranza, Larry Fessenden, Alan Midgette (Andy’s double), The Five Points Band, Guy Furrow, Kitty Boots und Hattie Hathaway. Regie führte Laurent Rejto.

 

Panic of Girls

Tracklist:

1. „D-Day“
2. „What I Heard“
3. „Mother“
4. „The End, the End“
5. „Girlie Girlie“
6. „Love Doesn’t Frighten Me“
7. „Words in My Mouth“
8. „Sunday Smile“
9. „Wipe Off My Sweat“
10. „Le Bleu à l’âme“
11. „China Shoes“

Collector’s Pack Bonus Tracks

12. „Horizontal Twist“
13. „Mirame“

Link: Blondie Homepage

Kleiner Nachtrag
:

Niemand sollte mit gefährlichem Halb- oder Dreiviertel-Wissen angeben, insbesondere Ich nicht, so geht’s mit Nichten ums CBGB’s sondern wie Spinner.com schreibt:

The slick video pays homage to New York’s storied West 14th Street nightclub ‚Mother,‘ which was a late-night playground for A-listers during the ’90s

DifferentStars

Dies ist nicht nur ein Lied über Lieder über Regenbogen

Manchmal bedarf es einen kleinen Schubses und eines weiteren Unfalls sich wieder auf die zubesinnen, die das Herz auf besondere Weise pochen lassen. Niemals werde ich vergessen, wie es war, zum ersten Mal Different Stars von Trespassers William zu hören und was danach geschah. Ohne die Lieblings-Shoegazer gäb’s uns nicht, nicht nur den Blog, auch UNS. Blondie hingegen verbindet sich bei mir eher mit Liebeswirren, denn solidem, rauchgeschwängerter Retro-Disco mit 80er-Sehnsuchtsfeiern und der ersten Kassette, die ich des Geschmacks wegen aus der Sammlung meines Vates stahl. Gerüchteweise hatte ich mich schon früher zum Zwecke physikalischer Experimente den Schallplatten und anderen Tonträgern der Eltern gewidmet.

Der Unfall aka das ver-Regenbogen-strahlte Foto:

Der Schubs aka die Promo-Mail:

Das feine Label Gizeh Records sendet mir heute News und einen Reminder ins Postfach. Da hatte ich doch im vergangenen Jahr vollkommen vergessen auf den äußerst empfehlenswerten, gratis erhältlichen Wintersampler hinzuweisen. Auf eben jenem befindet sich auch der Track „Rainbow Connection“ von Trespassers William ein – sage und schreibe – Cover des Muppet Show Klassiker – einst dargeboten von Kermit dem Frosch im Duett mit Debbie Harry. Während das Original durch Skurilität besticht, bezaubern Trespassers William mit herb-spröder-ätherischer Interpretation.

Trespassers William – Rainbow Connetion

Debbie Harry & Kermit the Frog – The Rainbow Connection

Gizeh Sampler Winter 2010

Tracklist:
Conquering Animal Sound – Ira
Sleepingdog – Polish Love Song
Glissando – The Long Lost
Fieldhead – planks of wood
Trespassers William – I Could Go Back
worriedaboutsatan – you’re in my thoughts
Glissando – Strangers Ever Felt pt1
Sleepingdog – The Sun Sinks in the Sea
Redjetson – For Those Who Died Dancing
Fieldhead – an arrow (live)
Trespassers William – Rainbow Connection

Free MP3 Download auf Bandcamp: Gizeh Winter Sampler 2010

Zu den News:

Sleeping Dog haben ein neues Album am Start. Den Album-Stream für With Our Heads in the Clouds and Our Hearts in the Fields findet ihr auf Soundcloud. Ich bin mich noch am Einhören. Hypnotischer Gesang mit klein bisschen zuviel Orgel für mich bisher. Ein Album, das mein Liebster und Co-Blogger sicher mehr zu schätzen weiß als ich 😉

Links: Gizeh Records Homepage

DifferentStars

Türchen 14: Blondie – We Three Kings

In letzter Minute hinein gerauscht und den Olli von der Türschwelle geschubst. Debbie Harry Stil-Ikone und Sexsymbol der späten 70er und 80er Jahre hat sich ihre Band geschnappt und schmeißt mit We Three Kings endlich mal wieder was richtig Gutes auf den Markt. Das dies nun auch noch ein Weihnachtsong und oben drauf geschenkt . Um so besser.

We Three Kings ist ein traditionelles Weihnachtslied, auch bekannt als We Three Kings of Orient Are und The Quest of the Magi und wurde im 19ten Jahrhundert von Reverend John Henry Hopkins, Jr komponiert. Traditionell weihnachtlich klingt diese Cover-Version natürlich nicht, sondern richtig schön nach Blondie 😉

Blondie

Hier könnt ihr euch We Three Kings nach E-Mail-Registrierung downloaden.

DifferentStars

Die bisher geöffneten Türchen unseres Adventskalenders 2009 findet ihr hier:
Adventbanner

10 perfekte Pop-Songs

Mal kräftig in die Hände gespuckt und meiner Lieblingsbeschäftigung gefrönt: Listen erstellen! Auslöser für die Frage nach perfekten Pop-Songs war eine Diskussion in kleiner Runde während des gestrigen, abendlichen Streifzugs durch Kreuzberger Lokalitäten. Was also macht den perfekten Pop-Song aus, ist die Faszination kurz und bündig erläuterbar? Die Zutaten zum absolut gelungenen Liedchen sind eigentlich recht banaler Natur. Eine Melodie, die simpel genug scheint, um leicht im Gedächtnis haften zu bleiben – gleichzeitig eine Raffinesse zeitigt, sodass man ihr nicht leicht überdrüssig wird. Weiters bedarf der Song eines knackigen Refrains, der selbst kreuzschief gesummt noch Faszination ausstrahlt. Auch hier gilt die Regel, wonach ein Wörtchen zuviel oder eine Ungereimtheit die komplette Chose zum Scheitern verurteilt. Die Stimme des Sängers oder der Sängerin sollte weiters das gewisse Etwas besitzen, welches im Wiedererkennungswert schwelgt. Bei perfekten Pop-Songs müssen eine Vielzahl von Komponenten herausragend sein. Ob Arrangements oder Instrumentierung (Merke: Mit Tuba lässt sich meist wenig holen!), die Summe virtuos gestanzter Puzzleteilchen formt erst den Erfolg. Dabei darf man natürlich auch den Faktor Marketing nie gering schätzen. Der Bastian aus Nürnberg mag eventuell alle Vorraussetzung erfüllen, doch wenn sein Hit im Probekeller auf nem Laptop schlummert, wird sich trotzdem weder Ruhm noch Kohle einstellen.

Ich habe meinen Sonntagsmorgen heute mit dem Erstellen einer Liste von 10 Liedern verbracht, welche meiner persönliche Einschätzung nach tolle Gassenhauer beinhaltet. Dabei habe ich mich nicht mit Genre-Grenzen beschäftigt, vielmehr Pop im Sinne von populär defininiert. Hier die Resultate:

BlondieMaria

Alanis MorissetteThank U

RihannaUmbrella

Billy JoelWe Didn’t Start The Fire

R.E.M.Everybody Hurts

The CureFriday I’m In Love

Nelly FurtadoAll Good Things (Come To An End)

Depeche ModeEnjoy The Silence

Supertramp – Give A Little Bit

PlaceboPure Morning

Ist doch eine nette Mischung, oder? Auch der Connaisseur musikalischster Leckerbissen sollte nie davor zurückschrecken, etwas gut zu finden, was alle als exquisit erachten. Alles andere wäre Snobismus. Vielleicht regt diese kleine Liste zum Anhören und Schwelgen in Erinnerungen an. So zumindest ging es mir beim Erstellen…

SomeVapourTrails