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Lie In The Sound präsentiert: 30 Alben, die 2010 bereicherten

Endjahresbestenlisten verkörpern neben dem Geschmack des Erstellers vor allem eine blogpolitische Message: Sie möchten triftige Gründe liefern, warum der Leser auch im kommenden Jahr das eine oder andere Mal dem Blog oder Magazin seine Aufwartung machen soll. Nun kann die Strategie dahinter in der Platzierung bekannter Namen und Alben liegen, welche ins Auge springen und dem Besucher das Gefühl geben, sich auf vertrautem Terrain zu bewegen. Eine andere Verfahrensweise besteht in der Nennung des Obskuren und Außenseiterhaften, was wiederum den Entdeckerdrang des Lesers besonders anregt, zugleich eine Underdog-Romantik bedient. Oder aber der Lister packt die Last der Musikwelt auf seine Schultern, filetiert einen allumfassenden Querschnitt, der sämtliche Genres und Stile berücksichtigt, die nicht ausschließlich von moldawischen Entenzüchterchören betrieben werden. Einfach um seinen Kunden zu suggerieren, dass man musikalisch alles, schlichtweg alles geboten bekommt, was nur irgendwie ein Instrument in den Händen zu halten vermag.

All die aufgezählten Zugänge winken verheißungsvoll. Und würden mir dennoch ein Gähnen entlocken, da der unter die Oberfläche tauchende Leser bereits ohnehin erkannt hat, wie es um die Grundausrichtung des Blogs bestellt ist. Warum also nicht eine Auflistung, welche auch dem, der handverliest, einen Spannungsmoment beschert? Aus besagtem Grunde will ich die 30 Lieblingsalben unseres Blogs, davon wurden ja bereits 10 vor 2 Wochen genannt, nach Provenienz sortieren. Welche Aussagekraft lässt sich aus der Herkunft unserer Favoriten ableiten? Einerseits könnte man ihr Hotspots entnehmen, an den von uns verehrte Musik entsteht. Ein weiterer Zugang würde die Weite unseres Horizont determinieren. Und eine dritte – allgemein gültigere – Betrachtung könnte skizzieren, dass auch in Zeiten des ach so globalen Internets gewisse kulturelle und sprachliche Barrieren dazu führen, dass dem neugierigsten Zeitgenossen – nämlich mir – Musik von ganzen Kontinenten de facto verschlossen bleibt. Doch seien nun ohne längere Umschweife die 30 Platten des Jahres präsentiert:

England

Her Name is CallaThe Quiet Lamb

ScannersSubmarine

RPA & The United Nations of SoundUnited Nations of Sound

Grasscut1 Inch / ½ Mile

BonoboBlack Sands

The Strange Death of Liberal EnglandDrown Your Heart Again

Betty and the WerewolvesTeatime Favorites

Exit CalmExit Calm

Allo Darlin‘Allo Darlin‘

Wales

Tom JonesPraise & Blame

USA

Clem SnideThe Meat of Life

Damien JuradoSaint Bartlett

The PostmarksMemoirs At The End Of The World

Sharon Van EttenEpic


EelsEnd Times

BlockheadThe Music Scene

InterpolBroken Bells

Broken BellsBroken Bells

Island

Pascal PinonPascal Pinon

Schweden

SambassadeurEuropean

Nina KinertRed Leader Dream

JunipFields

Norwegen

Jaga JazzistOne-Armed Bandit

Deutschland

Mardi Gras.bbVon Humboldt Picnic

Get Well SoonVexations

Philipp PoiselBis nach Toulouse

HundredsHundreds

Österreich

Francis International AirportIn The Woods

Kanada

Thee Silver Mt. Zion Memorial OrchestraKollaps Tradixionales

Mali

Ali Farka Touré & Toumani DiabatéAli and Toumani

Welche Blöße gibt sich diese Liste? Außer dem bereits erwähnten Umstand, dass sie ganze Kontinente zu weißen Flecken erklärt, Asien, Australien und Südamerika mangels Angeboten negiert. Weiters enthüllt sie, dass nur eine Handvoll Alben nicht die englische Sprache als Mittel des Ausdrucks wählen. Als zusätzliche Information sei erwähnt, dass uns 11 der 30 Platten aktiv von Promotoren angepriesen wurden, während wir bei 19 selbst schon lange mit dem Fernrohr Ausschau haltend harrten oder Breschen durch den Veröffentlichungsdschungel schlugen, um sie zu entdecken. Von den 30 Interpreten waren 13 darunter, von denen wir zum ersten Male ein Platte erlauschten, 8 davon können sich ihres Albumdebüts rühmen. Die Bandbreite der vertretenen Stile reicht von Post-Rock über Twee, Indie-Rock, Downtempo und ähnlichen elektronischen Spielereien hin zu Pop, Folk und gar World Music.

Natürlich kann man nicht jedes 2010 publizierte Werk in Augenschein nehmen. So lebt die Auflistung auch von schmerzhaften Auslassungen. Die aktuelle Scheibe der Manic Street Preachers fehlt ebenso wie Gisbert zu Knyphausens jüngster Release. Auch Sun Kil Moon blieb noch ungehört oder sogar Fran Healys  Alleingang. Daher bedeutet eine etwaige Absenz keinesfalls, dass wir ein Album verdammen. Xiu Xiu fabrizierte einen der besten Track des Jahres und glänzt doch durch Abwesenheit, ähnliches gilt für Johnny Cashs posthume Auferstehung. Vielen davon wird bei unserer Reihung der besten Songs Gerechtigkeit widerfahren. Für heute jedoch gilt, mögen unsere Lieblinge des Jahres beim Leser auf fruchtbaren Boden fallen.

SomeVapourTrails

Zauberhafte Verflüsterung – Andreya Triana

Den Soul auf den Lippen zu tragen, dass hat heute den Schick von Lipgloss. Doch während viele Sängerinnen vergebens Frösche küssen, hat Andreya Triana ihren Prinzen gefunden. Dieser trat in Form von Simon Green in ihr musikalischen Wirken. Der unter dem Namen Bonobo geschätzte Downtempo-Guru erwählte sie nicht nur zur gänsehäuternen Stimme seines Albums Black Sands, sondern übernahm auch die Produktion ihres Debüts Lost Where I Belong. Und eben diese Trumpfkarte wird gnadenlos ausgespielt. Zu dem ohnehin auffälligen stimmlichen Vortrag gesellt sich die Gewandtheit Bonobos, der für subtiles instrumentales Knistern sorgt, eine Finesse einbringt, welche bei vergleichbaren Künstlerin meist fehlt.

Wenn man von einem Album der Nuancen und Zwischentöne spricht, kann das mitunter eine dem Euphemismus geschuldete Umschreibung für Langeweile bedeuten. Im Falle von Lost Where I Belong hingegen röhrt Triana nicht darauf los, macht Emotionen nicht an der Lautstärke fest, erlaubt sich einen intimen, oft traurigen Ausdruck, der seine Wirkung nicht verfehlt. Und das Gefühl in den Fingerspitzen Greens ist ohnehin nie plakativ, trotz der angeborenen Verspieltheit seines Sounds bleibt eine klare Struktur erkennbar, wird der Hörer nicht mit nach Aufmerksamkeit heischenden Beats und Samples bombadiert. Man muss nun wahrlich kein Dichterfürst sein, um sich auf diese Zutaten einen Reim machen zu können. Das Resultat der Zusammenarbeit gebiert eine überzeugende Scheibe, die nie ins Ohr krakeelt, aber auch nicht zu einer Beiläufigkeit verkommt.

Bereits Draw The Stars schäumt und sprudelt vor Intensität. Und führt auch ein neues Instrument in meine Wahrnehmung ein. Was für mich nach einem stinknormalen Xylophon klingt, ist eine Marimba. Die lebendige Percussion umtänzelt Trianas souliges Timbre, ein sehnsüchtiges, nachtschwärmerisches Lied entsteht. Jene Stimmung zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk, das auch von Sorgen gebeutelt scheint. A Town Called Obsolete schlackert mit einem weniger dezenten Beat,  durch die fülligere Orchestrierung im Refrain bleibt es besonders im Gedächtnis haften. Die zauberhafte Verflüsterung, der sich Andreya Triana auf Daydreamers bemächtigt, wirkt trotz Schwermut federweich. Und selbst wenn Latin-Flair auf Something In The Silence Einzug hält, schmiegt sich kein Frohsinn hinzu. Als weiteres Highlight mag Far Closer dienen, das sich lasziv auf Beats und Streichern räkelt, im Chorus dann nicht zuletzt dank eines Backgroundchors pfiffig anschwillt. Hier lockert sich auch Trianas bisweilen fast zu dick aufgetragenes Understatement auf, schaltet die Dame einen Gang hoch.

Ein derart atmosphärisch kompaktes, mit Stil umgesetztes Album, das konsequent nie auf Effekte schielt, läuft leider auch Gefahr allzu unauffällig zu tönen. Dies jedoch passiert zu selten, um Andreya Triana oder Bonobo daraus einen Strick zu drehen. Lost Where I Belong verlangt vom Hörer gewiss ein mehrmaliges Hörerlebnis ab, ehe man in den Sound eintauchen mag. Und genau dieser Umstand dürfte nur moderate Verkäufe bescheren. Als souliges Versprechen für die Zukunft wird die Sängerin jedoch unzweifelhaft an Reputation gewinnen.

Lost Where I Belong erscheint am 27. August auf Ninja Tune.

Konzerttermine:

08.09.2010 Berlin – Festsaal Kreuzberg
24.09.2010 Berlin – Astra Kulturhaus (Ninja Tune XX)

Link:

MySpace-Auftritt

SomeVapourTrails

Vergrab mein Herz im dunklen Sand der Flussbiegung – Bonobo

Wenn dir der Beat sacht über die Haut streicht, jede Pore betört wie sanft elektrisiert, dich gen Ufer weht und in die Fluten spült, wo du eintauchst in ein Ambiente nahezu suizidaler Entspanntheit und den Körper vom fidelen Flow treiben lässt, ohne Sorgen und leicht auf den Wogen hinweggleitend, wenn du im Techtelmechtel mit finaler Unbeschwertheit in Entdeckerlaune jede Welle durchschwimmst, der Herzschlag im vergnügten Rhythmus relaxt pulsiert und eine sirenenhaft trällernde Meerjungfrau dich umkreist, dir die Sinne tätschelt und liebkost, du dein prallrot leuchtendes Herz im dunklen Sand der Flussbiegung für immer vergräbst, ja wenn all dies eintritt, dann hast du dir entweder hammermäßig geile Drogen eingeworfen – oder bist der neuen Scheibe von Bonobo verfallen.

Bonobo begründete seine Exzellenz als Sound- und Stimmungästhet mit den Alben Animal Magic und Dial ‚M‘ For Monkey. Bereits frühe Tracks wie das wundersame Scuba oder ein nicht minder formidables Terrapin verknüpften exotische Instrumente wie die Sitar mit entspannten Beats und hie und da Kindsstimmen-Samples, während andere Titel mit Funk- und Trip-Hop-Elementen sowie dem Flair unzeitgemäßer Eleganz von ebenso überwältigender Schönheit zeugten. All dies wirkte auf dem 2006 erschienen Days To Come nicht ganz so schlüssig, was nicht zuletzt auf die ein wenig zu herb klingende, überpräsente  Gastsängerin Bajka zurückzuführen war. Mit der nun vor wenigen Wochen erschienenen Scheibe Black Sands jedoch präsentiert sich Mastermind Simon Green wieder in stilsicherer Höchstform.

Alle 12 Tracks sind eine Einladung zur Transzendenz des Erfühlens von Musik, eine milde wie frische Brise im Ohr, die sich wie ein lieblicher, aber nie langweiliger oder schaler Duft an die Ganglien schmiegt, eine zwingend wonnige Halluzination lostritt. Wir haben es hier mit Musik zu tun, die viel mehr als die Summe von Beats und Samples und Gesangspassagen preisgibt. Mit Sängerin Andreya Triana fügt sich eine feine Erotik in das traumgleiche Schaffen Bonobos ein. Bereits Kiara mit seinen fragmentierten Gesangssamples exeriziert dies in flirrender Perfektion vor, Kong knüpft nahtlos an die beschwingte Titel früher Zeiten an, wirkt dabei aber einen Hauch wärmer im Abgang. Eyesdown und Stay the Same sind dank Trianas Stimme einzigartige Verlockungen, voller Prickeln und Sinnlichkeit. We Could Forever wühlt sich hibbelig im Charme eines 60-er-Funk-Sounds, bei dem eine geschmeidige Gitarre sowie Flöte zusammen mit munteren Beats die Sache bunt aufmischen. Ebenso bezaubert All in Forms, eines der gelungensten Stücke auf einer Scheibe ohne Leerlauf. Als Showdown freilich birgt Animals eine jazzige Aura, die beschwingt wie getragen zaubert, und Black Sands einen tollen Aufbau, wenn nach und nach Instrumente einstimmen und in den breiten, orchestralen Abgesang gipfeln.

Kaum ein Musiker vermag mit solch spielerischer Gewandtheit den Hörer in eine Stimmung zu lullen, welche wohltuend und aufregend zugleich tönt. Bonobos Black Sands bedeutet die Eintrittskarte zu einem an Assoziationen reichen Trip, der mit jedem Hördurchlauf eine gesteigerte Intensität erfährt. Unübertrefflich und ohne Makel und sinnesfreudig.

Tour-Termin:

06.05.10 Berlin – Maria am Ostbahnhof

Links:

MySpace-Auftritt

Offizielle Webseite

Gratis-Download von We Could Forever

Kostenlose Mp3 von Eyesdown ft. Andreya Triana

SomeVapourTrails

Musikalischer Quartalsbericht 2010 (I)

Das erste Quartal war in jeglicher Hinsicht üppig und eigentlich voll von schlagenden Argumenten, dass es keine Krise der Kreativen gibt. Was Musiker so ersannen und in den letzten 3 Monaten in Deutschland veröffentlichten, wird man nicht schnell vergessen können und mögen.

Beginnen wir zunächst mit Electronica. Wenn Blockhead, Four Tet, Bonobo und Autechre allesamt innerhalb kürzester Zeit gewaltige Alben veröffentlichen, strahlt mein Herz zufrieden. Vier Platten feinster Qualität und großer Diversität, angeführt von Blockheads in jeder Hinsicht hervorragenden The Music Scene.  Doch auch pointiertes Songwriting konnte 2010 in all seinen Facetten genossen werden. Ob nun in Form einer existentiellen Wehklage von Eels, der Rückbesinnung der The Magnetic Fields auf ein durch und durch sophisticated und gleichsam eingängiges Songwriting oder auch im famosen Vexations, mit dem Konstantin Gropper alias Get Well Soon endgültig unter Beweis stellte, dass er zu den sehr wenigen deutschen Musikern mit internationalem Format gehört. Völlig unbeachtet lieferten Clem Snide mit The Meat of Life ein kleines, in den Details zündendes Stück gediegensten Songwritings ab.

2010 bot auch ein letztes Abschiednehmen von Johnny Cash, dessen Ain’t No Grave von der Kritik als Leichenfledderei zerpflückt wurde. Ein Schwachsinn und Frevel, denn diese Lieder in einem Archiv versauern zu lassen, das wäre ein Sakrileg der besonderen Sorte gewesen. Auch die letzten gemeinsamen Aufnahmen von Ali Farka Touré mit Toumani Diabaté sind ein gelungenes Vermächtnis, Ali and Toumani gehört fraglos zu den erlesensten Scheiben der World Music dieses Jahres.

Kommen wir zu poppigen Tönen, Sambassadeur aus Schweden konnte mit European eine frische Mischung aus Twee und Indie-Pop finden, welche Genre-Fans sicher durch den Frühling bringen wird. Auch The Postmarks verzauberten mit erquickenden Sounds, die man in hiesigen Breiten noch zu gering schätzt. Das weit zu fassende Feld des Post-Rocks wurde einerseits von Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra in erwartbarer Finesse beackert, andererseits begeisterte The Album Leaf mit schlichte Besinnlichkeit von A Chorus of Storytellers.

Zwei Platten verdienen eine besondere Erwähnung. Jaga Jazzist vermochten mit One-Armed Bandit ein kompositorisch komplexes Werk zu erschaffen, dass dennoch pure Hörfreude atmet. Vor solch Können muss man den Hut ziehen. Und fast noch mehr beeindruckte eine unbekannte deutsche Formation namens The Blue Angel Lounge, deren gleichnamiges Debüt unglaublich starken psychedelischen Rock beschert. So gut, dass man die Band partout nicht in Deutschland verorten mag.

Einige Wortfetzen seien auch Enttäuschungen und vorhersehbaren Zumutungen gewidmet. Tocotronic ergaben sich einem Gaga-Dadaismus, der all die Tugenden dieser Band zu einer Fratze verzerrte. Eine Frustration sondergleichen! Dass Vampire Weekend eine richtig flüssiges, also überflüssiges Contra ablieferten, das hingegen war keinerlei Überraschung. Und Joanna Newsoms neuestes Attentat auf kultivierte Gehörgänge ebenso. Aber es wird wohl auch immer Platten geben, die vom Feuilleton in einem Akt von Gesinnungsterror angepriesen und letztlich doch Zumutungen bleiben.

Das Resümee könnte trotz Querschläger nicht besser ausfallen. Die Hoffnung, dass sich die Fülle an Wundertaten im nächsten Quartal wiederholen wird, scheint überzogen. Für den Moment jedoch sollte Zufriedenheit regieren.

Die 10 besten Tracks:

Johnny Cash – Ain’t No Grave
Broken Bells – Trap Doors
Clem Snide – I Got High
Get Well Soon – We Are Free
Sambassadeur – Stranded
Massive Attack – Paradise Circus
Scanners – A Girl Like You
The Postmarks – Thorn In Your Side
Xiu Xiu – Dear God, I Hate Myself
Blockhead – Tricky Turtle

Die besten 10 Alben:

Jaga Jazzist – One-Armed Bandit
Scanners – Submarine
The Blue Angel Lounge – The Blue Angel Lounge
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra – Kollaps Tradixionales
Get Well Soon – Vexations
The Postmarks – Memoirs At The End Of The World
THUS:OWLS – Cardiac Malformations
Bonobo – Black Sands
Blockhead – The Music Scene
Sambassadeur – European

Die 5 schlechtesten Alben:

Joanna Newsom – Have One On Me
Tocotronic – Schall & Wahn
Vampire Weekend – Contra
Owl City – Ocean Eyes
Delphic – Acolyte

SomeVapourTrails

Herr Audio und Frau Visuell – Teil 1

Es war einmal Musik und dann kam irgendwann das Video. Und wenn diese Kombination auch nicht immer harmoniert, sich oftmals in eheähnlichen Zuständen ergeht, so braucht es doch diese Verbindung, um auch diejenigen Hörer zu erreichen, welche nicht die Phantasie besitzen, den Film zum Lied in den Ganglien selbst zu drehen. Manchmal freilich treffen Song und Clip auch als Wunschpartner zusammen, gehen eine Liaison ein, der man gern als Voyeur beiwohnt. Oft erlaubt erst das Video ein Tête-à-tête mit dem Lied, ein ungehemmtes und ungekürztes Anhören im Netz. Aus diesem Grund wollen wir ab nun Videos vorstellen, die entweder selbst eine stattliche Erscheinung darstellen – oder aber mit einer bezaubernden Gemahlin aufzuwarten vermögen.

Balkan Beat Box – War Again

Das neue Album Blue Eyed Black Boy kommt diese Woche in Deutschland auf den Markt. Die erste Single War Again bringt den schrägen Ethno-Touch der Scheibe in all seiner Rasanz und Vielfältigkeit perfekt rüber. Balkan Beat Box kommt im Mai nach Deutschland.

Inlets – Bright Orange Air

Eine bislang unbekanntes Projekt von Sebastian Krueger, einem in Brooklyn lebenden Songwriter. Die Chancen stehen gut, dass sich die Bekanntheit mit der demnächst erscheinenden CD Inter Arbiter ändern wird.

„Bright Orange Air“ by Inlets from twosyllable records on Vimeo.

YACHT – The Afterlife

Ich bin eigentlich kein wirklicher Fan des musikalischen Schaffens von Jona Bechtolt, dem Mastermind von YACHT. Aber dieser Clip ist einfach ein Genuss.

Bonobo – Eyesdown feat. Andreya Triana

Blacks Sands erscheint diese Woche und ist eine absolut klasse Scheibe. Eyesdown ist nur einer von vielen hervorragenden Tracks. Nach der schwächeren CD Days To Come ist Bonobo wieder in Bestform.

Simon The Russian – Joan Dark

Unser Lieblings-Russe ist nicht nur Gitarrist bei Mein Mio, sondern macht auch verdammt entspannten Trip Hop. Klingt geil, wie ich hier schon attestiert habe.

We are the Storm – I Woke Up to the Bells

Foto: Tor Johnsson

Ich mag diese Schweden einfach und hoffe wirklich, dass Sie den Durchbruch schaffen. Könnte das gar nicht mal argumentativ begründen, aber mein Bauchgefühl steht der Musik sehr wohlwollend gegenüber.

SomeVapourTrails

Free Mp3s: Bonobo – We Could Forever + Echo & The Bunnymen – Daytrotter-Session (und mehr)

Demnächst erscheint Black Sands, das neue Werk des Briten Simon Green aka Bonobo. Mit seinen Electronica-Sounds, die man dem Downtempo zuordnen kann, vermochte er auf Animal Magic und Dial ‚M‘ For Monkey sehr zu beeindrucken. Leider hielt das 2006 erschienene Album Days To Come das hohe Niveau über weite Strecken nicht. Die ersten Hörproben aus Black Sands versprechen freilich so einiges. Und obzwar das Jahr 2010 bereits zahlreiche Leckerbissen für die Freunde von Beats und Samples im Köcher hatte, ließe sich ein weiteres formidables Album durchaus ertragen. Auf NME ist der Track We Could Forever als kostenloser Download erhältlich.

Black Sands erscheint am 26.03. bei Ninja Tune.

Auch von einem anderen Electronica-Magier gibt es derzeit einen Remix als Gratis-Download. Four Tet hat sich Stick To My Side von Pantha du Prince angenommen. Den Link dazu findet man hier.

Das Original von Pantha du Prince hört und schaut sich übrigens so an:

Kommen wir nun noch zu einer Daytrotter-Session, die Ian McCulloch, Frontmann von Echo & The Bunnymen, aufgenommen hat. Dabei fokussiert er sich vor allem auf Songs aus dem letztes Jahr zu Unrecht ein wenig untergegangenen Album The Fountain. Wer diese Scheibe irgendwie verpasst hat, kann sich von der wirklich tollen Qualität überzeugen. Think I Need It Too ist wirklich ein schöner Song, dasselbe gilt für den Titeltrack. Beide sind auch in der kostenlos erhältlichen Daytrotter-Session zu hören.

SomeVapourTrails

500 essentielle Songs der Dekade – Teil 2

Auch dieses Mal wollen wir eine bunte Mixtur an bekanntem und unbekanntem, wichtigem und besonders wertvollem Liedgut vorstellen. Und obzwar Listen immer den Geschmack des Erstellers widerspiegeln, haben wir doch versucht über den Tellerrand zu lugen. So mag ob des Haareraufens nun das eine oder andere davon in der Suppe schwimmen. Dennoch wollen wir uns ans  Servieren machen – umso mehr, da wir der bloggenden Nachbarschaft mit dampfender Terrine und gutem Vorbild voranschreiten. Teil 1 offerierte bereits jede Menge Leckerbissen, jetzt folgt der Nachschlag.

500Tracks(Teil2)

wallofarmsThe Maccabees – Love You Better (2009)

someofmybestfriendsaredjsKid Koala – Skanky Panky (2003)

ghostsofthegreathighwaySun Kil Moon – Glenn Tipton (2003)

kidaRadiohead – The National Anthem (2000)

whateveryouloveyouareDirty Three – I Offered It Up To The Stars & The Night Sky (2000)

keystotheworldRichard Ashcroft – Words Just Get In The Way (2006)

siberiaEcho & The Bunnymen – In the Margins (2005)

championsoundJaylib – Champion Sound (2003)

lostchannelsGreat Lake Swimmers – Everything Is Moving So Fast (2009)

zMy Morning Jacket – Dondante (2005)

500 essentielle Songs der Dekade – Teil 1

Wer dieser Tage Pitchfork ansteuerte, durfte mit hochgezogener Augenbraue die 500 wichtigsten Tracks dieser Dekade begutachten – oder vielmehr belächeln. Was hier inmitten verdienter Glanztaten an Schrecklichkeiten zu finden ist, deutet durchaus darauf hin, dass Plattenfirmen manch Sänger eine kräftige Fürsprache angedeihen haben lassen. Kelly Clarkson auf Platz 21 kann nur ein wirklich geschmacksverschleimtes Hirn ersinnen. Insgesamt ist diese Liste eine derart dumme, ärgerliche, in die Irre führende Angelegenheit, dass man sie nicht geflissentlich ignorieren kann und darf. Gerade Leute, die sich mit Musik eben kaum bis gar nicht beschäftigen, kommen am Ende durch solch Aufzählung auf den komplett absurden Gedanken, wonach der Mist, den Beyoncé verzapft, tatsächlich die Krone der audiophilen Hochgenusses sei.

Darum wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten hier eine in jeder Hinsicht vielfältigere Auswahl präsentieren.  500 Songs dieser Dekade – in feinster subjektiver Manier handverlesen und durchaus mit einem gerüttelt Maß an objektivem Anspruch. Heute beginnen wir mit den ersten 50 Liedern.

500Tracks(Teil1)

kingdomofrustDovesKingdom Of Rust (2009)

bringmetheworkhorseMy Brightest DiamondWe Were Sparkling (2006)

straightfromthefridgeJames HardwaySpeak Softly (2002)

skilligansislandThirstin Howl IIIWatch Deez (feat. Eminem) (2002)

gulagorkestarBeirutPostcards From Italy (2006)

frenchteenidolFrench Teen IdolShouting Can Have Different Meanings (2005)

addinsulttoinjuryAdd N to (X)Plug Me In (2000)

convictpoolCalexicoAlone Again Or (2004)

pleasedtomeetyouJamesGetting Away With It (All Messed Up) (2001)